Altes Testament

Micha begann seinen Dienst unter Jotam und beendete ihn unter Hiskia. Sein Dienst weist inhaltliche Gemeinsamkeiten mit dem Dienst des Propheten Jesaja auf, wobei Micha ein Mann aus dem Volk war.
 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung
Prinzipien zur Auslegung alttestamentlicher Prophetie
Kurzer historischer Überblick über Michas Zeit
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7

 

 

Einleitung

Das Buch Micha („Wer ist wie er?“, eine Abkürzung des hebräischen Michaja: „Wer ist wie der Herr?“) steht an sechster Stelle der abschließenden Reihe von Prophetenbüchern des Alten Testamentes vom Buch Hosea bis zum Buch Maleachi, welche von den Juden in einer Buchrolle unter dem Titel: „Die Zwölf“ zusammengefasst wurde. In unseren deutschen Bibeln werden diese Propheten aufgrund der relativen Kürze ihrer Bücher gegenüber den Büchern Jesaja, Jeremia und Hesekiel als „Die kleinen Propheten“ bezeichnet. Die Bezeichnung ist jedoch nicht ganz glücklich, denn die besagten zwölf Propheten machen trotz der geringeren Länge ihrer Prophetien dennoch zahlreiche wichtige Aussagen. Der Prophet Micha wird, wie nahezu alle anderen „kleinen Propheten“, im Neuen Testament zitiert.

Die Prophetie Michas fügt sich nach ihrer formalen und inhaltlichen Struktur in die Reihe der anderen Prophetien des Alten Testamentes ein. Die Propheten des Alten Testamentes selbst wussten oftmals nicht genau, was die ihnen geoffenbarten Worte in letzter Konsequenz beinhalteten. Sie machten zum einen Aussagen, welche sich in ihrer eigenen Zeit erfüllten und ihnen bei ihren Zeitgenossen Autorität verliehen. Andererseits mussten sie einige Prophetien über die nähere und fernere Zukunft bekanntgeben. Im Neuen Testament wird diese geistliche Tatsache klar bestätigt.

Apg 3,18-24: „Gott aber hat das, was er durch den Mund aller seiner Propheten zuvor verkündigte, dass nämlich der Christus leiden müsse, auf diese Weise erfüllt.
19 So tut nun Buße und bekehrt euch, dass eure Sünden ausgetilgt werden, damit Zeiten der Erquickung vom Angesicht des Herrn kommen
20 und er den sende, der euch zuvor verkündigt wurde, Jesus Christus,
21 den der Himmel aufnehmen muss bis zu den Zeiten der Wiederherstellung alles dessen, wovon Gott durch den Mund aller seiner heiligen Propheten von alters her geredet hat.
22 Denn Mose hat zu den Vätern gesagt: »Einen Propheten wie mich wird euch der Herr, euer Gott, erwecken aus euren Brüdern; auf ihn sollt ihr hören in allem, was er zu euch reden wird«.
23 Und es wird geschehen: Jede Seele, die nicht auf diesen Propheten hören wird, soll vertilgt werden aus dem Volk.
24 Und alle Propheten, von Samuel an und den folgenden, so viele geredet haben, sie haben auch diese Tage im Voraus angekündigt.“

1Pe 1,10-12: „Wegen dieser Errettung haben die Propheten gesucht und nachgeforscht, die von der euch zuteilgewordenen Gnade geweissagt haben.
11 Sie haben nachgeforscht, auf welche und was für eine Zeit der Geist des Christus in ihnen hindeutete, der die für Christus bestimmten Leiden und die darauf folgenden Herrlichkeiten zuvor bezeugte.
12 Ihnen wurde geoffenbart, dass sie nicht sich selbst, sondern uns dienten mit dem, was euch jetzt bekannt gemacht worden ist durch diejenigen, welche euch das Evangelium verkündigt haben im Heiligen Geist, der vom Himmel gesandt wurde – Dinge, in welche auch die Engel hineinzuschauen begehren.“

2Pe 1,20-21: „Dabei sollt ihr vor allem das erkennen, dass keine Weissagung der Schrift von eigenmächtiger Deutung ist.
21 Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Menschen Gottes geredet.“

 

Erst in der Rückschau vom Standpunkt des Neuen Testamentes aus betrachtet können zahlreiche Aussagen der Propheten besser eingeordnet werden, wobei bis zur Wiederkunft des Herrn Jesus Christus in Macht und Herrlichkeit weiterhin viele prophetische Aussagen der Heiligen Schrift rätselhaft bleiben werden. Insbesondere bei der Auslegung biblischer Prophetie müssen wir daher eine demütige Stellung vor dem Herrn einnehmen und uns stets der Tatsache bewusst bleiben, dass die Heilige Schrift in ihrer Gesamtheit wie ein weites Meer ist, dessen Tiefen wir als Menschen nur begrenzt ausloten können. Nur Gott der Vater, der Sohn Jesus Christus und der Geist Gottes wissen alles. Nur ihnen gehört unser Vertrauen, nur ihnen gebührt alles Lob, alle Ehre und alle Herrlichkeit von nun an bis in Ewigkeit.

 

 

Prinzipien zur Auslegung alttestamentlicher Prophetie

Bevor wir an den eigentlichen Text herangehen, möchten wir zunächst einen kurzen Blick auf die wesentlichen Prinzipien alttestamentlicher Prophetie werfen. Sie werden uns das Verständnis des Buches Micha deutlich erleichtern.

Erstens: Ein Prophet in der Bedeutung des Wortes ist ein Mensch, der das Wort eines Anderen an dessen Stelle oder in dessen Auftrag verkündet. So wie in der Bibel die falschen Propheten im Namen des Feindes dessen irreführende Worte und falsche Botschaften verkündigten, so verkündigten die echten Propheten Gottes das wirkliche Gotteswort. Oftmals standen sie dabei als kleine Gruppe oder sogar als Einzelpersonen vor einer zahlenmäßigen Übermacht. Nur selten wurden sie respektiert. Meist wurden sie hart angegriffen, ja sogar verfolgt und umgebracht. Es war im Alten Testament keine Leichtigkeit, ein Prophet Gottes zu sein, sondern es war ein sehr schwerer Dienst.

Zweitens: Es gab im Alten Testament handelnde, redende und schreibende Propheten, welche entweder im Auftrag Gottes gewisse Symbolhandlungen durchzuführen hatten, gewisse Worte verkündigten, Visionen empfingen und/oder die Bücher der Heiligen Schrift für die Nachwelt verfassten. Die Propheten handelten, redeten oder schrieben ihre Bücher dabei unter der unmittelbaren Einwirkung des Heiligen Geistes, welcher sie antrieb und ihnen ihre Handlungsanweisungen erteilte, sowie ihnen ihre Visionen oder Wortprophetien eingab.

Dabei wussten die Propheten Gottes nicht immer genau, was ihre eigenen Worte beinhalteten, sondern sie fragten sich bisweilen selbst, zu welcher Zeit und auf welche Art und Weise die Erfüllung kommen sollte. Teilweise Erfüllungen ihrer Prophetien durften sie zwar erleben, große Teile lagen jedoch in der näheren oder ferneren Zukunft. Ebenso waren sie sich nicht dessen bewusst, dass ihre Prophetien einmal als Teile der gesamten Heiligen Schrift in engem Zusammenhang stehen würden. Sie waren ja meist in ihrem eigenen Wirken durch Raum und Zeit voneinander getrennt.

Das Neue Testament sagt uns deutlich, dass alle Propheten von Samuel bis Maleachi in unterschiedlicher Weise über den Messias Israels und der Welt sowie über die Gemeinde der Gläubigen des neuen Bundes geschrieben haben, ohne sich dessen klar bewusst zu sein. Wir haben die betreffenden Schriftstellen bereits angeführt. Es ist daher keinesfalls so, dass die Gemeinde des Neuen Testamentes im Alten Testament nicht erwähnt wird. Vielmehr sprechen die Worte der alten Propheten unmittelbar in unsere heutige Situation hinein, so dass die Christen bei richtigem Verständnis dieser Prophetien Belehrung, Trost und Hoffnung zum standhaften Ausharren empfangen können.

Rö 15,4: „Denn alles, was zuvor geschrieben worden ist, wurde zu unserer Belehrung zuvor geschrieben, damit wir durch das Ausharren und den Trost der Schriften Hoffnung fassen.“

 

Drittens: Alle damaligen Propheten standen zu ihrer Zeit fest auf dem Boden der Realität. Gott berief sie aus der konkreten Situation ihres eigenen Lebens heraus zum Dienst. Die Berufung der Propheten war teilweise dramatisch wie etwa bei Jesaja oder Hesekiel, welche zuerst ihren Gott in seiner ganzen Herrlichkeit kennenlernen mussten, bevor sie dazu in die Lage versetzt wurden, ihren Dienst tun zu können. In ihren Prophetien hatten sie dann zunächst die konkreten Umstände im Volk Gottes und in der Welt zu analysieren, um danach das Handeln Gottes in Bezug auf diese Umstände zu verkünden.

Diese Verkündigung stieß meist auf Unverständnis und heftigen Widerstand der Zuhörer, denn sie deckte grobe Mängel im Leben des Volkes Gottes auf. Gott selbst legitimierte seine Propheten dadurch, dass er ihnen zu Beginn größtenteils Prophetien für die nähere Zukunft gab, welche sich vor den Augen des Volkes erfüllten. Infolge dieser Erfüllungen hatten die Propheten gottgegebene Autorität und konnten in einem weiteren Schritt Prophetien verkündigen, welche zum Teil weit in die Zukunft des Volkes und weit über ihr eigenes Leben hinausreichten. Diese Prophetien wurden dann von den gläubigen Menschen im Volk angenommen, und ihre Erfüllung als Wort Gottes wurde über Generationen hinweg treu erwartet.

Viertens: Aus dem bisher Gesagten folgt unmittelbar, dass die Prophetien des Alten Testamentes verschiedene Deutungsebenen aufweisen, welche von der Zeit ihrer Entstehung bis in unsere eigene Zeit hinein anwendbar geblieben sind. Wir können heute auf die Jahrtausende zurückblicken. Wir kennen historische Hintergründe der Prophetien, und wir können auch auf bereits erfüllte Prophetien in der Geschichte zurückschauen. Andererseits sind die Worte Gottes nicht nur in der Zeit des jeweiligen Propheten verankert, sondern sie transzendieren oftmals in ihren Aussagen Zeit und Raum.

Manchmal hat genau das gleiche Wort, welches in der Zeit des jeweiligen Propheten gültig war, eine ebenso konkrete Gültigkeit für uns heute. Dies betrifft sowohl Aspekte der christlichen Lehre als auch praktische Aspekte unseres täglichen Wandels im Glauben und unserer täglichen äußeren Umstände. Beachtenswert ist zudem die heilsgeschichtliche Bedeutung zahlreicher alttestamentlicher Prophetien. Dies gilt natürlich auch für den Propheten Micha, welcher über die Situation des Volkes zu seiner Zeit mit Gericht und teilweiser Wiederherstellung bis zur ersten Ankunft des Messias in Israel ebenso geredet hat wie über die Entstehung der neutestamentlichen Gemeinde. Wir hoffen das alles noch zu erkennen.

 

 

Kurzer historischer Überblick über Michas Zeit

Micha war ein Zeitgenosse von Jesaja, Hosea und Amos. Er stammte aus Moreschet-Gat in Juda und wurde deshalb auch „Micha der Moraschiter“ (1,1) genannt. Sein Dienst weist inhaltliche Gemeinsamkeiten mit dem Dienst des Propheten Jesaja auf, wobei Micha ein Mann aus dem Volk war und in einfacherer Sprache redete, während Jesaja wohl von königlicher Abstammung war und am Königshof in Jerusalem ein- und ausging. Jesajas Buch ist ein Kunstwerk der hebräischen Dichtung (außer Kapitel 36-39), während man das Buch Micha als hebräische Prosa bezeichnen könnte. Micha diente ebenso wie Jesaja in der Zeit der Könige Jotam, Ahas und Hiskia von Juda (1,1). Sein Dienst wird somit zeitlich umrahmt von dem Dienst Jesajas, welcher früher begann und auch später endete als Michas Dienst.

Der Prophet Jesaja wurde kurz vor Micha im Todesjahr des Königs Ussija von Juda zum Dienst berufen (Jes 6,1). Es war dies das erste Jahr des Königs Pekach im Norden (2Kö 15,27). Jesaja befand sich somit beim Untergang des Nordreiches bereits 29 Jahre in seinem Dienst. Er diente nach Ussijas Tod in Jerusalem zur Zeit der Könige Jotam (16 Jahre nach 2Kö 15,33), Ahas (16 Jahre nach 2Kö 16,2) und Hiskia (29 Jahre nach 2Kö 18,2) bis in die erste Zeit des Königs Manasse, des Sohnes Hiskias. Sein Dienst dauerte also an für 51 Jahre bis zu Hiskias Tod, danach noch ein wenig mehr unter Manasse. Nach jüdischer Tradition wurde Jesaja von dem gottlosen Manasse hingerichtet.

Das Nordreich Israels fiel im sechsten Jahr Hiskias. Die Assyrer führten die Bewohner in die Gefangenschaft und siedelten ein Mischvolk im Land an, welches später zur Zeit des Herrn Jesus Christus als die Samariter bezeichnet wurde. Nachdem die Assyrer in einer zweiten Offensive unter Sanherib mehr als 40 Städte Judas erobert hatten, standen sie im vierzehnten Jahr Hiskias, also acht Jahre nach dem Untergang Samarias vor Jerusalem.

Wir lesen über die Ereignisse in Jesaja 36-39 und in den Büchern der Könige und Chronika. Die Assyrer scheiterten durch das wunderbare und mächtige Eingreifen der Hand Gottes an der Stadt Jerusalem. In einer einzigen Nacht starben 185.000 Assyrer, und Sanherib musste mit Schimpf und Schande nach Hause abziehen, wo er kurze Zeit später von seinen eigenen Söhnen im Heiligtum seines Götzen ermordet wurde. Jesaja befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits 37 Jahre im Dienst. Hiskia bekam von Gott noch 15 weitere Lebensjahre hinzu und regierte somit insgesamt 29 Jahre.

Micha begann seinen Dienst unter Jotam und beendete ihn unter Hiskia. Wir wissen nicht genau, wie lange sein Dienst die Zeit Jotams überlappte, denn wir kennen nicht den genauen Zeitpunkt seiner Berufung. Ebenso wissen wir nicht genau, wie weit sein Dienst in die Regierungszeit Hiskias hineinreichte, oder ob er vielleicht sogar die gesamte Zeit von Hiskias Königtum abdeckte. Somit können wir die genaue Zeitdauer seines Dienstes nicht bestimmen. Sie könnte maximal 51 Jahre betragen haben. Wahrscheinlich war es aber deutlich weniger. Es könnte dennoch gut möglich sein, dass er den Untergang des Assyrers vor Jerusalem noch persönlich miterlebt hat.

Außerdem dürfen wir Micha den Moraschiter nicht verwechseln mit einem anderen Propheten des Namens Micha. Es war Micha der Sohn Jimlas, und er diente zur Zeit des Königs Ahab im Nordreich und des Königs Josaphat im Südreich, also deutlich früher. Wir finden ihn in 1Kö 22 und in 2Chr 18, wo er den Tod Ahabs weissagte. Er wurde dort von dem falschen Propheten Zedekia ins Gesicht geschlagen und von Ahab ins Gefängnis geworfen. Ob er nach Ahabs Tod wieder freikam, wissen wir nicht.

Das Buch Micha ist aufzuteilen in drei Reden des Propheten, welche er möglicherweise über einen längeren Zeitraum in Israel immer wieder in sinngemäßer Form aussprechen musste. Vielleicht wurden die Reden aber auch als Zusammenfassungen zahlreicher Weissagungen aus mehreren Jahren aufgeschrieben, gewissermaßen als geistliche Bilanz oder Summe des Dienstes Michas.

In der ersten Rede in den Kapiteln 1-2 seines Buches kündigt Micha den Untergang Samarias und Jerusalems an. Das erste Ereignis erlebte er wahrscheinlich noch und wurde dadurch als echter Prophet Gottes autorisiert, das zweite kam erst mehr als 130 Jahre später. Micha tadelt die schrecklichen Umstände im Volk seiner Zeit (er lebte im Südreich, wahrscheinlich in Jerusalem selbst) und weist besonders auf den schlimmen Umgang der Leute mit den Propheten Gottes hin. Das Ende von Kapitel 2 bringt nach dem völligen Zerbruch des Volkes kommenden großen Durchbrecher, den Retter des Volkes, den Herrn Jesus Christus.

In der zweiten Rede in den Kapiteln 3-5 geht er gegen die falschen Propheten und die gottlosen Fürsten an. Kapitel 5 bringt den großen Propheten und ewigen Fürsten Israels, den Retter, den ewigen König des Volkes, den Herrn Jesus Christus. In diesem Buchteil finden wir somit ebenso klare endzeitliche Bezüge wie in den beiden anderen Teilen.

In der dritten Rede in den Kapiteln 6-7 versucht er das Volk noch einmal durch mahnende Worte zur Umkehr zu bringen. Am Ende dieser Rede und somit des gesamten Buches steht eine Antwort des gehorsamen Überrestes in Form eines Gebetes, verbunden mit der Verheißung der Wiederherstellung durch das Erbarmen Gottes. Wir hoffen das alles in unserer nun folgenden kapitelweisen Betrachtung des Textes noch genauer zu sehen. Die Verszählung innerhalb des Buches Micha und alle anderen Schriftzitate sind hierbei der Bibelübersetzung in der Version Schlachter 2000 entnommen.

 

 

Kapitel 1

Im ersten Vers sehen wir zusammengefasst die Herkunft Michas und die Zeitdauer sowie das Blickfeld seines Dienstes. Vers 2 bringt allen Völkern die Aufforderung zuzuhören, was der Prophet Gottes zu sagen hat. Gott redet hier von seinem heiligen Tempel aus, spricht von seinem Thron auf dem Versammlungsberg im äußersten Norden. Dieser Thron steht von Ewigkeit zu Ewigkeit, siehe hierzu unseren Text: „Gottes Herrschaft und sein Thron“ unter: www.DieLetzteStunde.de. Schon der Satan wollte vor der Erschaffung des Menschen diesen Thron erobern. Es war sein Untergang, denn er wurde auf die Erde geworfen und wird zuletzt für ewig im Totenreich enden.

Jes 14,13-15: „Und doch hattest du dir in deinem Herzen vorgenommen: ›Ich will zum Himmel emporsteigen und meinen Thron über die Sterne Gottes erhöhen und mich niederlassen auf dem Versammlungsberg im äußersten Norden;
14 ich will emporfahren auf Wolkenhöhen, dem Allerhöchsten mich gleichmachen!‹
15 Doch ins Totenreich bist du hinabgestürzt, in die tiefste Grube!“

 

Gott selbst tritt hier als Zeuge auf gegen alle Nationen. Sie sollen aufmerken und sich Gottes Worte zu Herzen nehmen. Damals waren es die Nationen der bekannten Erde zur Zeit des Propheten, also der Bereich von Ägypten bis Assyrien. Auch andere Propheten (Jesaja, Jeremia, Hesekiel) benutzten die Namen dieser Nationen, wenn sie sinngemäß von den Enden der Erde redeten. In geistlicher Anwendung auf unsere Zeit ist wieder die ganze Erde im Blickfeld Gottes, so dass die Worte uns allen gelten. Sie haben entsprechend den vorstehend erläuterten Prinzipien der Prophetie eine Bedeutung für alle Menschen zu allen Zeiten, von der Zeit des damaligen Israel bis hin zum Ende der Welt. Wir werden das im weiteren Verlauf erkennen.

Die Verse 3-4 bringen uns eine sehr ähnliche Szene wie Hab 3,3-12. Es wird hier schon in poetischer Sprache der kommende Untergang von Samaria und später Jerusalem angedeutet. Dieser Untergang war natürlich nicht mit geographischen Phänomenen verbunden, wie sie unsere Stelle schildert. Diese Phänomene werden sich erst am letzten Tag der Weltgeschichte ereignen, wenn der Herr wirklich die Erde im Feuer zerschmelzen wird. Dann wird ein weltweites Erdbeben geschehen, es werden die Berge buchstäblich zerschmelzen, und Feuerströme werden die Erde überfluten.

Jes 2,19-21: „Und man wird sich in Felshöhlen und Erdlöcher verkriechen aus Furcht vor dem HERRN und vor der Herrlichkeit seiner Majestät, wenn er sich aufmachen wird, um die Erde zu schrecken.
20 An jenem Tag wird der Mensch seine silbernen Götzen und seine goldenen Götzen, die jeder sich gemacht hat, um sie anzubeten, den Maulwürfen und Fledermäusen hinwerfen,
21 um sich zu verkriechen in die Felsspalten und Steinklüfte aus Furcht vor dem HERRN und der Herrlichkeit seiner Majestät, wenn er sich aufmachen wird, um die Erde in Schrecken zu versetzen.“

2Pe 3,10-13: „Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb in der Nacht; dann werden die Himmel mit Krachen vergehen, die Elemente aber vor Hitze sich auflösen und die Erde und die Werke darauf verbrennen.
11 Da nun dies alles aufgelöst wird, wie sehr solltet ihr euch auszeichnen durch heiligen Wandel und Gottesfurcht,
12 indem ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und ihm entgegeneilt, an welchem die Himmel sich in Glut auflösen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden!
13 Wir erwarten aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt.“

Off 6,12-17: „Und ich sah, als es das sechste Siegel öffnete, und siehe, ein großes Erdbeben entstand, und die Sonne wurde schwarz wie ein härener Sack, und der Mond wurde wie Blut;
13 und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, wie ein Feigenbaum seine unreifen Früchte abwirft, wenn er von einem starken Wind geschüttelt wird.
14 Und der Himmel entwich wie eine Buchrolle, die zusammengerollt wird, und alle Berge und Inseln wurden von ihrem Ort weggerückt.
15 Und die Könige der Erde und die Großen und die Reichen und die Heerführer und die Mächtigen und alle Knechte und alle Freien verbargen sich in den Klüften und in den Felsen der Berge,
16 und sie sprachen zu den Bergen und zu den Felsen: Fallt auf uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes!
17 Denn der große Tag seines Zorns ist gekommen, und wer kann bestehen?“

 

Zur Zeit des damaligen Israel und auch in unserer Zeit war bzw. ist dies alles noch nicht Realität geworden. Das führt uns unmittelbar zu einer geistlichen Deutung, sowohl für Israel damals als auch für uns heute.

Die Schrift redet im Alten und Neuen Testament an verschiedenen Stellen über Berge und Höhen, bisweilen auch über Sterne, und vergleicht sie mit den großen Herrschern der Erde oder mit ihren Reichen. Eine andere Bedeutung ist die der Höhen und Berge des menschlichen Hochmuts, welchem die Täler des menschlichen Leidens und der Demütigung gegenüberstehen. Alle diese Dinge wird Gott angreifen. Er hat es in der Vergangenheit ebenso getan wie in der Gegenwart, und er wird es am Ende dieser Weltzeit endgültig tun. Der Herr Jesus Christus, der Messias Israels und der Welt selbst ist nämlich der Stein, der die Reiche aller Welt zerschlagen hat. Er hat sein ewiges Reich schon längst gegründet in seiner Auferstehung aus den Toten und seiner Himmelfahrt. Er ist der Fels, der alle Berge zerschmettern wird und die ganze Erde einnehmen wird in der neuen und ewigen Schöpfung.

Ps 23,4 (der Herr Jesus Christus selbst und die Gläubigen in der Erniedrigung bis zum Tod): „Und wenn ich auch wanderte durchs Tal der Todesschatten, so fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir; dein Stecken und dein Stab, die trösten mich.“

Jes 32,1-2 (der Messias Israels, der Herr Jesus Christus): „Siehe, ein König wird in Gerechtigkeit regieren, und Fürsten werden gemäß dem Recht herrschen;
2 und ein Mann wird sein wie ein Bergungsort vor dem Wind und wie ein Schutz vor dem Unwetter, wie Wasserbäche in einer dürren Gegend, wie der Schatten eines mächtigen Felsens in einem erschöpften Land.“

Jes 40,3-5 (der Herr): „Die Stimme eines Rufenden [ertönt]: In der Wüste bereitet den Weg des HERRN, ebnet in der Steppe eine Straße unserem Gott!
4 Jedes Tal soll erhöht und jeder Berg und Hügel erniedrigt werden; was uneben ist, soll gerade werden, und was hügelig ist, zur Ebene!
5 Und die Herrlichkeit des HERRN wird sich offenbaren, und alles Fleisch miteinander wird sie sehen; denn der Mund des HERRN hat es geredet.“

Luk 3,5-6 (der Herr): „Jedes Tal soll ausgefüllt und jeder Berg und Hügel erniedrigt werden, und das Krumme soll gerade und die holprigen Wege eben werden;
6 und alles Fleisch wird das Heil Gottes sehen.«“

Jes 44,8 (der Herr): „Fürchtet euch nicht und erschreckt nicht! Habe ich es dir nicht schon längst verkündet und dir angekündigt? Ihr seid meine Zeugen! Gibt es einen Gott außer mir? Nein, es gibt sonst keinen Fels, ich weiß keinen!“

Jer 46,18 (Nebukadnezar): „So wahr ich lebe, spricht der König, dessen Name HERR der Heerscharen ist: So gewiss wie der Tabor unter den Bergen und wie der Karmel am Meer ist, so wird er kommen!“

Jer 51,25 (Nebukadnezar): „Siehe, ich komme über dich, spricht der HERR, du Berg des Verderbens, der du die ganze Erde verdirbst; und ich lege meine Hand an dich und wälze dich von den Felsen herunter und mache dich zu einem verbrannten Berg, …“

Off 8,8+10+11 (Babylon die Große und ihre Herrscher, also alle Machtsysteme der Welt; die Großmächte werden verbrannt und gehen im Völkermeer der Nationen unter): „Und der zweite Engel stieß in die Posaune, und es wurde etwas wie ein großer, mit Feuer brennender Berg ins Meer geworfen; und der dritte Teil des Meeres wurde zu Blut,
10 Und der dritte Engel stieß in die Posaune; da fiel ein großer Stern vom Himmel, brennend wie eine Fackel, und er fiel auf den dritten Teil der Flüsse und auf die Wasserquellen;
11 und der Name des Sternes heißt Wermut. Und der dritte Teil der Gewässer wurde zu Wermut, und viele Menschen starben von den Gewässern, weil sie bitter geworden waren.“

Dan 2,44-45 (der Herr): „Aber in den Tagen jener Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das in Ewigkeit nicht untergehen wird; und sein Reich wird keinem anderen Volk überlassen werden; es wird alle jene Königreiche zermalmen und ihnen ein Ende machen; es selbst aber wird in Ewigkeit bestehen;
45 ganz so, wie du gesehen hast, dass sich von dem Berg ein Stein ohne Zutun von Menschenhänden losriss und das Eisen, das Erz, den Ton, das Silber und das Gold zermalmte. Der große Gott hat den König wissen lassen, was nach diesem geschehen soll. Und der Traum ist zuverlässig, und seine Deutung steht fest!“

 

So ist es auch hier bei Micha. Die Weissagung fokussiert sich in den Versen 5-8 auf Samaria und Jerusalem. Sie sind zunächst einmal die beiden Berge des Hochmuts und des Götzendienstes, der Selbstherrlichkeit und des Unrechts, welche der Herr durch die kommenden Gerichte einebnen wird. In Samaria ist die gesamte Übertretung des Nordreiches (Israels, Jakobs) zusammengefasst oder sogar personifiziert, in Jerusalem ist es die Übertretung des Südreiches (Vers 5).

