Altes Testament

Jeremia lebte in einer schweren Epoche der Geschichte Israels. Diese Zeit war gekennzeichnet von gewaltigen politischen Umwälzungen, von Kriegen und großer Tragik. Sie endete in der völligen Zerstörung des alten Königreiches Judas, in der Zerstörung Jerusalems, des Tempels und des Landes.


Inhaltsverzeichnis

Einleitung
Prinzipien zur Auslegung alttestamentlicher Prophetie
Der historische Hintergrund des Buches Jeremia
Der Mann Jeremia und sein Dienst
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40
Kapitel 41
Kapitel 42
Kapitel 43
Kapitel 44
Kapitel 45
Kapitel 46
Kapitel 47
Kapitel 48
Kapitel 49
Kapitel 50 und 51
Exkurs: Tyrus und Babylon in biblischer Prophetie bei Jesaja, Jeremia und Hesekiel
Kapitel 50
Kapitel 51
Kapitel 52

 

Einleitung

Das Buch des Propheten Jeremia („Jirmejahu“ bedeutet am ehesten: „Der Herr gründet“ oder „Der Herr erhöht“) gehört zusammen mit den Büchern Jesaja, Hesekiel und Daniel zu den sogenannten großen Prophetenbüchern des Alten Testamentes. Insbesondere bei den Büchern Jeremia mit seinen 52 Kapiteln, Jesaja mit seinen 66 Kapiteln und Hesekiel mit seinen 48 Kapiteln stellt bereits der reine Umfang des Textes für den normalen Leser der Bibel eine große Herausforderung dar. Hinzu kommen die ungeheure Fülle von Einzelinformationen innerhalb der fortlaufenden Kapitelfolgen sowie die Tatsache, dass das Buch teilweise in Form von hebräischer Poesie verfasst ist, was natürlich in noch stärkerem Umfang für Jesaja gilt. Selbst herausragende Kenner der alten Sprachen hatten in der Vergangenheit Schwierigkeiten, den Text richtig zu übersetzen und somit die geistliche Botschaft für den einfachen Leser der Bibel zugänglich zu machen. Jedes prophetische Buch muss ja im Kontext der gesamten Heiligen Schrift eingeordnet und betrachtet werden, denn es handelt sich bei jedem Buch um einen unverzichtbaren Teilaspekt innerhalb der Gesamtheit der Heilsoffenbarung Gottes an die Menschen, welche alle Seiten der Bibel umfasst.

Die Propheten des Alten Testamentes selbst wussten oftmals nicht genau, was die ihnen geoffenbarten Worte in letzter Konsequenz beinhalteten. Wir sind beim Lesen ihrer Bücher wiederholt mit der Tatsache konfrontiert, dass Gott dem jeweiligen Propheten selbst die Bedeutung der Botschaften und Visionen erklären musste, wobei er letztlich nicht alle seine Gedanken vollständig enthüllte. Dies gilt natürlich auch für Jeremia, obwohl es bei Jesaja und Hesekiel noch viel stärker ausgeprägt ist. Jeremia lebte ebenso wie Jesaja und Hesekiel in einer sehr schwierigen Zeit. Sein Buch hat einen etwas mehr erzählenden Charakter als das Buch Jesaja, es bezieht sich in größeren Abschnitten unmittelbar auf das Geschehen im Leben des Propheten und seiner Zeitgenossen. Dennoch musste auch Jeremia einige Prophetien über die Zukunft bekanntgeben, deren Erfüllung in unserer Zeit noch immer auf sich warten lässt. Im Neuen Testament wird diese geistliche Tatsache klar bestätigt.

Apg 3,18-24: „Gott aber hat das, was er durch den Mund aller seiner Propheten zuvor verkündigte, dass nämlich der Christus leiden müsse, auf diese Weise erfüllt.
19 So tut nun Buße und bekehrt euch, dass eure Sünden ausgetilgt werden, damit Zeiten der Erquickung vom Angesicht des Herrn kommen
20 und er den sende, der euch zuvor verkündigt wurde, Jesus Christus,
21 den der Himmel aufnehmen muss bis zu den Zeiten der Wiederherstellung alles dessen, wovon Gott durch den Mund aller seiner heiligen Propheten von alters her geredet hat.
22 Denn Mose hat zu den Vätern gesagt: »Einen Propheten wie mich wird euch der Herr, euer Gott, erwecken aus euren Brüdern; auf ihn sollt ihr hören in allem, was er zu euch reden wird«.
23 Und es wird geschehen: Jede Seele, die nicht auf diesen Propheten hören wird, soll vertilgt werden aus dem Volk.
24 Und alle Propheten, von Samuel an und den folgenden, so viele geredet haben, sie haben auch diese Tage im Voraus angekündigt.“

1Pe 1,10-12: „Wegen dieser Errettung haben die Propheten gesucht und nachgeforscht, die von der euch zuteilgewordenen Gnade geweissagt haben.
11 Sie haben nachgeforscht, auf welche und was für eine Zeit der Geist des Christus in ihnen hindeutete, der die für Christus bestimmten Leiden und die darauf folgenden Herrlichkeiten zuvor bezeugte.
12 Ihnen wurde geoffenbart, dass sie nicht sich selbst, sondern uns dienten mit dem, was euch jetzt bekannt gemacht worden ist durch diejenigen, welche euch das Evangelium verkündigt haben im Heiligen Geist, der vom Himmel gesandt wurde – Dinge, in welche auch die Engel hineinzuschauen begehren.“

2Pe 1,20-21: „Dabei sollt ihr vor allem das erkennen, dass keine Weissagung der Schrift von eigenmächtiger Deutung ist.
21 Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Menschen Gottes geredet.“

 

Erst in der Rückschau vom Standpunkt des Neuen Testamentes aus betrachtet können zahlreiche Aussagen der Propheten besser eingeordnet werden, wobei auch wir heute noch immer sagen müssen, dass bis zur Wiederkunft des Herrn Jesus Christus in Macht und Herrlichkeit weiterhin viele prophetische Aussagen der Heiligen Schrift rätselhaft bleiben werden. Kein einziger Ausleger der Bibel könnte jemals behaupten, dass er das gesamte prophetische Wort ergründet und verstanden habe. Leider gab es in der Geschichte der Christenheit bis in unsere Gegenwart hinein einige menschengemachte Denksysteme, welche genau diesen unerfüllbaren Anspruch stellten. Insbesondere bei der Auslegung biblischer Prophetie müssen wir jedoch eine demütige Stellung vor dem Herrn einnehmen und uns stets der Tatsache bewusst bleiben, dass die Heilige Schrift in ihrer Gesamtheit wie ein weites Meer ist, dessen Tiefen wir als Menschen nur begrenzt ausloten können. Nur Gott der Vater, der Sohn Jesus Christus und der Geist Gottes wissen alles. Nur ihnen gehört unser Vertrauen, nur ihnen gebührt alles Lob, alle Ehre und alle Herrlichkeit von nun an bis in Ewigkeit.

Der Schreiber des vorliegenden Textes betont daher nochmals ausdrücklich, dass er nicht den Stein der Weisen gepachtet hat. Er sieht sich selbst in der Position eines demütigen Jüngers des allwissenden und vollkommenen Herrn Jesus Christus, als einen aus Gnade in der Wiedergeburt zum ewigen Leben und im Heiligen Geist erretteten und angenommenen Sohn des allmächtigen und liebenden Vaters im Himmel. Das Ziel des folgenden Textes besteht somit auch nicht darin, den perfekten, endgültigen und allumfassenden Kurzkommentar zum Buch Jeremia zu präsentieren. Es soll vielmehr darum gehen, in einfacher Unterordnung unter den geschriebenen Text des Propheten einige gedankliche Linien aufzuzeigen, mit deren Hilfe es dem normalen Leser der Bibel hoffentlich gelingen wird, das Buch Jeremia in seiner Grundstruktur besser zu erfassen und zu bewahren. Es soll für den Leser des Textes vorrangig darum gehen, einen Überblick über den großen geistlichen Bogen dieses Buches zu gewinnen, damit er davor bewahrt bleibt, sich im Dickicht der Details zu verfangen und den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu erkennen.

Auf den weiteren Seiten unseres Textes werden wir grundsätzlich in drei Schritten vorgehen: Zunächst werden einige Prinzipien zur Auslegung alttestamentlicher Prophetie genannt, welche uns in der Bibel immer wieder begegnen. Die diesbezüglichen Erläuterungen wird der Leser / die Leserin in ähnlicher Form in unseren Texten über die Bücher Jesaja, Hesekiel, Joel und Sacharja auf unserer Website www.DieLetzteStunde.de wiederfinden, denn sie sind dort ebenso gültig wie hier. Im Anschluss an diese Prinzipien werden wir kurz auf die Person und die Lebenssituation des Propheten Jeremia eingehen, denn gerade das Buch Jeremia ist ein sehr persönliches Buch. Die Aussagen Jeremias waren tief in seinem persönlichen Leben verankert. Danach werden wir in unserem letzten Schritt das gesamte Buch kapitelweise durchlaufen. Zu jedem Kapitel sollen grundlegende Gedanken angeführt werden, welche teils durch andere Bibelstellen, teils auch durch außerbiblische Zusatzinformationen an solchen Stellen ergänzt sind, an welchen es geboten oder interessant erscheint.

 

 

Prinzipien zur Auslegung alttestamentlicher Prophetie

Die folgenden Prinzipien werden uns auf jeder Seite des Buches Jeremia begegnen, denn sie sind universell gültig für die Auslegung nahezu aller alttestamentlichen Prophetenbücher. Bei der Auslegung einzelner Textpassagen werden wir gegebenenfalls darauf zurückkommen, ohne eine erneute Grundsatzerklärung dazu abgeben zu müssen.

 

Erstens: Ein Prophet ist ein Fürsprecher, ein Mensch der das Wort eines Anderen an dessen Stelle oder in dessen Auftrag verkündet. So wie in der Bibel die falschen Propheten im Namen des Feindes dessen irreführende Worte und falsche Botschaften verkündigten, so verkündigten die echten Propheten Gottes das wirkliche Gotteswort. Oftmals standen sie dabei als kleine Gruppe oder sogar als Einzelpersonen vor einer zahlenmäßigen Übermacht. Nur selten wurden sie respektiert. Meist wurden sie hart angegriffen, ja sogar verfolgt und umgebracht. Es war im Alten Testament keine Leichtigkeit, ein Prophet Gottes zu sein, sondern es war ein sehr schwerer Dienst. Jeremia musste dies in aller Härte erleben, wie wir noch sehen werden.

Zweitens: Es gab im Alten Testament handelnde, redende und schreibende Propheten, welche entweder im Auftrag Gottes gewisse Symbolhandlungen durchzuführen hatten, gewisse Worte verkündigten, Visionen empfingen und/oder die Bücher der Heiligen Schrift für die Nachwelt verfassten. Die Propheten handelten, redeten oder schrieben ihre Bücher unter der unmittelbaren Einwirkung des Heiligen Geistes, welcher sie antrieb und ihnen ihre Handlungsanweisungen erteilte, sowie ihnen ihre Visionen oder Wortprophetien eingab. Dabei wussten die Propheten Gottes nicht immer genau, was ihre eigenen Worte letztlich beinhalteten, sondern sie fragten sich selbst, zu welcher Zeit und auf welche Art und Weise die Erfüllung kommen sollte. Teilweise Erfüllungen ihrer Prophetien durften sie zwar erleben, große Teile lagen jedoch in der näheren oder ferneren Zukunft.

Ebenso waren sie sich oftmals nicht dessen bewusst, dass ihre Prophetien einmal als Teile der gesamten Heiligen Schrift in engem Zusammenhang stehen würden. Sie waren ja meist in ihrem eigenen Wirken durch Raum und Zeit voneinander getrennt. Außerdem ist es so, dass alle schreibenden Propheten von Jesaja (ja sogar von Samuel) bis Maleachi über den Messias Israels und der Welt sowie über die Gemeinde der Gläubigen des neuen Bundes geschrieben haben, ohne sich dessen klar bewusst zu sein. So berichtet es uns das Neue Testament. Es ist daher keinesfalls so, dass die Gemeinde des Neuen Testamentes im Alten Testament nicht erwähnt wird.

Drittens: Alle damaligen Propheten standen zu ihrer Zeit zunächst einmal fest auf dem Boden der Realität. Gott berief sie aus der konkreten Situation ihres eigenen Lebens heraus zum Dienst. Die Berufung der Propheten war teilweise dramatisch wie etwa bei Jesaja oder Hesekiel, welche zuerst ihren Gott in seiner ganzen Herrlichkeit kennenlernen mussten, bevor sie dazu in die Lage versetzt wurden, ihren Dienst tun zu können.

In ihren Prophetien hatten sie dann zunächst die konkreten Umstände im Volk Gottes und in der Welt zu analysieren, um danach das Handeln Gottes in Bezug auf diese Umstände zu verkünden. Diese Verkündigung stieß meist auf Unverständnis und heftigen Widerstand der Zuhörer, denn sie deckte grobe Mängel im Leben des Volkes Gottes auf. Gott selbst legitimierte seine Propheten dadurch, dass er ihnen zu Beginn größtenteils Prophetien für die nähere Zukunft gab, welche sich dann auch vor den Augen des Volkes erfüllten. Infolge dieser Erfüllungen hatten die Propheten gottgegebene Autorität und konnten in einem weiteren Schritt Prophetien verkündigen, welche zum Teil weit in die Zukunft des Volkes und weit über ihr eigenes Leben hinausreichten. Diese Prophetien wurden dann von den gläubigen Menschen im Volk angenommen, und ihre Erfüllung als Wort Gottes wurde über Generationen hinweg treu erwartet.

Viertens: Die Prophetien des Alten Testamentes weisen verschiedene Deutungsebenen auf, welche von der Zeit ihrer Entstehung bis in unsere eigene Zeit hinein anwendbar geblieben sind. Wir können heute auf die Jahrtausende zurückblicken. Wir kennen historische Hintergründe der Prophetien, und wir können auch auf bereits erfüllte Prophetien in der Geschichte zurückschauen. Manches davon wird uns im Buch Jeremia begegnen. Andererseits ist es auch so, dass die Worte Gottes nicht nur in der Zeit des jeweiligen Propheten verankert waren, sondern dass sie oftmals in ihren Aussagen Zeit und Raum transzendieren. Manchmal hat genau das gleiche Wort, welches in der Zeit des jeweiligen Propheten konkret gültig war, eine ebenso konkrete Gültigkeit für uns heute. Dies betrifft sowohl Aspekte der christlichen Lehre als auch praktische Aspekte unseres täglichen Wandels im Glauben und unserer täglichen äußeren Umstände.

Beachtenswert ist zudem die heilsgeschichtliche Bedeutung zahlreicher alttestamentlicher Prophetien. Dies betrifft natürlich auch den Propheten Jeremia, welcher über die Situation Jerusalems und Israels im Alten Testament mit Gericht und teilweiser Wiederherstellung bis zur ersten Ankunft des Messias in Israel ebenso geredet hat wie über den Neuen und ewigen Bund und die Ankunft des Herrn in Macht und Herrlichkeit zum Endgericht über die alte Erde und über die Feinde.

Fünftens: Wenn wir im Weiteren an den Text herangehen, dann werden wir historische Ereignisse, Visionen und Wortprophetien betrachten. Alle diese Dinge werden in gewissen Aspekten unmittelbar in der historischen Realität Jeremias und des Volkes seiner Zeit eingebettet sein, sie werden unmittelbar auf die damals bestehenden Umstände und Probleme eingehen. Andererseits wird es jedoch auch so sein, dass dieselben Visionen und Wortprophetien wichtige Aspekte unserer heutigen Glaubenslehre ebenso betreffen werden wie konkrete praktische Anwendungen auf unser heutiges Christenleben.