Vers 6 bringt die Zerstörung Samarias, die Steine werden abgebrochen und aus der Höhe ins tiefe Tal hinuntergeworfen. Dies wird Erniedrigung des Hochmuts sein. Der gedemütigte Landstrich wird eine Pflanzstätte für Weinberge werden. Das wird geschehen sowohl tatsächlich im damaligen Land durch den kommenden Assyrer, als auch in späterer Erfüllung durch das Kommen des wahren Weinstocks Israels und der Welt, des Herrn Jesus Christus.

So sagt es die Lehre der Heiligen Schrift über den Weinberg Gottes. Der Herr hat sich einen Weinstock aus Ägypten herausgebracht und ihn in Israel gepflanzt. Der alttestamentliche Weinberg Gottes wird in Jesaja 5 eindeutig als das irdische Volk Israel bezeichnet. Dieser Weinberg trug nur schlechte Früchte und war endgültig zur Vernichtung bestimmt.

Ps 80,9-11: „Einen Weinstock hast du aus Ägypten herausgebracht; du hast die Heidenvölker vertrieben und ihn gepflanzt.
10 Du machtest Raum vor ihm, dass er Wurzeln schlug und das Land erfüllte;
11 sein Schatten bedeckte die Berge und seine Ranken die Zedern Gottes;“

Jer 2,20-21: „Denn vor langer Zeit habe ich dein Joch zerbrochen und deine Bande zerrissen; aber du hast gesagt: »Ich will nicht dienen!« Ja, du hast dich auf allen hohen Hügeln und unter allen grünen Bäumen als Hure hingestreckt!
21 Und doch hatte ich dich gepflanzt als eine Edelrebe von ganz echtem Samen; wie hast du dich mir verwandeln können in wilde Ranken eines fremden Weinstocks?“

Jer 12,10-11: „Viele Hirten haben meinen Weinberg verwüstet und meinen Acker zertreten; meinen kostbaren Acker haben sie zur öden Wüste gemacht.
11 Man hat ihn verheert; verwüstet trauert er vor mir. Das ganze Land liegt wüst, denn niemand nahm es sich zu Herzen.“

 

Der Weinberg befindet sich zu verschiedenen Zeiten in der Hand böser Weingärtner. Nach den schrecklichen Zerstörungen, die ihn heimsuchen werden, wird der Weinberg nach der Hilfe seines Gottes rufen. Schließlich wird der Weinberg am Ende gute Frucht hervorbringen und die Erde erfüllen.

Jes 3,14: „Der HERR geht ins Gericht mit den Ältesten seines Volkes und mit dessen Führern: Ihr habt den Weinberg kahl gefressen; was ihr dem Elenden geraubt habt, ist in euren Häusern!“

Mt 21,33-43: „Hört ein anderes Gleichnis: Es war ein gewisser Hausherr, der pflanzte einen Weinberg, zog einen Zaun darum, grub eine Kelter darin, baute einen Wachtturm, verpachtete ihn an Weingärtner und reiste außer Landes.
34 Als nun die Zeit der Früchte nahte, sandte er seine Knechte zu den Weingärtnern, um seine Früchte in Empfang zu nehmen.
35 Aber die Weingärtner ergriffen seine Knechte und schlugen den einen, den anderen töteten sie, den dritten steinigten sie.
36 Da sandte er wieder andere Knechte, mehr als zuvor; und sie behandelten sie ebenso.
37 Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen und sprach: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen!
38 Als aber die Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie untereinander: Das ist der Erbe! Kommt, lasst uns ihn töten und sein Erbgut in Besitz nehmen!
39 Und sie ergriffen ihn, stießen ihn zum Weinberg hinaus und töteten ihn.
40 Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt, was wird er mit diesen Weingärtnern tun?
41 Sie sprachen zu ihm: Er wird die Übeltäter auf üble Weise umbringen und den Weinberg anderen Weingärtnern verpachten, welche ihm die Früchte zu ihrer Zeit abliefern werden.
42 Jesus spricht zu ihnen: Habt ihr noch nie in den Schriften gelesen: »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn ist das geschehen, und es ist wunderbar in unseren Augen«?
43 Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch genommen und einem Volk gegeben werden, das dessen Früchte bringt.“

Ps 80,12-20: „Er streckte seine Zweige aus bis ans Meer und seine Schoße bis zum Strom.
13 Warum hast du nun seine Mauer niedergerissen, dass alle ihn zerpflücken, die vorübergehen?
14 Der Eber aus dem Wald zerwühlt ihn, und die wilden Tiere des Feldes weiden ihn ab.
15 O Gott der Heerscharen, kehre doch zurück! Blicke vom Himmel herab und sieh, und nimm dich dieses Weinstocks an
16 und des Setzlings, den deine Rechte gepflanzt, des Sohnes, den du dir großgezogen hast!
17 Er ist mit Feuer verbrannt, er ist abgeschnitten, vor dem Schelten deines Angesichts sind sie umgekommen!
18 Deine Hand sei über dem Mann deiner Rechten, Über dem Sohn des Menschen, den du dir großgezogen hast,
19 so werden wir nicht von dir weichen. Belebe uns, so wollen wir deinen Namen anrufen!
20 O HERR, Gott der Heerscharen, stelle uns wieder her! Lass dein Angesicht leuchten, so werden wir gerettet!“

Jes 27,2-6: „An jenem Tag [wird man sagen]: Ein Weinberg von feurigen Weinen! Besingt ihn!
3 Ich, der HERR, behüte ihn und bewässere ihn zu jeder Zeit; ich bewache ihn Tag und Nacht, damit sich niemand an ihm vergreift.
4 Zorn habe ich keinen. Wenn ich aber Dornen und Disteln darin fände, so würde ich im Kampf darauf losgehen und sie allesamt verbrennen!
5 Es sei denn, dass man Schutz bei mir suchte, dass man Frieden mit mir machte, ja, Frieden machte mit mir.
6 In zukünftigen Zeiten wird Jakob Wurzel schlagen, Israel wird blühen und grünen, und sie werden den ganzen Erdkreis mit Früchten füllen.“

Die letztgenannte Schriftstelle kann nur völlig verstanden werden im Zusammenhang mit

Joh 15,1-7: „Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner.
2 Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; jede aber, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt.
3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.
4 Bleibt in mir, und ich [bleibe] in euch! Gleichwie die Rebe nicht von sich selbst aus Frucht bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun.
6 Wenn jemand nicht in mir bleibt, so wird er weggeworfen wie die Rebe und verdorrt; und solche sammelt man und wirft sie ins Feuer, und sie brennen.
7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch zuteilwerden.“

 

Der Herr Jesus Christus ist der wahre Weinstock. Das Identitätszentrum der Gläubigen des Neuen Testamentes sind nicht mehr das irdische Land Israel im mittleren Osten und das irdische Volk Israel, sondern es ist der Herr selbst. So wie im Rückblick auf Ps 80,9-11 das irdische Volk Israel im Alten Testament als der Weinstock Gottes aus Ägypten herausgebracht wurde und in Israel Wurzeln schlug, so wurde auch im Neuen Testament der wahre Israel, der wahre Weinstock, der Herr Jesus Christus, aus Ägypten (wohin er mit seinen Eltern vor Herodes geflohen war) nach Israel herausgeführt und schlug dort Wurzeln in Jes 11,1-2.

Der Leib Christi, also der wahre Weinstock mit seinen Reben, ist bereits heute über die ganze Erde ausgebreitet, obwohl das Reich Gottes in seiner äußeren Form noch nicht die Herrschaft über die Welt innehat. Noch herrscht der Fürst dieser Welt über die Systeme dieser Welt. Das wird sich aber bei der Wiederkunft des Herrn ändern. Dann wird die alte Welt vergehen und eine neue Welt geschaffen werden. Das Reich des Herrn ist nicht von dieser Welt (Joh 18,36), sondern es wird erst in der neuen und ewigen Schöpfung die ganze Welt sichtbar einnehmen und beherrschen. Dann wird der wahre Weinstock (der Herr Jesus Christus) zusammen mit allen seinen Reben (den Gläubigen aller Zeiten) die neue Erde erfüllen und für immer bewohnen. Die ganze neue Schöpfung wird der auf ewig vollkommene Garten und Weinberg Gottes sein.

Vers 7 bringt uns die Zerstörung aller Götzenbilder, und zwar in Verbindung mit dem Begriff des Hurenlohns. Die geistliche Verbindung ist klar, denn Götzendienst war und ist aus Gottes Sicht Ehebruch. Es war damals der Ehebruch der Frau Gottes im Alten Testament, nämlich der irdischen Nation Israel. Heute ist es der Götzendienst der toten Namenschristenheit, welche den Namen des Herrn zwar äußerlich noch trägt, den Herrn aber in ihrem Herzen längst verlassen und sich allen möglichen Götzen zugewandt hat. Auch über sie wird am Ende das Weltgericht kommen müssen. Dann werden die Götzen weggeworfen werden.

2Tim 3,1-5: „Das aber sollst du wissen, dass in den letzten Tagen schlimme Zeiten eintreten werden.
2 Denn die Menschen werden sich selbst lieben, geldgierig sein, prahlerisch, überheblich, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, unheilig,
3 lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, unbeherrscht, gewalttätig, dem Guten feind,
4 Verräter, leichtsinnig, aufgeblasen; sie lieben das Vergnügen mehr als Gott;
5 dabei haben sie den äußeren Schein von Gottesfurcht, deren Kraft aber verleugnen sie. Von solchen wende dich ab!“

2Tim 4,3-4: „Denn es wird eine Zeit kommen, da werden sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern sich selbst nach ihren eigenen Lüsten Lehrer beschaffen, weil sie empfindliche Ohren haben;
4 und sie werden ihre Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Legenden zuwenden.“

Jes 2,17-18: „Und der Hochmut des Menschen wird gebeugt und der Stolz des Mannes gedemütigt werden; der HERR aber wird allein erhaben sein an jenem Tag.
18 Und die nichtigen Götzen werden gänzlich verschwinden.“

 

Die Verse 8-16 bringen eine tiefe und herzzerreißende Klage des Propheten, welche uns fast an die Klagelieder Jeremias erinnert. Die Propheten Gottes mussten oftmals ihre Botschaften auf diese Art und Weise bringen. Das Volk sollte dadurch eindringlich auf den tiefen Ernst der Prophetien und auf die schrecklichen Folgen hingewiesen werden, wenn es nicht umkehren würde.

Der Prophet muss vor dem Volk entblößt einhergehen (Vers 8), so wie das Volk selbst durch seine Sünden vor Gott entblößt ist. Er heult wie die Schakale, in der Schrift ein Bild der Verlassenheit und der völligen Verödung. Er trauert wie der Strauß, welcher bei Furcht oder Trauer den Kopf in den Staub steckt. Der Mensch ist vom Staub genommen, und er soll sich in wahrer Buße vor Gott wieder dieser Tatsache bewusst werden. Echte Umkehr beinhaltet die Demütigung des Sünders vor Gott in den Staub. Die Büßer im Alten Testament warfen buchstäblich Staub und Asche auf ihr Haupt. Abraham wusste, dass er Staub und Asche war. Der Herr wurde vom Vater in den Staub des Todes gelegt, als er unsere Sünden trug. Zu diesem Todesstaub werden einmal ewig alle Menschen zurückkehren müssen, nachdem sie den Ruf Gottes im Evangelium und das Angebot seiner Vergebung ein für alle Mal abgelehnt haben.

1Mo 2,7: „Da bildete Gott der HERR den Menschen, Staub von der Erde, und blies den Odem des Lebens in seine Nase, und so wurde der Mensch eine lebendige Seele.“

1Mo 3,17-19: „Und zu Adam sprach er: Weil du der Stimme deiner Frau gehorcht und von dem Baum gegessen hast, von dem ich dir gebot und sprach: »Du sollst nicht davon essen!«, so sei der Erdboden verflucht um deinetwillen! Mit Mühe sollst du dich davon nähren dein Leben lang;
18 Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Gewächs des Feldes essen.
19 Im Schweiße deines Angesichts sollst du [dein] Brot essen, bis du wieder zurückkehrst zum Erdboden; denn von ihm bist du genommen. Denn du bist Staub, und zum Staub wirst du wieder zurückkehren!“

1Mo 18,27: „Und Abraham antwortete und sprach: Ach siehe, ich habe es gewagt, mit dem Herrn zu reden, obwohl ich nur Staub und Asche bin!“

Ps 22,16: „Meine Kraft ist vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt an meinem Gaumen, und du legst mich in den Staub des Todes.“

Jes 47,1: „Steige herab und setze dich in den Staub, o Jungfrau, Tochter Babel! Setze dich auf die Erde, ohne Thron, du Tochter der Chaldäer! Denn man wird dich nicht mehr die Verwöhnte und Verzärtelte nennen.“

Jer 17,13: „HERR, du Hoffnung Israels! Alle, die dich verlassen, müssen zuschanden werden! Ja, die, welche von mir weichen, werden auf die Erde geschrieben werden; denn sie haben den HERRN verlassen, die Quelle lebendigen Wassers!“

Off 18,19: „Und sie warfen Staub auf ihre Häupter und riefen weinend und trauernd: Wehe, wehe!, die große Stadt, in der alle, die Schiffe auf dem Meer hatten, reich gemacht wurden durch ihren Wohlstand! Denn in einer Stunde ist sie verwüstet worden!“

 

In Vers 9 ist die Wunde Samarias und Judas unheilbar, das ganze Land ist gewissermaßen eine Wunde. Diese Wunde ist der Ausdruck der völligen Sündhaftigkeit des Volkes, welche wir auch bei den Propheten Jesaja und Hosea deutlich finden können. Der Herr Jesus Christus selbst wurde vor seiner Kreuzigung gegeißelt und dadurch völlig zerschlagen. Sein Leib blutete aus tausend Wunden. Der Herr kam leiblich in den Zustand, welcher dem geistlichen Zustand des Volkes entsprach, das er durch seinen Tod erlöste. Mit seinem Blut bezahlte er unsere Sünden, durch seine Wunden sind wir geheilt.

Jes 1,5-6: „Wohin soll man euch noch schlagen, da ihr doch den Abfall nur noch weiter treibt? Das ganze Haupt ist krank, und das ganze Herz ist kraftlos.
6 Von der Fußsohle bis zum Scheitel ist nichts Unversehrtes an ihm, sondern klaffende Wunden und Striemen und frische Verletzungen, die nicht ausgedrückt, noch verbunden, noch mit Öl gelindert sind.“

Hos 7,1: „Wenn ich Israel heilen will, so offenbaren sich Ephraims Schuld und die Übel Samarias; denn sie verüben Betrug, und der Dieb dringt ein, und Räuberbanden plündern draußen.“

Jes 53,4-5: „Fürwahr, er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen; wir aber hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt.
5 Doch er wurde um unserer Übertretungen willen durchbohrt, wegen unserer Missetaten zerschlagen; die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt worden.“

 

In Vers 10 sollen sie in Gat (das ist bei den Philistern) das Elend des Volkes auf keinen Fall verkündigen. Gott möchte die Dinge mit seinem Volk ausmachen. Sein Name sollte nicht dadurch verunehrt werden, dass die feindliche Nation der Philister über alles informiert ist, was im Volk Gottes vor sich geht. Sie würden Gott dafür lästern.

Die Namen der Orte in den folgenden Versen sind kennzeichnend für den geistlichen Zustand der Bewohner. Beth Leaphra (Haus des Staubes) in Vers 10 soll sich im Staub wälzen, es soll zu echter Buße kommen, oder es wird in den Staub gelegt werden vom Assyrer. Schaphir (Schönstadt) in Vers 11 wird der Schönheit und Eitelkeit beraubt und entblößt werden. Die Leute von Zaanan (Auszug) können aus Furcht vor dem Feind nicht mehr ausziehen. Beth-Ezel (Haus an der Seite, hier gedeutet in der Nähe von Jerusalem, wo es lag) wird kein geeigneter Zufluchtsort sein.

Die Leute von Maroth (Bitterkeit) in Vers 12 werden das bittere Unheil des Krieges auf sich herabkommen sehen und ihm auch vor den Toren Jerusalems nicht entfliehen können. Dies hat sich in späterer Zeit bei der Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier erfüllt. Lachis in Vers 13 spielt im Hebräischen auf Rosse (Lachisch) zum Kampf oder zur schnellen Flucht an. Sie werden nicht mehr entfliehen, denn von ihnen ist die Sünde ausgegangen und hat letztlich Jerusalem erreicht. Sünde beginnt häufig an einer bestimmten Stelle und breitet sich dann schnell aus. Das ist hier der Gedanke.

Moreschet-Gat (Besitz von Gat) und Achsib (Trug) stehen in Vers 14. Der Besitz Israels ist besonders für die Reichen und die Könige Israels nur Trug, denn in Vers 15 wird das Land einen anderen Besitzer bekommen. Dies gilt für die Bevölkerung von Marescha (Besitz, hier also ein Bild für die wohlhabende Gesellschaft) in Vers 15. Die Herrlichkeit Israels (die Edlen Israels) werden bis Adullam (abgeschlossener oder verborgener Ort, auch ein möglicher Ort für ein Gefängnis) kommen, das bedeutet, dass sie in die Gefangenschaft gehen werden.

In Vers 16 kommt dann auch genau dieses in klarer Sprache zum Ausdruck. Der Prophet bringt seine tiefe Trauer zum Ausdruck. Er fordert das Volk auf, sich die Haare abzuscheren und ebenfalls zu trauern vor Gott. Sie werden weggeführt, und sie werden es nicht abwenden. Tiefe Trauer wird das Los der Vertriebenen sein, weil sie auf die Trauer des Propheten und auf seine Botschaft nicht geachtet haben.

 

 

Kapitel 2

Es gibt verschiedene Dinge, welche Gott immer wieder zu äußerstem Zorn gereizt haben, welche wie ein Rauch in seiner Nase waren, und welche er überhaupt nicht leiden kann. Einige davon werden uns in diesem Kapitel genannt: Hinterlist, Gemeinheit, Grausamkeit und Brutalität gegenüber Schwachen, Habgier, Ungerechtigkeit, und schließlich und vor allem auch die Misshandlung seiner Propheten. Auf diese Dinge wird früher oder später Gericht folgen.

In Vers 1 verwenden die Übeltäter die Zeiten ihrer Ruhe und Besinnung in der Nacht dazu, alle Arten von Bosheiten zu ersinnen. Sie sind sehr erfinderisch darin, sie machen sich wirklich ausführlich Gedanken, und sie setzen das Ganze auch konsequent in die Praxis um.

In Vers 2 sind sie brutale Räuber, sie nehmen dem Schwachen einfach seinen Besitz weg, wie es zum Beispiel Ahab und Isebel mit dem Weinberg Nabots in 1Kö 21 getan haben. Zu diesen Dingen gesellen sich dann auch noch Gewalttaten, Übervorteilung und Betrug der Arglosen und listige Ausbeutung der Armen. Gott hasst diese Dinge, und er wird wirklich böse, wenn er sie sieht.

Deshalb nimmt Gott sich auch in Vers 3 Böses gegen die Übeltäter vor. Es wird eine böse Zeit für sie kommen. Gott wird eine Schlinge bereiten, aus welcher sie ihre Hälse nicht mehr herausziehen werden. Ihre eigenen Taten werden ihnen selbst zum Fallstrick werden. Wer anderen eine Grube gräbt, fällt am Ende selbst hinein. Es mag lange dauern, aber es kommt. Gott ist vollkommen gerecht. Er vergisst nichts, und er wird alles in Vollkommenheit richten.

Die Verwüstung wird kommen, und man wird klagen: „Es ist geschehen“. Dieser Ruf wird nicht nur über Israel kommen, sondern am Ende dieser Weltzeit wird er über die ganze Erde ausgerufen werden, wenn die Schalen Gottes über die endgültig gerichtsreife Erde kommen. Auch in unserer Zeit hat die Ungerechtigkeit weltweit in dramatischer Art und Weise überhandgenommen. Niemand weiß, wie lange Gott noch zusehen wird, bevor er eingreift. Wird es noch immer ein vorläufiges Gericht sein, oder wird es diesmal das Endgericht werden? Die Christen sollen ausharren und nicht müde werden bis zum Ende. Der Lohn wird groß sein.

Off 16,17-18: „Und der siebte Engel goss seine Schale aus in die Luft; und es ging eine laute Stimme aus vom Tempel des Himmels, vom Thron her, die sprach: Es ist geschehen!
18 Und es geschahen Stimmen und Donner und Blitze, und ein großes Erdbeben geschah, wie es dergleichen noch nie gegeben hat, seit es Menschen gab auf Erden, ein solch gewaltiges und großes Erdbeben.“

Mt 24,11-14: „Und es werden viele falsche Propheten auftreten und werden viele verführen.
12 Und weil die Gesetzlosigkeit überhandnimmt, wird die Liebe in vielen erkalten.
13 Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden.
14 Und dieses Evangelium vom Reich wird in der ganzen Welt verkündigt werden, zum Zeugnis für alle Heidenvölker, und dann wird das Ende kommen.“

 

Das Erbteil des Volkes wird dem Feind gegeben. Mit dem Besitz der Übeltäter wird Gott genau das tun, was sie selbst mit dem Besitz der Armen getan haben. Er wird es ihnen wegnehmen und es anderen geben, auch wenn sie auch noch so schreien, jammern und klagen. Sie werden am eigenen Leib erfahren, wie es denen ergangen ist, die sie beraubt haben. In Vers 5 wird ihnen niemand die Messschnur werfen bei der Verteilung des Erbteils im Land in der Versammlung des Herrn. Hier schimmert ebenfalls ein heilsgeschichtlicher Gedanke durch.

Der Herr wurde seiner Heimat in Israel und seines Besitzes beraubt, als man ihn in Nazareth aus der Synagoge und aus der Stadt hinauswarf. Er zog durch das Land und hatte keinen Ort, an dem er sein Haupt niederlegen konnte. In seinem Tod bezahlte er die Sünden der Glaubenden seiner Gemeinde. Er ging in das Paradies ein, ihm fielen die Messschnüre in den lieblichen himmlischen Örtern, er trat sein herrliches und ewiges Erbe im Land der Lebendigen an. Nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt sammelt er durch das Werk des Heiligen Geistes seine Gemeinde, die an ihn glaubt und ihm von Herzen dient. Auch dieser Gemeinde ist ein unverwelkliches Erbe verheißen. Jedem Gläubigen wird die Messschnur seines Erbes in der Versammlung des Herrn fallen, und sein Erbe wird ihm ausgeteilt werden.

Ps 16,5-11: „Der HERR ist mein Erbteil und das [Teil] meines Bechers; du sicherst mir mein Los.
6 Die Messschnüre sind mir in einer lieblichen Gegend gefallen, ja, mir wurde ein schönes Erbe zuteil.
7 Ich lobe den HERRN, der mir Rat gegeben hat; auch in der Nacht mahnt mich mein Inneres.
8 Ich habe den HERRN allezeit vor Augen; weil er zu meiner Rechten ist, wanke ich nicht.
9 Darum freut sich mein Herz, und meine Seele frohlockt; auch mein Fleisch wird sicher ruhen,
10 denn du wirst meine Seele nicht dem Totenreich preisgeben und wirst nicht zulassen, dass dein Getreuer die Verwesung sieht.
11 Du wirst mir den Weg des Lebens zeigen; vor deinem Angesicht sind Freuden in Fülle, liebliches Wesen zu deiner Rechten ewiglich!“

Ps 22,23-29: „So will ich meinen Brüdern deinen Namen verkündigen; inmitten der Gemeinde will ich dich loben!
24 Die ihr den HERRN fürchtet, lobt ihn! Ihr alle vom Samen Jakobs, ehrt ihn; und scheue dich vor ihm, du ganzer Same Israels!
25 Denn er hat nicht verachtet noch verabscheut das Elend des Armen, und hat sein Angesicht nicht vor ihm verborgen, und als er zu ihm schrie, erhörte er ihn.
26 Von dir soll mein Loblied handeln in der großen Gemeinde; ich will meine Gelübde erfüllen vor denen, die ihn fürchten!
27 Die Elenden sollen essen und satt werden; die den HERRN suchen, werden ihn loben; euer Herz soll ewiglich leben!
28 Daran werden gedenken und zum HERRN umkehren alle Enden der Erde, und vor dir werden anbeten alle Geschlechter der Heiden.
29 Denn das Königreich gehört dem HERRN, und er ist Herrscher über die Nationen.“

1Pe 1,3-7: „Gelobt sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns aufgrund seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten,
4 zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das im Himmel aufbewahrt wird für uns,
5 die wir in der Kraft Gottes bewahrt werden durch den Glauben zu dem Heil, das bereit ist, geoffenbart zu werden in der letzten Zeit.
6 Dann werdet ihr euch jubelnd freuen, die ihr jetzt eine kurze Zeit, wenn es sein muss, traurig seid in mancherlei Anfechtungen,
7 damit die Bewährung eures Glaubens (der viel kostbarer ist als das vergängliche Gold, das doch durchs Feuer erprobt wird) Lob, Ehre und Herrlichkeit zur Folge habe bei der Offenbarung Jesu Christi.“

 

Vers 6 redet über die schlechte Behandlung der wahren Propheten Gottes durch das abtrünnige Volk. Jesaja lebte am Königshof in Jerusalem. Er wurde von Jotam geduldet, von Ahas skeptisch beäugt, von Hiskia wieder geduldet und in der Not sogar um Hilfe angerufen. Schließlich wurde er höchstwahrscheinlich von Manasse ermordet.