 

 

Der historische Hintergrund des Buches Jeremia

Jeremia lebte in einer schweren und schrecklichen Epoche der Geschichte Israels. Diese Zeit war gekennzeichnet von gewaltigen politischen Umwälzungen, von Kriegen, Grausamkeiten und großer Tragik. Sie endete in der völligen Zerstörung des alten Königreiches Judas, in der Zerstörung Jerusalems, des Tempels und des Landes. Das Volk wurde in die babylonische Gefangenschaft geführt, welche für siebzig Jahre andauern sollte. Die Abfolge all dieser Ereignisse geschah gewissermaßen Schlag auf Schlag, und immer wieder ging es hin und her. Wir müssen uns an dieser Stelle etwas näher damit befassen, denn gerade das Buch Jeremia kann nur auf dem Hintergrund einer möglichst guten Kenntnis der Zeitgeschichte des Propheten richtig verstanden werden. Jeremia musste nämlich inmitten des Geschehens ausharren, und eine große Zahl seiner Aussagen bezog sich auf die Ereignisse, die ihn umgaben und von welchen er immer wieder selbst gewaltsam mitgerissen wurde.

Jeremias großer Vorgänger Jesaja lebte und diente bis in die Anfangszeit der Regierung des Königs Manasse von Juda, des Sohnes Hiskias. Er wurde nach jüdischer Tradition von diesem noch jungen und völlig gottlosen König hingerichtet. Manasse wurde mit zwölf Jahren König und regierte 55 Jahre in Jerusalem (2Kö 21,1). Er wurde gefolgt von seinem ebenso gottlosen Sohn Amon, welcher mit 22 Jahren König wurde und zwei Jahre regierte (2Kö 21,19). Auf Amon folgte der gottesfürchtige Josia, welcher im zarten Alter von acht Jahren König wurde und 31 Jahre regierte (2Kö 22,1). Josia begann mit sechzehn Jahren den Gott Israels zu suchen und startete mit neunzehn Jahren, nämlich in seinem zwölften Regierungsjahr, seine große religiöse Erneuerung in Juda (2Chr 34,3). Jeremia wurde nur ein Jahr später im dreizehnten Jahr Josias von Gott zum Dienst berufen, und zwar ebenfalls als ein ganz junger Mann von wohl nicht einmal zwanzig Jahren (1,2). Er musste während der nachfolgenden 40 Jahre unter den Königen Judas das Wort Gottes bis zum Untergang der Stadt reden (1,2-3).

Auf Josia folgten nur noch gottlose Könige. Der erste war Joahas, welcher mit 23 Jahren König wurde und nur drei Monate regierte (2Kö 23,31). Er wurde gefolgt von Jojakim, welcher mit 25 Jahren den Thron bestieg und für 11 Jahre regierte (2Kö 23,36). Sein Sohn und Nachfolger Jekonja wurde mit 18 Jahren König und regierte ebenfalls nur drei Monate (2Kö 24,8). Er wurde in die babylonische Gefangenschaft gebracht und dort nach 37 Jahren von dem König Evil-Merodach begnadigt (52,21). Der letzte König war schließlich Zedekia, welcher mit 21 Jahren den Thron bestieg und ihn für die letzten elf Jahre bis zum Untergang des Reiches innehatte (2Kö 24,18). Wir möchten nun betrachten, auf welche Weise die Ereignisse in Israel mit der damaligen Weltpolitik in Verbindung standen.

Wie gesagt begann Josia in seinem zwölften Jahr die religiöse Reform in Israel, und Jeremia wurde ein Jahr später berufen. Beide waren sehr junge Männer. Josia musste das Volk regieren und zu Gott zurückbringen, während Jeremia mit Unterstützung des Königs das Wort Gottes zu dem abtrünnigen Volk zu reden hatte. Im Jahr der Berufung Jeremias starb Assurbanipal, der letzte große Herrscher Assyriens. Damit begannen der Niedergang Assyriens und der Aufstieg der Provinz Babylon aus dem Gebiet des heutigen Südirak. Sofort nach dem Tod Assurbanipals löste der Babylonier Nabopolassar Babylon aus der assyrischen Herrschaft heraus und startete den Aufbau des babylonischen Reiches. Er schmiedete eine Allianz mit den Medern und eroberte nach zwölf Jahren Assur, nach sechzehn Jahren Haran in Syrien, die ehemalige Stadt Tarahs und Abrahams.

Zu gleicher Zeit kam es in Ägypten unter der Herrschaft des Pharao Psammetrichus I zu einem militärischen Aufschwung. Die Assyrer wurden somit nicht nur von Babylon bedroht, sondern auch aus der ägyptischen Einflusssphäre zurückgedrängt. Pharao Necho, der Nachfolger von Psammetrichus I war entschlossen, die Macht Ägyptens auf das Gebiet Israels auszudehnen, den Assyrern in Haran beizustehen, die Babylonier zurückzudrängen und danach die Reste des Assyrerreiches zusammen mit Israel unter ägyptische Kontrolle zu bringen. Zu diesem Zweck marschierte er nach Megiddo, wo sich ihm der König Josia von Israel entgegenstellte.

Josia wurde zwischen den Händen der streitenden Großmächte zermalmt und starb. Zu diesem Zeitpunkt hatte Jeremia in Israel bereits achtzehn Jahre als Prophet gedient, und durch seine Verkündigung war ihm nahezu das gesamte Volk zum Feind geworden. Nun war es endlich vorbei mit der Protektion Josias, und die Feinde Jeremias sahen ihre Gelegenheit gekommen. Von nun an hatte Jeremia für weitere zweiundzwanzig Jahre unsäglich zu leiden. Er wurde geschlagen, beschimpft und eingesperrt. Mehrmals konnte er dem Tod nur knapp entrinnen.

Necho entmachtete bereits nach drei Monaten den neuen König Joahas von Juda und installierte seinen Marionettenkönig Jojakim. Danach kontrollierte er für drei Jahre das Land Israel. Juda war nun nur noch eine Pufferzone, in welcher die Großmächte ihre Konflikte austrugen. Nach drei Jahren marschierte Necho weiter nach Karkemisch am Euphrat, um dort die Babylonier endgültig zu schlagen. Er traf nun nicht mehr auf Nabopolassar, sondern auf dessen Sohn Nebukadnezar, der ihm eine vernichtende Niederlage einbrachte (46,2). Necho flüchtete nach Hause. Nebukadnezar marschierte in Juda ein, steckte Askalon in die Tasche und stand im vierten Jahr Jojakims vor Jerusalem (25,1). Jojakim ergab sich. Nebukadnezar marschierte weiter nach Ägypten und wurde dort in einer erbitterten Schlacht von Necho zurückgeschlagen. Zunächst kehrte er nach Babylon zurück, um sich neu zu organisieren.

Nun beging Jojakim den schweren Fehler, sich erneut mit den Ägyptern zu verbinden denn er glaubte, dass Nebukadnezar nun endgültig besiegt sei. Jeremia prophezeite die Rückkehr der Babylonier und den erneuten Angriff auf Jerusalem, aber Jojakim wollte nicht hören (2Kö 24,1; Jer 22,13-19). Im elften Jahr Jojakims kehrte Nebukadnezar dann zurück, so wie es Jeremia geweissagt hatte. Jojakim starb drei Monate vor dem Fall Jerusalems. Sein Sohn Jojakin (Jekonja) wurde König. Nebukadnezar kam nach den drei Monaten, und Jojakin ergab sich. Er wurde nach Babylon geführt. Nebukadnezar nahm alle Schätze des Tempels und des Königshauses mit, deportierte die Obersten der Stadt samt 7000 Soldaten und Handwerkern, insgesamt 10000 Leute, und installierte seine Marionette Zedekia als Vasall (2Kö 24,8-20). In dieser Wegführung war auch der Prophet Hesekiel dabei, der Sohn des Priesters Busi (Hes 1,2-3). Hesekiel wurde in Babylon im fünften Jahr Zedekias von Gott zum Propheten berufen. Er diente unter den Vertriebenen in Babylon zeitgleich mit Jeremia bis zum Untergang der Stadt und danach noch mindestens weitere 16 Jahre (Hes 29,17; 33,21).

Zedekia war ein schwacher König und folgte dem Rat seiner Minister, sich erneut mit den Ägyptern einzulassen. Nebukadnezar hatte nach dem Wort Jeremias (29,21) falsche Propheten hingerichtet, welche gesagt hatten, dass kein Unglück kommen würde (14,13-15). Jeremia sagte hingegen eine Verbannung von siebzig Jahren voraus (29,10). Bereits unter Jojakim hatte Jeremia zudem vorausgesehen, dass einmal Boten aus Edom, Moab, Ammon, Tyrus und Sidon zu Zedekia kommen würden, um sich an einer Allianz gegen Babylon zu beteiligen (27,2-11). Nun kamen diese Boten tatsächlich im vierten Jahr Zedekias (27,12-22 und 28,1) Auf die Warnung Jeremias hin besuchte Zedekia in seinem vierten Jahr Babylon, um doch noch eine diplomatische Lösung herbeizuführen (51,59).

In Ägypten war inzwischen Necho von Psammetrichus II abgelöst worden, welchem sein Sohn Hophra im achten Jahr Zedekias gefolgt war. Erneut beging Zedekia auf Anraten seiner inkompetenten Minister den groben Fehler, sich mit den Ägyptern einzulassen. Nun gab es kein Zurück mehr. Nebukadnezar begann die letzte Belagerung Jerusalems, nachdem er zuvor die Ägypter nach Hause gejagt hatte. Jerusalem leistete Widerstand, anstatt sich zu ergeben. Jeremia redete vergeblich zu dem König Zedekia (37,3-10; 38,14-23). Der Prophet musste im Gefängnis ausharren bis zum Untergang (37,11-21). Die Stadt fiel im elften Jahr Zedekias.

Nebukadnezar marschierte weiter nach Ägypten. Hophra wurde geschlagen, die Babylonier marschierten durch bis nach Libyen (Josephus, Altertümer, 10.11.1, §227). Dies lässt darauf schließen, dass Ägypten vollständig überrannt wurde. Einen Monat nach dem Fall Jerusalems kam dann Nebusaradan, der Oberste der Leibwache Nebukadnezars, mit seinen Soldaten nach Jerusalem, schleifte die Stadt, verbrannte den Tempel und die Häuser, und deportierte die Bevölkerung (2Kö 25,8-20).

Gedalja wurde über den Rest des Volkes als Statthalter eingesetzt, und Jeremia kam zu ihm nach Mizpa (2Kö 25,22-24; Jer 40,6). Bereits zwei Monate später wurde Gedalja zusammen mit einigen Babyloniern in Mizpa ermordet (2Kö 25,25; Jer 41,1-18). Daraufhin floh ein weiterer Teil des Volkes nach Ägypten und Jeremia wurde gegen seinen Willen mitgenommen, obwohl er eindringlich davor gewarnt hatte, das Land zu verlassen (2Kö 25,26; Jer 42,1-43,7). Fünf Jahre später kam es dann noch zu einer weiteren Wegführung, vermutlich als Vergeltung Nebukadnezars für die Ermordung der Chaldäer in der Begleitung Gedaljas. Auch in Ägypten kamen nahezu alle geflüchteten Juden um, so wie es Jeremia geweissagt hatte. Bis soweit unser historischer Überblick.

Wir möchten nun noch den Versuch unternehmen, eine Systematik der Prophetien Jeremias zu geben. Wir stehen dabei vor dem Problem, dass die Weissagungen innerhalb des Buches nicht in streng chronologischer Reihenfolge angeordnet sind. R.K. Harrison (Jeremiah and Lamentations. An Introduction and Commentary. Inter-Varsity Press, 1973, S. 33) hat eine Zuordnung der Prophetien zu den Zeiten der Könige Israels vorgeschlagen, unter deren Herrschaft Jeremia diente. Sie soll hier angeführt werden, um zumindest ein orientierendes Gerüst zur Verfügung zu stellen, mit dessen Hilfe es möglich sein wird, die meisten Prophetien mit hoher Wahrscheinlichkeit richtig einzuordnen.

 

Unter Josia: 1,1-19; 2,1-3,5; 3,6-6,30; 7,1-10,25; 18,1-20,18.

Unter Jojakim: 11,1-13,14; 14,1-15,21; 16,1-17,27; 22,1-30; 23,1-8,9-40; 25,1-14,15-38;                           
                         26,1-24; 35,1-19; 36,1-32; 45,1-5; 46,1-28; 47,1-7; 48,1-47.

Unter Jojakin (Jekonja): 31,15-27.

Unter Zedekia: 21,1-22,30; 24,1-10; 27,1-22; 28,1-17; 29,1-32; 30,1-31,40; 32,1-44; 33,1-26;
                         34,1-22; 37,1-21; 38,1-28: 39,1-18; 49,1-39; 50,1-51,64.

Unter Gedalja: 40,1-42,22; 43,1-44,30.

Historischer Anhang: 52,1-34.

 

 

Der Mann Jeremia und sein Dienst

Bereits in unserem Abschnitt über die Prinzipien der Prophetie haben wir betont, dass es im Alten Testament keine Leichtigkeit war, ein echter Prophet Gottes zu sein. Wir müssen uns davor hüten, den Dienst der wahren Propheten in irgendeiner Weise romantisch zu betrachten. Gott musste diese Männer immer dann zu seinem Volk schicken, wenn die Situation so verdorben war, dass eindringliche Warnungen ausgesprochen werden mussten, um das drohende Gericht zu vermeiden. Im Nordreich hatte Gott schon früher durch Elia, Elisa, Hosea, Amos und andere Propheten gesprochen. Sie alle hatten gottlosen Herrschern und einem halsstarrigen Volk gegenübergestanden, und letztlich hatte Gott den Norden durch die Hand der Assyrer richten müssen. Im Süden fand die Gefangennahme des Volkes in mehreren Wegführungen statt, wie wir gesehen haben. Während der letzten sieben Jahre vor der Zerstörung Jerusalems bekamen die bereits vertriebenen Juden in Babylon den Propheten Hesekiel, welcher dort parallel zu dem letzten Teil des Dienstes Jeremias aktiv war.

Jeremia selbst wurde wie bereits gesagt wesentlich früher als Hesekiel berufen, nämlich vierzig Jahre vor dem Untergang der Stadt Jerusalem durch die Babylonier. Sein Buch ist in Teilen eine Biographie. Es nimmt uns an zahlreichen Stellen mit hinein in die schwere und teilweise grausame Lebensrealität dieses Mannes. Es zeigt uns dabei nicht nur die äußeren Schwierigkeiten, denen Jeremia einsam und alleine zu begegnen hatte, sondern auch die  Regungen seines Herzens in all den schrecklichen Umständen, die er zu erdulden hatte. 

Sein Dienst begann im Alter von wahrscheinlich noch nicht einmal 20 Jahren im dreizehnten Jahr des Königs Josia. Jeremia erlebte den letztlich erfolglosen Versuch Josias, eine religiöse Reform in Juda zustande zu bringen. Die Götzenbilder wurden zwar in der Öffentlichkeit vernichtet, jedoch nicht in den Häusern und in den Herzen des Volkes. Jeremia musste die Gottlosigkeit des Volkes weiterhin laut anklagen und es zur Herzensumkehr aufrufen. Im ganzen Volk hatte er mit der Zeit nichts als nur noch Feinde, denn er war derjenige, welcher immer nur die negativen Dinge zu sagen hatte.