Jeremia hatte ein schweres und elendes Los inmitten eines völlig gottlosen Volkes zu tragen. Seine eigene Familie hasste und verjagte ihn. Er hatte nicht einmal eine Frau, die ihm Trost und Gemeinschaft geben konnte. Die Menschen erklärten ihn für wahnsinnig. Sie verübten Anschläge auf ihn. Er wurde verhöhnt, angeschrien, geschlagen, eingesperrt, nach Ägypten verschleppt und dort wahrscheinlich umgebracht.

Hesekiel war ebenso ein Sonderling. Er wurde vom Volk ausgegrenzt und verspottet, bis seine Weissagungen eintrafen. Amos verbot man zu reden, Hosea stellte man Fallen. Micha der Sohn Jimlas wurde von Ahab ins Gefängnis geworfen. Elia verbrachte Jahre in Einsamkeit, er musste später vor Isebel um sein Leben laufen. Johannes der Täufer lebte in der Wüste, er wurde schließlich von Herodes eingekerkert und enthauptet.

Am Ende kam der Herr selbst, und ihm erging es noch viel schlimmer als allen anderen vor ihm. Der Herr musste harte Worte gegen die heuchlerischen Pharisäer reden, welche ihn schließlich zur Kreuzigung überlieferten.

Mt 23,29-36: „Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler, dass ihr die Gräber der Propheten baut und die Denkmäler der Gerechten schmückt
30 und sagt: Hätten wir in den Tagen unserer Väter gelebt, wir hätten uns nicht mit ihnen des Blutes der Propheten schuldig gemacht.
31 So gebt ihr ja euch selbst das Zeugnis, dass ihr Söhne der Prophetenmörder seid.
32 Ja, macht ihr nur das Maß eurer Väter voll!
33 Ihr Schlangen! Ihr Otterngezücht! Wie wollt ihr dem Gericht der Hölle entgehen?
34 Siehe, darum sende ich zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte; und etliche von ihnen werdet ihr töten und kreuzigen, und etliche werdet ihr in euren Synagogen geißeln und sie verfolgen von einer Stadt zur anderen,
35 damit über euch alles gerechte Blut kommt, das auf Erden vergossen worden ist, vom Blut Abels, des Gerechten, bis zum Blut des Zacharias, des Sohnes Barachias, den ihr zwischen dem Tempel und dem Altar getötet habt.
36 Wahrlich, ich sage euch: Dies alles wird über dieses Geschlecht kommen!“

 

Hier bei Micha verbieten sie den Propheten zu weissagen (Vers 6). Sie wollen die schlechten Nachrichten aus ihrem Mund nicht mehr hören. Sie wollen viel lieber schöne, günstige und unterhaltsame Weissagungen hören, die ihnen in den Ohren kitzeln. Sie können die falschen Propheten zuerst noch von den wahren unterscheiden. Sie entscheiden sich dann aber aktiv für die falschen Propheten, obwohl schon Mose ihnen klar gesagt hat, dass sie das nicht tun sollen. Am Ende sind sie geistlich blind und taubstumm geworden und können die Wahrheit nicht mehr erkennen in Vers 11. Wenn ein Prophet käme, der ihnen am Stammtisch in ihrer Trunkenheit weissagen würde, dann würden sie gerne alles glauben.

Bis heute hat sich daran nichts Wesentliches geändert. Die Wohlstandsevangelisten und hypercharismatischen Falschpropheten der Namenschristenheit in der geistlichen Stadt von Laodizäa weissagen mehr denn je um Geld, sie kassieren buchstäblich Millionen. Von Sünde, von Gerechtigkeit und von Gericht reden sie nicht mehr, auch nicht von Buße und Glauben an das Evangelium. Das möchte nämlich keiner ihrer Zuhörer mehr hören, und wenn er es hört, dann bezahlt er nicht mehr weiter. Die falschen Propheten wissen das genau. Es wird so bleiben bis der Herr kommt. Er wird den Weizen vom Unkraut trennen am letzten Tag.

5Mo 18,19-22: „Und es wird geschehen, wer auf meine Worte nicht hören will, die er in meinem Namen reden wird, von dem will ich es fordern!
20 Doch der Prophet, der so vermessen ist, in meinem Namen zu reden, was ich ihm nicht zu reden geboten habe, oder der im Namen anderer Götter redet, jener Prophet soll sterben!
21 Wenn du aber in deinem Herzen sprichst: »Woran können wir das Wort erkennen, das der HERR nicht geredet hat?«, [dann sollst du wissen:]
22 Wenn der Prophet im Namen des HERRN redet, und jenes Wort geschieht nicht und trifft nicht ein, so ist es ein Wort, das der HERR nicht geredet hat; der Prophet hat aus Vermessenheit geredet, du sollst dich vor ihm nicht fürchten!“

5Mo 13,2-6: „Wenn in deiner Mitte ein Prophet oder Träumer aufstehen wird und dir ein Zeichen oder Wunder angibt,
3 und das Zeichen oder Wunder trifft ein, von dem er zu dir geredet hat, und er spricht [nun]: »Lasst uns anderen Göttern nachfolgen – die du nicht gekannt hast –, und lasst uns ihnen dienen!«,
4 so sollst du den Worten eines solchen Propheten oder eines solchen Träumers nicht gehorchen; denn der HERR, euer Gott, prüft euch, um zu erfahren, ob ihr den HERRN, euren Gott, wirklich von ganzem Herzen und von ganzer Seele liebt.
5 Dem HERRN, eurem Gott, sollt ihr nachfolgen und ihn fürchten und seine Gebote halten und seiner Stimme gehorchen und ihm dienen und ihm anhängen.
6 Ein solcher Prophet aber oder ein solcher Träumer soll getötet werden, weil er Abfall gelehrt hat von dem HERRN, eurem Gott, der euch aus dem Land Ägypten geführt hat und dich aus dem Haus der Knechtschaft erlöst hat; er hat dich abbringen wollen von dem Weg, auf dem zu gehen der HERR, dein Gott, dir geboten hat. So sollst du das Böse aus deiner Mitte ausrotten!“

Mt 13,13-15: „Darum rede ich in Gleichnissen zu ihnen, weil sie sehen und doch nicht sehen und hören und doch nicht hören und nicht verstehen;
14 und es wird an ihnen die Weissagung des Jesaja erfüllt, welche lautet: »Mit den Ohren werdet ihr hören und nicht verstehen, und mit den Augen werdet ihr sehen und nicht erkennen!
15 Denn das Herz dieses Volkes ist verstockt, und mit den Ohren hören sie schwer, und ihre Augen haben sie verschlossen, dass sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile.«“

2Thes 2,11-12: „Darum wird ihnen Gott eine wirksame Kraft der Verführung senden, sodass sie der Lüge glauben,
12 damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt haben, sondern Wohlgefallen hatten an der Ungerechtigkeit.“

2Tim 4,2-4: „Verkündige das Wort, tritt dafür ein, es sei gelegen oder ungelegen; überführe, tadle, ermahne mit aller Langmut und Belehrung!
3 Denn es wird eine Zeit kommen, da werden sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern sich selbst nach ihren eigenen Lüsten Lehrer beschaffen, weil sie empfindliche Ohren haben;
4 und sie werden ihre Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Legenden zuwenden.“

 

In den Versen 7-10 erweisen sich die Abtrünnigen als Feinde Gottes und des Volkes. Sie hätten Gottes freundliche Worte gehört, wenn sie in seinen Wegen gewandelt wären. So aber müssen sie die Gerichtsworte des Propheten hören. Sie reißen den Armen den Mantel weg, sie überfallen den Friedlichen auf dem Weg. Sie vertreiben Frauen und Kinder aus ihren Häusern und nehmen ihnen alles weg. In Vers 10 müssen sie sich schließlich selbst davonmachen. Der Herr verjagt sie aus dem Land, welches sie durch ihre himmelschreienden Ungerechtigkeiten entwürdigt und entheiligt haben. Im Nordreich und im Südreich ist es so gegangen.

Die Verse 12 und 13 verheißen am Ende dieses zu Beginn so deprimierenden Kapitels dennoch eine Wiederherstellung. Gottes Gnade triumphiert über das Gericht, und zwar für seinen treuen Überrest. Wer ist nun dieser „wahre Jakob“?

Ps 24,3-6: „Wer darf auf den Berg des HERRN steigen? Und wer darf an seiner heiligen Stätte stehen?
4 Wer unschuldige Hände hat und ein reines Herz, wer seine Seele nicht auf Trug richtet und nicht falsch schwört.
5 Der wird Segen empfangen von dem HERRN und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heils.
6 Dies ist das Geschlecht derer, die nach ihm fragen, die dein Angesicht suchen – das ist Jakob! (Sela.)“

Rö 2,28-29: „Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist; auch ist nicht das die Beschneidung, die äußerlich am Fleisch geschieht;
29 sondern der ist ein Jude, der es innerlich ist, und [seine] Beschneidung [geschieht] am Herzen, im Geist, nicht dem Buchstaben nach. Seine Anerkennung kommt nicht von Menschen, sondern von Gott.“

Phil 3,3: „Denn wir sind die Beschneidung, die wir Gott im Geist dienen und uns in Christus Jesus rühmen und nicht auf Fleisch vertrauen.“

Kol 2,9-12: „Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig;
10 und ihr seid zur Fülle gebracht in ihm, der das Haupt jeder Herrschaft und Gewalt ist.
11 In ihm seid ihr auch beschnitten mit einer Beschneidung, die nicht von Menschenhand geschehen ist, durch das Ablegen des fleischlichen Leibes der Sünden, in der Beschneidung des Christus,
12 da ihr mit ihm begraben seid in der Taufe. In ihm seid ihr auch mitauferweckt worden durch den Glauben an die Kraftwirkung Gottes, der ihn aus den Toten auferweckt hat.“

Hebr 12,22-24: „…sondern ihr seid gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und zu Zehntausenden von Engeln,
23 zu der Festversammlung und zu der Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel angeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten,
24 und zu Jesus, dem Mittler des neuen Bundes, und zu dem Blut der Besprengung, das Besseres redet als [das Blut] Abels.“

 

Den Überrest gab es zu allen Zeiten im Volk. Dies war und ist ein geistliches Prinzip Gottes. Unter Jerobeam I waren es in der Zeit nach der Teilung des alten Israel diejenigen, die vor dem Kälberdienst in den Süden flohen zum Heiligtum nach Jerusalem. Sie wurden in der Zerstörung des Nordreiches verschont. Sie wurden nach Jahrhunderten gefolgt von dem Überrest der gläubigen Rückkehrer aus Babylon. Schließlich folgte erneut Jahrhunderte später der Überrest der Gläubigen in Israel zur Zeit des Herrn: Maria, Josef, Elisabeth, Zacharias, Johannes der Täufer, die Hirten, Simeon, Anna, die namenlosen Gläubigen im Volk, die Apostel. Der gläubige Überrest der alten Nation Israel wurde nach Pfingsten unter der Verkündigung des Evangeliums bis zur Zerstörung im Jahr 70 n.Chr. gesammelt.

Heute in unserer Zeit geschieht dasselbe mit dem gläubigen Überrest sowohl im irdischen Israel als auch unter allen Nationen der Erde bis zur Ankunft des Herrn. Danach wird es keinen Überrest mehr geben, denn die Erlösten aller Zeiten werden die neue Erde ganz für sich haben und auf ewig bewohnen. Es wird keinen Feind und Verfolger mehr geben, keinen Unglauben, keinen Tod, keine Krankheit, Schmerz, Trauer, Einsamkeit, keine Trennung, keinen Abschied mehr. Der Herr wird da sein für ewig.

Der ganze Überrest wird am Ende zusammen sein. Sie werden vereinigt werden als eine Herde von Schafen in der Hürde. Es wird von Menschen wimmeln auf dieser Weide. Der große Durchbrecher wird vor ihnen herziehen. Es wird der Herr sein, ihr König. Er wird sie durch das Tor ein- und ausziehen lassen. Er wird sie führen zu grünen Auen und zu stillen Wassern. Sie werden Weide finden bei dem großen Erzhirten, den Gott aus den Toten wiedergebracht hat. Heute ist dies schon geistlich gesprochen der Fall im Reich Gottes. Am Ende wird der Hirte seine Schafe durch das Tor zur Herrlichkeit aus dieser Welt in die neue Schöpfung einführen, sei es beim leiblichen Tod oder bei der Verwandlung der noch Lebenden bei seiner Wiederkunft.

Ps 23,1-3: „Ein Psalm Davids. Der HERR ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.
2 Er weidet mich auf grünen Auen und führt mich zu stillen Wassern.
3 Er erquickt meine Seele; er führt mich auf rechter Straße um seines Namens willen.“

Jes 49,19-21: „Denn dein Land, das öde, verwüstet und zerstört liegt, das wird nun für dich zu eng sein wegen der [vielen] Bewohner, und die dich verschlingen wollten, werden sich entfernen.
20 Und die Söhne, die dir [einst] geraubt wurden, werden noch vor deinen Ohren sagen: Dieser Ort ist mir zu eng, gib mir Raum, dass ich wohnen kann!
21 Dann wirst du bei dir selbst denken: Wer hat mir denn diese geboren, mir, der Kinderlosen und Unfruchtbaren, verbannt und verstoßen? Und wer hat mir diese großgezogen? Siehe, ich war ja allein übrig geblieben; wo waren denn diese?“

Joh 10,1-16: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht durch die Tür in die Schafhürde hineingeht, sondern anderswo hineinsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber.
2 Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirte der Schafe.
3 Diesem öffnet der Türhüter, und die Schafe hören auf seine Stimme, und er ruft seine eigenen Schafe beim Namen und führt sie heraus.
4 Und wenn er seine Schafe herausgelassen hat, geht er vor ihnen her; und die Schafe folgen ihm nach, denn sie kennen seine Stimme.
5 Einem Fremden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen vor ihm; denn sie kennen die Stimme der Fremden nicht.
6 Dieses Gleichnis sagte ihnen Jesus. Sie verstanden aber nicht, wovon er zu ihnen redete.
7 Da sprach Jesus wiederum zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür für die Schafe.
8 Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe hörten nicht auf sie.
9 Ich bin die Tür. Wenn jemand durch mich hineingeht, wird er gerettet werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden.
10 Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu töten und zu verderben; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es im Überfluss haben.
11 Ich bin der gute Hirte; der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.
12 Der Mietling aber, der kein Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht; und der Wolf raubt und zerstreut die Schafe.
13 Der Mietling aber flieht, weil er ein Mietling ist und sich nicht um die Schafe kümmert.
14 Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und bin den Meinen bekannt,
15 gleichwie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne; und ich lasse mein Leben für die Schafe.
16 Und ich habe noch andere Schafe, die nicht aus dieser Schafhürde sind; auch diese muss ich führen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte sein.“

Eph 2,19-20: „So seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge ohne Bürgerrecht und Gäste, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen,
20 auferbaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, während Jesus Christus selbst der Eckstein ist,“

Hebr 2,14-15: „Da nun die Kinder an Fleisch und Blut Anteil haben, ist er gleichermaßen dessen teilhaftig geworden, damit er durch den Tod den außer Wirksamkeit setzte, der die Macht des Todes hatte, nämlich den Teufel,
15 und alle diejenigen befreite, die durch Todesfurcht ihr ganzes Leben hindurch in Knechtschaft gehalten wurden.“

Hebr 13,20-21: „Der Gott des Friedens aber, der unseren Herrn Jesus aus den Toten heraufgeführt hat, den großen Hirten der Schafe durch das Blut eines ewigen Bundes,
21 er rüste euch völlig aus zu jedem guten Werk, damit ihr seinen Willen tut, indem er in euch das wirkt, was vor ihm wohlgefällig ist, durch Jesus Christus. Ihm sei die Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“

1Thess 4,13-18: „Ich will euch aber, Brüder, nicht in Unwissenheit lassen über die Entschlafenen, damit ihr nicht traurig seid wie die anderen, die keine Hoffnung haben.
14 Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die Entschlafenen durch Jesus mit ihm führen.
15 Denn das sagen wir euch in einem Wort des Herrn: Wir, die wir leben und bis zur Wiederkunft des Herrn übrig bleiben, werden den Entschlafenen nicht zuvorkommen;
16 denn der Herr selbst wird, wenn der Befehl ergeht und die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallt, vom Himmel herabkommen, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen.
17 Danach werden wir, die wir leben und übrig bleiben, zusammen mit ihnen entrückt werden in Wolken, zur Begegnung mit dem Herrn, in die Luft, und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit.
18 So tröstet nun einander mit diesen Worten!“

1Kor 15,51-52: „Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden zwar nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden,
52 plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune; denn die Posaune wird erschallen, und die Toten werden auferweckt werden unverweslich, und wir werden verwandelt werden.“

 

 

Kapitel 3

Hier werden die bösen Fürsten des Volkes und seine falschen Propheten von Gott direkt ins Angesicht konfrontiert. In Vers 1 sollten sie eigentlich das Recht in Israel kennen. Der König von ganz Israel sollte dem königlichen Gesetz aus 5Mo 17 gefolgt sein. Schon Salomo verließ dieses Gesetz ganz und gar, und Gott brachte nach seinem Tod das Gericht der Teilung des Reiches. Die jetzigen Autoritäten im Norden maßen sich eine Würde an, welche sie schon längst nicht mehr besitzen. Das Gesetz Gottes und sein Heiligtum sind noch immer im Süden, wenngleich es auch dort nicht sehr gut aussieht. Im Norden besitzen sie dagegen überhaupt nichts mehr, und genauso benehmen sie sich auch!

Sie hassen das Gute (Verse 2-4), sie ziehen dem Volk die Haut ab und fressen sein Fleisch, ein Ausdruck für brutale und maßlose Ausbeutung. Sie werfen die zerbrochenen Knochen des Volkes in einen Topf, um es zu kochen. Der Prophet Hesekiel verwendet Jahrzehnte später ein ähnliches Bild für die Bevölkerung des gerichtsreifen Jerusalem, welches in der babylonischen Belagerung unsäglich zu leiden haben wird. Nachdem sie all das schrecklich Böse getan haben, schreien sie auch noch zum Herrn um Hilfe. Es ist unfassbar, in welche geistliche Verblendung sie gekommen sind. Sie laden schwerste Schuld auf sich und erkennen es nicht mehr. So geht es allen, die ihr Gewissen totgeschlagen haben. So etwas kann und wird immer im Gericht enden.

Dieses Gericht beginnt in den Versen 5-7 mit der völligen Irreführung der falschen Propheten. Sie haben ausschließlich zu ihrem eigenen Nutzen geweissagt für Geld und Nahrung. Dies war schon einmal so gewesen bei den falschen Propheten aus der Schule Ahabs und Isebels, welche sich am Hof Samarias gemästet hatten. Ihr Untergang kam, nachdem sie ganz öffentlich in ihrer Torheit bloßgestellt worden und gescheitert waren. Sie hatten dem einsamen Propheten Elia gegenübergestanden, welcher sie vor den Augen des ganzen Volkes bis auf die Knochen blamiert hatte. Danach wurden sie getötet von der aufgebrachten Menge. Auch diesmal wird es wieder so sein. Sie werden sich schämen (Vers 7).

In Vers 8 darf der Prophet Micha nun auch einmal für sich selbst sprechen. All seine Kraft und Weisheit kommt ausschließlich von Gott. Er darf sich wie Elia den falschen Propheten entgegenstellen. Er darf wie Elia die Kraft Gottes öffentlich in Anspruch nehmen. Im Geist des Herrn muss er Jakob seine Übertretung (seinen Abfall) und Israel seine Sünde verkündigen. Der Dienst ist schwer und wird in zahlreiche Konflikte und Schwierigkeiten hineinführen. Gott wird sich aber zu seinem leidenden Diener bekennen, so wie er es mit allen wahren Propheten getan hat. Zuletzt hat er es auch mit seinem eigenen Sohn getan.

Jes 42,1+4: „Siehe, das ist mein Knecht, den ich erhalte, mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt; er wird das Recht zu den Heiden hinaustragen.
4 Er wird nicht ermatten und nicht zusammenbrechen, bis er auf Erden das Recht gegründet hat, und die Inseln werden auf seine Lehre warten.“

Jes 49,3-6: „Und er sprach zu mir: Du bist mein Knecht, bist Israel, durch den ich mich verherrliche.
4 Ich aber hatte gedacht: Ich habe mich vergeblich abgemüht und meine Kraft umsonst und nutzlos verbraucht! Doch steht mein Recht bei dem HERRN und mein Lohn bei meinem Gott.
5 Und nun spricht der HERR, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht gebildet hat, um Jakob zu ihm zurückzubringen – Israel aber wurde nicht gesammelt, und doch wurde ich geehrt in den Augen des HERRN, und mein Gott war meine Stärke –,
6 ja, er spricht: »Es ist zu gering, dass du mein Knecht bist, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten aus Israel wiederzubringen; sondern ich habe dich auch zum Licht für die Heiden gesetzt, damit du mein Heil seist bis an das Ende der Erde!«“

Jes 50,5-9: „GOTT, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet; und ich habe mich nicht widersetzt und bin nicht zurückgewichen.
6 Meinen Rücken bot ich denen dar, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften; mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel.
7 Aber GOTT, der Herr, wird mir helfen, darum muss ich mich nicht schämen; darum machte ich mein Angesicht wie einen Kieselstein, denn ich wusste, dass ich nicht zuschanden würde.
8 Der mich rechtfertigt, ist nahe; wer will mit mir rechten? Lasst uns miteinander hintreten! Wer will gegen mich Anklage erheben? Er trete her zu mir!
9 Siehe, GOTT, der Herr, steht mir bei – wer will mich für schuldig erklären? Siehe, sie werden alle zerfallen wie ein Kleid; die Motte wird sie fressen.“

Jes 52,13-15: „Siehe, mein Knecht wird einsichtig handeln, er wird erhoben sein, erhöht werden und sehr erhaben sein.
14 Gleichwie sich viele über dich entsetzten – so sehr war sein Angesicht entstellt, mehr als das irgendeines Mannes, und seine Gestalt mehr als die der Menschenkinder –,
15 genauso wird er viele Heidenvölker in Erstaunen setzen, und Könige werden vor ihm den Mund schließen. Denn was ihnen nie erzählt worden war, das werden sie sehen, und was sie nie gehört hatten, werden sie wahrnehmen.“

Apg 2,22-24+36: „Ihr Männer von Israel, hört diese Worte: Jesus, der Nazarener, einen Mann, der von Gott euch gegenüber beglaubigt wurde durch Kräfte und Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn in eurer Mitte wirkte, wie ihr auch selbst wisst,
23 diesen, der nach Gottes festgesetztem Ratschluss und Vorsehung dahingegeben worden war, habt ihr genommen und durch die Hände der Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und getötet.
24 Ihn hat Gott auferweckt, indem er die Wehen des Todes auflöste, weil es ja unmöglich war, dass Er von ihm festgehalten würde.
36 So soll nun das ganze Haus Israel mit Gewissheit erkennen, dass Gott Ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat, eben diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt!“

 

Ab Vers 9 führt Micha seine Anklage weiter aus. Sie haben das Recht verabscheut und völlig verdreht. Auch der Prophet Habakuk äußert in seiner Klage diesen schrecklichen Missstand, welcher ein Volk völlig aus der Bahn wirft und am Ende zerstört. Der Herr selbst macht dieses Thema zum Zentrum seiner großen Anklage gegen die Pharisäer. Am Ende seiner Rede muss der Herr den Fluch über sie bringen.

Hab 1,4: „Darum wird das Gesetz kraftlos, und das Recht bricht nicht mehr durch; denn der Gottlose bedrängt den Gerechten von allen Seiten; darum kommt das Urteil verkehrt heraus!“

Mt 23 (bitte dieses Kapitel selbst in der Bibel lesen)

 

Hier bei Micha ist es nicht anders. Sie haben ein falsches „Zion“ (Samaria) im Norden und das echte Zion im Süden mit Blutschuld gebaut. Sie sind bestechlich und geldgierig. Sie verlassen sich darauf, dass ihr hohler formaler Götzendienst in ihrem falschen (Norden, Samaria) und in ihrem echten (Süden, Jerusalem) Heiligtum sie vor der Gewalt aller Feinde schützen wird. Schließlich ist doch der Herr in ihrer Mitte, oder etwa nicht? Sie erkennen nicht mehr ihren schrecklichen Irrtum, der ihnen im Gericht Gottes zum Verhängnis werden wird. All ihre falsche Herrlichkeit wird dem Erdboden gleichgemacht werden.

Es geht ihnen genau wie der korrupten und gottlosen Priesterschaft des Tempels in Jerusalem, welcher der Prophet Jeremia Jahrzehnte später einsam und alleine entgegentreten muss. Gott ist treu und gerecht, er muss gegen das Heiligtum in Jerusalem genauso vorgehen wie gegen dasjenige in Samaria. Auch Zion wird zu einem Acker gepflügt werden (Vers 12), Jerusalem wird zu einem Steinhaufen werden, und der Tempelberg zu einem bewaldeten Hügel.

Dies geschah in der weiteren Geschichte Israels nicht nur einmal, sondern sogar zweimal. Zum ersten Mal durch die Babylonier nach der Verwerfung des Wortes Gottes durch Jeremia. Zum zweiten Mal durch die Römer nach der Verwerfung des Wortes Gottes aus dem Mund des Sohnes Gottes, nach seiner Kreuzigung und Auferstehung, und nach der Verwerfung des Evangeliums durch die Mehrheit des Volkes und der religiösen Führer Israels. Gott schleifte die beiden steinernen Tempel Jerusalems und ersetzte sie durch einen neuen und ewigen Tempel. Um das noch besser zu verstehen, möchten wir am Ende unseres Kapitels noch einen Abstecher in das Buch Jeremia machen.