Nach achtzehn Jahren starb Josia im Krieg gegen die Ägypter, und von nun an war Jeremia völlig alleine. Den Trost und die Gemeinschaft einer Frau konnte er in seiner Not ebenfalls nicht erfahren, denn Gott hatte ihm verboten zu heiraten (16,1-2). Er musste weitere drei Monate unter Joahas dienen, danach elf Jahre unter Jojakim, drei Monate unter Jojakin und nochmals elf Jahre unter Zedekia. Kurz vor dem Beginn der letzten Belagerung der Stadt wollte er nach Anatot reisen um dort ein Grundstück zu kaufen, aber Gott erlaubte es nicht. Jeremia wurde verhaftet und unter dem Verdacht des Hochverrats eingesperrt. Er musste in dem gottlosen Hexenkessel Jerusalem ausharren bis zum Untergang. Auch danach kam er nicht frei, denn er musste mit dem Rest des ungläubigen Volkes nach Ägypten ziehen, wo er nach der jüdischen Tradition entweder einfach starb oder sogar umgebracht wurde.

Man fragt sich, warum Jeremia nicht schon nach ein paar Jahren aufhörte zu reden. Der Grund lag letztlich darin, dass die Hand Gottes auf ihm war. In Jeremias Herz brannten das Wort Gottes und die tiefe Liebe Gottes zu dem verlorenen Volk. Er konnte nicht schweigen. Er musste weiter reden, denn sonst hätte das Wort ihn verbrannt und zerrissen. Es loderte wie ein Feuer in seinen Gebeinen. Er wollte oft aufhören, weil er völlig am Ende seiner Kraft war, aber Gott trieb ihn immer weiter. Er musste vierzig Jahre dienen, ohne dabei einen äußeren Erfolg erkennen zu können. In Jeremias Dienst vereinigen sich Glaube, Liebe, Hoffnung, Demut, Gehorsam, Todesmut, Einsamkeit, Verzweiflung, Enttäuschung, Bitterkeit, Trauer, Tragik und Hoffnungslosigkeit. Ohne seinen Dienst hätte es keinen zurückkehrenden Überrest aus Juda mehr gegeben. Dieser Überrest war somit die große Frucht Jeremias. Gott war mit diesem Mann. Er liebte Jeremia noch weit mehr als Jeremia selbst das Volk liebte. Gott litt mit seinem weinenden Knecht und musste ihn dennoch durch tiefe Dunkelheit führen, um in der Zeit des völligen Abfalls der gesamten Nation sein Zeugnis aufrecht zu erhalten.

Wenn wir Jeremia nun noch genauer betrachten, dann können wir nicht umhin, an den Herrn Jesus zu denken. Das Volk in Israel zur Zeit des Herrn dachte ebenso. Als der Herr die Jünger in Mt 16,13-14 fragte, für wen die Leute im Volk ihn halten, antworteten die Jünger unter anderem: „Jeremia“. Die Parallelen zwischen dem Dienst Jeremias und dem Dienst des Herrn sind unverkennbar.

Jeremia war bei seiner Berufung ein junger Mann von etwa 20 Jahren. Der Herr begann als ein noch junger Mann von etwa dreißig Jahren seinen öffentlichen Dienst. Jeremia war vom Mutterleib an für seinen Dienst ausersehen, der Herr war es vom Mutterleib und von Ewigkeit.

Jes 49,5: „Und nun spricht der HERR, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht gebildet hat, um Jakob zu ihm zurückzubringen – Israel aber wurde nicht gesammelt, und doch wurde ich geehrt in den Augen des HERRN, und mein Gott war meine Stärke.“

1Pe 1,20: „Er war zuvor ersehen vor Grundlegung der Welt, aber wurde offenbar gemacht in den letzten Zeiten um euretwillen.“

 

Jeremia war unverheiratet und zeugte keine leiblichen Kinder, ebenso der Herr. Jeremia kam aus einer äußerlich betrachtet abgestorbenen Priesterlinie des Eli/Abjatar, so wie der Herr aus der äußerlich betrachtet abgestorbenen Königslinie Davids kam, aus dem Stumpf Isais.

Jes 11,1: „Und es wird ein Zweig hervorgehen aus dem Stumpf Isais und ein Schössling hervorbrechen aus seinen Wurzeln.“

 

Jeremia war der einsamste Mann im Alten Testament, so wie es der Herr im Neuen Testament war. Jeremia begann seinen Dienst 40 Jahre vor der Zerstörung des ersten Tempels, welcher in einen gottlosen und rein formalen Dienst hineingeraten war. Der Herr diente 40 Jahre vor der Zerstörung des zweiten Tempels, in welchem ebenfalls ein gottloser formaler Dienst stattfand, und welcher von den Götzendienern zu einer Räuberhöhle und einem Kaufhaus gemacht worden war. Jeremia sagte die Zerstörung des ersten Tempels voraus, der Herr die Zerstörung des zweiten Tempels.

Jeremia sagte die Rückkehr aus der Gefangenschaft in das irdische Land Israel und den Wiederaufbau des irdischen Jerusalem und des steinernen Tempels voraus, der Herr sagte den Wiederaufbau des Tempels seines Leibes in seiner eigenen Auferstehung zum ewigen Leben im himmlischen Zion sowie den Bau des ewigen geistlichen Tempels der Gemeinde des neuen Bundes, des neuen und ewigen Jerusalem nach dem Geist Gottes voraus. Jeremia trat im ersten Tempel auf und redete dagegen, der Herr tat es im zweiten Tempel. Jeremia stand einer gottlosen Priesterkaste und einem Heer von falschen Propheten gegenüber. Der Herr stand der ebenso gottlosen Kaste der Pharisäer und Schriftgelehrten gegenüber, welche ihn letztlich an die Römer auslieferten. Außerdem stand er im Land dem Heer der Dämonen Satans gegenüber und trieb es aus. Der Herr und Jeremia liebten das Volk aus tiefem Herzen. Jeremia weinte ebenso über das Volk wie der Herr es tat.

Lk 19,41-44: „Und als er näher kam und die Stadt sah, weinte er über sie
42 und sprach: Wenn doch auch du erkannt hättest, wenigstens noch an diesem deinem Tag, was zu deinem Frieden dient! Nun aber ist es vor deinen Augen verborgen.
43 Denn es werden Tage über dich kommen, da deine Feinde einen Wall um dich aufschütten, dich ringsum einschließen und von allen Seiten bedrängen werden;
44 und sie werden dich dem Erdboden gleichmachen, auch deine Kinder in dir, und in dir keinen Stein auf dem anderen lassen, weil du die Zeit deiner Heimsuchung nicht erkannt hast!“

 

Das Zeugnis Gottes zu seiner Zeit lag bei dem einen Mann Jeremia, so wie es auch Jahrhunderte später in der Hand des einen Mannes Jesus von Nazareth lag. Jeremia wusste nicht zu retten, aber der Herr wusste dass er der Retter war, und dass er es alles ganz alleine vollbringen musste.

Joh 13,3: „… da Jesus wusste, dass ihm der Vater alles in die Hände gegeben hatte und dass er von Gott ausgegangen war und zu Gott hinging, …“

 

Jeremia lebte in einer tiefen Beziehung mit Gott, welche allerdings nicht ungetrübt war, denn der Prophet hatte bisweilen schwer mit Gott zu ringen. Der Herr lebte in einer einzigartigen Beziehung zu seinem Vater, welche bis zum Kreuz ungetrübt blieb und welche von völligem Vertrauen, von Liebe, von Demut und Gehorsam gekennzeichnet war. Nur der Herr tat immer das was dem Vater gefiel.

Jeremia und der Herr wurden verworfen. Beide wurden gefangen genommen, geschlagen, eingesperrt, verurteilt. Jeremia geriet körperlich in die Grube mit kotigem Schlamm, so wie es mit dem Herrn in geistlicher Hinsicht geschah.

Ps 40,3: „Er zog mich aus der Grube des Verderbens, aus dem schmutzigen Schlamm, und stellte meine Füße auf einen Fels; er machte meine Schritte fest.“

 

Einige Rabbiner haben gelehrt, dass Jesaja 53 nicht über den Herrn rede, sondern über Jeremia (was natürlich nicht zutreffend ist). Jeremia war der leidende Knecht Gottes im Alten Testament, so wie der Herr Jesus Christus der leidende Knecht Gottes, der Mann der Schmerzen im Neuen Testament ist. Das Opfer des Lebens Jeremias führte letztlich dazu, dass Gott das Volk nicht völlig ausrottete, sondern dass ein Überrest zurückkehren konnte. In Gottes Augen hatte Jeremias Leben diesen Wert und brachte diese Frucht. Jeremia durfte die Rückkehr Israels voraussagen, und er durfte neben dem Gericht sogar Rettung und Hoffnung für die Nationen vorhersagen (Kapitel 46-51). Er war auch ein Prophet an die Nationen (1,5).

Das vollkommene Opfer des Herrn führte zu einer völligen Errettung mit der Vergebung der Sünden seines Volkes, der Gabe des ewigen Lebens und des Erbes der ewigen Herrlichkeit für alle Gläubigen, welche zusammen mit dem Herrn in der Auferstehung das neue Jerusalem auf der neuen und ewigen Erde unter dem neuen Himmel bewohnen werden. Das ewige Heil in Christus geht nicht nur an die Menschen im irdischen Volk Israel, sondern an alle Nationen. Der Herr selbst ist der große Prophet für alle Nationen der Erde.

Jes 49,5-6: „Und nun spricht der HERR, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht gebildet hat, um Jakob zu ihm zurückzubringen – Israel aber wurde nicht gesammelt, und doch wurde ich geehrt in den Augen des HERRN, und mein Gott war meine Stärke –,
6 ja, er spricht: »Es ist zu gering, dass du mein Knecht bist, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten aus Israel wiederzubringen; sondern ich habe dich auch zum Licht für die Heiden gesetzt, damit du mein Heil seist bis an das Ende der Erde!«“

 

So wie Hosea der Prophet des alten Bundes für das Nordreich gewesen war, so war es Jeremia für das Südreich. Er stammte aus einer Priesterfamilie in Anatot, welche vermutlich zu der Linie von Eli und Abjatar gehörte. Obwohl er nie aktiven Priesterdienst ausführen konnte, war er doch mit dem Bund vom Sinai und mit dem Gesetz Moses eng vertraut. Immer wieder sagte er zu dem Volk, dass es zu den Verordnungen vom Sinai zurückkehren müsse, wenn Hoffnung bestehen sollte. Weder die Priester noch das Volk hatten den Bund vom Sinai verstanden. Sie führten nur pflichtgemäß äußerliche religiöse Handlungen aus. Diese Handlungen blieben ohne innere Wirklichkeit im Herzen des Volkes und waren für Gott wertlos. Dazu kam auch noch der schreckliche Götzendienst, welcher sogar unter der Führung der Priester in den Bilderkammern hinter den Tempelmauern stattfand (Hes 8).

Niemand erkannte, dass der Dienst Gottes bereits in der Wüste von einem dankbaren und gehorsamen Volk ausgeführt werden sollte, welches durch mächtige Wunder vor dem Tod in der Passahnacht Ägyptens und in dem darauf folgenden Exodus aus dem Land bewahrt worden war. Danach war noch der Zug durch das Rote Meer geschehen. Gott hatte sich am Sinai mit seiner Frau Israel vermählt und diese Frau danach auf der Wüstenwanderung geleitet, gefolgt vom Zug durch den Jordan und der Einnahme des Landes. Auf allen Wegen hatte Gott sein Volk bewahrt, und er hatte ihm sogar noch einen Opferdienst gegeben, welcher zur dankbaren Anbetung und zur Bedeckung der Sünden dienen sollte. Gott hatte genau gewusst, dass sein Volk versagen würde, aber er hatte in Gnade diesen Opferdienst bereitgestellt. Auf Gehorsam und Dankbarkeit hatte Gott immer wieder mit Segen reagiert.

Der Bund vom Sinai war somit nicht eine gesetzliche Last für das Volk des alten Bundes, sondern eine überaus gnädige Verordnung des rettenden Gottes Israels für sein Volk in der Wüste, welches er aus Ägypten erlöst hatte und nun in das verheißene Land des vollkommenen Segens zu führen beabsichtigte. Die Verordnungen des Gesetzes dienten zwar einerseits dazu, dem Volk immer wieder seine Sünden bewusst zu machen und es im Glauben zu einer inneren Umkehr zu führen. Der Opferdienst in seiner Gesamtheit war jedoch andererseits eine gnädige Verordnung Gottes, welche zur Anbetung des Herrn diente (die beständigen Opfer in der Stiftshütte) und zu gleicher Zeit die Bedeckung der Sünden des Volkes durch das Blut der Opfertiere ermöglichte (die Opfer, die für die verschiedenen Sünden gebracht werden mussten).

Hinzu kam noch der Dienst des großen Versöhnungstages, an welchem der Hohepriester als Mittler zwischen Gott und den Menschen das stellvertretende Opfer für das ganze Volk darbringen musste. Insbesondere der Opferdienst des großen Versöhnungstages war hierbei ein klarer Hinweis auf das Kommen des Messias Israels und der Welt, des Herrn Jesus Christus, welcher einmal als Lamm Gottes das vollkommene Opfer seines eigenen Blutes für alle Sünde bringen würde. Das Gesetz vom Sinai enthielt natürlich auch den Fluch, und dieser war mit Ungehorsam und Götzendienst verbunden. Den Götzendienst stellte Gott gleich mit dem Ehebruch seiner Frau wie es auch andere Propheten, besonders natürlich Hosea und Hesekiel betonten.

Diese Dinge konnten damals und können auch heute nicht im Dienst des Buchstabens erkannt werden, sondern nur im Dienst des Heiligen Geistes, welcher den Gläubigen des neuen Bundes geschenkt ist, und welcher auch auf dem Propheten Jeremia lag. Der Dienst des Buchstabens muss das „Zeitalter des Gesetzes“ vom „Zeitalter der Gnade“ abgrenzen. Der Dienst Gottes im Heiligen Geist erkennt hingegen, dass das Gesetz nichts anderes war als die alttestamentliche Offenbarung der Gnade Gottes für sein irdisches Volk Israel in einem Schattenbild, welches in seiner Gesamtheit auf das Kommen des endgültigen Erlösers hinwies. Erst in dem Herrn Jesus Christus, der allmächtiger Gott und vollkommen sündloser Mensch zugleich ist, konnte die Fülle der Gnade unverhüllt und frei geoffenbart werden.

Ganz allgemein muss gesagt werden, dass es für das Zusammenleben der Menschen nichts Schlimmeres gibt als den Zustand der Gesetzlosigkeit. Wo es kein Gesetz mehr gibt, da geht alles daneben. Das Gesetz schützt den Menschen vor anderen Menschen und auch vor sich selbst. Ohne Gesetz gibt es in letzter Konsequenz nur Mord und Totschlag. Gott weiß von Ewigkeit um diese Dinge, denn er kennt uns alle durch und durch. Der Zustand völliger Gesetzlosigkeit führt in die Anarchie und in ein tödliches Chaos hinein. Der Satan möchte diese Wahrheit dazu ausnutzen, die Welt durch ein Zwischenstadium von totalem Chaos in die satanische Weltordnung des Antichristen hineinzuzwingen. Gottes Gesetz ist auf diesem Hintergrund betrachtet gut und weise, denn es dient dazu, die Ordnungen der Schöpfung zu bewahren und die Geschöpfe zu schützen.

Die Kapitel 4 und 5 des Römerbriefes erklären uns die geistlichen Zusammenhänge. Das gnädige Handeln Gottes zur Rettung der Verlorenen begann unmittelbar nach dem Sündenfall im Garten Eden. Es umfasst die alte Heilszeit vom Sündenfall bis zum ersten Kommen und die neue Heilszeit vom ersten Kommen bis zur Wiederkunft des Herrn Jesus Christus. Von Adam bis Mose herrschte der Tod ohne das Gesetz über alle Menschen, von Mose bis auf den Herrn herrschte der Tod über Israel unter dem Gesetz, über alle anderen Völker der Welt noch immer ohne das Gesetz, welches sie ja noch nicht kannten. Einzig dem irdischen Volk Israel waren die Aussprüche Gottes und seine vollen Ansprüche an den Menschen geoffenbart.