In Jeremia 26 steht der Prophet den Obersten des Volkes Jerusalems gegenüber, als er im Anfang der Regierung Jojakims ein Wort verkündigt. Jeremia muss sich im Vorhof des Tempels aufstellen und es laut zu allen Leuten sagen. „Wandelt im Gesetz des alten Bundes und hört auf die wahren Propheten Gottes! Wenn ihr es nicht tut, dann wird Gott den Tempel wie Silo machen (das bedeutet: ihn völlig zerstören, siehe auch Kapitel 7,12-14)!“ Hier sehen wir etwas von der ungeheuren Festigkeit des Mannes Jeremia, welche Gott ihm geschenkt hat. Es ist eine dieser schrecklichen Situationen, die der Prophet nur in der Kraft Gottes durchzustehen vermag.

Sofort wird Jeremia von allen Anwesenden (Priester, Propheten, Volk) ergriffen und des Todes schuldig gesprochen, weil er genau wie in Kapitel 7 seines Buches einen Fluch gegen den Tempel ausgesprochen hat. Die Fürsten besitzen noch einen Rest von Gottesfurcht und einen Rest von Kenntnis der Geschichte Israels und des Wortes Gottes. Sie erinnern sich nämlich an unseren Propheten Micha aus Moreschet, der in Hiskias Tagen ebenfalls die Zerstörung des Tempels und die Verwüstung des Tempelberges weissagte. Jeremia wird bewahrt und kommt frei. Hier haben wir die direkte Verbindung zwischen den Büchern Jeremias und Michas, und wir erfahren auch, dass die Prophetie in Micha 3,12 unter der Herrschaft Hiskias kam.

Ein Gedanke aus dem Kapitel Jeremia 7 soll unseren geistlichen Blick auf den Tempel Gottes vervollständigen. In Kapitel 7,1-10 redet Jeremia schonungslos über das Fehlverhalten der falschen Anbeter. Sie bedrücken Fremdlinge, Witwen und Waisen. Sie vergießen unschuldiges Blut und wandeln anderen Göttern nach (blutige Kinderopfer für den Moloch). Sie stehlen, brechen die Ehe, schwören falsch und räuchern dem Baal. Danach kommen sie zum Tempel und sagen: „Wir sind errettet!“ und „Uns wird nichts geschehen, denn der Tempel des Herrn, der Tempel des Herrn, der Tempel des Herrn ist dies!“ Der Tempel des Herrn ist unter ihren Händen zu einer Räuberhöhle geworden (Jer 7,11). Jahrhunderte später muss der Herr gegen den zweiten Tempel Jerusalems genau dasselbe Wort sprechen.

Mt 21,13: „Und er sprach zu ihnen: Es steht geschrieben: »Mein Haus soll ein Bethaus genannt werden!« Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht!“

 

In heutiger Sprache erkennen wir hier die sogenannten Namenschristen, die klassischen Sonntagschristen. Sie gehen am Sonntag zur Kirche, damit sie von der Gemeinde gesehen werden. Nach dem Ende des Gottesdienstes geben sie sich dann im Alltag der Woche allen nur denkbaren Lastern und Sünden hin. Sie kennen kein ernstes Lesen der Heiligen Schrift, keine Heiligung und Buße, kein ernstes Gebet, keine Barmherzigkeit. Sie sind außerhalb der Gemeindemauern nicht von anderen Menschen zu unterscheiden, welche den Herrn nicht kennen, denn sie verhalten sich in der Praxis genauso wie diese. Gott wird sie richten müssen, denn sie zeigen in ihrem täglichen Wandel klar und deutlich, dass kein ewiges Leben in ihrem Herzen ist.

In Jer 7,12-15 redet der Prophet über den Untergang Silos und kündigt an, dass mit dem Tempel das Gleiche geschehen würde. Die falschen Anbeter haben nämlich vergessen, was der König Salomo in seinem Gebet bei der Einweihung des Tempels gesagt hatte. Salomo hatte betont, dass die Israeliten im Bekenntnis ihrer Schuld zum Tempel kommen sollten. Das ernstliche Flehen eines bußfertigen Sünders würde Gott erhören, und das würde alle Sünden betreffen. Sogar die Fremdlinge würde er erhören. Auch aus der Gefangenschaft würde Gott den Schrei der Israeliten hören, wenn sie in echter Reue nach ihm rufen würden. Drei besondere Verse müssen hier angeführt werden.

1Kö 8,27: „Aber wohnt Gott wirklich auf der Erde? Siehe, die Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen; wie sollte es denn dieses Haus tun, das ich gebaut habe!“

Apg 7,47-49: „Salomo aber erbaute ihm ein Haus.
48 Doch der Höchste wohnt nicht in Tempeln, die von Händen gemacht sind, wie der Prophet spricht:
49 »Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel für meine Füße. Was für ein Haus wollt ihr mir bauen, spricht der Herr, oder wo ist der Ort, an dem ich ruhen soll?“

Jes 66,1: „So spricht der HERR: Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel für meine Füße! Was für ein Haus wollt ihr mir denn bauen? Oder wo ist der Ort, an dem ich ruhen soll?“

 

Gottes Anwesenheit bei seinem Volk hängt in keiner Weise von einem Gebäude ab, welches von Menschenhand errichtet wurde. Jesaja sagt es. Salomo sagt es in 1Kö 8, und Stephanus redet in Apg 7 über Salomo, indem er dasselbe sagt. Für Stephanus bedeutete es den Tod, denn dieses Wort wurde ihm schwer übelgenommen von den Pharisäern, unter denen sich zu diesem Zeitpunkt sogar der noch junge Saulus von Tarsus befand, der spätere Apostel Paulus. Stephanus sah im Augenblick seines Todes den Herrn stehend vor seinem himmlischen Thron. Der Herr nahm ihn ebenso in seine Herrlichkeit auf wie viele Jahre später seinen bekehrten und hingegebenen Apostel Paulus.

Der Herr selbst hat wie bereits gesagt während seines irdischen Dienstes die gottlosen Pharisäer verflucht (Mt 23) und unmittelbar danach den Tempel verlassen, um zum Ölberg zu gehen. Vom Ölberg aus kündigte der Herr in seiner großen Rede die völlige Vernichtung der Stadt Jerusalem und des zweiten Tempels an, welche 40 Jahre später geschah. Jeremia muss hier in Kapitel 7 die Zerstörung des ersten Tempels ankündigen, denn das Volk wird nicht umkehren. Wir wissen aus Hes 11, dass die Herrlichkeit Gottes, welche für die Israeliten damals nicht mehr sichtbar war, genau wie der Herr selbst es Jahrhunderte später beim zweiten Tempel tun würde, den ersten Tempel verließ und auf dem Weg über den Ölberg von Jerusalem wegging. Dies würde wenige Jahre nach Jeremias Rede geschehen, und es war die Vorerfüllung des irdischen Weges des Herrn selbst. In seinem Tod und in seiner Auferstehung am dritten Tag errichtete der Herr dann den dritten Tempel, nämlich den Tempel seines Leibes.

Joh 2,19-21: „Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen will ich ihn aufrichten!
20 Da sprachen die Juden: In 46 Jahren ist dieser Tempel erbaut worden, und du willst ihn in drei Tagen aufrichten?
21 Er aber redete von dem Tempel seines Leibes.“

Die Gemeinde Christi im neuen und ewigen Bund ist nun der Leib Christi auf der Erde und im Himmel (die bereits gestorbenen Gläubigen). Sie ist der Tempel des Heiligen Geistes auf der Erde, der dritte und ewige Tempel Gottes, seitdem der Heilige Geist am Pfingsttag aus dem Himmel kam und in allen damaligen Gläubigen Wohnung nahm. Der Leib jedes Gläubigen ist ebenfalls ein Tempel des Heiligen Geistes.

1Kor 3,16: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid, und dass der Geist Gottes in euch wohnt?“

2Kor 6,16: „Wie stimmt der Tempel Gottes mit Götzenbildern überein? Denn ihr seid ein Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott gesagt hat: »Ich will in ihnen wohnen und unter ihnen wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein«.“

Eph 2,19-22: „So seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge ohne Bürgerrecht und Gäste, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen,
20 auferbaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, während Jesus Christus selbst der Eckstein ist,
21 in dem der ganze Bau, zusammengefügt, wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn,
22 in dem auch ihr miterbaut werdet zu einer Wohnung Gottes im Geist.“

 

Dieser Tempel wird niemals mehr von Gott verlassen werden, und er wird auch in Ewigkeit nicht mehr zerstört werden. Möglicherweise wird in unserer Zeit in Jerusalem/Israel noch einmal ein dritter Steintempel erbaut werden. Vieles deutet darauf hin. Dieses Gebäude wird jedoch in den Heilsgedanken Gottes keine Bedeutung mehr haben. Mit diesen Gedanken schließen wir unsere Betrachtung des dritten Kapitels Michas endgültig ab.

 

 

Kapitel 4

Nachdem das dritte Kapitel über den Untergang des falschen Heiligtums im Norden und der beiden nur zeitlich begrenzten irdischen Tempel Jerusalems geredet hat, finden wir im vierten Kapitel einen grandiosen Ausblick auf das kommende ewige Heiligtum Gottes und das Volk, welches in ihm für immer anbeten wird. Um das besser zu verstehen, möchten wir einen kurzen Gedanken voranstellen. Das gesamte Kapitel ist von dispensationalistischen Auslegern auf deren siebte Dispensation (oder Haushaltung), nämlich auf das sogenannte 1000-jährige Reich des Messias, gedeutet worden. Diese Auslegung ist aus der Sicht des Schreibers nicht zutreffend, denn ein Reich von 1000 Jahren wird im Alten Testament an keiner Textstelle erwähnt. Siehe hierzu: „Das biblische Millennium und die Endzeit“ unter: www.DieLetzteStunde.de.

Der Herr selbst hat den Menschen in Israel bereits während seines irdischen Dienstes durch seine Wunder einen Vorgeschmack von den Kräften des zukünftigen Zeitalters gegeben. Die Jünger durften den Herrn auf dem Berg der Verklärung umgestaltet in der Herrlichkeit seines ewigen Reiches erblicken. Sie durften ihn nach seiner Auferstehung mehrmals in seinem geistlichen Auferstehungsleib sehen, in welchem der Herr nicht mehr den physikalischen Gesetzen der heutigen Schöpfung unterworfen ist. Auch in unserem eigenen Auferstehungs-leib werden wir ja alle als die Personen zu erkennen sein, welche wir heute schon sind, nur ohne die Sünde und ohne die Kräfte des alten Fleisches.

1Kor 15,44: „Es wird gesät ein natürlicher Leib, und es wird auferweckt ein geistlicher Leib. Es gibt einen natürlichen Leib, und es gibt einen geistlichen Leib.“

 

Es ist daher für unseren Glauben nicht schwierig, dass der neue Himmel und die neue Erde in verherrlichter Form noch erkennbare Wesenszüge der alten Erde wiederspiegeln können. Es ist sehr wohl möglich, dass auch die Geographie der neuen Erde noch Anklänge an die alte Erde zeigen wird, nur eben in verherrlichter und verewigter Gestalt. So ist es auch ohne weiteres möglich, dass es dort ein Land Israel als Wohnort für das neue Jerusalem, also für die Gemeinde Gottes geben wird. Dies passt auch gut dazu, dass zum Beispiel der Prophet Hesekiel in einer seiner Beschreibungen des ewigen Zustands in Kapitel 47 seines Buches geographische Begriffe verwendet, die aus dem heutigen Israel bekannt sind. Auch andere Propheten wie etwa Jesaja und Sacharja reden ja über ein ewiges Leben in einem verherrlichten Land. In dieser Sichtweise ist es auch keinesfalls ein Widerspruch, wenn die verschiedenen Propheten in ihren Weissagungen über das ewige Land Begriffe und Namen verwenden, welche wir schon in unserer Zeit kennen. Und nun wieder zurück zu den Worten Michas.

Der hohe Berg in den Versen 1-3 ist in gleicher Weise auch in Jesaja 2,2-4 wiederzufinden. Wir haben hier an zwei Schriftstellen von zwei gleichzeitig dienenden Propheten das gleiche Wort. Dies ist ein klarer Hinweis darauf, dass die hier gesagten Dinge in Gottes Augen sehr wichtig sind, denn sie werden durch zwei Zeugen bestätigt.

5Mo 19,15: „Ein einzelner Zeuge soll nicht gegen jemand auftreten wegen irgendeiner Schuld oder wegen irgendeiner Sünde, mit der man sich versündigen kann; sondern auf der Aussage von zwei oder drei Zeugen soll jede Sache beruhen.“

Mt 18,16: „Hört er aber nicht, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit jede Sache auf der Aussage von zwei oder drei Zeugen beruht.“

 

Das Bild beschreibt die freiwillige Anbetung von Menschen aus allen Nationen auf einem erhabenen Bergheiligtum Gottes. Dieser Berg Zion wird der Welt das Wort Gottes geben. Gott hatte das schon von seinem irdischen Volk Israel erwartet und zugleich gewusst, dass sie darin versagen würden. Israels geistlichen Idealzustand, so wie ihn Gott zur Zeit des Alten Testamentes gewünscht hat, finden wir in

2Mo 19,5-6: „Wenn ihr nun wirklich meiner Stimme Gehör schenken und gehorchen werdet und meinen Bund bewahrt, so sollt ihr vor allen Völkern mein besonderes Eigentum sein; denn die ganze Erde gehört mir,
6 ihr aber sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein! Das sind die Worte, die du den Kindern Israels sagen sollst.“

 

Israel war dazu aufgerufen, vom irdischen Jerusalem und Zion aus der Welt zu zeigen, was das Volk Gottes ist, und diesen Gott auf der Erde zu verkündigen, indem Israel als heiliges und königliches Priestertum auftreten sollte. Zur Zeit Salomos war das noch einigermaßen der Fall gewesen, danach aber ging es steil bergab. Israel versagte, es musste seinen Status als Volk Gottes auf dieser Erde preisgeben und an eine andere Nation abtreten.

Mt 21,43: „Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch genommen und einem Volk gegeben werden, das dessen Früchte bringt.“

 

In unserem Kapitel sehen wir nun ebenso wie in Jes 2 ein gewaltiges Bergheiligtum, welches schon rein geographisch nicht mehr mit dem irdischen Jerusalem gleichgesetzt werden kann. Wir sehen hier solche Anbeter, deren Herzen verwandelt sind. Ihrer Schwerter sind zu Pflugscharen umgewandelt, sie halten Frieden und lernen den Krieg nicht mehr. Wenn wir diese Stadt und dieses Volk erkennen möchten, dann müssen wir sie mit anderen Schriftstellen vergleichen.

Hes 40,2: „In göttlichen Gesichten brachte er mich in das Land Israel, und er ließ mich nieder auf einem sehr hohen Berg; auf diesem war etwas wie der Bau einer Stadt, nach Süden hin.“

Hes 48,35: „Der ganze Umfang beträgt 18 000 [Ruten]. Und der Name der Stadt soll künftig lauten: »Der HERR ist hier!«“

Mt 5,14: „Ihr seid das Licht der Welt. Es kann eine Stadt, die auf einem Berg liegt, nicht verborgen bleiben.“

Joh 4,21-24: „Jesus spricht zu ihr: Frau, glaube mir, es kommt die Stunde, wo ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.
22 Ihr betet an, was ihr nicht kennt; wir beten an, was wir kennen, denn das Heil kommt aus den Juden.
23 Aber die Stunde kommt und ist schon da, wo die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden; denn der Vater sucht solche Anbeter.
24 Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“

Hebr 12,22-24: „...sondern ihr seid gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und zu Zehntausenden von Engeln,
23 zu der Festversammlung und zu der Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel angeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten,
24 und zu Jesus, dem Mittler des neuen Bundes, und zu dem Blut der Besprengung, das Besseres redet als [das Blut] Abels.“

 

Es handelt sich hier um einen vorausschauenden Blick auf die Gemeinde Christi im neuen Bund, welche am Ende der Tage oder in den letzten Tagen das Wort Gottes zu allen Nationen bringen wird. Menschen aus allen Völkern werden zu diesem Berg als bekehrte Christen und Anbeter strömen, um das Wort des Herrn zu hören. Die Gemeinde Christi ist dieses geistliche Israel Gottes in den letzten Tagen nach

Rö 2,28-29: „Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist; auch ist nicht das die Beschneidung, die äußerlich am Fleisch geschieht;
29 sondern der ist ein Jude, der es innerlich ist, und [seine] Beschneidung [geschieht] am Herzen, im Geist, nicht dem Buchstaben nach. Seine Anerkennung kommt nicht von Menschen, sondern von Gott.“

Rö 4,11-12: „Und er empfing das Zeichen der Beschneidung als Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens, den er schon im unbeschnittenen Zustand hatte, damit er ein Vater aller unbeschnittenen Gläubigen sei, damit auch ihnen die Gerechtigkeit angerechnet werde;
12 und auch ein Vater der Beschnittenen, die nicht nur aus der Beschneidung sind, sondern die auch wandeln in den Fußstapfen des Glaubens, den unser Vater Abraham hatte, als er noch unbeschnitten war.“

Phil 3,3: „Denn wir sind die Beschneidung, die wir Gott im Geist dienen und uns in Christus Jesus rühmen und nicht auf Fleisch vertrauen.“

Kol 2,11: „In ihm seid ihr auch beschnitten mit einer Beschneidung, die nicht von Menschenhand geschehen ist, durch das Ablegen des fleischlichen Leibes der Sünden, in der Beschneidung des Christus.“

 

Innerhalb dieser Nation wird keiner aus irgendeinem irdischen Volk das Schwert mehr gegen den anderen erheben. Die Gemeinde Christi besteht aus Gläubigen aller Nationen der Erde, und es herrscht Frieden zwischen allen diesen Leuten. Sie haben ihre geistlichen Schwerter zu Pflugscharen für den Ackerbau Gottes geschmiedet. Sie kämpfen nicht mehr gegeneinander wie die Nationen der gottlosen Erde, sondern sie arbeiten im Ackerbau Gottes, ja sie sind dieser Ackerbau.

1Kor 3,6-9: „Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber hat das Gedeihen gegeben.
7 So ist also weder der etwas, welcher pflanzt, noch der, welcher begießt, sondern Gott, der das Gedeihen gibt.
8 Der aber, welcher pflanzt, und der, welcher begießt, sind eins; jeder aber wird seinen eigenen Lohn empfangen entsprechend seiner eigenen Arbeit.
9 Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr aber seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau.“

 

Hier wird uns zum zweiten Mal nach Hosea ein ganz anderes Israel und Zion unter einem ganz anderen König vorgestellt, nämlich das geistliche Israel und das geistliche Zion der damals noch fernen Zukunft unter der Herrschaft des Herrn selbst.

In Jesaja 4 werden diesem Bild noch weitere Aspekte hinzugefügt. Wir finden dort den Spross (zemach), den Messias, inmitten seines Volkes. In Jer 23,5 ist der Spross der König, in Sach 6,12 ist er ein Mensch. Das gesamte Volk im Bild von Jesaja 4 ist erlöst und verwandelt, denn alle werden heilig genannt und sind zum Leben in dieser Stadt eingeschrieben. Die Blutschuld ist abgewaschen, der Herr wohnt mit seiner Herrlichkeit inmitten seines Volkes und über ihm, denn er bedeckt es mit seiner Wolke. – Siehe, die Hütte Gottes bei den Menschen. – Keine Sünde mehr, kein Versagen mehr, kein Blut mehr, keine Bedrohung mehr. Nur noch Heiligkeit und Herrlichkeit. Auch hier können wir nicht umhin, Schrift mit Schrift zu vergleichen.

Zeph 3,14-17: „Jauchze, du Tochter Zion; juble, Israel! Freue dich und sei fröhlich von ganzem Herzen, du Tochter Jerusalem!
15 Denn der HERR hat die Gerichte von dir abgewendet, er hat deinen Feind weggeräumt. Der HERR, der König Israels, ist in deiner Mitte; du brauchst kein Unheil mehr zu fürchten!
16 In jenen Tagen wird man zu Jerusalem sagen: Fürchte dich nicht! Zion, lass deine Hände nicht sinken!
17 Der HERR, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der rettet; er wird sich über dich freuen mit Wonne, er wird still sein in seiner Liebe, er wird über dich jubelnd frohlocken.“

Lk 10,20: „Doch nicht darüber freut euch, dass euch die Geister untertan sind; freut euch aber lieber darüber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.“

Off 21,3: „Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Himmel sagen: Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen; und sie werden seine Völker sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott.“

Off 21,27: „Und es wird niemals jemand in sie hineingehen, der verunreinigt, noch jemand, der Gräuel und Lüge verübt, sondern nur die, welche geschrieben stehen im Buch des Lebens des Lammes.“

 

Micha beschreibt uns im Zusammenhang mit Jesaja 2 und 4 die neutestamentliche Gemeinde Christi in der vollendeten Gemeinschaft mit dem Herrn in der neuen und ewigen Welt. Heute in unserer Zeit sind alle diese Dinge schon geistlich eingeführt (inauguriert), denn die Gemeinschaften der Christen und auch jeder einzelne Christ können sie geistlich schon heute genießen. Einmal wird es jedoch völlig geoffenbarte Wirklichkeit sein. Dies wird durch die Lehre der zwei Zeitalter in der Bibel erklärt. Wir verweisen hierzu auf unseren Text: „Die biblische Lehre der zwei Zeitalter“ unter: www.DieLetzteStunde.de.

Wir möchten an dieser Stelle noch etwas mehr zu dem Thema sagen, um die soeben beschriebene und äußerst wichtige Lehre des Reiches Gottes noch weiter zu untermauern. Bereits der Prophet Daniel hat das Kommen eines ewigen Reiches Gottes vorhergesagt, welches im Himmel von Gott an den Sohn des Menschen übergeben werden wird.

Dan 2,44: „Aber in den Tagen jener Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das in Ewigkeit nicht untergehen wird; und sein Reich wird keinem anderen Volk überlassen werden; es wird alle jene Königreiche zermalmen und ihnen ein Ende machen; es selbst aber wird in Ewigkeit bestehen;“

Dan 7,13-14: „Ich sah in den Nachtgesichten, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels, gleich einem Sohn des Menschen; und er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn gebracht.
14 Und ihm wurde Herrschaft, Ehre und Königtum verliehen, und alle Völker, Stämme und Sprachen dienten ihm; seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergeht, und sein Königtum wird nie zugrunde gehen.“

 

Diese Prophetie ist im Neuen Testament an verschiedenen Stellen deutlich erfüllt, denn die betreffenden Verse reden über dasselbe ewige und unerschütterliche Reich, welches der Satan niemals überwinden kann, und welches von einem Volk (der Frau Gottes in der Wüste der Welt) bewohnt wird. Der Teufel (der Drache) kann diese Frau nicht vernichten. Der Herr wird dieses Reich nach seiner Himmelfahrt empfangen und es öffentlich aufrichten. Dies wird zunächst geschehen im Heiligen Geist. Auf der neuen Erde wird der Herr es dann sichtbar aufrichten bei seiner Wiederkunft in Macht und Herrlichkeit. Dann wird er den Lohn an seine Diener austeilen, durch welche er das Reich in unserer Zeit baut. Es wird gesprochen über eine ewige Gemeinde, in welcher und durch welche der Herr Jesus Christus, der Sohn des Menschen aus Dan 2,44 und Dan 7,13-14 in alle Ewigkeit geehrt werden wird.

Mt 16,18: „Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten des Totenreiches sollen sie nicht überwältigen.“

Mk 16,19: „Der Herr nun wurde, nachdem er mit ihnen geredet hatte, aufgenommen in den Himmel und setzte sich zur Rechten Gottes.“

Luk 19,11-15: „Als sie aber dies hörten, fuhr er fort und sagte ein Gleichnis, weil er nahe bei Jerusalem war und sie meinten, das Reich Gottes würde unverzüglich erscheinen.
12 Er sprach nun: Ein Edelmann zog in ein fernes Land, um sich die Königswürde zu holen und dann wiederzukommen.
13 Und er rief zehn seiner Knechte, gab ihnen zehn Pfunde und sprach zu ihnen: Handelt damit, bis ich wiederkomme!
14 Seine Bürger aber hassten ihn und schickten ihm eine Gesandtschaft nach und ließen sagen: Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche!
15 Und es geschah, als er wiederkam, nachdem er die Königswürde empfangen hatte, da ließ er die Knechte, denen er das Geld gegeben hatte, vor sich rufen, um zu erfahren, was jeder erhandelt habe.“

Apg 1,9-11: „Und als er dies gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf von ihren Augen weg.
10 Und als sie unverwandt zum Himmel blickten, während er dahinfuhr, siehe, da standen zwei Männer in weißer Kleidung bei ihnen,
11 die sprachen: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr hier und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird in derselben Weise wiederkommen, wie ihr ihn habt in den Himmel auffahren sehen!“

Hebr 12,28: „Darum, weil wir ein unerschütterliches Reich empfangen, lasst uns die Gnade festhalten, durch die wir Gott auf wohlgefällige Weise dienen können mit Scheu und Ehrfurcht!“

Off 5,4-10: „Und ich weinte sehr, weil niemand für würdig befunden wurde, das Buch zu öffnen und zu lesen, noch auch hineinzublicken.
5 Und einer von den Ältesten spricht zu mir: Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe, der aus dem Stamm Juda ist, die Wurzel Davids, um das Buch zu öffnen und seine sieben Siegel zu brechen!
6 Und ich sah, und siehe, in der Mitte des Thrones und der vier lebendigen Wesen und inmitten der Ältesten stand ein Lamm, wie geschlachtet; es hatte sieben Hörner und sieben Augen, welche die sieben Geister Gottes sind, die ausgesandt sind über die ganze Erde.
7 Und es kam und nahm das Buch aus der Rechten dessen, der auf dem Thron saß.
8 Und als es das Buch nahm, fielen die vier lebendigen Wesen und die 24 Ältesten vor dem Lamm nieder, und sie hatten jeder eine Harfe und eine goldene Schale voll Räucherwerk; das sind die Gebete der Heiligen.
9 Und sie sangen ein neues Lied, indem sie sprachen: Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du bist geschlachtet worden und hast uns für Gott erkauft mit deinem Blut aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen,
10 und hast uns zu Königen und Priestern gemacht für unseren Gott, und wir werden herrschen auf Erden.“

Off 12,13-17: „Und als der Drache sah, dass er auf die Erde geworfen war, verfolgte er die Frau, die den Knaben geboren hatte.
14 Und es wurden der Frau zwei Flügel des großen Adlers gegeben, damit sie in die Wüste fliegen kann an ihren Ort, wo sie ernährt wird eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit, fern von dem Angesicht der Schlange.
15 Und die Schlange schleuderte aus ihrem Maul der Frau Wasser nach, wie einen Strom, damit sie von dem Strom fortgerissen würde.
16 Und die Erde half der Frau, und die Erde tat ihren Mund auf und verschlang den Strom, den der Drache aus seinem Maul geschleudert hatte.
17 Und der Drache wurde zornig über die Frau und ging hin, um Krieg zu führen mit den Übrigen von ihrem Samen, welche die Gebote Gottes befolgen und das Zeugnis Jesu Christi haben.“

 

Weitere Erfüllungen im Neuen Testament reden darüber, dass die Buße zur Vergebung der Sünden allen Nationen gepredigt werden wird, und zwar zunächst ausgehend vom Berg Zion und Jerusalem auf der jetzigen Erde. Hinzu kommt aber auch der Versammlungsberg Gottes im Himmel, das himmlische Zion, welches das Herrschaftszentrum Gottes über die ganze Schöpfung ist, und wo der Thron des Herrn steht. Das himmlische Jerusalem besteht aus den Gläubigen aus der irdischen Nation Israel und aus allen anderen Nationen, aus den Nahen und den Fernen. Es ist zudem die neue und ewige Frau Gottes, welche nicht mehr unter dem Gesetz versklavt, sondern frei ist.

Luk 24,45-49: „Da öffnete er ihnen das Verständnis, damit sie die Schriften verstanden,
46 und sprach zu ihnen: So steht es geschrieben, und so musste der Christus leiden und am dritten Tag aus den Toten auferstehen,
47 und in seinem Namen soll Buße und Vergebung der Sünden verkündigt werden unter allen Völkern, beginnend in Jerusalem.
48 Ihr aber seid Zeugen hiervon!
49 Und siehe, ich sende auf euch die Verheißung meines Vaters; ihr aber bleibt in der Stadt Jerusalem, bis ihr angetan werdet mit Kraft aus der Höhe!“

Apg 1,8: „…sondern ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist, und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde!“

Eph 2,11-18: „Darum gedenkt daran, dass ihr, die ihr einst Heiden im Fleisch wart und Unbeschnittene genannt wurdet von der sogenannten Beschneidung, die am Fleisch mit der Hand geschieht
12 – dass ihr in jener Zeit ohne Christus wart, ausgeschlossen von der Bürgerschaft Israels und fremd den Bündnissen der Verheißung; ihr hattet keine Hoffnung und wart ohne Gott in der Welt.
13 Jetzt aber, in Christus Jesus, seid ihr, die ihr einst fern wart, nahe gebracht worden durch das Blut des Christus.
14 Denn Er ist unser Friede, der aus beiden eins gemacht und die Scheidewand des Zaunes abgebrochen hat,
15 indem er in seinem Fleisch die Feindschaft, das Gesetz der Gebote in Satzungen, hinwegtat, um die zwei in sich selbst zu einem neuen Menschen zu schaffen und Frieden zu stiften,
16 und um die beiden in einem Leib mit Gott zu versöhnen durch das Kreuz, nachdem er durch dasselbe die Feindschaft getötet hatte.
17 Und er kam und verkündigte Frieden euch, den Fernen, und den Nahen;
18 denn durch ihn haben wir beide den Zutritt zu dem Vater in einem Geist.“

Gal 4,21-31: „Sagt mir, die ihr unter dem Gesetz sein wollt: Hört ihr das Gesetz nicht?
22 Es steht doch geschrieben, dass Abraham zwei Söhne hatte, einen von der [leibeigenen] Magd, den anderen von der Freien.
23 Der von der Magd war gemäß dem Fleisch geboren, der von der Freien aber kraft der Verheißung.
24 Das hat einen bildlichen Sinn: Dies sind nämlich die zwei Bündnisse; das eine vom Berg Sinai, das zur Knechtschaft gebiert, das ist Hagar.
25 Denn »Hagar« bedeutet den Berg Sinai in Arabien und entspricht dem jetzigen Jerusalem, und es ist in Knechtschaft samt seinen Kindern.
26 Das obere Jerusalem aber ist frei, und dieses ist die Mutter von uns allen.
27 Denn es steht geschrieben: »Freue dich, du Unfruchtbare, die du nicht gebierst; brich in Jubel aus und jauchze, die du nicht in Wehen liegst, denn die Vereinsamte hat mehr Kinder als die, welche den Mann hat«.
28 Wir aber, Brüder, sind nach der Weise des Isaak Kinder der Verheißung.
29 Doch gleichwie damals der gemäß dem Fleisch Geborene den gemäß dem Geist [Geborenen] verfolgte, so auch jetzt.
30 Was aber sagt die Schrift? »Treibe die Magd hinaus und ihren Sohn! Denn der Sohn der Magd soll nicht erben mit dem Sohn der Freien«.
31 So sind wir also, Brüder, nicht Kinder der [leibeigenen] Magd, sondern der Freien.“

Hebr 12,22-24: „…sondern ihr seid gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und zu Zehntausenden von Engeln,
23 zu der Festversammlung und zu der Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel angeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten,
24 und zu Jesus, dem Mittler des neuen Bundes, und zu dem Blut der Besprengung, das Besseres redet als [das Blut] Abels.“

 

Der Herr sagte während seines Dienstes auf der Erde, dass für die Jünger noch zu ihren eigenen Lebzeiten ein Tag kommen würde, an welchem sie die Aufrichtung des Reiches Gottes in Kraft erleben würden. Das Reich Gottes war ihnen schon durch die Ankunft des Herrn nahe gekommen, und es würde wenig später in ihnen selbst und in der Welt errichtet werden. Schon der Prophet Joel hatte im Alten Testament über die Ausgießung des Heiligen Geistes auf alles Fleisch (alle Nationen) gesprochen. Dies erfüllte sich an Pfingsten in Jerusalem, wo der Heilige Geist mit Macht und Kraft zur Erde kam und die Gemeinde und somit auch das Reich gründete. Petrus bezieht sich in seiner Pfingstpredigt direkt auf Joel und zitiert sein Prophetenwort. Das Haupt herrscht über die Glieder, das Reich ist Gerechtigkeit, Frieden und Freude im Heiligen Geist. Es besteht in den Gläubigen und wird durch ihren Dienst über die ganze Erde ausgebreitet.

Joel 3,1-2: „Und nach diesem wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausgieße über alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, eure Ältesten werden Träume haben, eure jungen Männer werden Gesichte sehen;
2 und auch über die Knechte und über die Mägde will ich in jenen Tagen meinen Geist ausgießen;“

Mt 4,17: „Von da an begann Jesus zu verkündigen und zu sprechen: Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe herbeigekommen!“

Mk 1,15: „Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“

Mk 9,1: „Und er sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Es sind einige unter denen, die hier stehen, die den Tod nicht schmecken werden, bis sie das Reich Gottes in Kraft haben kommen sehen!“

Luk 24,49: „Und siehe, ich sende auf euch die Verheißung meines Vaters; ihr aber bleibt in der Stadt Jerusalem, bis ihr angetan werdet mit Kraft aus der Höhe!“

Apg 2,1-4: „Und als der Tag der Pfingsten sich erfüllte, waren sie alle einmütig beisammen.
2 Und es entstand plötzlich vom Himmel her ein Brausen wie von einem daherfahrenden gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.
3 Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich zerteilten und sich auf jeden von ihnen setzten.
4 Und sie wurden alle vom Heiligen Geist erfüllt und fingen an, in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist es ihnen auszusprechen gab.“

Apg 2,16-18: „…dies ist es, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist:
17 »Und es wird geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da werde ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, und eure jungen Männer werden Gesichte sehen, und eure Ältesten werden Träume haben;
18 ja, auch über meine Knechte und über meine Mägde werde ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie werden weissagen.“

Rö 14,17: „Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist;“

1Kor 12,12-13: „Denn gleichwie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des einen Leibes aber, obwohl es viele sind, als Leib eins sind, so auch der Christus.
13 Denn wir sind ja alle durch einen Geist in einen Leib hinein getauft worden, ob wir Juden sind oder Griechen, Knechte oder Freie, und wir sind alle getränkt worden zu einem Geist.“

Eph 1,9-10 und 22-23: „Er hat uns das Geheimnis seines Willens bekannt gemacht, entsprechend dem [Ratschluss], den er nach seinem Wohlgefallen gefasst hat in ihm,
10 zur Ausführung in der Fülle der Zeiten: alles unter einem Haupt zusammenzufassen in dem Christus, sowohl was im Himmel als auch was auf Erden ist
22 und er hat alles seinen Füßen unterworfen und ihn als Haupt über alles der Gemeinde gegeben,
23 die sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allen erfüllt.“

 

Ab dem Pfingsttag redet die Heilige Schrift an allen betreffenden Stellen darüber, dass das Reich bereits aufgerichtet ist, und dass die Gläubigen darin leben. Das Reich wird in unseren Tagen gebaut, und der Herr wird es bei seiner Wiederkunft an den Vater übergeben. Alle Lehrsysteme, welche das Reich Gottes in die Zukunft verorten, gehen an diesem Zeugnis der Schrift vorbei. Wir möchten daher noch eine kurze Aufzählung von entsprechenden Schriftstellen anführen und damit das Thema des Reiches Gottes beenden.

Mt 16,18-19: „Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten des Totenreiches sollen sie nicht überwältigen.
19 Und ich will dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben; und was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein; und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.“

Kol 1,13: „Er hat uns errettet aus der Herrschaft der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe.“

1Pe 2,9-10: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums, damit ihr die Tugenden dessen verkündet, der euch aus der Finsternis berufen hat zu seinem wunderbaren Licht
10 – euch, die ihr einst nicht ein Volk wart, jetzt aber Gottes Volk seid, und einst nicht begnadigt wart, jetzt aber begnadigt seid.“

Off 1,5-6+9: „…und von Jesus Christus, dem treuen Zeugen, dem Erstgeborenen aus den Toten und dem Fürsten über die Könige der Erde. Ihm, der uns geliebt hat und uns von unseren Sünden gewaschen hat durch sein Blut,
6 und uns zu Königen und Priestern gemacht hat für seinen Gott und Vater – Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.
9 Ich, Johannes, der ich auch euer Bruder bin und mit euch Anteil habe an der Bedrängnis und am Reich und am standhaften Ausharren Jesu Christi, war auf der Insel, die Patmos genannt wird, um des Wortes Gottes und um des Zeugnisses Jesu Christi willen.“

Off 5,10: „…und hast uns zu Königen und Priestern gemacht für unseren Gott, und wir werden herrschen auf Erden.“

1Kor 15,21-25: „Denn weil der Tod durch einen Menschen kam, so kommt auch die Auferstehung der Toten durch einen Menschen;
22 denn gleichwie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden.
23 Ein jeder aber in seiner Ordnung: Als Erstling Christus; danach die, welche Christus angehören, bei seiner Wiederkunft;
24 danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, wenn er jede Herrschaft, Gewalt und Macht beseitigt hat.
25 Denn er muss herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat.“

 

Wir setzen nun die Betrachtung unseres Textes fort mit Kapitel 4,6. Hier wird das Hinkende gesammelt und das Verstoßene zusammengebracht. Dies hat sich zunächst in der Rückkehr des Überrestes aus der hier noch zukünftigen babylonischen Gefangenschaft erfüllt. Aus der Ferne kommen sie zurück und werden ein starkes Volk (erster Teil von Vers 7).

Der Übergang zum Zeitalter der neutestamentlichen Gemeinde findet sich in der Mitte von Vers 7. Der Herr wird über sie herrschen auf dem Berg Zion in Ewigkeit. Somit haben wir hier den himmlischen Berg Zion und den verherrlichten Berg Zion der neuen Erde und ewigen Schöpfung, und nicht mehr den heutigen irdischen Zionsberg. Vers 8 bringt uns das Königtum der Frau des Königs, des neuen Jerusalem, der Gemeinde Jesu Christi, über die neue und ewige Schöpfung.

Ps 45,1-3 und 14-18: „Dem Vorsänger. Nach [der Melodie] »Lilien«.Von den Söhnen Korahs. Ein Maskil; ein Lied der Liebe.
2 Mein Herz fließt über mit einem lieblichen Lied. Ich sage: Meine Gedichte sind für den König bestimmt, meine Zunge ist der Griffel eines gewandten Schreibers.
3 Du bist schöner als die Menschenkinder; Gnade ist ausgegossen über deine Lippen; darum hat Gott dich gesegnet auf ewig.
14 Ganz herrlich ist die Königstochter im Innern; aus gewirktem Gold ist ihr Gewand.
15 In gestickten Kleidern wird sie dem König zugeführt; die Jungfrauen, die sie begleiten, ihre Gefährtinnen, sie werden zu dir gebracht.
16 Man führt sie mit Freuden und Frohlocken, und sie ziehen ein in den Palast des Königs.
17 An die Stelle deiner Väter werden deine Söhne treten, du wirst sie als Fürsten einsetzen im ganzen Land.
18 Ich will deinen Namen verkünden in allen Geschlechtern; darum werden dich die Völker preisen immer und ewiglich.“

Off 21,1-3 und 9-10: „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer gibt es nicht mehr.
2 Und ich, Johannes, sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabsteigen, zubereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut.
3 Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Himmel sagen: Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen; und sie werden seine Völker sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott.
9 Und es kam zu mir einer der sieben Engel, welche die sieben Schalen hatten, die mit den sieben letzten Plagen gefüllt waren, und redete mit mir und sprach: Komm, ich will dir die Frau, die Braut des Lammes, zeigen!
10 Und er brachte mich im Geist auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die große Stadt, das heilige Jerusalem, die von Gott aus dem Himmel herabkam.“

 

In den Versen 9-10 werden wir wieder in die harte Realität der Zeit Michas zurückgeholt. Es ist kein König da und keine Ratsherren mehr, wenn die Verwüstung über Zion kommt. Sie sind führungslos und ratlos geworden. Sie schreien wie eine Gebärende. Hier ist es eine Gebärende wie die Frau des Pinehas in 1Sam 4,19-22, die Schwiegertochter Elis, des letzten Priesters von Silo. Sie starb bei der Geburt, nachdem sie zuvor gehört hatte, dass die Bundeslade Israels verlorengegangen war. Die Lade symbolisierte damals die Gegenwart Gottes inmitten des Volkes. Nun war Gott nicht mehr in ihrer Mitte. Es gab keine Herrlichkeit mehr, und das war auch der Name des neugeborenen Kindes: Ikabod („Nicht-Herrlichkeit“ oder „keine Herrlichkeit mehr“). So wird es auch hier sein, wenn Jerusalem und der Tempel untergehen werden.

Am Ende von Vers 10 finden wir die Verheißung der Rettung und Wiederherstellung. Die Verse 11-12 bringen das Gericht über die Vernichter Jerusalems, so wie wir es an verschiedenen Stellen in anderen Prophetenbüchern ausführlich finden. Jes 10; Jes 13-27; Jer 46-51; Hes 25-32 und andere Stellen. In Jes 10 ist besonders der Assyrer angesprochen. Er ist die nun kommende erste Zuchtrute zur Zeit Michas und Jesajas. Er wird den Norden vernichten und nach Jerusalem kommen, um dort unterzugehen. Nach ihm wird der Babylonier kommen. Er wird das Südreich vernichten und in die Gefangenschaft bringen. Nach 70 Jahren wird das babylonische Reich gerichtet werden durch die Hand Medopersiens. Danach werden die Griechen kommen, deren Nachfolger von den Makkabäern besiegt werden. Schließlich werden die Römer kommen und ihr Weltreich errichten.

Der König der Könige, der Herr der Herren, der Messias Jesus Christus, wird unter der politischen Herrschaft der Römer sein ewiges Reich gründen, welches alle anderen Reiche überdauern wird. Wenn er wiederkommt, dann wird er das heutige Weltsystem vernichten, nämlich Babylon die Große, welche auf der ganzen Erde die Gemeinde des Herrn Jesus Christus verfolgt und getötet hat. So wie es hier bei Micha ist, so wird es bleiben bis zum Ende. Gott wird diejenigen richten, durch welche er zuvor sein Volk züchtigen musste. Einmal wird es enden bei der Wiederkunft des Herrn. Der Herr wird zusammen mit seiner Gemeinde am letzten Tag die gottlose Welt und alle ihre Nationen zerdreschen. Nach aller Geduld Gottes mit der Verkündigung des Evangeliums und nach aller Demütigung, Verwerfung und Verfolgung der Gläubigen in der Welt wird es keine andere Möglichkeit mehr geben. Nach diesem Gericht wird der Herr mit Frieden, Freude und Herrlichkeit für immer der Beherrscher der neuen Schöpfung sein.

Vers 14 (in der Übersetzung Schlachter 2000 zwischen Kapitel 4 und 5 angesiedelt) bringt uns das Gericht über die falschen Richter Israels und richtet dabei unseren Blick zugleich auf den Herrn aus. Wir haben in 4,9 gesehen, dass kein König und keine Richter mehr da sind. Der König ist verschleppt worden. Historisch gesehen war es Zedekia. Die falschen Richter Israels haben das Volk immer wieder ins Gesicht geschlagen. Nun werden die Richter Israels von dem mächtigen Eroberer ins Gesicht geschlagen. Dies war in damaliger Zeit eine übliche Methode der Sieger, nach welcher sie mit den Besiegten verfuhren. Der Besiegte wird nun am eigenen Leib erfahren, was er selbst mit anderen getan hat.

Jes 3,11: „Wehe dem Gottlosen! Ihm geht es schlecht; denn was er mit seinen Händen getan hat, das wird ihm angetan werden!“

 

Zugleich führt uns der Geist Gottes hin zu dem wahren Herrn, Richter und König des Volkes, welchen wir im nächsten Vers erkennen werden. Auch dieser ewige König wurde ins Gesicht geschlagen, als er auf dem Weg nach Golgatha war, um für unsere Sünden zu sterben. Seinen Aposteln und Evangelisten nach ihm erging es nicht besser. Es wird so bleiben bis er wiederkommt, um als Richter der ganzen Erde Gerechtigkeit zu bringen.

Jes 50,6: „Meinen Rücken bot ich denen dar, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften; mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel.“

Mt 26,67-68: „Da spuckten sie ihm ins Angesicht und schlugen ihn mit Fäusten; andere gaben ihm Backenstreiche
68 und sprachen: Christus, weissage uns! Wer ist's, der dich geschlagen hat?“

Joh 18,21-23: „Was fragst du mich? Frage die, welche gehört haben, was ich zu ihnen geredet habe; siehe, diese wissen, was ich gesagt habe!
22 Als er aber dies sagte, schlug einer der Diener, die dabeistanden, Jesus ins Gesicht und sprach: Antwortest du so dem Hohenpriester?
23 Jesus erwiderte ihm: Habe ich unrecht geredet, so beweise, was daran unrecht war; habe ich aber recht geredet, was schlägst du mich?“

Joh 19,2-3: „Und die Kriegsknechte flochten eine Krone aus Dornen, setzten sie ihm auf das Haupt und legten ihm einen Purpurmantel um
3 und sprachen: Sei gegrüßt, du König der Juden!, und schlugen ihn ins Gesicht.“

Apg 23,2: „Aber der Hohepriester Ananias befahl den Umstehenden, ihn auf den Mund zu schlagen.“

 

 

Kapitel 5

Vers 1 bringt uns nach Bethlehem-Ephrata. Es war nur ein kleines Dorf, aber Gott liebt es, das Schwache zu stärken und das Niedrige zu erhöhen. Eine Begebenheit aus 1. Mose kommt uns hier in den Sinn, denn sie hängt mit der Deutung dieses Verses zusammen.

In 1Mo 32 befindet sich Jakob mit allen seinen bereits geborenen elf Söhnen auf dem Weg aus der Fremde zurück in das verheißene Land. In Pniel hat er seine persönliche Begegnung mit dem Engel des Herrn. Zwar wird ihm die Hüfte ausgerenkt, aber er erkennt in diesem Augenblick das Angesicht des Herrn und wird ein wahrer Gläubiger. Er ist jetzt nicht mehr „Jakob, der Fersenhalter“, sondern „Israel, der Fürst Gottes“. Seine Söhne werden die Stammväter des alttestamentlichen Volkes Gottes, der irdischen Nation Israel sein. Israel wandelt von nun an nicht mehr in der Kraft seines eigenen Fleisches, sondern in der Kraft des Glaubens. Er vertraut auf Gott und seine Wege. In dieser Situation gebiert Rahel auf dem Weg nach Bethlehem den Sohn Benjamin. Der „Sohn der rechten Hand“ (Bedeutung des Namens) ist nun zur Welt gekommen, und seine Mutter hat kurz nach seiner Geburt ihr Leben verloren. Sie hat Bethlehem, das „Haus des Brotes“ (Bedeutung des Namens) in ihrem Leben nicht mehr ganz erreicht.

1Mo 35,19: „Und Rahel starb und wurde begraben am Weg nach Ephrata, das ist Bethlehem.“

 

Etwa 1750 Jahre später wird in Bethlehem der Herr Jesus Christus geboren, der wahre Sohn der rechten Hand des Vaters. Auch er ist nun in der Welt, und er hat sehr wohl Bethlehem im Leib seiner Mutter Maria erreicht. Er selbst ist das Brot vom Himmel, und er kommt zu seinem Volk durch das „Haus des Brotes“ hindurch. So wie der König David aus der unbedeutenden Familie Isais kam, so kommt der Herr aus der noch unbedeutenderen Familie von Maria und Josef. Josef ist noch nicht einmal sein leiblicher Vater, sondern nur der Mann seiner Mutter Maria. Im damaligen Israel war dies eine Herkunft aus dem Nichts. Der Sohn Jesus wird in einem Stall geboren und in eine Futterkrippe gelegt.

In Israel war diese Prophetie Michas unter den Schriftgelehrten bekannt, denn die Weisen aus dem Osten und der König Herodes erkundigen sich bei den Gelehrten nach dem Geburtsort des Königs Israels, der zugleich der König der Ewigkeiten ist. Die Weisen wollen den König ehren, Herodes will ihn umbringen. Wir kennen die Geschichte und ihren Ausgang. Auch unter dem Volk zur Zeit des Herrn war der Geburtsort des Messias bekannt. Dieser König der Ewigkeiten gründete in seinem Tod und seiner Auferstehung sein ewiges Reich, welches nicht von dieser Welt ist, und welches alle Königreiche der Welt überwinden und sie überdauern wird.

Mt 2,3-6: „Als das der König Herodes hörte, erschrak er, und ganz Jerusalem mit ihm.
4 Und er rief alle obersten Priester und Schriftgelehrten des Volkes zusammen und erfragte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte.
5 Sie aber sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht es geschrieben durch den Propheten:
6 »Und du, Bethlehem im Land Juda, bist keineswegs die geringste unter den Fürstenstädten Judas; denn aus dir wird ein Herrscher hervorgehen, der mein Volk Israel weiden soll«.“

Joh 7,41-43: „Andere sprachen: Dieser ist der Christus! Andere aber sagten: Kommt der Christus denn aus Galiläa?
42 Sagt nicht die Schrift, dass der Christus aus dem Samen Davids kommt und aus dem Dorf Bethlehem, wo David war?
43 Es entstand nun seinetwegen eine Spaltung unter der Volksmenge.“

Joh 8,58: „Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham war, bin ich!“

Luk 1,31-33: „Und siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären; und du sollst ihm den Namen Jesus geben.
32 Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben;
33 und er wird regieren über das Haus Jakobs in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.“

Joh 18,36: „Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wäre mein Reich von dieser Welt, so hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde; nun aber ist mein Reich nicht von hier.“

Joh 16,33: „Dies habe ich zu euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden!“

Dan 2,44: „Aber in den Tagen jener Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das in Ewigkeit nicht untergehen wird; und sein Reich wird keinem anderen Volk überlassen werden; es wird alle jene Königreiche zermalmen und ihnen ein Ende machen; es selbst aber wird in Ewigkeit bestehen;“

Dan 7,14: „Und ihm wurde Herrschaft, Ehre und Königtum verliehen, und alle Völker, Stämme und Sprachen dienten ihm; seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergeht, und sein Königtum wird nie zugrunde gehen.“

 

Zur bestimmten Zeit Gottes wird der König in Bethlehem geboren werden (Vers 2). Das Prinzip des Überrestes haben wir bereits besprochen. Als Josef und Maria zum Tempel in Jerusalem kamen, um ihren Sohn Jesus darzustellen, wurden sie von einem gläubigen Überrest erwartet.