Das Gesetz Israels war eine Zwischenverordnung, ein Einschub, um dem irdischen Volk Israel das vollständige Maß der Übertretung zu Bewusstsein zu bringen. Die Gläubigen in Israel bekannten ihre Sünden unter dem Gesetz Moses, sie brachten im Glauben die Opfer dar, welche dafür vorgeschrieben waren. Gleichzeitig wussten sie, dass sie trotz all ihrer Opfer sündige Menschen waren und blieben, die einen Erlöser brauchten. Dieses Bewusstsein drückten sie dadurch aus, dass sie alljährlich gläubig nach Jerusalem kamen, um dort am Opferdienst des großen Versöhnungstages für das ganze Volk teilzunehmen. Sie wussten, dass sie das Gesetz vom Sinai letztlich nicht halten konnten und warteten auf den kommenden Messias. Dies war der wahre geistliche Charakter des Dienstes Gottes im Alten Testament: Sündenerkenntnis, Sündenbekenntnis, Sündopfer und gnädige Sündenbedeckung Gottes für die Gläubigen. Dann die Erwartung des Messias, welcher wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt werden würde und dadurch die Sünden tragen und sie für immer wegnehmen würde (Jesaja 53). Diese großen Dinge zeigen uns klar und deutlich die Gnade Gottes im Gesetz.

Dann kam der Herr Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich. Er trug das Gesetz Gottes im Inneren seines Herzens und kam, um es voll und ganz zu erfüllen. In seinem Fleisch war die Sünde nicht. Er allein erfüllte alle Verordnungen des Gesetzes Gottes in Vollkommenheit. Er allein tat keine einzige Sünde, weder in Gedanken, noch im Wort, noch in der Tat. Er war der Gerechte, der für die Sünden der Ungerechten ans Kreuz ging. Er war das wahre Lamm Gottes, die Erfüllung der Schattenbilder des Lammes aus der Passahnacht in Ägypten, des Lammes aus Jesaja 53 und aller Opfer des Tempeldienstes. In seiner Auferstehung wurde er von Gott gerechtfertigt und trat als unser menschlicher Vorläufer, der zugleich Gott der Herr selbst ist, in das ewige Leben in der unmittelbaren Gegenwart Gottes des Vaters im Himmel ein. Er sandte nach seiner Himmelfahrt an Pfingsten den Heiligen Geist zur Erde. Der Geist nahm am Pfingsttag in Jerusalem auf immer und ewig Wohnung in den Gläubigen der Gemeinde. Der Heilige Geist schrieb den Gläubigen das Gesetz Gottes auf die erneuerten Herzen.

Heute ist es noch immer so. Die Gläubigen haben das Gesetz auf das Innere ihrer Herzen geschrieben seit ihrer Neugeburt zum ewigen Leben. Sie wollen dem Herrn immer ähnlicher werden und den Willen Gottes immer mehr tun. Sie haben andererseits noch immer die sündige Natur des Fleisches und sind weiterhin fehlbar. Sie wissen, dass sie aus sich selbst heraus auch für den Rest ihres irdischen Lebens im sündigen Fleisch niemals dazu in der Lage sein werden, so sündlos zu leben wie der Herr. Sie dürfen jedoch voll und ganz darauf vertrauen, dass die vollkommene und makellose Gerechtigkeit Christi, welche vor Gott gilt, ihnen zugerechnet worden ist bei der Errettung. Jeder Gläubige ist von Gott gerecht gesprochen in Jesus Christus, obwohl er in seinem sündigen Fleisch weiterlebt und weiter sündigen wird bis zur endgültigen Erlösung des Leibes. Die Gemeinde Christi auf der Erde und im Himmel ist dem Herrn verlobt. Er wird sie reinigen in der Heiligung auf dem Glaubensweg, und er wird sie zur Frau nehmen bei seiner Wiederkunft in Macht und Herrlichkeit. Der Herr Jesus Christus hat seiner Braut das Eheversprechen gegeben, und er wird es einlösen. Kein einziger Gläubiger wird Ihm am Ende fehlen.

Jeremia lebte noch in der alten Heilszeit unter dem Gesetz vom Sinai. Gott hatte sich am Sinai mit seiner alttestamentlichen Frau vermählt, nämlich mit dem irdischen Volk Israel. Jeremia musste es im alten Israel herausschreien: Bundesbruch ist Ehebruch! Während der ersten Jahre seines Dienstes konnte er das Volk noch zu echter Umkehr aufrufen, denn es gab unter dem König Josia mit der religiösen Reform noch immer die Chance dazu. Nach Josias Tod wurde diese offene Tür jedoch von Gott allmählich immer mehr geschlossen. Unter Zedekia war es dann endgültig zu Ende. Jeremia musste letztlich den Untergang voraussagen, weil die treulose Frau Gottes auch von ihrem letzten gottesfürchtigen König Josia nicht mehr zur Umkehr bewegt worden war. Als unter dem alten Bund schließlich alles verloren war, erhielt der Prophet den Auftrag, einen neuen und ewigen Bund anzukündigen, in welchem Gott selbst das Gesetz auf die erneuerten Herzen seines Volkes schreiben würde. Wir finden diese Dinge in Kapitel 31, und sie werden im Hebräerbrief im Neuen Testament bestätigt. Die gleichen Aussagen finden wir in Hesekiel 36.

Der große Herr und König, der große Prophet, das Lamm Gottes und zugleich der große Hohepriester dieses neuen und ewigen Bundes war schließlich der Herr Jesus Christus. Auf Golgatha versiegelte er diesen Bund mit seinem Blut. Das Opfer des Herrn wird niemals versagen, und es gilt vor Gott für alle Gläubigen, die nicht auf ihre eigene Kraft zur Errettung vertrauen, sondern allein auf den Herrn und seine Kraft. Sie folgen dem Retter nach in Dankbarkeit und Demut. Sie bekennen ihr Versagen und finden immer wieder Reinigung durch das Blut Christi. Sie bringen geistliche Schlachtopfer des Lobes und des Dankes, sei es alleine oder in der Gemeinschaft mit anderen Gläubigen. Der Herr selbst, der Hüter des neuen Bundes, wird sein Volk in das ewige Land hineinbringen.

Wir möchten nun zur konkreten Betrachtung des Textes übergehen. Der Prophet musste zu verschiedenen Zeiten immer wieder sehr ähnliche Botschaften zu verschiedenen Herrschern und zu dem Volk sagen. Manches wird uns somit gemäß dem reinen Wortlaut des Propheten mehrmals begegnen. Wir möchten uns jedoch bemühen, nicht nur einfach den Text des Buches zu wiederholen, sondern an möglichst vielen Textstellen bedeutsame Aussagen herauszugreifen und in ihrer geistlichen Anwendung auf die heutige Gemeinde und die zukünftigen Dinge zu erläutern. Wir werden erkennen, dass in den historischen Erzählfluss des Buches neben längeren prophetischen Sequenzen (zum Beispiel Kapitel 31 über den neuen Bund oder Kapitel 50-51 über Babylon) immer wieder kleinere Prophetien oder auch nur prophetische Fragmente in Form einzelner oder weniger Verse eingestreut sind, welche nicht nur zu Jeremias Zeit in Beziehung stehen, sondern auch Bedeutung für unsere Gegenwart als Christen und für die Zukunft bis in den ewigen Zustand hinein haben. Vor allem mit diesen Abschnitten oder kurzen Versen werden wir uns dann wenn nötig auch etwas ausführlicher beschäftigen. Insgesamt möchten wir uns jedoch möglichst kurz fassen und den Leser zu weiterem Eigenstudium ermuntern, um nicht auszuufern.

 

 

Kapitel 1

Hier wird der Prophet berufen. Es ist beeindruckend und wunderbar, welche auffälligen Parallelen und Gemeinsamkeiten Gott durch seinen Heiligen Geist in die gedankliche Struktur und in die formale Gliederung der Bücher der drei großen Propheten Jesaja, Jeremia und Hesekiel, sowie auch in Teile des Buches Sacharja hineingelegt hat.

Alle drei großen Propheten werden zu Beginn ihrer Bücher berufen: Jesaja in Kapitel 6, Jeremia in Kapitel 1, Hesekiel in Kapitel 1. In allen drei Fällen geschieht es durch eine unmittelbare Begegnung mit der Herrlichkeit Gottes in Form von Stimmen und mächtigen Visionen. Allen drei Propheten wird ein Ausblick auf ihren kommenden Dienst gegeben, welcher letztlich in eine Zeit des Gerichts einmünden wird. Auch Sacharjas Buch hat deutlich voneinander abgrenzbare Teile, trägt aber letztendlich eine mehr apokalyptische Struktur, so wie auch das Buch Daniels (siehe hierzu unsere Texte unter www.DieLetzteStunde.de).

Drei der vier großen Propheten (Jesaja, Jeremia und Hesekiel) haben dieselbe geistliche Gliederung in ihrem Dienst, und zwar zunächst Dienst für das alte Israel, dann Dienst für die Nationen, zuletzt Dienst hinsichtlich der weiten Zukunft bis zum Ende der heutigen Welt und dem Kommen der neuen Welt in der Ewigkeit, welcher mit Gnade, Errettung und Erlösung für alle Nationen verbunden ist.

Jesaja redet in den Kapiteln 1-12 vorwiegend über das alte Israel, Jeremia tut es in den Kapiteln 1-44 im Angesicht von insgesamt fünf Königen Israels, Hesekiel tut es in den Kapiteln 1-24 in Babel. Jesaja redet danach vorwiegend über die Nationen seiner Zeit in den Kapiteln 13-27, Jeremia tut es nach einem kurzen Einschub in den Kapiteln 46-51, Hesekiel tut es in den Kapiteln 25-32.

Bei Jesaja folgt nach dem Untergang des Nordreiches durch die Assyrer die Ankündigung des späteren Gerichts über Juda und Jerusalem, vorgeschattet ebenfalls durch die Assyrer, jedoch zunächst noch hinausgeschoben durch die Rettung von der Hand Gottes in den Kapiteln 28-39. Danach folgt der Ausblick auf das Kommen des Messias Israels und aller Nationen mit dem Erlösungswerk und dem Gemeindezeitalter mit dem letztlichen Eintritt in die Ewigkeit der neuen Welt in den Kapiteln 40-66.

Bei Jeremia sehen wir etwa 150 Jahre später den Untergang Jerusalems. Der Untergang Babylons als mächtiger Weltmacht der damaligen Zeit ist verwoben mit dem Untergang von Babylon der Großen am Ende der jetzigen Weltzeit in den Kapiteln 50-51. Danach folgt einige Zeit nach der Plünderung und der Zerstörung des ersten Tempels Jerusalems die  Begnadigung Jekonjas durch Evil-Merodach in Kapitel 52. Diese erinnert uns an die Begnadigung von Mephiboseth durch David in 2Sam 9. Sie symbolisiert die Vorausschau auf das Kommen des Messias Israels, des wahren David, des Herrn Jesus Christus. Er wird eine ewige Rettung aus Gnade für Israel und alle Nationen der Erde bringen.

Bei Hesekiel ist es schließlich so, dass Kapitel 33 den großen Umschwung der Prophetie anzeigt. Der Wächter Hesekiel wird über den Untergang Jerusalems informiert und unmittelbar danach von Gott auf die Zukunft ausgerichtet. Hesekiel 34 bringt den Ausblick auf den guten Hirten, welcher die bösen Hirten Israels ablösen wird (dies finden wir auch in Sacharja 11). Hesekiel 35 bringt uns das Bild des Endgerichts über alle Feinde des damaligen Israel sowie aller Nationen der Erde am Ende im Bild Seirs (Edom). Danach redet Hesekiel 36 über die Rückkehr des damaligen Israel in das erneuerte Land und schlägt dabei zugleich in einer prophetischen Vorschau den geistlichen Bogen auf das neue Land des ewigen Bundes, in welches das errettete Volk der Ewigkeit einziehen wird, nämlich die Gemeinde des guten Hirten aus Hesekiel 34, des Herrn Jesus Christus.

Die Kapitel Hesekiel 37-39 geben uns ein Bild der Erlösung auf Golgatha und des Lebens der Gemeinde der Erlösten im neuen und ewigen Land, welches von allen geistlichen Feinden gereinigt wird. Die Kapitel Hesekiel 40-48 bringen schließlich eine ausführliche geistliche Betrachtung des Tempels des neuen und ewigen Bundes, der Gemeinde Christi, in welchem der Herr schon jetzt geistlich mit seiner Gemeinde lebt und es in Ewigkeit auch leiblich tun wird. Der Tempel des neuen Bundes ist der Leib Christi, die Gemeinde, die ewige Stadt Gottes, welche schon jetzt teilweise als irdischer Leib Christi, teilweise als himmlisches Zion besteht, und welche einmal völlig vereinigt und ungeteilt als neues Jerusalem auf die erneuerte Erde der Ewigkeit herabkommen wird (Off 21,1-5). Ihr Name wird in Ewigkeit sein: „Der Herr ist in ihr“ (Jahweh shammah, siehe Hesekiel 48,35).

Und nun zum eigentlichen Text unseres Kapitels. Eine Fülle verschiedenster Gedanken stürmt auf uns ein, wenn wir dieses Kapitel lesen. Wir möchten versuchen, sie etwas zu ordnen. Wir werden genau wie der Prophet selbst gewissermaßen „ohne Vorwarnung“ von Gott mit hineingenommen in das Geschehen. Die ersten drei Verse bringen uns die Herkunft des Propheten aus der Priesterfamilie in Anatot/Benjamin und die Dauer seines Dienstes im Angesicht von fünf Königen Israels. Es waren 40 Jahre, wie wir es ja bereits in unserem historischen Überblick gesehen haben.

Diese Zeitspanne ist in der gesamten Geschichte des Volkes Israel im alten Bund immer wieder eine Zeit grundlegender Prüfung und Sichtung unter der Hand Gottes gewesen. 40 Jahre Wüstenwanderung (Apg 13,18) unter dem großen Anführer und Mittler Mose. 40 Jahre unter dem ungehorsamen und letztlich gottlosen König Saul (Apg 13,21) mit Kämpfen gegen zahlreiche Feinde und innerer Zerrissenheit des Volkes. 40 Jahre unter David (2Sam 5,4), dem König nach dem Herzen Gottes, mit vielen weiteren Kämpfen bis zum Sieg über alle Feinde und anschließendem Niedergang durch Machtkämpfe in der Königsfamilie. 40 Jahre unter dem König Salomo (1Kö 11,42) mit dem Bau des ersten Tempels in Jerusalem und der Ausdehnung des geeinten Königreiches aller 12 Stämme Israels im äußeren Frieden vom Nil bis zum Euphrat, so wie es Abraham geweissagt worden war. Danach der Beginn des Abfalls mit der Teilung des Reiches und dem schrittweisen Niedergang.

Hier bei Jeremia wird nun unter der Hand Gottes die letzte Phase von 40 Jahren der Prüfung und Sichtung des alten Volkes Israel vor dem ersten Untergang Jerusalems und des ersten Tempels eingeleitet. Im Jahr der Berufung Jeremias stirbt Assurbanipal von Assyrien. Die große Zuchtrute Gottes für das Nordreich Israel kommt wenige Jahre später in den Schlachten gegen Babylon zu ihrem endgültigen Ende, so wie es Jesaja bereits mehr als 150 Jahre zuvor in Kapitel 10 seines Buches prophezeite. Dieses endgültige Ende Assyriens war dort bei Jesaja vorgeschattet in der Niederlage der Assyrer vor den Toren Jerusalems (Jes 36-38). In Jes 39 erschien dann der König Merodach Baladan von Babel am Königshof Hiskias in Jerusalem. Er war der erste Vorbote der damals noch unbedeutenden politischen Macht Babylon, welche zur nächsten Weltmacht aufsteigen und mehr als 150 Jahre später auch Jerusalem und das Südreich in die Knie zwingen sollte.