Gal 4,4: „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, …“

Luk 2,8-11: „Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Feld, die bewachten ihre Herde in der Nacht.
9 Und siehe, ein Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Herrlichkeit des Herrn umleuchtete sie; und sie fürchteten sich sehr.
10 Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Denn siehe, ich verkündige euch große Freude, die dem ganzen Volk widerfahren soll.
11 Denn euch ist heute in der Stadt Davids der Retter geboren, welcher ist Christus, der Herr.“

Luk 2,25-38: „Und siehe, es war ein Mensch namens Simeon in Jerusalem; und dieser Mensch war gerecht und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels; und der Heilige Geist war auf ihm.
26 Und er hatte vom Heiligen Geist die Zusage empfangen, dass er den Tod nicht sehen werde, bevor er den Gesalbten des Herrn gesehen habe.
27 Und er kam auf Antrieb des Geistes in den Tempel. Und als die Eltern das Kind Jesus hineinbrachten, um für ihn zu tun, was der Brauch des Gesetzes verlangte,
28 da nahm er es auf seine Arme, lobte Gott und sprach:
29 Nun, Herr, entlässt du deinen Knecht in Frieden nach deinem Wort!
30 Denn meine Augen haben dein Heil gesehen,
31 das du vor allen Völkern bereitet hast,
32 ein Licht zur Offenbarung für die Heiden und zur Verherrlichung deines Volkes Israel!
33 Und Joseph und seine Mutter verwunderten sich über das, was über ihn gesagt wurde.
34 Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser ist gesetzt zum Fall und zum Auferstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird –
35 aber auch dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen –, damit aus vielen Herzen die Gedanken geoffenbart werden.
36 Und da war auch Hanna, eine Prophetin, die Tochter Phanuels, aus dem Stamm Asser, die war hochbetagt und hatte nach ihrer Jungfrauschaft mit ihrem Mann sieben Jahre gelebt;
37 und sie war eine Witwe von etwa 84 Jahren; die wich nicht vom Tempel, sondern diente [Gott] mit Fasten und Beten Tag und Nacht.
38 Auch diese trat zu derselben Stunde hinzu und pries den Herrn und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung warteten in Jerusalem.“

 

Elisabeth, Zacharias, Johannes der Täufer, die Hirten, Simeon und Anna die Prophetin waren schon da. Ihnen folgten die Apostel und die namenlosen Gläubigen im Volk Israel. Nach Pfingsten wurde der gläubige Überrest der alten Nation Israel vom Heiligen Geist unter der Verkündigung des Evangeliums bis zur Zerstörung im Jahr 70 n.Chr. gesammelt. Seither kehrt der gläubige Überrest der Brüder des Königs aus allen Nationen der Welt zusammen mit den gläubigen Kindern Gottes aus dem irdischen Israel zu dem auferstandenen Herrn und König zurück, wie es ebenso in Vers 2 gesagt ist. Das Heil begann in Israel, und der dortige gläubige Überrest wurde aus der ungläubigen Masse des Volkes heraus zu den Wegen ihrer gläubigen Väter zurückgebracht. Dies begann mit dem Dienst von Johannes dem Täufer, welcher in der geistlichen Kraft Elias auftrat, und wurde in dem Herrn vollendet.

Mal 3,23-24: „Siehe, ich sende euch den Propheten Elia, ehe der große und furchtbare Tag des HERRN kommt;
24 und er wird das Herz der Väter den Kindern und das Herz der Kinder wieder ihren Vätern zuwenden, damit ich bei meinem Kommen das Land nicht mit dem Bann schlagen muss!“

 

In Vers 3 sehen wir den König als den großen Hirten und allmächtigen Herrn, der seine Herde weidet. Er ist groß bis an die Enden der Erde. Sein Reich breitet sich über die ganze Welt aus. Niemand kann seine Herde vernichten oder seine Versammlung überwinden. Der Herr ist nun nicht mehr der einfache Stein, sondern der mächtige Felsen in einem weiten Land und der Eckstein des Temples Gottes nach dem Geist, der Gemeinde.

Dan 2,44 „Aber in den Tagen jener Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das in Ewigkeit nicht untergehen wird; und sein Reich wird keinem anderen Volk überlassen werden; es wird alle jene Königreiche zermalmen und ihnen ein Ende machen; es selbst aber wird in Ewigkeit bestehen;“

Jes 32,1-2: „Siehe, ein König wird in Gerechtigkeit regieren, und Fürsten werden gemäß dem Recht herrschen;
2 und ein Mann wird sein wie ein Bergungsort vor dem Wind und wie ein Schutz vor dem Unwetter, wie Wasserbäche in einer dürren Gegend, wie der Schatten eines mächtigen Felsens in einem erschöpften Land.“

Mt 16,18: „Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten des Totenreiches sollen sie nicht überwältigen.“

Joh 16,33: „Dies habe ich zu euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden!“

Off 12,6+16: „Und die Frau floh in die Wüste, wo sie einen von Gott bereiteten Ort hat, damit man sie dort 1 260 Tage lang ernähre.
16 Und die Erde half der Frau, und die Erde tat ihren Mund auf und verschlang den Strom, den der Drache aus seinem Maul geschleudert hatte.“

Eph 2,19-22: „So seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge ohne Bürgerrecht und Gäste, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen,
20 auferbaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, während Jesus Christus selbst der Eckstein ist,
21 in dem der ganze Bau, zusammengefügt, wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn,
22 in dem auch ihr miterbaut werdet zu einer Wohnung Gottes im Geist.“

 

Die Verse 4-5 zeigen den Friedefürsten und den Frieden, welchen er bringt. Dieser Friede kann von der Welt und ihren Umständen nicht zerstört werden. Auch wenn ein riesiges Heer wie das des Assyrers in das Land hineinkommt, werden sieben Hirten oder acht Menschenfürsten (das ist in geistlicher Bedeutung eine unbestimmte, aber sehr kleine Zahl) aus der Gegenwart Gottes auftreten und dazu in der Lage sein, den Feind zu überwinden. Ihre geistliche Macht wird groß sein. In der ersten Erfüllung erkennen wir das in der Rettung Jerusalems vor dem gewaltigen Heer des Assyrers, welche nur durch die Demut und das Gottvertrauen von zwei, vielleicht auch drei Personen erlangt wurde. Diese waren Jesaja, Hiskia und vielleicht auch noch Micha, falls er zu dieser Zeit noch am Leben war. Sie vertrauten auf Gott und flohen nicht in die Hände irdischer Helfer. In der geistlichen Erfüllung ist es das Vertrauen der Gläubigen unserer Zeit auf den Herrn. Dieses Vertrauen sollen die Gläubigen auch angesichts gewaltiger weltlicher Übermacht festhalten, selbst wenn sie nur sehr wenige sind.

Jes 28,15-16: „Weil ihr sprecht: »Wir haben einen Bund mit dem Tod geschlossen und einen Vertrag mit dem Totenreich gemacht; wenn die überschwemmende Flut daherkommt, wird sie nicht zu uns gelangen; denn wir haben Lüge zu unserer Zuflucht gemacht und in Betrug uns geborgen!« –
16 darum, so spricht GOTT, der Herr: Siehe, ich lege in Zion einen Stein, einen bewährten Stein, einen kostbaren Eckstein, der aufs Festeste gegründet ist: Wer glaubt, der flieht nicht!“

Jer 17,5-8: „So spricht der HERR: Verflucht ist der Mann, der auf Menschen vertraut und Fleisch zu seinem Arm macht, und dessen Herz vom HERRN weicht!
6 Er wird sein wie ein kahler Strauch in der Einöde; er wird nichts Gutes kommen sehen, sondern muss in dürren Wüstenstrichen hausen, in einem salzigen Land, wo niemand wohnt.
7 Gesegnet ist der Mann, der auf den HERRN vertraut und dessen Zuversicht der HERR geworden ist!
8 Denn er wird sein wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und seine Wurzeln am Bach ausstreckt, der die Hitze nicht fürchtet, wenn sie kommt, sondern seine Blätter bleiben grün; auch in einem dürren Jahr braucht er sich nicht zu sorgen, und er hört nicht auf, Frucht zu bringen.“

Jes 9,5-6: „Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben; und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und man nennt seinen Namen: Wunderbarer, Ratgeber, starker Gott, Ewig-Vater, Friedefürst.
6 Die Mehrung der Herrschaft und der Friede werden kein Ende haben auf dem Thron Davids und über seinem Königreich, dass er es gründe und festige mit Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Der Eifer des HERRN der Heerscharen wird dies tun!“

Joh 14,27: „Frieden hinterlasse ich euch; meinen Frieden gebe ich euch. Nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch; euer Herz erschrecke nicht und verzage nicht!“

Joh 20,19: „Als es nun an jenem Tag, dem ersten der Woche, Abend geworden war und die Türen verschlossen waren an dem Ort, wo sich die Jünger versammelt hatten, aus Furcht vor den Juden, da kam Jesus und trat in ihre Mitte und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch!“

Rö 14,17: „Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist;“

Phil 4,6-7: „Sorgt euch um nichts; sondern in allem lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden.
7 Und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus!“

 

Auch der Vers 5 wurde zunächst sichtbar in der Errettung Jerusalems unter Jesaja und Hiskia erfüllt. Er beinhaltet jedoch ebenso eine geistliche Erfüllung, denn niemals in der Geschichte hat Israel Assyrien oder das Land Nimrods erobert. Die weitere Deutung führt uns somit zum ewigen Reich Gottes, welches der König der Könige aus Vers 1 gegründet hat, und welches von seinen Fürsten und Königen bewohnt wird, von den geistlichen Israeliten der Gemeinde Christi. Alle weiteren Verse des Kapitels müssen auf diesen beiden Ebenen ausgelegt werden: Zunächst auf der geschichtlichen Ebene, danach auf der geistlichen Ebene. Wir werden uns nun bemühen, die beiden Ebenen voneinander zu trennen.

Zunächst die historische Ebene: Hier geht es um das irdische Volk Israel im Alten Testament. Israel wurde unter Hiskia und Jesaja von der Hand des Assyrers errettet (Vers 5). Sie wurden nach der Eroberung durch Babylon unter die Nationen zerstreut und konnten nur noch auf Gott hoffen, der ihre Gefangenschaft beenden und sie zurückbringen würde (Vers 6). Die Wiederherstellung und die Rückführung in das Land kam nach 70 Jahren babylonischer Gefangenschaft unter dem Perserkönig Kyros, einem Hirten Gottes für Israel.

Jes 44,28: „…der von Kyrus spricht: »Er ist mein Hirte, und er wird all meinen Willen ausführen und zu Jerusalem sagen: Werde gebaut!, und zum Tempel: Werde gegründet!«“

 

In der Gefangenschaft hatte der Überrest Israels den Götzendienst beendet, denn sie waren der babylonischen Götzen überdrüssig geworden. Sie hatten keine Wahrsager mehr, keine Bildnisse, keine Aschera-Standbilder mehr, als sie zurückkehrten. Gott richtete auf seinen Wegen nacheinander die Feinde, durch welche sie zerstört und verschleppt worden waren: Babylon, Medopersien, Griechenland, Rom (Verse 9-14). Kurz vor der Zerstörung des zweiten Tempels Jerusalems durch die Römer wurde durch die Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt des Herrn Jesus Christus das ewige Reich Gottes gegründet, auf welches sich die geistliche Deutungsebene bezieht.

Nun also die geistliche Ebene: Es geht jetzt um das ewige Israel Gottes nach dem Geist, um die Gemeinde Jesu Christi. Die Bewohner des Reiches Gottes leben schon hier auf der Erde in einem geistlichen Land, welches ihnen ein Erbe bereithält. Der Herr teilt es ihnen aus. Der Satan (der geistliche Assyrer) versucht ständig, ihnen ihr Gebiet streitig zu machen. Die Gläubigen verteidigen sich in der Kraft Gottes, indem sie die geistliche Waffenrüstung tragen und zu stehen Vermögen. Der Assyrer wird vertrieben (Vers 5).

Eph 6,10-13: „Im Übrigen, meine Brüder, seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke.
11 Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr standhalten könnt gegenüber den listigen Kunstgriffen des Teufels;
12 denn unser Kampf richtet sich nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Herrschaften, gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher der Finsternis dieser Weltzeit, gegen die geistlichen [Mächte] der Bosheit in den himmlischen [Regionen].
13 Deshalb ergreift die ganze Waffenrüstung Gottes, damit ihr am bösen Tag widerstehen und, nachdem ihr alles wohl ausgerichtet habt, euch behaupten könnt.“

 

Auf der ganzen Erde wird der Überrest Gottes unter allen Nationen zerstreut sein. Überall werden sie der Tau Gottes sein, welcher das dürre Gras benetzt und das neue Leben hervorbringt. Durch ihr Zeugnis wird der Heilige Geist viele Menschen zur Errettung führen. Der Tau Gottes wird aus der Morgenröte hervortreten und dem auf seinem Thron verherrlichten Herrn dienen. Sie werden Hoffnung zu den Menschen bringen, die keine Hoffnung mehr haben (Vers 6).

Ps 110,1-3: „Ein Psalm Davids. Der HERR sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde hinlege als Schemel für deine Füße!
2 Der HERR wird das Zepter deiner Macht ausstrecken von Zion: Herrsche inmitten deiner Feinde!
3 Dein Volk ist willig am Tag deines Kriegszuges; in heiligem Schmuck, aus dem Schoß der Morgenröte, tritt der Tau deiner Jungmannschaft hervor.“

 

Sie werden mit Löwenmut das Zeugnis Gottes reden, wenn es geboten ist. Neben ihrer Sanftmut im Umgang mit den Schwachen und verlorenen Menschen werden sie ebenso für ihre Kühnheit im Umgang mit den Feinden und Verfolgern bekannt sein. Durch ihr Zeugnis werden sie das Reich Gottes ausbreiten und alle geistlichen Festungen des Satans stürmen. Niemand wird der Kraft des Löwen von Juda auf dem himmlischen Thron widerstehen können, welche in ihnen wirkt (Verse 7 und 8).

Lk 21,12-15: „Vor diesem allem aber werden sie Hand an euch legen und euch verfolgen und in Synagogen und Gefängnisse übergeben und vor Könige und Fürsten führen um meines Namens willen.
13 Das wird euch aber Gelegenheit zum Zeugnis geben.
14 So nehmt euch nun zu Herzen, dass ihr eure Verteidigung nicht vorher überlegen sollt;
15 denn ich will euch Weisheit und Fähigkeit zu reden geben, der alle eure Widersacher nicht werden widersprechen noch widerstehen können.“

Apg 4,29-31: „Und jetzt, Herr, sieh ihre Drohungen an und verleihe deinen Knechten, dein Wort mit aller Freimütigkeit zu reden,
30 indem du deine Hand ausstreckst zur Heilung, und dass Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines heiligen Knechtes Jesus!
31 Und als sie gebetet hatten, erbebte die Stätte, wo sie versammelt waren, und sie wurden alle mit Heiligem Geist erfüllt und redeten das Wort Gottes mit Freimütigkeit.“

Apg 5,29-32: „Aber Petrus und die Apostel antworteten und sprachen: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!
30 Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr umgebracht habt, indem ihr ihn ans Holz gehängt habt.
31 Diesen hat Gott zum Fürsten und Retter zu seiner Rechten erhöht, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu gewähren.
32 Und wir sind seine Zeugen, was diese Tatsachen betrifft, und auch der Heilige Geist, welchen Gott denen gegeben hat, die ihm gehorchen.“

2Kor 10,3-5: „Denn obgleich wir im Fleisch wandeln, so kämpfen wir doch nicht nach Art des Fleisches;
4 denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig durch Gott zur Zerstörung von Festungen,
5 sodass wir Vernunftschlüsse zerstören und jede Höhe, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt, und jeden Gedanken gefangen nehmen zum Gehorsam gegen Christus.“

 

Das Volk Gottes selbst wird weder Rosse noch Wagen haben, um auf sie zu vertrauen. Sie werden ihren geistlichen Dienst tun im völligen Vertrauen auf den Herrn und unabhängig von weltlichen Existenzquellen (Vers 9). Dies galt auch schon für den gläubigen Überrest des Alten Testamentes.

Sach 4,6-7: „Da antwortete er und sprach zu mir: Das ist das Wort des HERRN an Serubbabel: Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist!, spricht der HERR der Heerscharen.
7 Wer bist du, großer Berg? Vor Serubbabel sollst du zur Ebene werden! Und er wird den Schlussstein hervorbringen unter lautem Zuruf: Gnade, Gnade mit ihm!“

Luk 12,29-32: „Und ihr sollt auch nicht danach trachten, was ihr essen oder was ihr trinken sollt; und beunruhigt euch nicht!
30 Denn nach all diesem trachten die Heidenvölker der Welt; euer Vater aber weiß, dass ihr diese Dinge benötigt.
31 Trachtet vielmehr nach dem Reich Gottes, so wird euch dies alles hinzugefügt werden!
32 Fürchte dich nicht, du kleine Herde; denn es hat eurem Vater gefallen, euch das Reich zu geben.“

 

Sie werden nicht in Befestigungsanlagen leben müssen, sondern ihre Gemeinschaften werden – trotz geistlicher Grenzen und Mauern – offene Tore haben, damit errettete Menschen eintreten können (Vers 10).

Sach 2,8: „Und er sprach zu ihm: Laufe und sage jenem jungen Mann und sprich: Als offene Stadt soll Jerusalem bewohnt werden wegen der großen Menge von Menschen und Vieh in seiner Mitte;“

Apg 5,12-14: „Durch die Hände der Apostel aber geschahen viele Zeichen und Wunder unter dem Volk; und sie waren alle einmütig beisammen in der Halle Salomos.
13 Von den Übrigen aber wagte keiner sich ihnen anzuschließen; doch das Volk schätzte sie hoch;
14 und immer mehr wurden hinzugetan, die an den Herrn glaubten, eine Menge von Männern und Frauen,“

Off 21,10-13: „Und er brachte mich im Geist auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die große Stadt, das heilige Jerusalem, die von Gott aus dem Himmel herabkam,
11 welche die Herrlichkeit Gottes hat. Und ihr Lichtglanz gleicht dem köstlichsten Edelstein, wie ein kristallheller Jaspis.
12 Und sie hat eine große und hohe Mauer und zwölf Tore, und an den Toren zwölf Engel, und Namen angeschrieben, nämlich die der zwölf Stämme der Söhne Israels.
13 Von Osten [her gesehen] drei Tore, von Norden drei Tore, von Süden drei Tore, von Westen drei Tore.“

 

Sie vertrauen auf den Herrn, und nicht mehr auf Geister, Zaubermittel, Wahrsagerei, Abbildungen von Heiligen und Statuen. Sie haben keine festen und mächtigen Städte, denn Gott zerstreut sie über die ganze Erde, um Zeugnis zu geben (Verse 11-13).

Apg 1,8: „… sondern ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist, und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde!“

Apg 8,1: „Saulus aber hatte seiner Ermordung zugestimmt. Und an jenem Tag erhob sich eine große Verfolgung gegen die Gemeinde in Jerusalem, und alle zerstreuten sich in die Gebiete von Judäa und Samaria, ausgenommen die Apostel.“

Apg 19,18-20: „Und viele von denen, die gläubig geworden waren, kamen und bekannten und erzählten ihre Taten.
19 Viele aber von denen, die Zauberkünste getrieben hatten, trugen die Bücher zusammen und verbrannten sie vor allen; und sie berechneten ihren Wert und kamen auf 50 000 Silberlinge.
20 So breitete sich das Wort des Herrn mächtig aus und erwies sich als kräftig.“

 

Gott wird denen am Ende vergelten müssen, welche das Evangelium nicht hören wollten. Sie haben sich dafür entschieden, die Lüge zu glauben. Einige davon haben die Zeugen verfolgt und umgebracht. Gott wird sie finden und am Ende richten müssen.

2 Thes 1,3-10: „Wir sind es Gott schuldig, allezeit für euch zu danken, Brüder, wie es sich auch geziemt, weil euer Glaube über die Maßen wächst und die Liebe jedes Einzelnen von euch zunimmt allen gegenüber,
4 sodass wir selbst uns im Hinblick auf euch rühmen in den Gemeinden Gottes wegen eures standhaften Ausharrens und eurer Glaubenstreue in allen euren Verfolgungen und Bedrängnissen, die ihr zu ertragen habt.
5 Sie sind ein Anzeichen des gerechten Gerichtes Gottes, dass ihr des Reiches Gottes würdig geachtet werdet, für das ihr auch leidet;
6 wie es denn gerecht ist vor Gott, dass er denen, die euch bedrängen, mit Bedrängnis vergilt,
7 euch aber, die ihr bedrängt werdet, mit Ruhe gemeinsam mit uns, bei der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel her mit den Engeln seiner Macht,
8 in flammendem Feuer, wenn er Vergeltung üben wird an denen, die Gott nicht anerkennen, und an denen, die dem Evangelium unseres Herrn Jesus Christus nicht gehorsam sind.
9 Diese werden Strafe erleiden, ewiges Verderben, vom Angesicht des Herrn und von der Herrlichkeit seiner Kraft,
10 an jenem Tag, wenn Er kommen wird, um verherrlicht zu werden in seinen Heiligen und bewundert in denen, die glauben – denn unser Zeugnis hat bei euch Glauben gefunden.“

2Thes 2,7-12: „Denn das Geheimnis der Gesetzlosigkeit ist schon am Wirken, nur muss der, welcher jetzt zurückhält, erst aus dem Weg sein;
8 und dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr verzehren wird durch den Hauch seines Mundes, und den er durch die Erscheinung seiner Wiederkunft beseitigen wird,
9 ihn, dessen Kommen aufgrund der Wirkung des Satans erfolgt, unter Entfaltung aller betrügerischen Kräfte, Zeichen und Wunder
10 und aller Verführung der Ungerechtigkeit bei denen, die verlorengehen, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, durch die sie hätten gerettet werden können.
11 Darum wird ihnen Gott eine wirksame Kraft der Verführung senden, sodass sie der Lüge glauben,
12 damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt haben, sondern Wohlgefallen hatten an der Ungerechtigkeit.“

 

 

Kapitel 6

Nachdem wir in den vorangehenden drei Kapiteln mit der Hilfe des Herrn doch etwas schwierigere Gewässer durchsegelt haben, kommen wir in diesem Kapitel wieder in einen einfacheren Bereich hinein. Gott muss wieder zu den Sünden des Volkes zurückkehren und mit ihnen rechten.

Wir finden in den Versen 1-2 eine Gerichtsszene. Gott ruft die Berge, die Hügel und die Grundfesten der Erde als Zeugen herbei. Sie waren dabei, als er sein abtrünniges Volk gebildet und aus der Welt herausgeführt hat in das verheißene Land, in welchem sie nun so heruntergekommen sind.

In Vers 3 wird das Volk von Gott gefragt, was er ihnen denn angetan habe, oder womit er sie beleidigt habe. Die Art der Fragestellung ist bezeichnend. Es ist eine rhetorische Frage, welche dem Volk den Spiegel seines Gewissens vorhalten soll. Sie sind nämlich selbst diejenigen, die ohne Unterbrechung genau das getan haben. Sie haben seit Jahrhunderten Gott beleidigt und ihm durch ihren Götzendienst vieles angetan. Gott hat sie geliebt, aber sie waren für ihn eine immerwährende Enttäuschung und sind es noch. Sie sollen bezeugen, was Gott ihnen angetan hat und dadurch erkennen, was sie ihm angetan haben, indem sie darüber nachsinnen.

In Vers 4 werden sie an Gottes gnädigen Beistand im Auszug aus Ägypten und auf der Wüstenreise erinnert, in Vers 5 an die Listen Balaks und Bileams mit Gottes Bewahrung. Sie sollen sich auch daran erinnern, wie Gott sie sah auf ihrer Reise zur Zeit ihrer Jugend in der Wüste und in den Ebenen Moabs. Gott bewahrte sie, doch schon in der Ebene Sittim begannen sie mit den Moabiterinnen Hurerei zu treiben. Auf dem Hügel Aralot bei Gilgal wurden sie beschnitten unter Josua. In Gilgal wählten sie aber auch den König Saul und verschmähten Gott als ihren König. Dort gab es auch Höhen für den Götzendienst, und es wurden Stieropfer dargebracht.

2Mo 4,22-23: „Und du sollst zum Pharao sagen: So spricht der HERR: »Israel ist mein erstgeborener Sohn;
23 darum sage ich dir: Lass meinen Sohn ziehen, damit er mir dient; wenn du dich aber weigern wirst, ihn ziehen zu lassen, siehe, so werde ich deinen eigenen erstgeborenen Sohn umbringen!«“

Ps 77,16-21: „Du hast dein Volk erlöst mit deinem Arm, die Kinder Jakobs und Josephs. (Sela.)
17 Als dich, o Gott, die Wasser sahen, als dich die Wasser sahen, da brausten sie; ja, das Meer wurde aufgeregt.
18 Die Wolken gossen Wasser aus, es donnerte im Gewölk, und deine Pfeile fuhren daher.
19 Deine Donnerstimme erschallte im Wirbelwind, Blitze erhellten den Erdkreis; die Erde erbebte und zitterte.
20 Dein Weg führte durch das Meer und dein Pfad durch gewaltige Fluten, und deine Fußstapfen waren nicht zu erkennen.
21 Du führtest dein Volk wie eine Herde durch die Hand von Mose und Aaron.“

4Mo 24,3-7: „Und er begann seinen Spruch und sprach: »So spricht Bileam, der Sohn Beors, und so spricht der Mann, dessen Augen geöffnet sind;
4 so spricht der, welcher die Worte Gottes hört, der ein Gesicht des Allmächtigen sieht, der niederfällt, aber dessen Augen enthüllt sind:
5 Wie schön sind deine Zelte, Jakob, deine Wohnungen, Israel!
6 Wie Täler sind sie ausgebreitet, wie Gärten am Strom, wie Aloebäume, die der HERR gepflanzt hat, wie Zedern am Wasser.
7 Wasser wird aus seinen Eimern fließen, und sein Same wird sein in großen Wassern. Sein König wird höher sein als Agag, und sein Reich wird erhöht sein.“

4Mo 25,1: „Und Israel ließ sich in Sittim nieder; und das Volk fing an, Unzucht zu treiben mit den Töchtern der Moabiter.“

Jos 5,2-3: „Zu der Zeit sprach der HERR zu Josua: Mache dir scharfe Messer und beschneide die Söhne Israels wiederum, zum zweiten Mal!
3 Da machte sich Josua scharfe Messer und beschnitt die Söhne Israels auf dem Hügel Aralot.“

1Sam 11,15: „Da ging das ganze Volk nach Gilgal und machte dort Saul zum König vor dem HERRN in Gilgal, und sie schlachteten dort Friedensopfer vor dem HERRN. Und Saul und alle Männer Israels freuten sich dort sehr.“

Hos 4,15: „Wenn du, Israel, Hurerei treibst, so soll sich doch Juda nicht versündigen! Geht doch nicht nach Gilgal, zieht nicht nach Beth-Awen hinauf und schwört nicht: »So wahr der HERR lebt!«“

Hos 12,12: „Sind sie in Gilead nichtswürdig gewesen, so sollen sie zunichtewerden; haben sie in Gilgal Stiere geopfert, so sollen auch ihre Altäre wie Steinhaufen auf den Furchen des Ackers werden!“

 

In den Versen 6-7 deckt Gott in Form einer weiteren Frage an ihr Gewissen ihren falschen und bisweilen schrecklichen Götzendienst auf, um sie zur Besinnung zu bringen. Sie opferten einjährige Kälber als Brandopfer vor Gott, aber ihr Herz war nicht dabei. Sie opferten Tausende von Widdern und ließen Ströme von Öl fließen. Das schlimmste waren aber ihre Kinderopfer für die bösesten Götzen.

Ein besonderes Wort noch zu Vers 7: Kein Mensch kann Gott besänftigen, indem er seinen erstgeborenen Sohn für seine Sünden opfert. Nur Gott kann das tun! Er hat es nämlich getan, indem er seinen erstgeborenen Sohn, den Liebling seiner Seele, den Herrn Jesus Christus, für unsere Sünden geopfert hat. Der Herr ging durch die Gluten des Gerichtes Gottes hindurch und bezahlte mit seinem eigenen Blut unsere Sünden.

Jer 12,7: „Ich habe mein Haus verlassen, mein Erbe verstoßen; ich habe den Liebling meiner Seele in die Hand seiner Feinde gegeben.“

3Mo 17,11: „Denn das Leben des Fleisches ist im Blut, und ich habe es euch auf den Altar gegeben, um Sühnung zu erwirken für eure Seelen. Denn das Blut ist es, das Sühnung erwirkt für die Seele.“

1Pe 1,18-20: „Denn ihr wisst ja, dass ihr nicht mit vergänglichen Dingen, mit Silber oder Gold, losgekauft worden seid aus eurem nichtigen, von den Vätern überlieferten Wandel,
19 sondern mit dem kostbaren Blut des Christus als eines makellosen und unbefleckten Lammes.
20 Er war zuvor ersehen vor Grundlegung der Welt, aber wurde offenbar gemacht in den letzten Zeiten um euretwillen,“

 

In Vers 8 sagt Gott ihnen, was sie tun können anstelle ihres sinnlosen Opferdienstes. Sie können nämlich Recht und Liebe üben und in Demut wandeln mit ihrem Gott. Dies ist im Blick auf das Neue Testament die Summe des Gesetzes Christi, entsprechend der vollen Frucht des Heiligen Geistes in den Gläubigen.

Rö 13,10: „Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses; so ist nun die Liebe die Erfüllung des Gesetzes.“

Gal 5,22-23: „Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung.
23 Gegen solche Dinge gibt es kein Gesetz.“

Eph 3,14-19: „Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater unseres Herrn Jesus Christus,
15 von dem jedes Geschlecht im Himmel und auf Erden den Namen erhält,
16 dass er euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit gebe, durch seinen Geist mit Kraft gestärkt zu werden an dem inneren Menschen,
17 dass der Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne, damit ihr, in Liebe gewurzelt und gegründet,
18 dazu fähig seid, mit allen Heiligen zu begreifen, was die Breite, die Länge, die Tiefe und die Höhe sei,
19 und die Liebe des Christus zu erkennen, die doch alle Erkenntnis übersteigt, damit ihr erfüllt werdet bis zur ganzen Fülle Gottes.“

 

Ab Vers 9 geht es wieder gegen die sündige Stadt. Sie sollen auf Gott hören, der die Zuchtrute über sie schon bestellt hat. Alles geht erneut in Form einer Frage vonstatten. Es ist fast so, als würde ein Vater mit seinem ungehorsamen Kind reden, welches vor ihm steht. - „Sag mal: Was hast du denn heute so getrieben?“ - Der Vater weiß schon längst alles, aber er möchte das Kind durch seine Fragen zu einem Bekenntnis bringen.

Sie sammeln zu Unrecht erworbene Güter in ihren Häusern. Ihr Ephamaß für das Getreide, ihre Waagen und ihre Gewichtssteine sind gefälscht. Sie betrügen bei jedem noch so kleinen Geschäft. Die Reichen sind gewalttätig, sie lügen ebenso wie alle anderen und betrügen die Menschen. Gott wird sie krank schlagen (Vers 13). Gottes Erziehungsmethoden sind nicht antiautoritär. Wenn Züchtigung geschehen muss, dann kommt sie auch. In den Versen 14-15 kommen der Hunger durch spärliche Nahrung und Missernten und das Schwert des Krieges über sie. Sie haben sich das betrügerische Gesetz des Königs Omri zu Eigen gemacht. Sie sind dem gierigen und grausamen Verhalten Ahabs gefolgt, welcher Nabots Weinberg durch Betrug und Mord an sich gerissen hat. Jetzt werden sie selbst zum Entsetzen und zum Gespött werden. Sie werden am eigenen Leib die Schmach und Schande tragen, welche sie den Armen und dadurch auch ihrem Gott zugefügt haben. Auch allen anderen Menschen, die ohne Gott gelebt haben und gestorben sind, wird es im Endgericht Gottes ebenso ergehen müssen.

Mt 25,42-46: „Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeist; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben;
43 ich bin ein Fremdling gewesen, und ihr habt mich nicht beherbergt; ohne Kleidung, und ihr habt mich nicht bekleidet; krank und gefangen, und ihr habt mich nicht besucht!
44 Dann werden auch sie ihm antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder als Fremdling oder ohne Kleidung oder krank oder gefangen gesehen und haben dir nicht gedient?
45 Dann wird er ihnen antworten: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr einem dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr mir auch nicht getan!
46 Und sie werden in die ewige Strafe hingehen, die Gerechten aber in das ewige Leben.“

 

 

Kapitel 7

In Kapitel 7 redet der Prophet in den Versen 1-6 als Stimme des gläubigen und vom Herrn geleiteten Menschen seiner Zeit über seine eigenen Empfindungen angesichts des namenlosen Elends, mit welchem er täglich konfrontiert wird. Der Prophet wird gewissermaßen zur Stimme aller Propheten, denn sie alle kannten diese Empfindungen, und wir können sie in ihren Worten immer wieder erkennen. (Am deutlichsten finden wir dies wohl bei Jeremia.) In Vers 7 wird der Blick auf Gott gelenkt. In den Versen 8-14 wird das Ausharren der Gläubigen in den Bedrängnissen herausgestellt. In den Versen 15-17 tritt das Eingreifen Gottes mit der Erniedrigung der Feinde hervor. Die Verse 18-20 bringen ein Lob der Gläubigen, wenn sie das Erbarmen und die Gnade Gottes bedenken und erwarten.

In neutestamentlicher Sicht ist dieses Kapitel eine Darstellung der Empfindungen, der Leiden und der Hoffnungen von Jesus Christus in dieser Welt. Hier wird uns – zusammen mit den Leiden in der Seele des Propheten – ein Blick gegeben auf die Leiden des Herrn selbst, als er durch diese Welt ging und in seinem tiefsten Inneren die völlige Gottlosigkeit und Verdorbenheit einer verlorenen Menschheit empfand. Der Herr redete an verschiedenen Stellen in den Evangelien darüber.

Zuletzt finden wir hier natürlich auch uns selbst als heutige Christen, als die Gemeinde in der Welt, in den Gedanken und Empfindungen des Propheten wieder. Auch wir leben wieder einmal in einer schwierigen Zeit, in welcher die Ungerechtigkeit überhandgenommen hat. Es sieht manchmal fast so aus, als hätte Gott die gottlose Welt und auch seine Kinder in dieser Welt endgültig vergessen. Schreiendes Unrecht, pure Dummheit, ganz offen zur Schau gestellte Gottlosigkeiten und frecher Götzendienst in ungezählten Schattierungen feiern ihre Triumphe auf allen Ebenen des Daseins.

Der auf Golgatha besiegte Satan in seinem hasserfüllten Todeskampf gegen den Sieger von Golgatha, nämlich gegen unseren Herrn Jesus Christus, hat in dieser Zeit ein weltweites Bollwerk gegen Christus und seine Gemeinde errichtet, und er scheint uns zu erdrücken. Es sieht zum ersten Mal in der Weltgeschichte rein äußerlich betrachtet mehr und mehr so aus, als sei Gott endgültig besiegt in dieser Welt. Die Diener des Satans, welchen sie in ihrer Verblendung als „Luzifer, den Lichtträger“ bezeichnen, gehen im Gefühl ihres eigenen sicheren Sieges voran und errichten die Neue Weltordnung. Das Licht in ihnen ist Finsternis, und sie sehen es nicht.

Wir werden erinnert an den Satan in der Offenbarung, wo er alle gottlosen Nationen von den Enden der Erde, den Gog und den Magog (siehe hierzu auch Hes 38 und 39) in einem gemeinsamen Angriff aufbietet, um das Heerlager der Heiligen in der Welt (die Gemeinde Jesu Christi) endgültig zu vernichten. Wir wissen nicht, ob die weltweite und immer mehr zunehmende Christenverfolgung unserer Zeit die letzte der Geschichte ist. Es könnte bei genauerer Betrachtung der Ereignisse aber sehr wohl möglich sein, denn heute sind die Verfolgungen und das Elend nicht mehr wie zu früheren Zeiten lokal begrenzt, sondern weltweit ausgebreitet. Der Herr allein weiß es.

Sei es wie es will. Wir kennen das Ende. Der Herr sitzt auf dem Thron, und er wird eingreifen an seinem Tag. Vielleicht gibt es danach noch einmal eine Zeit der Gnade für die geschlagene Menschheit, vielleicht auch nicht. Das soll jedoch nicht unsere Hauptsorge sein. Unsere Aufgabe besteht darin, im Hier und Jetzt in Leiden, aber auch in Treue und Hoffnung das Zeugnis des Herrn weiterzugeben an die Verlorenen.

Joh 1,5: „Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht begriffen.“

Joh 3,19: „Darin aber besteht das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Werke waren böse.“

Mt 6,23: „Wenn aber dein Auge verdorben ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht in dir Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein!“

Luk 11,35: „So habe nun acht, dass das Licht in dir nicht Finsternis ist!“

2Kor 11,14-15: „Und das ist nicht verwunderlich, denn der Satan selbst verkleidet sich als ein Engel des Lichts.
15 Es ist also nichts Besonderes, wenn auch seine Diener sich verkleiden als Diener der Gerechtigkeit; aber ihr Ende wird ihren Werken entsprechend sein.“

Rö 8,18+19+28: „Denn ich bin überzeugt, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll.
19 Denn die gespannte Erwartung der Schöpfung sehnt die Offenbarung der Söhne Gottes herbei.
28 Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind.“

2Tim 4,1+2+5: „Daher bezeuge ich dir ernstlich vor dem Angesicht Gottes und des Herrn Jesus Christus, der Lebendige und Tote richten wird, um seiner Erscheinung und seines Reiches willen:
2 Verkündige das Wort, tritt dafür ein, es sei gelegen oder ungelegen; überführe, tadle, ermahne mit aller Langmut und Belehrung!
5 Du aber bleibe nüchtern in allen Dingen, erdulde die Widrigkeiten, tue das Werk eines Evangelisten, richte deinen Dienst völlig aus!“

Ps 2,1-5: „Warum toben die Heiden und ersinnen die Völker Nichtiges?
2 Die Könige der Erde lehnen sich auf, und die Fürsten verabreden sich gegen den HERRN und gegen seinen Gesalbten:
3 »Lasst uns ihre Bande zerreißen und ihre Fesseln von uns werfen!«
4 Der im Himmel thront, lacht; der Herr spottet über sie.
5 Dann wird er zu ihnen reden in seinem Zorn und sie schrecken mit seinem Grimm:“

Off 20,7-10: „Und wenn die 1 000 Jahre vollendet sind, wird der Satan aus seinem Gefängnis losgelassen werden,
8 und er wird ausgehen, um die Heidenvölker zu verführen, die an den vier Enden der Erde leben, den Gog und den Magog, um sie zum Kampf zu versammeln, deren Zahl wie der Sand am Meer ist.
9 Und sie zogen herauf auf die Fläche des Landes und umringten das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt. Und es fiel Feuer von Gott aus dem Himmel herab und verzehrte sie.
10 Und der Teufel, der sie verführt hatte, wurde in den Feuer- und Schwefelsee geworfen, wo das Tier ist und der falsche Prophet, und sie werden gepeinigt werden Tag und Nacht, von Ewigkeit zu Ewigkeit.“

 

Nach dieser etwas ausführlicheren Einleitung möchten wir nun an den Text unseres letzten Kapitels herangehen. Wir haben verschiedenste Aspekte unter die Lupe genommen. Wir werden uns nun bemühen, in der Besprechung der einzelnen Verse die verschiedenen Deutungsebenen so miteinander zu verbinden, dass sich uns die Gedanken Gottes möglichst gut erschließen. Der Schreiber ist sich in Demut vor dem Herrn der Schwierigkeit dieser Aufgabe bewusst. Er vertraut jedoch darauf, dass der Herr Jesus Christus selbst in seinem Geist die richtigen Worte schenken wird. Ihm allein gehört alle Ehre.

Jud 24-25: „Dem aber, der mächtig genug ist, euch ohne Straucheln zu bewahren und euch unsträflich, mit Freuden vor das Angesicht seiner Herrlichkeit zu stellen,
25 dem allein weisen Gott, unserem Retter, gebührt Herrlichkeit und Majestät, Macht und Herrschaft jetzt und in alle Ewigkeit! Amen.“

 

In den Versen 1-2 klagt der Prophet über seine eigene Situation. Manche haben diese Prophetie als eine Vorausschau auf die damals noch zukünftige Herrschaft von Manasse gedeutet. Dieser Verbrecher trieb relativ kurze Zeit nach Michas Tod für mehr als 40 Jahre sein Unwesen auf dem Thron in Jerusalem, bevor Gott ihn züchtigte.

Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass Micha zur Zeit des ungläubigen Königs Ahas redete, als es in Juda ebenfalls zu unerträglichen Zuständen gekommen war. Die Reformen seines Sohnes und Nachfolgers Hiskia konnten zwar einiges davon wieder verbessern. Sie waren jedoch letztlich nicht durchgreifend genug, um die Katastrophe unter Hiskias Sohn Manasse zu verhindern.

Dem Propheten tut es weh, dass er in solch einer Zeit leben muss, in welcher alles verdorben ist und daneben geht. Keine Weinernte mehr, keine Trauben mehr im Weinberg Gottes, keine Frühfeigen mehr im Ackerbau Gottes. Wir denken an die Dinge, welche wir in Vers 1,6 betrachtet haben. Hier kommt das Motiv zurück. Auch bei anderen Propheten finden wir es in ähnlicher Form. Die Leute im Volk werden hier mit den schlechten Früchten verglichen. Die guten Trauben im Weinberg sind rar geworden, ebenso wie die Frühfeigen. Der Prophet kann keine mehr finden. Der Herr benutzt das Bild ebenfalls, denn er stand in seinem eigenen Dienst ein weiteres Mal einer gottlosen Generation gegenüber, in welcher nur wenige Gläubige auf ihn hofften.

Jes 17,6: „Es wird nur eine Nachlese von ihnen übrig bleiben, wie beim Abschlagen der Oliven: zwei oder drei reife Oliven oben im Wipfel des Baumes, vier oder fünf in den Zweigen des Fruchtbaums!, spricht der HERR, der Gott Israels.“

Jer 24,3+8: „Da sprach der HERR zu mir: Jeremia, was siehst du? – Feigen, antwortete ich; die guten Feigen sind sehr gut, und die schlechten Feigen sind sehr schlecht, sodass man sie vor Schlechtigkeit nicht genießen kann.
8 Aber wie die schlechten Feigen, die so schlecht sind, dass man sie nicht genießen kann, so will ich Zedekia, den König von Juda, behandeln, spricht der HERR, und seine Fürsten und den Überrest von Jerusalem, sowohl die, welche in diesem Land übrig geblieben sind, als auch die, welche im Land Ägypten wohnen.“

Hes 15,6-8: „Darum, so spricht GOTT, der Herr: Wie ich das Holz des Weinstocks unter den Bäumen des Waldes dem Feuer zur Nahrung bestimmt habe, so habe ich auch die Einwohner Jerusalems dahingegeben.
7 Und ich will mein Angesicht gegen sie richten; sie sind zwar dem Feuer entgangen; aber das Feuer soll sie doch verzehren! Dann werdet ihr erkennen, dass ich der HERR bin, wenn ich mein Angesicht gegen sie richte.
8 Und ich will das Land zur Wüste machen, weil sie so treulos gehandelt haben, spricht GOTT, der Herr.“

Mk 11,12-14+20-22: „Und als sie am folgenden Tag Bethanien verließen, hatte er Hunger.
13 Und als er von fern einen Feigenbaum sah, der Blätter hatte, ging er hin, ob er etwas daran finden würde. Und als er zu ihm kam, fand er nichts als Blätter; denn es war nicht die Zeit der Feigen.
14 Und Jesus begann und sprach zu ihm: Es esse in Ewigkeit niemand mehr eine Frucht von dir! Und seine Jünger hörten es.
20 Und als sie am Morgen vorbeikamen, sahen sie, dass der Feigenbaum von den Wurzeln an verdorrt war.
21 Und Petrus erinnerte sich und sprach zu ihm: Rabbi, siehe, der Feigenbaum, den du verflucht hast, ist verdorrt!
22 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt Glauben an Gott!“

 

Der Prophet fühlt sich einsam und verlassen inmitten der gottlosen Menge. So erging es auch anderen Propheten, vor allem natürlich Elia und Jeremia. Sie waren verzweifelt und fühlten sich vollkommen verlassen. Der Herr selbst war in seinem Dienst wahrhaftig einsam und von den Menschen verlassen. Er hatte nur seinen himmlischen Vater. Am Ende wurde er als Mensch für drei Stunden am Kreuz sogar von Gott verlassen, als er uns erlöste durch sein Opfer. In seiner absoluten Verlassenheit vertraute er auf Gott und wurde gerechtfertigt.

1Kö 19,10: „Er sprach: Ich habe heftig geeifert für den HERRN, den Gott der Heerscharen, denn die Kinder Israels haben deinen Bund verlassen und deine Altäre niedergerissen und deine Propheten mit dem Schwert umgebracht, und ich allein bin übrig geblieben; und sie trachten danach, mir das Leben zu nehmen!“

Ps 22,2-3+22-23: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Warum bleibst du fern von meiner Rettung, von den Worten meiner Klage?
3 Mein Gott, ich rufe bei Tag, und du antwortest nicht, und auch bei Nacht, und ich habe keine Ruhe.
22 Errette mich aus dem Rachen des Löwen! – Ja, du hast mich erhört [und gerettet] von den Hörnern der Büffel!
23 So will ich meinen Brüdern deinen Namen verkündigen; inmitten der Gemeinde will ich dich loben!“

Ps 102,6-9: „Vor meinem Stöhnen und Seufzen klebt mein Gebein an meinem Fleisch.
7 Ich gleiche einem Pelikan in der Wüste, bin wie ein Käuzchen in den Ruinen;
8 ich wache und bin wie ein einsamer Vogel auf dem Dach.
9 Täglich schmähen mich meine Feinde, und die gegen mich toben, schwören bei mir;“

Jes 50,6-7+10: „Meinen Rücken bot ich denen dar, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften; mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel.
7 Aber GOTT, der Herr, wird mir helfen, darum muss ich mich nicht schämen; darum machte ich mein Angesicht wie einen Kieselstein, denn ich wusste, dass ich nicht zuschanden würde.
10 Wer unter euch fürchtet den HERRN? Wer gehorcht der Stimme seines Knechtes? Wenn er im Finstern wandelt und ihm kein Licht scheint, so vertraue er auf den Namen des HERRN und halte sich an seinen Gott!“

Joh 7,5: „Denn auch seine Brüder glaubten nicht an ihn.“

Mt 27,45-46: „Aber von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde.
46 Und um die neunte Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: Eli, Eli, lama sabachthani, das heißt: »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?«“

 

Haben auch wir uns bisweilen so einsam gefühlt? Haben auch wir uns danach gesehnt, in den Zeiten der Apostel leben zu dürfen? - „O Herr! Warum muss ich gerade in dieser Zeit leben? Früher war es so viel besser für die Christen als heute! Sie hatten so eine tolle Gemeinschaft bei Brot und Wein in Jerusalem und in den wunderbaren Gemeinden der südlichen Gegenden des Mittelmeeres!“ – Seien wir doch etwas vorsichtiger im Umgang mit diesen Gedanken!

Wären wir dazu in der Lage gewesen, dem römischen Kaiser ins Angesicht das Evangelium zu bezeugen? Wären wir dazu fähig gewesen, den Löwen in der Arena des Kaisers zu begegnen? Hätten wir bereitwillig wie Paulus jahrelang mit Ketten an Händen und Füßen in den dunklen und vermoderten Kerkern der Römer ausgeharrt? Wären wir dazu fähig gewesen, die grausamen Folterungen der Inquisition des Mittelalters zu ertragen? Wären wir wie unsere Großeltern dazu bereit gewesen, für unseren Glauben im Konzentrationslager zu sterben?

Möge der Herr uns in seiner Gnade davor bewahren, in geistlichem Hochmut auf die Christen früherer Zeiten herabzuschauen, welche nicht so viel „Wissen und Erkenntnis“ wie wir besaßen. Vielleicht besaßen sie eine ganz andere Erkenntnis, nämlich die Erkenntnis Gottes in der Gemeinschaft der Leiden des Herrn. Diese Erkenntnis geht tiefer und wiegt bei Gott schwerer als lehrmäßige Bibelkenntnis. Jede Zeit hat ihre ganz eigenen Schwierigkeiten und Herausforderungen, und Gott hat uns eben in unsere Zeit hineingestellt. Er hat dabei sicherlich keinen Fehler gemacht, daher dürfen wir seine Wege mit Dank annehmen.

In den folgenden Versen wird das Elend im Alltag des Propheten näher beschrieben. Es sieht dem Elend unserer Zeit zum Verwechseln ähnlich. Es geht jeder gegen jeden (Vers 2), sie belauern sich alle bis aufs Blut. Sie planen ihre Bosheiten ganz genau (Vers 3) und führen sie konsequent durch. Die Obrigkeiten sind bis in Regierungskreise hinein bestechlich. Sie regieren gegen das Volk und in ihrem eigenen Interesse. Die Justiz ist nur das ausführende Organ für den Willen der Machthaber, sie kümmert sich nicht mehr um das Recht der geringen Leute.

In Vers 4 finden wir einen ersten Ausblick auf das kommende Gericht. Es gab immer wieder Zeiten, in welchen das Unrecht kein Ende mehr zu nehmen schien. Auch heute ist es wieder so. Es wird alles zunehmend unerträglich, und auch für die Christen erhebt sich immer mehr die Frage, wie lange es denn noch so weitergehen soll. Viele Versuchungen werden gerade dadurch am schwierigsten, dass sie sich so sehr in die Länge ziehen. Es ist kaum noch auszuhalten, und dennoch geht es immer weiter. Gott treibt die Dinge in seinen Wegen bis auf die Spitze. Dadurch bewirkt er zwei Dinge.

Zum einen wird völlig klar, wer ihm nachfolgt und wer nicht. Das Gute und das Böse reifen nebeneinander aus bis zum Letzten. Die Bösen verfangen sich immer weiter im Netz ihrer Täuschung, denn sie sind mit der Zeit immer mehr davon überzeugt, dass es keinen Gott gibt. Es passiert ihnen ja nichts. Am Ende sind sie davon überzeugt, dass sie für immer ungestraft so weitermachen können.

Pred 8,11: „Weil der Richterspruch über die böse Tat nicht rasch vollzogen wird, darum ist das Herz der Menschenkinder davon erfüllt, Böses zu tun.“

 

Zum anderen werden die Gläubigen im Ausharren auf die kommende Rettung ihres Gottes geübt. Gott züchtigt das ganze Land wegen der Bewohner. Auch die Gläubigen müssen wissen, dass sie vor ihrer Errettung zu diesen verlorenen Sündern gehörten, und dass sie auch nach ihrer Rettung noch immer nicht sündenfrei sind. Sie leben Tag für Tag nur aus der Gnade Gottes. In diesem Bewusstsein können sie die Züchtigung Gottes annehmen und auch das Wohlergehen der Gottlosen ohne Hass oder Missgunst ertragen. Sie können geduldig sein und ihren Feinden vergeben. Der Herr wird handeln, denn ihm ist das ganze Gericht gegeben. Dieser Tag wird kommen, und niemand auf der Erde kann ihn im Voraus bestimmen.

Pred 8,12-13: „Wenn auch ein Sünder hundertmal Böses tut und lange lebt, so weiß ich doch, dass es denen gut gehen wird, die Gott fürchten, die sich scheuen vor seinem Angesicht.
13 Aber dem Gottlosen wird es nicht gut ergehen, und er wird, dem Schatten gleich, seine Tage nicht verlängern, weil er Gott nicht fürchtet!"

Jes 26,10-12: „Wird dem Gottlosen Gnade erwiesen, so lernt er nicht Gerechtigkeit; in dem Land, wo Ordnung herrscht, handelt er verkehrt und sieht nicht die Majestät des HERRN.
11 HERR, deine Hand ist erhoben; sie wollen es nicht sehen! Sie werden es aber sehen und sich schämen müssen. Der Eifer für das Volk, das Zornesfeuer wird deine Feinde verzehren.
12 Uns aber, HERR, wirst du Frieden schaffen; denn auch alle unsere Werke hast du für uns vollbracht.“

Joh 5,22-23: „Denn der Vater richtet niemand, sondern alles Gericht hat er dem Sohn übergeben,
23 damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat.“

Jak 5,7-8: „So wartet nun geduldig, ihr Brüder, bis zur Wiederkunft des Herrn! Siehe, der Landmann wartet auf die köstliche Frucht der Erde und geduldet sich ihretwegen, bis sie den Früh- und Spätregen empfangen hat.
8 So wartet auch ihr geduldig; stärkt eure Herzen, denn die Wiederkunft des Herrn ist nahe!“

Mt 24,44: „Darum seid auch ihr bereit! Denn der Sohn des Menschen kommt zu einer Stunde, da ihr es nicht meint.“

 

In den Versen 5-6 können die wenigen Gläubigen noch nicht einmal auf ihre eigenen Familienmitglieder vertrauen. Der Riss geht mitten durch die Familien: Die Frau gegen den Mann und umgekehrt, die Eltern gegen die Kinder und umgekehrt. Die Feinde des Menschen sind seine eigenen Hausgenossen. Der Herr selbst hat uns als Christen der heutigen Zeit nichts anderes prophezeit als das, was auch er selbst in seiner eigenen Familie erleben musste. Andererseits sind die geistlichen Bindungen zwischen den Gläubigen stärker als die familiären Bindungen in der Welt. Die Gläubigen sind Kinder Gottes in seiner Familie und seine Hausgenossen. Hier sollen Frieden und Liebe herrschen.