Hier bei Jeremia haben wir nun die weitere Ausreifung dieses jahrzehntelangen Prozesses. Der letzte große König von Assyrien stirbt, der König Nabopolassar von Babylon erhebt sich unmittelbar danach und beginnt nun tatsächlich mit dem Aufbau des Babylonierreiches im großen Stil. Im selben Jahr wird der Prophet berufen. Erkennen wir den Zusammenhang nach den Gedanken Gottes? Der junge Josia bemüht sich als König Israels darum, das Volk zu den Wegen Gottes zurückzuführen, und der junge Prophet Jeremia wird dazu berufen, das Werk des Königs Josia zu begleiten und dem Volk Gottes Gedanken kundzutun. Wie wird das Volk reagieren? Werden sie auf den König nach Gottes Gedanken und auf den Propheten Gottes hören oder nicht? Nur die Rückkehr zu den Wegen Gottes kann sie retten. Wenn sie ungehorsam bleiben, dann wird der babylonische Löwe sie zerreißen müssen. Im Norden ist dieser Löwe schon im Aufkommen, während der König Israels und der Prophet Gottes ihren Dienst tun. Hier haben wir die letzte Warnung Gottes an das Volk während einer Zeitspanne von genau 40 Jahren. Es ist die Zeit der Entscheidung zwischen zwei Wegen.

Wir kennen das Ende des Ganzen. Nabopolassars Sohn Nebukadnezar wird am Ende das Gericht Gottes über sein halsstarriges und ungehorsames Volk vollziehen müssen. Auch diese letzte Prüfung wird ebenso wie die anderen Prüfungszeiten des Volkes Gottes in völligem Versagen enden. Das Versagen zur Zeit Jeremias wird in den Untergang des Königreiches, der Stadt und des Tempels unter der richtenden Hand Gottes führen. Der junge Prophet muss es aus dem Mund Gottes hören und es dem Volk verkündigen. Sein Dienst wird ihn in tiefste Finsternisse führen, denn die Wahrheit Gottes und seines Wortes wird ebenso gehasst werden wie der Verkündiger dieser Wahrheit. Der Wächter wird mit Gewalt von der Mauer gestoßen werden. Er wird zu leiden haben unter der Züchtigung Gottes in seinem eigenen Leben, unter den Verletzungen und Demütigungen seitens der Feinde und unter dem namenlosen Elend des Volkes, auf welches seine tiefe und anhaltende Liebe gerichtet ist. Er wird von Beginn seines schweren Dienstes an wissen, dass ihm keinerlei äußerer Erfolg beschieden sein wird. Er wird dennoch der Wahrheit bis zum letzten Augenblick eine Stimme verleihen müssen.

Jahrhunderte später wird der große Jeremia, der große Jesaja, der große Mose, der große David und Salomo auftreten, der Herr Jesus Christus selbst. Nach 70 Jahren babylonischer Gefangenschaft des Volkes im Anschluss an den Dienst Jeremias, nach 483 weiteren Jahren der Wiederherstellung und des Wohnens im Land mit einer wiederaufgebauten Stadt Jerusalem und dem zweiten Tempel (siehe hierzu auch unseren Text: „Esra, Nehemia und Esther in der Chronologie“ unter: www.DieLetzteStunde.de) wird er seinen öffentlichen Dienst als „der Messias, der Fürst“ Israels nach seiner Taufe im Jordan beginnen, um das Volk zu Gott zurück zu führen. Auch der große Wächter Israels wird von der Mauer gestoßen werden und nach dem vorherbestimmten Ratschluss des Vaters für die Sünden des Volkes dahingegeben werden. Im Jahr 30 n.Chr. unserer Zeitrechnung wird er gekreuzigt werden und auferstehen.

Diese Kreuzigung wird wiederum eine Zeit der Prüfung und Sichtung Israels von genau 40 Jahren einleiten. Der Heilige Geist wird vom Himmel gesandt werden, und er wird diesmal nicht auf Jeremia kommen und durch ihn reden, sondern er wird am Pfingsttag in die Apostel und in die ersten Christen hineinkommen und durch sie reden. Während dieser Zeit werden viele Juden und auch Menschen aus allen Nationen das Evangelium glauben und gerettet werden. Die ungläubige Masse des jüdischen Volkes und seiner Anführer wird in der letzten großen Katastrophe Jerusalems im Jahr 70 n.Chr. zusammen mit der zweiten Stadt und dem zweiten Tempel untergehen.

Wie wir aus Dan 9,24-27 wissen, starb der Herr historisch betrachtet genau in der Mitte der siebzigsten Jahrwoche Daniels am Kreuz (siehe hierzu unseren Text: „Daniel besser verstehen. Der innere Zusammenhang seiner Visionen“ unter: www.DieLetzteStunde.de). Der Aufbau der christlichen Urgemeinde begann nach der Auferstehung und Himmelfahrt des Herrn während der zweiten Hälfte der siebzigsten Jahrwoche und dauerte etwa bis Apg 10 an, wo Petrus sein Zeugnis an die Heiden in Caesarea gibt. So wie der Herr selbst während der ersten Hälfte der siebzigsten Jahrwoche Daniels seinen Dienst unter Leiden und Verfolgung tat, so setzte die Gemeinde, der Leib Christi auf der Erde, diesen Dienst in der zweiten Hälfte der Jahrwoche unter Leiden und Verfolgung fort.

Das symbolische Bild der Zeit von dreieinhalb Jahren, 1260 Tagen oder 42 Monaten im Buch der Offenbarung im Neuen Testament in Kapitel 11 dehnt nun diese Leidenszeit der ersten Gemeinde, welche mit tatsächlichen dreieinhalb Jahren Dienst und Leiden in Israel begann, in symbolischer Sprache auf das gesamte Gemeindezeitalter bis zur Wiederkunft des Herrn aus. Der öffentliche Dienst des Herrn als Messias Israels dauerte dreieinhalb wirkliche Jahre, und während dieser Zeit wurde der Herr unentwegt verfolgt, bis er schließlich zur Kreuzigung überliefert wurde. Dies alles geschah nach dem ewigen Plan Gottes, den der Herr willig ausführte. Der Dienst der Gemeinde Christi auf der Erde begann ebenfalls mit dreieinhalb tatsächlichen Jahren und dauert seitdem weiter an für symbolische dreieinhalb Jahre, nämlich bis kurz vor der Wiederkunft des Herrn. So ist auch die große Stadt in diesem Bild in der Offenbarung eine Darstellung der ganzen ungläubigen Welt, die die Gemeinde verfolgt. In Off 11,8 kommt es klar und deutlich zum Ausdruck: Es ist die große Stadt (das ist: die ganze Welt), die im geistlichen Sinn Sodom und Ägypten heißt (wieder die Bosheit der Welt), wo auch unser Herr gekreuzigt worden ist.

Jesaja und Hiskia standen der Invasion des Nordreiches durch die Assyrer gegenüber. Jerusalem konnte damals noch nicht erobert werden, wobei der Niedergang Assyriens mit der Niederlage Sanheribs und seiner 185.000 Soldaten vor Jerusalem bereits begann. Josia und Jeremia erlebten das Aufkommen Babylons als Weltmacht und den Niedergang Assyriens und Ägyptens. Gleichzeitig standen sie der vollen Ausreifung des Bösen in Jerusalem gegenüber, welche sie nicht mehr aufhalten konnten. Sie mussten für die Wahrheit Gottes leiden und Josia musste früh sterben, aber das Gericht war nicht mehr aufzuhalten.

Der Herr Jesus Christus selbst tat seinen irdischen Dienst unter der äußerlichen Herrschaft der Römer, welche ebenso im Begriff standen, Israel und Jerusalem zu vernichten. Er kam um für Gottes Wahrheit und zur Rettung und Erlösung der Gläubigen aus dem irdischen Israel und aus allen Nationen der Erde sein Leben dahinzugeben. Dies war die volle Ausreifung des Bösen in der Fülle der Zeiten: Die Überlieferung des Messias Israels und der Welt durch sein eigenes Volk, seine Ermordung durch die Hand der heidnischen Römer. Er sollte jedoch wiederauferstehen und das ewige Reich Gottes in seiner Himmelfahrt und seiner Thronbesteigung zur Rechten des Vaters empfangen. Vierzig Jahre später kam das nicht mehr aufzuhaltende Gericht zum zweiten Mal über Israel, Jerusalem und den Tempel.

Wir sind heute als Christen die Nachfolger Jeremias und des Herrn in dieser Welt. Auch wir haben die Wahrheit des kommenden Weltgerichts zu verkündigen, verbunden mit der Botschaft der Errettung durch das Evangelium. Auch uns führt diese Verkündigung bisweilen in Leiden hinein, einige Geschwister vielleicht auch in den Tod. Auch wir werden unseren Dienst tun bis zur vollen Ausreifung des Bösen am Ende unter der Macht von Babylon der Großen auf der ganzen Erde. Ganz am Ende wird dann das Gericht kommen, und zwar nicht nur über das irdische Israel, sondern über die ganze Welt.

Und nun wieder zurück zu unserem Kapitel. Die Verse 4-5 zeigen uns zwei Dinge. Erstens das Reden Gottes zu seinem Diener. Dies war bei allen Propheten der Fall, und natürlich auch bei Jeremia. Wir wissen nicht, ob Jeremia den Herrn in der Gestalt des „Engels des Herrn“ sah. Es scheint eher so gewesen zu sein, dass der Herr mit seiner Stimme zu dem Propheten in einer Art und Weise redete, welche nicht missverstanden werden konnte. Jeremia stand unter dem tiefen Eindruck dieser Stimme und unter der Macht des Heiligen Geistes Gottes. Er wurde zu seinem Dienst immer wieder getrieben (2Petr 1,21, siehe Einleitung). Er hörte die Worte Gottes und konnte nicht schweigen. Er musste reden, ungeachtet der Konsequenzen für ihn selbst.

In neutestamentlicher Zeit ist es so, dass die Schafe die Stimme des guten Hirten kennen und ihm folgen (Joh 10,4-5). Diese Nachfolge geschieht in unserer Zeit unter der Gnade, und nicht mehr unter dem Gesetz des alten Bundes. Die erste Art des Redens Gottes zu den heutigen Gläubigen ist natürlich das Reden durch sein Wort der Heiligen Schrift oder durch den Dienst anderer Geschwister. Außerdem nehmen die Christen bisweilen in ihrem Inneren das Reden der sanften Stimme des Hirten wahr, welche von manchen Geschwistern wie ein klarer und intensiver Gedanke beschrieben wird, den man nicht mehr los wird. Sie sind dazu aufgefordert zu gehorchen. In diesem Gehorsam liegt ein großer Segen, auch wenn der daraus entstehende Weg einmal durch Leiden führen sollte.

Das Umgekehrte ist ebenso möglich. Auch ein Christ kann durch die Regungen seiner sündigen alten Natur dieser Stimme ungehorsam sein. Es kann sein, dass die Stimme dann irgendwann verstummen wird. Der echte wiedergeborene Christ wird dadurch zwar nicht verloren gehen, denn ihm ist das ewige Leben von Gott geschenkt worden bei seiner Errettung. Es kann jedoch sein, dass Züchtigung in sein Leben hineinkommen wird, sei es hinsichtlich seiner praktischen Lebenssituation oder hinsichtlich seiner geistlichen Verfassung. Er wird zudem am Tag des Herrn Verlust erleiden, wenn der Lohn der Ewigkeit ausgezahlt werden wird.

Die zweite Erkenntnis aus den Versen 4-5 ist die Vorkenntnis Gottes über das Leben seiner Gläubigen. Jeremia war vor seiner Zeugung im Mutterleib von Gott zu seinem Dienst erwählt. An vielen Stellen im Alten und Neuen Testament erkennen wir diese Erwählung der Gläubigen. Dies wäre jedoch ein eigenes Thema und soll hier nicht ausführlich erläutert werden. Nur so viel an dieser Stelle: Es ist beispielsweise versucht worden, die Auserwählung der Gläubigen in Christus vor Grundlegung der Welt in Eph 1,4-5 lediglich auf die Christusähnlichkeit und die Sohnschaft zu beziehen, und nicht auf die Neugeburt zum ewigen Leben.

Eph 1,4-5: „… wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, damit wir heilig und tadellos vor ihm seien in Liebe.
5 Er hat uns vorherbestimmt zur Sohnschaft für sich selbst durch Jesus Christus, nach dem Wohlgefallen seines Willens, …“

 

Insbesondere die Lehrer des Arminianismus haben behauptet, dass der Mensch aus eigener Entscheidung gläubig werden kann, wenn er das Evangelium verstanden hat. Solche Lehren verneinen die Souveränität Gottes in der Errettung der Gläubigen und offenbaren eine grundlegende Unkenntnis der Heilslehre nach der Schrift. Niemand kann zu dem Herrn Jesus Christus kommen, wenn nicht der Vater ihn zieht

Joh 6,44: „Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, dass ihn der Vater zieht, der mich gesandt hat; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.“

 

Der berufene Evangelist wird von Gott abgesondert, ausgerüstet und in den von Gott für ihn festgesetzten Dienst gesandt. Er muss seine Botschaft an die Verlorenen geben im klaren Bewusstsein seiner eigenen Ohnmacht und zugleich der Allmacht Gottes, den er um die Errettung der Menschen bittet, welche die Predigt hören nach eben genau dieser Freimacht Gottes, die der Prediger und auch seine Zuhörer niemals steuern können. Auch die einfachen Gläubigen sind natürlich in ihrem Alltag an der Verbreitung des Evangeliums, also an der Aussaat des Samens beteiligt. Der eine sät, der andere begießt, aber Gott gibt das Wachstum. Die Gläubigen sind der Ackerbau Gottes, und nicht der Ackerbau von Menschen. Eine jegliche Pflanze, welche nicht der himmlische Vater gepflanzt hat, wird ausgerissen werden.

1Kor 3,7-9: „So ist also weder der etwas, welcher pflanzt, noch der, welcher begießt, sondern Gott, der das Gedeihen gibt.
8 Der aber, welcher pflanzt, und der, welcher begießt, sind eins; jeder aber wird seinen eigenen Lohn empfangen entsprechend seiner eigenen Arbeit.
9 Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr aber seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau.“

Mt 15,13: „Er aber antwortete und sprach: Jede Pflanze, die nicht mein himmlischer Vater gepflanzt hat, wird ausgerissen werden.“

 

Das Heil für die Verlorenen kann und soll hierbei erbeten werden von allen Kindern des Vaters, also von betenden Gläubigen. Der Vater legt seinen Kindern die Verlorenen auf das Herz, er gibt ihnen ihre Bitten, seien sie nun hauptamtliche Evangelisten oder nicht. Er erhört nach seinem Willen das gläubige Bitten seiner Kinder und zieht die Verlorenen zum Herrn Jesus Christus. Dieses Geheimnis kann kein Mensch ergründen. Bei vielen Gläubigen war es sogar so, dass Gott sie ganz ohne das Zutun eines menschlichen Verkündigers errettet hat. Die Ehre in der Errettung der Verlorenen gehört nämlich Gott alleine. Keine menschliche Evangelisationsmethode kann neues Leben aus Gott schaffen. Zahlreiche Sekten wenden bis in unsere Zeit hinein komplizierte Methoden und Lehren an, aber sie können letztlich doch nichts anders tun als „Proselyten zu machen“.

Die betreffenden Lehrer, welche die ewige Erwählung der Gläubigen vor Grundlegung der Welt leugnen, müssen uns daher zunächst einmal die Frage beantworten, wie denn eine Christusähnlichkeit, eine Heiligung und eine Sohnschaft des Gläubigen getrennt von der Vergebung der Sünden, der Wiedergeburt zum ewigen Leben und dem Innewohnen des Heiligen Geistes überhaupt möglich sein könnten. Das sind sie nämlich nicht. Alle diese Dinge sind nicht voneinander zu trennen. Die ewige Erwählung der Gläubigen ist ein großes Geheimnis, das wir nicht mit unserem kleinen Verstand ergründen können. Sie wird aber von der Heiligen Schrift so gelehrt, und somit nehmen wir sie gläubig an. Die Verneinung der ewigen Erwählung der Gläubigen ist eine der großen Irrlehren der Kirchengeschichte gewesen und besteht bis heute. Wir weisen sie ab.

Und nun wieder zurück zu unserem Kapitel. In den Versen 6-10 erhält der junge, zaghafte und furchtsame Prophet seinen Auftrag. Äußerlich betrachtet scheint er keinerlei Autorität im Volk zu haben, denn er steht den alten würdevollen Schriftgelehrten und Priestern gegenüber, die den Tempeldienst bestimmen und das Volk beherrschen. Jeremia wird jedoch durch die Gottesfurcht von der Menschenfurcht befreit, so wie es auch mit den anderen Propheten geschehen ist. Vers 9 erinnert uns unmittelbar an Jes 6,7, wo ein Engel mit einer glühenden Kohle die Lippen Jesajas berührt und sie damit reinigt für den Dienst. Jeremia wird noch einsamer sein als Jesaja (welcher eine Familie mit Frau und Kindern hatte). Seine gesamte Kraft wird nur von Gott kommen. Diese Kraft wird stärker sein als die Kraft seiner Widersacher. Aus Gottes Sicht wird die geistliche Position des jungen Propheten geradezu atemberaubend sein. Jeremia steht über den Völkern und über den Königreichen und Königen, zu denen und über die er zu reden hat! Er ist auch hierin ein Bild des Herrn Jesus Christus, welcher in äußerer Bescheidenheit und Demut auftrat und dennoch der Schöpfer, der Herrscher und der Besitzer der gesamten Erde ist. Der Herr selbst war und ist noch immer der große Prophet des Heils an alle Nationen.

Jes 49,5-6: „Und nun spricht der HERR, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht gebildet hat, um Jakob zu ihm zurückzubringen – Israel aber wurde nicht gesammelt, und doch wurde ich geehrt in den Augen des HERRN, und mein Gott war meine Stärke –,
6 ja, er spricht: »Es ist zu gering, dass du mein Knecht bist, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten aus Israel wiederzubringen; sondern ich habe dich auch zum Licht für die Heiden gesetzt, damit du mein Heil seist bis an das Ende der Erde!«“

 

Die Verse 11-12 bringen uns das Bild des Mandelzweiges (des Wächterbaumes, der seinen Namen daher hat, dass der Mandelbaum in Israel als erster blühte und somit das Kommen des Frühlings, des neuen Lebens, anzeigte). Gott teilt Jeremia mit, dass er selbst darüber wachen wird, dass das von dem Propheten verkündigte Wort sich erfüllen wird. Gott wacht über sein Wort, er verbürgt sich für dieses Wort, er kann nicht lügen. So ist es auch heute noch. Der Himmel und die Erde werden vergehen, aber die Worte des Herrn werden nicht vergehen.

Ps 138,2: „Ich will anbeten, zu deinem heiligen Tempel gewandt, und deinem Namen danken um deiner Gnade und Treue willen; denn du hast dein Wort groß gemacht über all deinen Ruhm hinaus.“

Joh 17,17: „Heilige sie in deiner Wahrheit! Dein Wort ist Wahrheit.“

Tit 1,2: „...aufgrund der Hoffnung des ewigen Lebens, das Gott, der nicht lügen kann, vor ewigen Zeiten verheißen hat.“

Mt 24,35: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“

 

Die Verse 13-16 bringen uns die Vision von dem siedenden Topf aus dem Norden und ihre Deutung. Wir erinnern uns daran, dass Hesekiel in Kapitel 24 seines Buches in Babylon unter den Vertriebenen weissagte und 38 Jahre später als Jeremia (im neunten Jahr Zedekias, also zwei Jahre vor dem Untergang Jerusalems) eine Vision erhielt, in welcher Jerusalem selbst als ein siedender Kessel dargestellt ist, welcher mitsamt seinem Inhalt im Gericht Gottes glühen muss. Hier bei Jeremia symbolisiert der Topf mit dem heißen Wasser die Überschwemmung des Landes und der Stadt Jerusalem durch die Könige des Nordens. Diese Könige waren in damaliger Zeit der Assyrer und der Babylonier. In Vers 16 wird Gott sein Urteil über die ungläubige und götzendienerische Bevölkerung des Landes und der Stadt fällen. Jeremia weiß nun, dass der Untergang kommen wird. Er kann sich ab sofort keiner Illusion mehr darüber hingeben, dass es eine Rettung geben könnte.

„Was soll dann noch mein Dienst?“, so wird der junge Prophet sich wohl gefragt haben. Die Antwort lautet wie bei Jesaja und Hesekiel auch, dass Gott seinem Volk durch die Propheten einen Wächterdienst verordnet hat. Der Dienst dieser Wächter wird von Gott nicht nach seinem äußeren Erfolg beurteilt, sondern nach der Treue des Dieners. Als der Herr zum Kreuz ging, hatte er zwölf Jünger um sich geschart. Einer davon war sogar noch ein Verräter, den er am letzten Abend vor dem Passahmahl wegschicken musste. Als der Herr überliefert war, verließen ihn alle, und er musste einsam und alleine nach Golgatha gehen. Als er am Kreuz für unsere Sünden gerichtet wurde, verhüllte der Vater die Szene durch eine tiefe Finsternis. Niemand konnte sehen, was in diesen drei Stunden wirklich geschah. Der „Verachtete aller Verachteten“ auf dieser Erde ist aber zugleich ihr Schöpfer, ihr Erhalter und der Retter aller Gläubigen. Ihm gehört in Ewigkeit die Herrschaft über die neue Schöpfung.

Auch in unserer Zeit führen zahlreiche Gläubige ihr irdisches Leben als Unscheinbare, als Verachtete, ja sogar als schwer Verfolgte. Niemand scheint sich um sie zu kümmern. Sie sind aber dem Herrn treu, der alles genau sieht. Keine Mühe eines Gläubigen, die wirklich für den Herrn ist, wird vergeblich bleiben. In der Offenbarung der Herrlichkeit am letzten Tag wird alles verwandelt werden, und jeder Gläubige wird von dem Herrn selbst sein Lob erhalten. Die elende Stellung eines Gläubigen in diesem Leben ist aus der Sicht des Herrn besser als die höchste weltliche Ehre der Gottlosen.

Die Verse 17-19 bringen uns nochmals einen starken Zuspruch und Trost des Herrn für seinen geringen Diener Jeremia. Er soll keine Furcht in seiner Seele hegen, damit er nicht von Gott furchtsam gemacht wird. Er wird ganz alleine gegen alle stehen, aber er wird sein wie eine befestigte Stadt, wie eine eiserne Säule und eine eherne Mauer. Diese Mauer wird fest und sicher stehen, sie wird im kommenden Sturm nicht so einstürzen wie die getünchte Wand der falschen Propheten in Hesekiel 13, welche dort im Angesicht der kommenden Katastrophe Frieden weissagten. Die Fürsten, die Priester und das Volk werden nichts gegen den Propheten vermögen. Wir werden bei der weiteren Betrachtung des Buches noch sehen, dass Jeremia nach dem Tod Josias für weitere 22 Jahre insgesamt vier gottlosen Königen Israels, deren Priesterschaft und der ungläubigen Masse des Volkes entgegenzutreten hatte. Sie kämpften gegen ihn, sie beleidigten und misshandelten ihn schwer. Er wurde ins Gefängnis und in die Grube mit kotigem Schlamm geworfen. Sie konnten ihn jedoch nicht umbringen oder auch nur zum Schweigen bringen. Jeremia überlebte sogar den Untergang der Stadt. Gott sagt es ihm hier zu.

Auch wir können in unserer Zeit den Dienst für den Herrn nicht in unserer eigenen Kraft tun, sondern nur in seiner Kraft. Der Herr baut sein Reich durch uns. Sein Wort wird genau das ausrichten, was er will. Er wird die Vollzahl seiner Gläubigen einsammeln, und am Ende wird ihm nicht ein einziger fehlen. Wenn die große gottlose Stadt dieser Welt, das große Babylon am Ende untergehen wird, dann werden alle Gläubigen in der starken Stadt Gottes auf dem himmlischen Berg Zion geborgen sein (Ps 87; Jes 26 und 27; Hebr 12,22 ff). Wir könnten noch manches hinzufügen, aber wir verlassen nun dieses Kapitel, damit wir nicht zu weit ausufern. Es folgen ja noch weitere 51 Kapitel.

 

 

Kapitel 2

Ab diesem zweiten Kapitel werden wir Schritt für Schritt mit den großen Themen bekannt gemacht, welche den Dienst Jeremias kennzeichneten. Er musste diese Dinge 40 Jahre lang immer und immer wieder in unterschiedlich abgewandelter Form prophezeien. Jeremia stand zunächst noch an der Seite des Königs Josia und konnte mit dessen Unterstützung das Wort Gottes laut und deutlich verkündigen. Er war ja zu Beginn seines Dienstes noch sehr jung, und wir können uns vielleicht ein wenig vorstellen, was dies zu bedeuten hatte. Er stand alleine einer Priesterschaft und einer ganzen Menge von Propheten gegenüber, welche ihn völlig verachteten. Sie sahen von oben auf ihn herab.

„Was will denn dieser neunmalkluge junge Naseweis aus Anatot uns hier über den Bund vom Sinai, über das Gesetz und den Gottesdienst erzählen? Wir dienen seit Jahrzehnten im Tempel und kennen uns aus. Unsere erfahrenen Propheten wissen was richtig ist, und sie weissagen dem Volk und der Stadt all das Gute, was wir von unserem Gott zu erwarten haben. Der Assyrer hat zwar den Norden erobert, aber an unserem Tempel ist er doch wohl kläglich gescheitert, oder etwa nicht? Es ist doch völlig klar, dass niemand Jerusalem erobern kann. Wer gibt diesem vorlauten Bengel das Recht, uns zu kritisieren? Er kommt zwar aus einer Priesterfamilie, aber das bedeutet noch lange nicht, dass er Ahnung hat. Wer gibt ihm das Recht, uns der Sünde zu beschuldigen und uns zu ermahnen, die wir viermal älter sind als er? Er soll gefälligst schweigen, sonst wird der Tag kommen, an welchem wir selbst ihm eine Lektion erteilen und ihn zum Schweigen bringen werden. Es reicht schon völlig aus, dass wir vor dreizehn Jahren einen jungen religiösen Fanatiker zum König bekommen haben. Wir brauchen jetzt nicht auch noch solch einen Propheten.“

Während der Jahre unter Josia musste Jeremia das Volk, die Priester und Propheten zunächst noch zur Umkehr aufrufen, obwohl Gott ihm bereits bei seiner Berufung gezeigt hatte, dass der siedende Topf aus dem Norden ausgeschüttet werden würde. Jeremia lebte in der Zeit, in welcher die Wahrheit Gottes noch ein letztes Mal klar verkündigt werden musste, auch wenn auf diese Verkündigung keine positive Reaktion mehr folgen würde. Er musste der Wahrheit Gottes bis zum letzten Augenblick eine Stimme verleihen. Der Wert seines Dienstes in den Augen Gottes bestand nicht in äußerem Erfolg, sondern in persönlicher Treue, auch unter den schrecklichsten Umständen.

Für uns als heutige Christen liegt hierin eine wertvolle geistliche Belehrung für Zeiten, in welchen die Umstände unserer persönlichen Nachfolge uns zu erdrücken und geistlich zu lähmen drohen. Es mag sowohl in unserem eigenen Leben als auch in der Welt Situationen geben, in welchen es rein äußerlich betrachtet so aussieht als sei Gott besiegt. Wir rufen und flehen, aber es scheint nicht das Geringste zu geschehen. Hier wird bisweilen der Glaube aufs Äußerste geprüft, wenn wir Gottes Wege nicht mehr verstehen können. Auch für Christen in schwerer Verfolgung hat dies immer seine Gültigkeit gehabt. Der Herr sieht uns aber in allen unseren Umständen, und er macht nicht einen einzigen Fehler.

Nach Josias Tod trat dann sehr schnell die wahre und bisher noch im Zaum gehaltene Gesinnung der weiteren Könige, der Priester, Propheten und des Volkes ganz offen zutage. Es war eine Nation, welche zuerst nicht umkehren wollte, und welche am Ende dann auch nicht mehr umkehren konnte! Es kam schließlich der Tag, an welchem Gott seinem Diener verbieten musste, für diese Nation noch weiter Fürbitte zu leisten. Jeremia wusste nun aus dem Mund Gottes endgültig und unmissverständlich, dass es keine Gnade mehr geben würde. Er musste in der späteren Phase seines Dienstes nur noch das kommende Gericht ankündigen. Dem Propheten schlug bereits kurze Zeit nach Josias Tod auf allen Ebenen nur noch blanker Hass und Ablehnung entgegen. Welch einen schweren Weg hatte dieser leidende Knecht Gottes zu gehen! Er wurde nicht nur beschimpft und mit Worten bedroht, sondern auch geschlagen, eingekerkert und fast umgebracht. Im Wissen um all diese Dinge möchten wir nun einen etwas genaueren Blick auf die Prophetien unseres Kapitels werfen. Wir werden bei dieser Betrachtung sowie in den weiteren Kapiteln immer wieder tiefere Einblicke in das Herz Gottes und in die Seele des Propheten gewinnen, welche auch für uns wertvoll sind.

In den Versen 1-3 erinnert Gott Jerusalem an die bräutliche Liebe des Volkes, welches Gott am Sinai zur Frau genommen und durch die Wüste geführt hatte. Jeremia muss es laut hinausrufen. Wir dürfen hier auch an Hes 16,1-14 denken. Es war eine echte Zuneigung gewesen, und Gott hatte sich als Mann an seiner jungen Frau erfreut und ihr alle Liebe erwiesen. In den Versen 4-8 sehen wir dann, dass die Väter den Herrn ohne Grund verlassen haben. Sie sind schon auf der Wüstenwanderung den Götzen nachgegangen.

Am 5,25-26: „Habt ihr etwa mir während der 40 Jahre in der Wüste Schlachtopfer und Speisopfer dargebracht, ihr vom Haus Israel?
26 Ihr habt die Hütten eures Moloch und den Kaiwan, eure Götzenbilder, getragen, das Sternbild eurer Götter, die ihr euch gemacht habt!“

 

Im Land angekommen führten sie ihren Götzendienst weiter. Die Priester dienten sogar dem Baal und anderen Götzen. All das war eine schwere Beleidigung für das liebende Herz Gottes. Gott wird mit diesem Volk rechten, und Jeremia muss es ihnen sagen. Sie sind schlimmer als die Heiden auf den Inseln. Diese haben zwar ihre Götzen, aber sie wechseln sie nicht. Sie bleiben wenigstens denselben Götzen treu. Israel ist viel schlimmer, denn es hat seinen wahren Gott verlassen und ihn gegen die Götzen eingetauscht. Sie haben die Quelle lebendigen Wassers gegen löcherige Zisternen getauscht. Sie waren frei geboren und sind nun durch ihre Untreue zu Knechten geworden. Ihr ganzes Elend ist ihre eigene Schuld (Vers 17). Es nützt ihnen gar nichts, sich nach Ägypten oder Assyrien zu wenden. Sie werden erfahren müssen, dass es schlimm und bitter ist, seinen Gott zu verlassen und ihm nicht zu dienen (Vers 19).