Joh 7,5: „Denn auch seine Brüder glaubten nicht an ihn.“

Luk 21,16-19: „Ihr werdet aber auch von Eltern und Brüdern und Verwandten und Freunden ausgeliefert werden, und man wird etliche von euch töten,
17 und ihr werdet von allen gehasst werden um meines Namens willen.
18 Doch kein Haar von eurem Haupt wird verlorengehen.
19 Gewinnt eure Seelen durch euer standhaftes Ausharren!“

1Joh 4,4: „Kinder, ihr seid aus Gott und habt jene überwunden, weil der, welcher in euch ist, größer ist als der, welcher in der Welt ist.“

Gal 4,6-7: „Weil ihr nun Söhne seid, hat Gott den Geist seines Sohnes in eure Herzen gesandt, der ruft: Abba, Vater!
7 So bist du also nicht mehr Knecht, sondern Sohn; wenn aber Sohn, dann auch Erbe Gottes durch Christus.“

Gal 6,10: „So lasst uns nun, wo wir Gelegenheit haben, an allen Gutes tun, besonders aber an den Hausgenossen des Glaubens.“

Eph 2,19: „So seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge ohne Bürgerrecht und Gäste, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“

 

In Vers 7 löst der Prophet seinen Blick und seine Gedanken von den Umständen und wendet sich hin zu Gott. Auf ihn allein hoffen der Prophet damals und auch der Gläubige in unserer Zeit. Die Lage mag noch so schlimm sein, für den Gläubigen wird sie jedoch niemals hoffnungslos werden. Wir sind auf Hoffnung hin errettet worden, auch wenn es um uns herum bisweilen stockfinster wird.

Jes 50,10: „Wer unter euch fürchtet den HERRN? Wer gehorcht der Stimme seines Knechtes? Wenn er im Finstern wandelt und ihm kein Licht scheint, so vertraue er auf den Namen des HERRN und halte sich an seinen Gott!“

Rö 8,22-25: „Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung mitseufzt und mit in Wehen liegt bis jetzt;
23 und nicht nur sie, sondern auch wir selbst, die wir die Erstlingsgabe des Geistes haben, auch wir erwarten seufzend die Sohnesstellung, die Erlösung unseres Leibes.
24 Denn auf Hoffnung hin sind wir errettet worden. Eine Hoffnung aber, die man sieht, ist keine Hoffnung; denn warum hofft auch jemand auf das, was er sieht?
25 Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so erwarten wir es mit standhaftem Ausharren.“

Rö 8,35-37: „Wer will uns scheiden von der Liebe des Christus? Drangsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert?
36 Wie geschrieben steht: »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wie Schlachtschafe sind wir geachtet!«
37 Aber in dem allem überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat.“

 

In Vers 8 greift der Prophet das Bild der Frauen aus Vers 6 wieder auf, welche sich dort feindlich verhalten haben. Natürlich ist dasselbe auch für feindliche und listige Männer gültig, das ist wohl klar. Der Gläubige wurde zwar zu Fall gebracht, sei es durch seine eigene Sünde oder durch die Verfolger, aber er wird wieder aufstehen in der Kraft des Herrn. In Vers 9 ist der Gläubige sich seiner eigenen Sündhaftigkeit bewusst. Er war ohne den Glauben ebenso verloren wie die Feindin/der Feind, die/der ihn verfolgt.

Die Leiden der Christen in dieser Welt sind nicht nur schicksalhaft, sondern sie dienen auch zur Züchtigung und Erziehung. Der Gläubige beugt sich unter diese Umstände in seinem Leben weil er weiß, dass Gott diese Umstände zugelassen hat. Der Vater wird sein Kind wieder ans Licht hinausführen, und die Feinde/innen werden zuschanden werden (Vers 10). Auch David kannte diese Dinge, als seine Feinde ihn herausfordernd fragten, wo denn nun sein Gott sei. Für sie sah es so aus, als ob Gott nicht dazu fähig sei zu helfen, und sie spotteten. Solche Demütigungen gehen ganz besonders tief, denn sie greifen nicht nur uns selbst an, sondern auch die Ehre unseres Herrn. Der Herr selbst wurde in gleicher Weise angegriffen und verspottet, als er am Kreuz hing. Er versteht den leidenden Gläubigen.

Ps 42,10-11: „Ich will sprechen zu Gott, meinem Fels: Warum hast du mich vergessen? Warum muss ich trauernd einhergehen, weil mein Feind mich bedrängt?
11 Wie Zermalmung meiner Gebeine ist der Hohn meiner Bedränger, weil sie täglich zu mir sagen: Wo ist [nun] dein Gott?“

Ps 73,14-17: „…denn ich bin doch den ganzen Tag geplagt worden, und meine Züchtigung war jeden Morgen da!
15 Wenn ich gesagt hätte: »Ich will ebenso reden!« – siehe, so hätte ich treulos gehandelt am Geschlecht deiner Söhne.
16 So sann ich denn nach, um dies zu verstehen; aber es war vergebliche Mühe in meinen Augen
17 – bis ich in das Heiligtum Gottes ging und auf ihr Ende achtgab.“

Ps 115,1-2: „Nicht uns, o HERR, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre, um deiner Gnade und Treue willen!
2 Warum sollen die Heiden sagen: »Wo ist denn ihr Gott?«“

Spr 24,16-22: „Denn der Gerechte fällt siebenmal und steht wieder auf, aber die Gottlosen stürzen nieder im Unglück.
17 Freue dich nicht über den Fall deines Feindes, und wenn er strauchelt, so frohlocke dein Herz nicht,
18 damit nicht der HERR es sieht und es ihm missfällt und Er seinen Zorn abwendet von ihm.
19 Erzürne dich nicht über die Übeltäter, sei nicht neidisch auf die Gottlosen!
20 Denn der Böse hat keine Zukunft, und die Leuchte der Gottlosen wird erlöschen.
21 Fürchte den HERRN, mein Sohn, und den König, und lass dich nicht mit Aufrührern ein!
22 Denn ihr Unheil wird plötzlich kommen, und ihrer beider Verderben, wer kennt es?“

Rö 8,28: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind.“

1Kor 10,13: „Es hat euch bisher nur menschliche Versuchung betroffen. Gott aber ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern er wird zugleich mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen, sodass ihr sie ertragen könnt.“

Hebr 12,7-8+11: „Wenn ihr Züchtigung erduldet, so behandelt euch Gott ja als Söhne; denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt?
8 Wenn ihr aber ohne Züchtigung seid, an der sie alle Anteil bekommen haben, so seid ihr ja unecht und keine Söhne!
11 Alle Züchtigung aber scheint uns für den Augenblick nicht zur Freude, sondern zur Traurigkeit zu dienen; danach aber gibt sie eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die durch sie geübt sind.“

Mt 27,39-44: „Aber die Vorübergehenden lästerten ihn, schüttelten den Kopf
40 und sprachen: Der du den Tempel zerstörst und in drei Tagen aufbaust, rette dich selbst! Wenn du Gottes Sohn bist, so steige vom Kreuz herab!
41 Gleicherweise spotteten aber auch die obersten Priester samt den Schriftgelehrten und Ältesten und sprachen:
42 Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten! Ist er der König Israels, so steige er nun vom Kreuz herab, und wir wollen ihm glauben!
43 Er hat auf Gott vertraut; der befreie ihn jetzt, wenn er Lust an ihm hat; denn er hat ja gesagt: Ich bin Gottes Sohn!
44 Ebenso schmähten ihn auch die Räuber, die mit ihm gekreuzigt waren.“

 

Ab Vers 11 beginnt die Befreiung und Wiederherstellung nach dem kommenden Unheil. Wir wissen aus der Geschichte, dass das Nordreich noch zu Lebzeiten Michas unterging, das Südreich etwa 135 Jahre später. Die Feinde Israels triumphierten, als das Land entvölkert wurde. Zunächst waren es die Assyrer bei der Verwüstung des Nordens, dann die Babylonier bei der Zerstörung des Südreiches und Jerusalems. Wenige Jahrzehnte später lagen beide Großmächte im Staub und wurden zertreten. Somit können wir natürlich die Verse 11-16 zunächst einmal auf die Gefangenschaft und die Rückkehr des Volkes im Alten Testament beziehen. Die Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft wird auch von Jeremia mit dem Exodus aus Ägypten verglichen (Jeremia 16). Auch dort wird die Rückkehr des Volkes aus der Gefangenschaft mit der Vernichtung der Feinde verbunden. Die Geschichte hat es bestätigt. Wir finden bei Jesaja (Kapitel 13-27) ebenso das Gericht über die Nationen wie bei Jeremia (Kapitel 46-51) und bei Hesekiel (Kapitel 25-32). Das Volk würde jubeln bei der Rückkehr.

Ps 126,1-3: „Ein Wallfahrtslied. Als der HERR die Gefangenen Zions zurückbrachte, da waren wir wie Träumende.
2 Da war unser Mund voll Lachen und unsere Zunge voll Jubel; da sagte man unter den Heiden: »Der HERR hat Großes an ihnen getan!«
3 Der HERR hat Großes an uns getan, wir sind fröhlich geworden.“

 

In geistlicher Betrachtungsweise sehen wir schließlich auch das Israel nach dem Geist Gottes, die Gemeinde Jesu Christi vor uns. Auch sie zieht aus der Gefangenschaft aus, nämlich aus derjenigen des Teufels und seines Weltsystems von Assyrien/Ägypten/Babylon/Babylon der Großen, im Alten und Neuen Testament Bilder für die Enden der Erde und ihre Mächte, wie wir das in Jeremia 50-51 und Offenbarung 17-18 deutlich erkennen.

In Vers 14 werden sie mit dem Stab des Hirten herausgeführt aus dem Dickicht des Waldes auf die Weiden. Im Alten Testament waren es die Hirten Gottes gewesen, welche das Volk immer wieder durch die Wüstengebiete und durch alle möglichen Bedrängnisse führten: Mose, David, der Heide Kyros (Jes 44,28), Josua, Serubbabel und andere. Schließlich war und ist es natürlich der große Hirte, der Herr Jesus Christus selbst, der uns rettet und leitet. Er benutzt dazu als seinen Hirtenstab dasselbe eherne Zepter, mit welchem er die Nationen schlägt. Welch eine Gnade, dass wir nicht mehr geschlagen werden müssen. Wir haben es uns nicht selbst verdient. Es ist uns aus reiner Gnade geschenkt worden.

Ps 2,6-9: „»Ich habe meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berg!« –
7 Ich will den Ratschluss des HERRN verkünden; er hat zu mir gesagt: »Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.
8 Erbitte von mir, so will ich dir die Heidenvölker zum Erbe geben und die Enden der Erde zu deinem Eigentum.
9 Du sollst sie mit eisernem Zepter zerschmettern, wie Töpfergeschirr sie zerschmeißen!«“

Ps 23,1-4: „Ein Psalm Davids. Der HERR ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.
2 Er weidet mich auf grünen Auen und führt mich zu stillen Wassern.
3 Er erquickt meine Seele; er führt mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
4 Und wenn ich auch wanderte durchs Tal der Todesschatten, so fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir; dein Stecken und dein Stab, die trösten mich.“

Joh 10,10-16: „Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu töten und zu verderben; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es im Überfluss haben.
11 Ich bin der gute Hirte; der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.
12 Der Mietling aber, der kein Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht; und der Wolf raubt und zerstreut die Schafe.
13 Der Mietling aber flieht, weil er ein Mietling ist und sich nicht um die Schafe kümmert.
14 Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und bin den Meinen bekannt,
15 gleichwie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne; und ich lasse mein Leben für die Schafe.
16 Und ich habe noch andere Schafe, die nicht aus dieser Schafhürde sind; auch diese muss ich führen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte sein.“

 

Die Gläubigen leben körperlich noch in dieser Welt, wenn sie nicht schon zum Herrn eingegangen sind, aber sie sind zugleich geistlich von ihr abgesondert auf dem Karmel, in Baschan und in Gilead (Vers 14). In Vers 15 wird der Herr sie Wunder sehen lassen. Dies betrifft sowohl die Rettungen des Herrn für seine Gläubigen noch auf der Erde, als auch die Ewigkeit der neuen Schöpfung. Gläubige haben in Bedrängnis betend ausgeharrt, und der Herr hat ihnen im Moment der Befreiung Dinge geschenkt, welche ihre Erwartungen weit übertrafen. Beim Eintritt in die Herrlichkeit wird er ihnen Dinge offenbaren, welche ihnen bis dahin völlig unvorstellbar gewesen sind.

Jes 64,2-3: „…indem du furchtgebietende Taten vollbringst, die wir nicht erwarteten; ja, fahre du herab, dass vor deinem Angesicht die Berge erbeben!
3 Denn von Ewigkeit her hat man nie gehört, nie vernommen, hat kein Auge es gesehen, dass außer dir ein Gott tätig war für die, welche auf ihn harren.“

Eph 3,20-21: „Dem aber, der weit über die Maßen mehr zu tun vermag als wir bitten oder verstehen, gemäß der Kraft, die in uns wirkt,
21 ihm sei die Ehre in der Gemeinde in Christus Jesus, auf alle Geschlechter der Ewigkeit der Ewigkeiten! Amen.“

1Kor 2,9: „…sondern, wie geschrieben steht: »Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört und keinem Menschen ins Herz gekommen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben«.“

 

In den Versen 16-17 werden die Nationen zugleich mit der endgültigen Rettung des Volkes zuschanden werden. Dies geschah in Vorerfüllungen im irdischen Volk Israel bei dem Auszug aus Ägypten und bei der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft, wie wir gesehen haben. Es geschah in den Jahrhunderten danach immer wieder im Niedergang diktatorischer Regime, welche die Gemeinde Christi schwer verfolgt hatten. Bis in unsere Gegenwart hinein gibt es noch immer solche Regime, doch ihre Tage sind in Gottes Augen schon im Voraus gezählt.

Es wird mit dem neutestamentlichen Volk Gottes, mit der Gemeinde Jesu Christi endgültig geschehen bei der Wiederkunft des Herrn, wenn er in Macht und Herrlichkeit Gericht über alle Menschen halten wird. In geistlicher Hinsicht geschah es auf Golgatha durch die Befreiung der Gläubigen aus der Macht des Teufels, als der Schlange der Kopf zertreten wurde. Dies wurde bereits Adam und Abraham verheißen, und es wurde in dem Werk des Herrn Jesus Christus Wirklichkeit. In der Ewigkeit des neuen Himmels und der neuen Erde wird es für immer so bleiben.

1Mo 3,14-15: „Da sprach Gott der HERR zur Schlange: Weil du dies getan hast, so sollst du verflucht sein mehr als alles Vieh und mehr als alle Tiere des Feldes! Auf deinem Bauch sollst du kriechen und Staub sollst du fressen dein Leben lang!
15 Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen: Er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.“

1Mo 22,17-18: „…darum will ich dich reichlich segnen und deinen Samen mächtig mehren, wie die Sterne am Himmel und wie den Sand am Ufer des Meeres; und dein Same soll das Tor seiner Feinde in Besitz nehmen,
18 und in deinem Samen sollen alle Völker der Erde gesegnet werden, weil du meiner Stimme gehorsam warst!“

Hebr 2,14-15: „Da nun die Kinder an Fleisch und Blut Anteil haben, ist er gleichermaßen dessen teilhaftig geworden, damit er durch den Tod den außer Wirksamkeit setzte, der die Macht des Todes hatte, nämlich den Teufel,
15 und alle diejenigen befreite, die durch Todesfurcht ihr ganzes Leben hindurch in Knechtschaft gehalten wurden.“

Jes 65,25: „Wolf und Lamm werden einträchtig weiden, und der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, und die Schlange wird sich von Staub nähren. Sie werden nicht Schaden noch Verderben anrichten auf meinem ganzen heiligen Berg!, spricht der HERR.“

 

Die Verse 18-20 bringen uns aus dem Mund des Propheten eine Anbetung, welche deutlich auf die Wahrheiten des neuen Bundes hinweist. Gott ist unvergleichlich in seinem Wesen. Er liebt es, gnädig und barmherzig zu sein, er hat Freude an der Vergebung der Sünden und an der Errettung der Verlorenen. Er hat immer einen Überrest, den er begnadigen wird, denn er wird seinen Zorn nicht ewig festhalten. Die Vergebung der Sünden, die Gabe des ewigen Lebens und die Erkenntnis des Herrn, wie wir sie hier bei Micha sehen, sind die absoluten Grundlagen für alle ewigen geistlichen Segnungen des neuen Bundes. Dieser Bund wurde im Alten Testament dem Patriarchen Abraham im Voraus verkündigt, er wurde durch die Propheten Jeremia und Hesekiel formuliert und mit dem Blut des Herrn Jesus Christus auf Golgatha unterzeichnet.

Jer 31,31-34: „Siehe, es kommen Tage, spricht der HERR, da ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde;
32 nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern schloss an dem Tag, da ich sie bei der Hand ergriff, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen; denn sie haben meinen Bund gebrochen, obwohl ich doch ihr Eheherr war, spricht der HERR.
33 Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Innerstes hineinlegen und es auf ihre Herzen schreiben, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein;
34 und es wird keiner mehr seinen Nächsten und keiner mehr seinen Bruder lehren und sagen: »Erkenne den HERRN!« Denn sie werden mich alle kennen, vom Kleinsten bis zum Größten unter ihnen, spricht der HERR; denn ich werde ihre Missetat vergeben und an ihre Sünde nicht mehr gedenken!“

Hes 36,25-27: „Und ich will reines Wasser über euch sprengen, und ihr werdet rein sein; von aller eurer Unreinheit und von allen euren Götzen will ich euch reinigen.
26 Und ich will euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres legen; ich will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben;
27 ja, ich will meinen Geist in euer Inneres legen und werde bewirken, dass ihr in meinen Satzungen wandelt und meine Rechtsbestimmungen befolgt und tut.“

Joh 17,3: „Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.“

Luk 22,19-20: „Und er nahm das Brot, dankte, brach es, gab es ihnen und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis!
20 Desgleichen [nahm er] auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.“

 

In Vers 19 wird der Herr alle unsere Missetaten bezwingen und in die Tiefen des Meeres werfen. Als alttestamentliches Bild sehen wir dies im Untergang des Pharaos und seines Heeres am Roten Meer. Die Wasserfluten schlugen über dem Heer der Ägypter zusammen, welches hier die Macht des Teufels und des Todes in der Welt darstellt, und das Volk war erlöst. Es stand unter der Führung Moses in einem völlig neuen Bereich, in der Wüste der Welt, und es wurde auf dem Weg zum verheißenen Land von Gott versorgt und erhalten.

2Mo 14,28-30: „Denn die Wasser fluteten zurück und bedeckten die Streitwagen und Reiter der ganzen Macht des Pharao, die ihnen ins Meer nachgefolgt waren, sodass auch nicht einer von ihnen übrig blieb.
29 Aber die Kinder Israels gingen trocken mitten durch das Meer, und das Wasser war ihnen eine Mauer zu ihrer Rechten und zu ihrer Linken.
30 So errettete der HERR Israel an jenem Tag aus der Hand der Ägypter. Und Israel sah die Ägypter tot am Ufer des Meeres.“

 

In unserem heutigen Leben als Christen dürfen wir sagen, dass der Herr die Mächte der Finsternis ebenso bezwungen hat. Für Gott den Vater ist er das vollkommene Speisopfer in seinem irdischen Leben und das vollkommene Brandopfer in seinem Tod geworden. Er hat uns von der Schuld der Sünde befreit durch sein Blut, denn dadurch hat er die Schuld bezahlt. Er ist das vollkommene Sündopfer und Schuldopfer für alle Gläubigen. Er ist ebenso das Friedensopfer, denn er hat Frieden gemacht durch das Blut seines Kreuzes.

Kol 1,13-14: „Er hat uns errettet aus der Herrschaft der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe,
14 in dem wir die Erlösung haben durch sein Blut, die Vergebung der Sünden.“

Kol 1,19-20: „Denn es gefiel [Gott], in ihm alle Fülle wohnen zu lassen
20 und durch ihn alles mit sich selbst zu versöhnen, indem er Frieden machte durch das Blut seines Kreuzes – durch ihn, sowohl was auf Erden als auch was im Himmel ist.“

 

Er hat die Macht der Sünde gebrochen in unserem Leben, denn er hat uns durch die Gabe des Heiligen Geistes und des ewigen Lebens zu einem Wandel im Geist befähigt. Wir sind nicht mehr Sklaven der Sünde wie die Menschen ohne Gott. Die Sünde herrscht nicht mehr über uns, wenn wir den Herrn anrufen und im Geist wandeln. Wir sind befreit von dem Fluch der Sünde, denn der Herr wurde für uns ein Fluch am Kreuz. Zuletzt befreit der Heilige Geist uns auf unserem Glaubensweg mehr und mehr von der Befleckung der Sünde, welche uns auf dem Weg durch die Welt noch anhaftet. Als Kinder Gottes dürfen wir in der Heiligung lernen, immer weniger zu sündigen. In Liebe zum Herrn und zueinander dürfen wir mehr und mehr das Gesetz Christi erfüllen, das Gesetz der Freiheit, welches er uns auf die Herzen geschrieben hat bei unserer Wiedergeburt. Der Herr wird das Werk vollenden, das er in uns begonnen hat.

Gal 3,13-14: „Christus hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, indem er ein Fluch wurde um unsertwillen (denn es steht geschrieben: »Verflucht ist jeder, der am Holz hängt«),
14 damit der Segen Abrahams zu den Heiden komme in Christus Jesus, damit wir durch den Glauben den Geist empfingen, der verheißen worden war.“

Gal 6,2: „Einer trage des anderen Lasten, und so sollt ihr das Gesetz des Christus erfüllen!“

Jak 1,25: „Wer aber hineinschaut in das vollkommene Gesetz der Freiheit und darin bleibt, dieser [Mensch], der kein vergesslicher Hörer, sondern ein wirklicher Täter ist, er wird glückselig sein in seinem Tun.“

Rö 8,1-2: „So gibt es jetzt keine Verdammnis mehr für die, welche in Christus Jesus sind, die nicht gemäß dem Fleisch wandeln, sondern gemäß dem Geist.
2 Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.“

Phil 1,6: „…weil ich davon überzeugt bin, dass der, welcher in euch ein gutes Werk angefangen hat, es auch vollenden wird bis auf den Tag Jesu Christi.“

1Pe 1,5: „…die wir in der Kraft Gottes bewahrt werden durch den Glauben zu dem Heil, das bereit ist, geoffenbart zu werden in der letzten Zeit.“

 

Der letzte Vers weist wieder auf die Stammväter Jakob (Israel) und Abraham (alle Nationen) hin. Ihnen wurde diese Gnade zuteil, ihnen machte Gott unwiderrufliche Zusagen. Abraham wurde im Voraus das Evangelium verkündigt. Wir alle sind im Glauben an den Herrn Jesus Christus geistliche Söhne Abrahams und somit auch Erben geworden.

1Mo 15,6: „Und [Abram] glaubte dem HERRN, und das rechnete Er ihm als Gerechtigkeit an.“

Gal 3,8: „Da es nun die Schrift voraussah, dass Gott die Heiden aus Glauben rechtfertigen würde, hat sie dem Abraham im Voraus das Evangelium verkündigt: »In dir sollen alle Völker gesegnet werden«.“

Gal 3,16-17: „Nun aber sind die Verheißungen dem Abraham und seinem Samen zugesprochen worden. Es heißt nicht: »und den Samen«, als von vielen, sondern als von einem: »und deinem Samen«, und dieser ist Christus.
17 Das aber sage ich: Ein von Gott auf Christus hin zuvor bestätigtes Testament wird durch das 430 Jahre danach entstandene Gesetz nicht ungültig gemacht, sodass die Verheißung aufgehoben würde.“

Gal 3,23-29: „Bevor aber der Glaube kam, wurden wir unter dem Gesetz verwahrt und verschlossen auf den Glauben hin, der geoffenbart werden sollte.
24 So ist also das Gesetz unser Lehrmeister geworden auf Christus hin, damit wir aus Glauben gerechtfertigt würden.
25 Nachdem aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Lehrmeister;
26 denn ihr alle seid durch den Glauben Söhne Gottes in Christus Jesus;
27 denn ihr alle, die ihr in Christus hinein getauft seid, ihr habt Christus angezogen.
28 Da ist weder Jude noch Grieche, da ist weder Knecht noch Freier, da ist weder Mann noch Frau; denn ihr seid alle einer in Christus Jesus.
29 Wenn ihr aber Christus angehört, so seid ihr Abrahams Same und nach der Verheißung Erben.“

Rö 5,1: „Da wir nun aus Glauben gerechtfertigt sind, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus.“

Rö 5,20-21: „Das Gesetz aber ist daneben hereingekommen, damit das Maß der Übertretung voll würde. Wo aber das Maß der Sünde voll geworden ist, da ist die Gnade überströmend geworden,
21 damit, wie die Sünde geherrscht hat im Tod, so auch die Gnade herrsche durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn.“

 

Abraham wurde ohne Gesetz errettet. Die Gnade Gottes schenkte ihm die Rechtfertigung, weil er Gott glaubte. Ebenso ist es auch mit uns. Wir sind gerechtfertigt aus Glauben und haben Frieden mit Gott in Jesus Christus. Ohne Gesetz. Aus reiner Gnade. Mit diesem Gedanken möchten wir abschließen. „Michajah – Wer ist wie der Herr?“

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