Gott hatte sich Israel als einen Weinstock gepflanzt, als eine Edelrebe in einem eigenen Weinberg (Jes 5), aber das Volk wollte nicht unter dem sanften Joch des Herrn gehen und ihm dienen.

Mt 11,30: „Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“

 

Israel gab sich den Göttern der Nationen hin, um bei ihnen emotionale Befriedigung zu suchen. Es hat sich benommen wie eine leichtfüßige Kamelin, wie eine Wildeselin, die nur ihre Befriedigung suchte. Sie werden sich schämen müssen in Vers 26. Sie werden zu ihren Götzen schreien, aber die werden ihnen nicht helfen können.

Die Jungfrau Israel hat ihren geistlichen Schmuck abgelegt, nämlich ihre Reinheit und Liebe zum Herrn. Die Braut hat ihren Gürtel vergessen. Der Gürtel symbolisiert nicht nur die Bindung an die Wahrheit des Herrn (Eph 6,14), sondern auch Stütze, Festigkeit, Kraft und Stärke in der vertrauten Nähe zu ihm. Sie haben Licht mit Finsternis verwechselt, haben Liebe bei den Nationen gesucht statt bei Gott und sind in geistlichen Ehebruch verfallen.

Eph 6,14: „So steht nun fest, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit, und angetan mit dem Brustpanzer der Gerechtigkeit, …“

Joh 1,5+11: „Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht begriffen.
11 Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf.“

Rö 7,2-3a: „Denn die verheiratete Frau ist durchs Gesetz an ihren Mann gebunden, solange er lebt; wenn aber der Mann stirbt, so ist sie von dem Gesetz des Mannes befreit.
3 So wird sie nun bei Lebzeiten des Mannes eine Ehebrecherin genannt, wenn sie einem anderen Mann zu eigen wird;“

 

Trotz allem halten sie sich selbst noch für unschuldig. „Wir haben doch nur nach Liebe gesucht!“(Verse 25 und 35). Die hatten sie zwar schon bei Gott, aber sie wollten unbedingt andere Liebhaber. Die Suche nach Liebe ist keine Rechtfertigung für Sünde. Sünde ist nicht zu rechtfertigen. Sie ist nur zu bekennen, damit sie vergeben werden kann. Israel will aber nicht bekennen und beansprucht die Vergebung Gottes einfach so. Das kann und wird nicht funktionieren. Deshalb muss Israel zusammen mit seinen falschen Freunden (den Götzen, den Ägyptern und den Assyrern) in die Gefangenschaft gehen.

In diesen Dingen erkennen wir auf unsere eigene Zeit bezogen das Bild der großen Namenschristenheit. Sie ist letztlich in ihrem Inneren charakterisiert von Weltlichkeit, Götzendienst und sogar Gottlosigkeit. Sie verwechselt Emotionalität mit Geistlichkeit und religiöse Empfindungen mit geistlicher Kraft. Es geht ihr um die eigenen gefühlten Bedürfnisse anstelle der Rechte Gottes. Sie liebt das Vergnügen mehr als Gott. Sie hat sich für alle Arten des Götzendienstes geöffnet, wie man es auf den großen Kirchentagen unserer Zeit beobachten kann. Buddhismus, Hinduismus, Chrislam, Schamanenkult, Naturverehrung, Astrologie, Wahrsagerei, Hexenkult und vieles mehr. In einigen Ländern der westlichen Welt ist sogar der Satanismus als offizielle Religion anerkannt und darf Kirchen betreiben. Eine solche Christenheit muss am Ende gerichtet werden. Gott ist langmütig und gütig, aber er ist auch gerecht. Es gibt nur eine Möglichkeit: Bekenntnis der eigenen Schuld, wie auch immer sie aussehen mag, und Glaube an das Opfer des Herrn Jesus auf Golgatha zur Vergebung der Sünden und Reinigung durch sein Blut.

Mk 1,15: „Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“

 

 

Kapitel 3

In den Versen 1-5 klagt Gott das Volk erneut für seinen frechen geistlichen Ehebruch an. Die Worte sind hart, und sie werden Jeremia zahlreiche Feindschaften eingetragen haben. Nach 5Mo 24,1-4 durfte ein betrogener Ehemann seine Frau nach der Scheidung nicht mehr zurücknehmen, wenn sie wieder zu ihm kommen wollte. Gott sagt hier, dass er sehr wohl bereit ist, seine untreue Frau Juda wieder anzunehmen, wenn sie nur in echter Reue zu ihm zurückkehrt. Aber sie will nicht! Sie hat Götzendienst betrieben und ihn durchgesetzt, wobei sie von Gott Vergebung ohne Buße gefordert hat. Welch eine Frechheit.

Die Verse 6-13 reden über den Scheidebrief Gottes für das Nordreich. Der Norden musste in die Gefangenschaft gehen, und Juda sah es. Trotzdem sind sie nicht wirklich umgekehrt, sondern nur zum Schein (Vers 10). Wir wissen, dass König Josia in Jerusalem ein riesiges Passahfest veranstaltet hatte. Er hatte zudem die Höhen in Juda von den Götzenbildern gereinigt. Das Volk war zum Schein mitgelaufen und hatte sich dem religiösen Gebot der Stunde unterworfen. In den Häusern der Juden und in ihren Herzen sah es jedoch ganz anders aus. Der Götzendienst ging weiter, und Jeremia weiß es. Juda ist schlimmer geworden als Israel es war. Hier denken wir natürlich auch an Hes 23. Der Bußruf Gottes in Vers 13 verhallt ungehört.

Die Verse 14-18 reden über Gottes zukünftiges Handeln mit dem Volk, wenn das kommende Gericht vorbei sein wird. Sie werden neue einsichtige Hirten bekommen und in das Land zurückkehren. Es wird keine Bundeslade mehr gemacht werden. Im Volk wird Einheit herrschen, und sie werden nicht mehr dem früheren Starrsinn ihres Herzens folgen. Alle Heidenvölker werden sich nach Zion versammeln, welches man den Thron des Herrn nennen wird.

Die erste Erfüllung dieser Prophetie kam natürlich in der Rückkehr des Überrestes aus der babylonischen Gefangenschaft. Das gedemütigte und reumütige Volk wurde von Hirten (Kyros, Josua, Serubbabel, Esra, Nehemia, Sacharja, Haggai und anderen) nach Hause geführt und in der Wiederherstellung zurechtgebracht. Die Nation war eine Einheit, es gab kein Nordreich und Südreich mehr. Im zweiten Tempel gab es keine Bundeslade mehr im Allerheiligsten, sondern es wurde ein Stein des ersten Tempels im Allerheiligsten mit Blut besprengt. Leider kam es bis zur Ankunft des Herrn zu einem erneuten Abfall.

Die endgültige Erfüllung begann mit dem Dienst des Herrn auf dieser Erde. Er war die wahre Bundeslade Gottes, das goldene Gefäß, in dessen Innerem das Gesetz war. Er errichtete in seiner Auferstehung den dritten Tempel der Heilsgeschichte, nämlich den Tempel seines Leibes. Er gründete die neutestamentliche Gemeinde, als er den heiligen Geist sandte. Diese Gemeinde ist der Tempel Gottes und der Leib Christi im neuen Bund. Sie besteht aus einem geeinten Volk ohne Feindschaften, welches demütig ist und ein erneuertes Herz hat.

Hebr 8,8-13: „Denn er tadelt doch, indem er zu ihnen spricht: »Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde;
9 nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern gemacht habe an dem Tag, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus dem Land Ägypten zu führen – denn sie sind nicht in meinem Bund geblieben, und ich ließ sie gehen, spricht der Herr –,
10 sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel schließen werde nach jenen Tagen, spricht der Herr: Ich will ihnen meine Gesetze in den Sinn geben und sie in ihre Herzen schreiben; und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein.
11 Und es wird keiner mehr seinen Nächsten und keiner mehr seinen Bruder lehren und sagen: Erkenne den Herrn! Denn es werden mich alle kennen, vom Kleinsten bis zum Größten unter ihnen;
12 denn ich werde gnädig sein gegen ihre Ungerechtigkeiten, und an ihre Sünden und ihre Gesetzlosigkeiten werde ich nicht mehr gedenken.«
13 Indem er sagt: »Einen neuen«, hat er den ersten [Bund] für veraltet erklärt; was aber veraltet ist und sich überlebt hat, das wird bald verschwinden.“

 

Die Blicke dieser Nation sind nicht mehr auf das irdische Jerusalem gerichtet, sondern auf das himmlische Zion.

Hebr 12,22: „… sondern ihr seid gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und zu Zehntausenden von Engeln.“

 

zu welchem sie bereits jetzt gehören, und in welchem der Herr in Herrlichkeit thront. Aus allen Nationen der Erde werden die Bürger dieser Nation Gottes durch das Evangelium gesammelt. Die Vollendung wird kommen in der Ewigkeit, wenn der Herr mit seinem erlösten und verherrlichten Volk die neue Erde bewohnen wird. Dort wird das neue Jerusalem als Stadt Gottes liegen, welches in Off 21 aus dem Himmel auf die neue Erde gekommen ist. Vielleicht dürfen wir uns das Land sogar als ein verherrlichtes neues und ewiges Israel vorstellen, welches noch erkennbare Anklänge an die vergangene Welt zeigen wird (Namen, geographische Orte und so weiter).

Die Verse 19-20 zeigen Juda wieder im Gegensatz zu den Gedanken Gottes. Ab Vers 21 hören wir dann aus dem Mund des Propheten ein Bußgebet und ein Schuldeingeständnis, wie es das Volk eigentlich sagen sollte. Jeremia legt den Leuten gewissermaßen die Worte der Buße in den Mund, die sie zu Gott sagen könnten, wenn sie nur wollten. Einfacher könnte es für sie nicht sein. Aber sie wollen nicht!

 

 

Kapitel 4

Die Verse 1-2 verheißen den Segen infolge einer echten Umkehr. Diese fand aber nicht statt. Juda erkannte den Herrn nicht und irrte weiter umher. Erst durch den Dienst des Herrn und nach der Gründung seines Reiches geschah das, was Juda hier tun sollte. Die Verse 3-4 reden darüber. Es wurde unter den Gläubigen dieses Reiches ein Neubruch gepflügt und nicht mehr unter die Dornen gesät (Mt 13). Die Herzen waren beschnitten.

Phil 3,2: „Habt acht auf die Hunde, habt acht auf die bösen Arbeiter, habt acht auf die Zerschneidung!“

Kol 2,11: „In ihm seid ihr auch beschnitten mit einer Beschneidung, die nicht von Menschenhand geschehen ist, durch das Ablegen des fleischlichen Leibes der Sünden, in der Beschneidung des Christus, …“

 

Nur das Pflügen des Herzensackers durch den Geist des Herrn schützt vor dem Feuer des Gerichts. Wir haben hier auch ein alttestamentliches Bild des Ackerbaus Gottes in 1Kor 3.

Die Verse 5-9 bringen uns eine erste Vision der Schrecklichkeit des kommenden Gerichts. Das Erschrecken des Propheten. Die Flucht des Volkes in die Städte, vor allem nach Jerusalem. Der babylonische Löwe Nebukadnezar tritt erstmals in schrecklicher Gestalt aus dem Dickicht hervor. Das Volk jammert und klagt, denn jetzt kommt der unabwendbare Zorn mit aller Macht. Die Könige, Priester und Propheten sind verzweifelt und ratlos.

In Vers 10 glaubt Jeremia, dass Gott das Volk getäuscht und ihm Frieden verheißen habe. Er bekommt seine Antwort in den Versen 11-12. Gott hat sehr wohl Frieden angeboten für den Fall der Umkehr des Volkes, aber sie sind eben nicht umgekehrt. Nach allen Warnungen der Vergangenheit kommt nun nicht ein reinigender Luftzug, sondern ein vernichtender Sturm. Das Gericht ist einzig und allein die Folge ihrer Unbußfertigkeit. Gott ist im Recht! Die Verse 13-18 deuten den Sturm und die Art seiner Verwüstungen näher an.

Die Verse 19-21 reden über die Empfindungen des Propheten. Jeremia ist bis ins Mark erschüttert. Was er sieht und verkündigen muss, schmerzt ihn in der Brust und wühlt die Wände seines Herzens auf. Wie sehr ist der Prophet im Innersten seines Wesens mit der schrecklichen Botschaft verbunden, die er immer wieder verkündigen muss! Gott hat das Wort in seinem Herzen verankert und er muss reden, denn er wird von Gott zu seinem Dienst getrieben (2Pe 1,21, siehe Einleitung). Jeremias Dienst ist nicht einfach, sondern hart und schwer.

Nur der Herr selbst konnte den Propheten verstehen. Wie hat auch der Herr selbst gelitten, als er Jahrhunderte später durch Israel wandelte und die Masse der verlorenen Schafe sah, welche keinen Hirten hatten. Bei seinem Einzug in Jerusalem musste er über die Stadt weinen, weil sie wieder einmal nicht umkehren wollten. Sie hatten Jeremia und alle anderen Propheten verworfen und standen nun im Begriff, den Herrn aller Propheten zu verwerfen. Der Herr kannte nicht nur das kommende Ende Jerusalems durch die Hand der Römer. Er kannte auch das Los der Sünder, welche ohne Vergebung in die Ewigkeit eingehen müssen. Er war gekommen um den Vater zu ehren und sein Herz zu stillen. Er war gekommen um zu suchen und zu retten was verloren ist. Er war gekommen um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele. Er erlitt in den drei Stunden der Finsternis am Kreuz tatsächlich die Gottverlassenheit des verlorenen Menschen. Er sucht durch den Heiligen Geist bis heute die Verlorenen und bringt ihnen das Wort der Rettung. Wehe den Unbeugsamen und Widerspenstigen, wenn einmal alles zu Ende geht.

Die Verse 23-26 bringen eine Schau des Propheten auf dieses Ende, zunächst erfüllt durch die Verwüstungen der Babylonier, am Ende erfüllt im Weltgericht, wenn die ganze Erde wüst und leer liegen wird. Die Verse 27-31 bringen die Verheißung der Bewahrung eines Überrestes vom damaligen Volk. Die völlige Vernichtung und Auslöschung wird nicht geschehen. Dennoch muss das Gericht kommen, denn Gott ist fest dazu entschlossen. Die Bogenschützen Babylons kommen, und es nützt der untreuen Frau Jerusalem nichts mehr, dass sie ihren Schmuck angelegt hat. Ihre falschen Liebhaber trachten ihr nach dem Leben und bringen sie um. Hier auch eine Parallele zum Tod Isebels. Natürlich haben wir auch zu denken an die Offenbarung, wo Isebel sexuelle Unmoral unter bekennenden Christen darstellt. Auch dies wird vom Herrn gerichtet werden an seinem Tag. Viele falsche Bekenner werden dann erschrecken und verlorengehen.

2Kö 9,30-33: „Als nun Jehu nach Jesreel kam und Isebel dies hörte, da schminkte sie ihr Angesicht und schmückte ihr Haupt und schaute zum Fenster hinaus.
31 Und als Jehu in das Tor kam, sprach sie: Ist es Simri gut ergangen, der seinen Herrn ermordete?
32 Da schaute er zum Fenster empor und sprach: Wer hält es mit mir? Wer? Da sahen zwei oder drei Kämmerer zu ihm hinab.
33 Und er sprach: Stürzt sie herab! Und sie stürzten sie hinunter, dass die Wände und die Pferde mit ihrem Blut bespritzt wurden; und er zertrat sie.“

Off 2,20-23: „Aber ich habe ein weniges gegen dich, dass du es zulässt, dass die Frau Isebel, die sich eine Prophetin nennt, meine Knechte lehrt und verführt, Unzucht zu treiben und Götzenopfer zu essen.
21 Und ich gab ihr Zeit, Buße zu tun von ihrer Unzucht, und sie hat nicht Buße getan.
22 Siehe, ich werfe sie auf ein [Kranken-] Bett und die, welche mit ihr ehebrechen, in große Drangsal, wenn sie nicht Buße tun über ihre Werke.
23 Und ihre Kinder will ich mit dem Tod schlagen; und alle Gemeinden werden erkennen, dass ich es bin, der Nieren und Herzen erforscht. Und ich werde jedem Einzelnen von euch geben nach seinen Werken.“

 

Der letzte Vers erinnert uns an die Situation aus 1Sam 4,19-22. Dort musste Gott das Haus Elis durch die Hand der Philister schlagen. Eli und seine Söhne kamen um, und die Bundeslade kam in die Hände der Philister. Als die hochschwangere Schwiegertochter Elis, die Frau des Pinehas, von dem Verlust der Bundeslade erfuhr, fiel sie zu Boden. Sie bekam Wehen, gebar ihren Sohn Ikabod und starb bei der Geburt. Ikabod bedeutet: „Keine Herrlichkeit mehr“. So wird es Jerusalem ergehen. Die Herrlichkeit wird von ihr genommen, die Bundeslade wird weggenommen und die Stadt wird sterben.

 

 

Kapitel 5

In den Versen 1-9 erfahren wir einiges über die unzumutbaren Zustände im Alltagsleben Jerusalems, mit welchen Jeremia tagtäglich konfrontiert war. Gott redet zu ihm darüber. Es gibt nur noch Ungerechte und Lügner, keinen einzigen Gerechten und Wahrhaftigen mehr. Dies betrifft nicht nur die kleinen Leute, sondern auch die Großen der Gesellschaft. Da ist keiner der Gutes tut, auch nicht einer (Ps 14,3; Ps 53,3-4; Rö 3,12). In Sodom gab es nur noch Lot, in Jerusalem gibt es nur noch Jeremia. Sie haben das sanfte Joch ihres Gottes gänzlich zerbrochen. Darum wird der Löwe aus dem Wald/der Steppenwolf/der Leopard, nämlich Nebukadnezar, sie zerreißen. In Vers 7 fragt Gott das sündige Volk, warum er ihm denn noch vergeben sollte. Wir denken hierbei auch an:

Hi 9,3: „Wenn er mit Ihm rechten wollte, so könnte er Ihm auf tausend nicht eins antworten.“

 

So wird es einmal sein, wenn jeder verlorene Mensch vor dem Herrn Jesus Christus steht. Der Herr wird ihm sein Leben vor die Füße werfen mit allen Sünden, den großen und den kleinen. Dann wird er ihn fragen: „Was für einen Grund kannst Du mir denn nennen, weshalb ich Dir vergeben sollte?“ Nicht der Sünder wird hier die Fragen stellen. Nicht der Herr wird hier auf der Anklagebank sitzen. Es wird genau umgekehrt sein. Der verlorene Mensch, der die völlige Vergebung aller seiner Sünden in Jesus Christus zeitlebens abgelehnt hat, wird in eine Schockstarre verfallen und verstummen.

Erkennen wir etwas von den Problemen Jeremias wieder in unserer Zeit? Die Antwort ist ein klares „Ja!“. Unsere Gesellschaft verroht zunehmend. Es hat sich eine aalglatte, politisch korrekte Geschäftskälte im zwischenmenschlichen Umgang breitgemacht, welche vor allem unter der smartphone- und tabletgesteuerten jüngeren Generation immer mehr um sich greift. Die Politiker regieren mit einem süffisanten Lächeln auf den Lippen völlig unbeeindruckt über die Köpfe der Menschen hinweg. Es geht ihnen nur noch um die Verwirklichung der Neuen Weltordnung, um ihr eigenes Prestige und ums Geld. Die Steuerbehörden treiben mit eiskalter Rücksichtslosigkeit unter Androhung harter Gefängnisstrafen alles bis auf den letzten Cent ein.

Die Schwachen werden an die Seite gedrängt oder gar aus dem Weg geräumt. Alte Menschen haben jahrzehntelang hart gearbeitet. Nun sind sie verwitwet und müssen mit einer Hungerrente unterhalb des Existenzminimums leben. Wenn sie pflegbedürftig werden, werden ihre kleine Rente und ihr sonstiger Besitz verpfändet, das Einkommen ihrer Kinder wird belangt, und vielen Familien bleibt am Ende nichts mehr übrig. Die Mächtigen fressen wieder einmal die Häuser der Witwen und Waisen. Die Großkonzerne und vor allem die Großbanken florieren, die Menschen verarmen.

Bereits in der Kita beginnen die Sexualisierung und das Gendermanagement mit den Dreijährigen. Das aktive Geschlechtsleben beginnt in der Frühpubertät mit 12-13 Jahren. Im späteren Leben setzt es sich unter der Bevölkerung flächendeckend fort. Außerehelicher Geschlechtsverkehr und Ehebruch sind zu Breitensportarten geworden, welche in den sexualisierten Medien noch gezielt gefördert werden. Wir haben doch alle das Recht auf die unmittelbare Befriedigung unserer Bedürfnisse und Gefühle, oder etwa nicht? Zu den Gayprideparaden der Großstädte versammeln sich an einem Ort nicht selten mehr als eine Million Teilnehmer, um grellbunt und lautstark ihre „Minderheitsrechte“ zu proklamieren. Die Feministinnen proklamieren aggressiv ihre Rechte, und die Zahl der Abtreibungen ist wieder am Steigen. Lebensunwertes Leben wird im Mutterleib abgetötet.

Doch nicht nur die einfachen Leute sind betroffen, sondern auch und gerade die Prominenz. In der Spitzenpolitik weltweit sowie unter den Kirchenfürsten häufen sich derzeit Fälle von langjährigem systematischem sexuellem Kindesmissbrauch, welche zunehmend an die Öffentlichkeit gelangen. Die internationalen Showgrößen stellen sich mehr und mehr gegen Gott und sein Wort. Stars wie Madonna, Lady Gaga, Beyonce, Snoop Dogg, Katie Perry und viele andere promoten in ihren Bühnenshows in aller Offenheit den Satanismus. Die internationale Filmindustrie produziert kaum noch etwas anders als Armageddonszenarien, Sex, Gewalt und computeranimierte Fantasy, die Realität findet nicht mehr statt. In den Comedyshows der staatlich gelenkten und zwangsfinanzierten Fernsehanstalten bekommen wir aus dem Mund der regierungstreuen Systemkomödianten immer wieder Witze über Gott und auch ganz offene Gotteslästerungen zu hören.

Gott sieht alle diese Dinge, und sie schneiden ihm tief in sein Herz hinein. Er sieht das Treiben der verlorenen Menschen, und er möchte sie retten. Dazu müssten sie aber zuerst einmal in echter Buße und Reue von ihren Sünden umkehren und an den Herrn und Retter Jesus Christus glauben. Und genau das wollen sie nicht. Noch wartet Gott, so wie der Vater auf die Rückkehr seines verlorenen Sohnes wartete. Vielleicht kommen ja doch noch einige Menschen zur Umkehr. Noch wird das Evangelium denen verkündigt, die darüber lachen oder es bekämpfen. Einmal aber nicht mehr. Dann kommt das Ende. Gott ist gerecht und heilig. Der Himmel wird zerrissen, der Herr kommt mit den Wolken des Himmels. Alles wird in einem kurzen Moment und unter gewaltigem Geschrei der Verlorenen verbrannt wie Stroh. Und nun zurück zum Text unseres Kapitels.

Ab Vers 8 sehen wir die Herzenshaltung des Volkes. Sie haben den Herrn verleugnet und seine wirklichen Propheten geschlagen. Jeremia ist der vorerst letzte in dieser langen Reihe. Sie haben den Götzen und den falschen Propheten vertraut, welche ihnen Glück und Wohlergehen geweissagt haben. Die Sprache der Propheten Gottes konnten sie zwar verstehen, aber sie haben ihr nicht gehorcht. Sie werden nun von einer mächtigen Nation überfallen werden, deren Sprache sie nicht verstehen können. Mit diesem Feind werden sie nicht mehr diskutieren. Alles wird genommen, alles wird weggefressen.

Vers 18 bringt wieder die Hoffnung auf einen Überrest. Sie werden wieder fragend sein in Vers 19, und Gott wird ihnen antworten, um ihnen den Grund ihres Unglücks zu erklären. Es ist der Götzendienst. Vers 21 erinnert uns an zwei Worte:

Jes 6,9-10: „Und er sprach: Geh und sprich zu diesem Volk: Hört immerfort und versteht nicht, seht immerzu und erkennt nicht!
10 Mache das Herz dieses Volkes unempfänglich, und mache seine Ohren schwer und verklebe seine Augen, damit es mit seinen Augen nicht sieht und mit seinen Ohren nicht hört, und damit sein Herz nicht zur Einsicht kommt und es sich nicht bekehrt und für sich Heilung findet!“

Mt 13,14-15: „Und es wird an ihnen die Weissagung des Jesaja erfüllt, welche lautet: »Mit den Ohren werdet ihr hören und nicht verstehen, und mit den Augen werdet ihr sehen und nicht erkennen!
15 Denn das Herz dieses Volkes ist verstockt, und mit den Ohren hören sie schwer, und ihre Augen haben sie verschlossen, dass sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile.«“

 

An diesen Stellen geht es ebenfalls um ein Volk, das nicht sieht und hört, obwohl es Augen und Ohren hat. Sie sind halsstarrig (Vers 23) und müssen am Ende gerichtet werden. Dies ist generell der Zustand des verlorenen Menschen bis heute. Er ist geistlich gesprochen blind und taub geboren. Gott muss in sein Herz hineinleuchten mit dem hellen Licht des Evangeliums, damit er etwas sehen und umkehren kann. Trotzdem kann niemand zu dem Herrn Jesus Christus kommen, wenn nicht der Vater ihn zieht. Hier ist die Fürbitte der Kinder des Vaters, nämlich der Gläubigen, für die Rettung der Verlorenen gefordert, und zwar für alle Menschen, damit sie gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen können

1Tim 2,1-4: „So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen Bitten, Gebete, Fürbitten und Danksagungen darbringe für alle Menschen,
2 für Könige und alle, die in hoher Stellung sind, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Gottesfurcht und Ehrbarkeit;
3 denn dies ist gut und angenehm vor Gott, unserem Retter,
4 welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“

 

Der Vater lässt sich von seinen Kindern erbitten und berührt die Herzen der Verlorenen, so dass sie glauben können. Gott allein beherrscht geistlich gesprochen das Meer und den Regen, er ist der große Ackerbauer, er allein pflanzt die Pflanzen, die nicht mehr ausgerissen werden können und gibt das Wachstum.

Mt 15,13: „Er aber antwortete und sprach: Jede Pflanze, die nicht mein himmlischer Vater gepflanzt hat, wird ausgerissen werden.“

1Kor 3,5-8: „Wer ist denn Paulus, und wer Apollos? Was sind sie anderes als Diener, durch die ihr gläubig geworden seid, und zwar, wie es der Herr jedem gegeben hat?
6 Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber hat das Gedeihen gegeben.
7 So ist also weder der etwas, welcher pflanzt, noch der, welcher begießt, sondern Gott, der das Gedeihen gibt.
8 Der aber, welcher pflanzt, und der, welcher begießt, sind eins; jeder aber wird seinen eigenen Lohn empfangen entsprechend seiner eigenen Arbeit.“

 

Alle Ehre im Evangelium gehört einzig und allein Gott. Dies gibt dem betenden Evangelisten Ruhe und innerliche Stärke für seinen Dienst, denn er weiß dass Gott keinen Fehler macht.

Die Verse 26-29 reden wieder weiter über die Sünden der Leute und Gottes Gedanken dazu. In den Versen 30-31 sehen wir schließlich, wie die geistlichen Autoritäten, nämlich die Priester und die falschen Propheten sich zusammentun, um das Volk zu betrügen. Das Volk liebt es sogar noch. Wie viele Menschen hängen heutzutage völlig kritiklos den Verlautbarungen der Politik an? Wie viele glauben bedingungslos den Medien und den ständig versagenden Prognosen der Wirtschaftsweisen und der Statistiker? Wie viele lesen ihr Horoskop? Wie viele gehen zu den Astrologen oder zu sonstigen Wahrsagern?

Als Christen, die dem Herrn wirklich nachfolgen wollen, sollten wir zumindest eine leise Ahnung davon haben, wie es dem Propheten Jeremia zumute gewesen sein muss. Wenn uns hingegen alle diese Dinge kalt lassen, dann sollten wir unser Christsein wohl noch einmal ernsthaft überdenken. Es könnte dann nämlich möglich sein, dass wir zu weichgespülten Lobpreischristen geworden sind. Wir müssen nicht so leben und handeln wie Jeremia, denn das ist nicht unser Auftrag von Gott. Jeder von uns hat seinen eigenen Dienst für Gott. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir in unseren Herzen gleichgültig werden sollen und an den Ereignissen dieser Welt kein Interesse mehr zu haben brauchen. Unsere verlorenen Mitmenschen leben in dieser Welt, und es schadet uns als Christen ganz und gar nicht, wenn wir ein wenig Verständnis für ihre Probleme und ihre Lebenssituationen aufbringen.

 

 

Kapitel 6

Ein düsteres Kapitel, welches wir nicht allzu ausführlich betrachten möchten. Jeremia sieht zu Beginn, wie der Feind an die Stadt heranrückt, sie belagert und einnimmt. Vers 7 betont noch einmal die Bosheiten und Sünden Jerusalems, ebenso die Verse 13-15 (Gewinnsucht, falsche Friedenspropheten, Schamlosigkeit), Vers 17 (bewusste Verachtung des Wächters auf der Mauer, welchen wir in geistlicher Sicht durchaus mit Jeremia gleichsetzen dürfen), Verse 19-20 (böse Gedanken, Verachtung des Gesetzes, allgemeines Luxusstreben und bedeutungsloser Opferdienst), Vers 29 (Widerspenstigkeit, Empörung, Verleumdung, Verderbtheit).

Die Verse 8-9 bringen eine ernste Warnung an die Stadt, verbunden mit der Ankündigung, dass die erste Verwüstung durch Nebukadnezar nicht die einzige sein wird. Sogar an dem kümmerlichen Überrest wird noch einmal eine Nachlese gehalten werden. Wir wissen, dass es einen Monat nach der Einnahme der Stadt zuerst die vollständige Verwüstung der Häuser und des Tempels gab, und dass weitere fünf Jahre später der nach Ägypten geflüchtete Überrest in einer weiteren Invasion Nebukadnezars nahezu vollständig ausgelöscht wurde. Jeremia deutet es hier an. Vers 22 betont erneut die Kraft, Härte und Grausamkeit des Babyloniers, der aus dem Norden kommen wird.

Vers 10 bringt die Resignation des Propheten angesichts der endzeitlichen Verhärtung des Volkes zum Ausdruck. Zu wem soll er eigentlich noch reden? Ihre Ohren nehmen das Wort Gottes als Hohn wahr, sie sind unbeschnitten an Herz und Ohren. Dieser geistliche Zustand ist immer wieder kennzeichnend für Endzeiten gewesen, in denen das Gericht Gottes kurz bevorstand. Auch heute ist es in den hochentwickelten Gesellschaften der westlichen Welt wieder einmal so weit. Immer weniger Menschen wollen überhaupt noch zuhören. Das Wort Gottes ist ihnen zu einem altmodischen Hohn und zum Ekel geworden. Sie wollen lieber alles andere hören, nur nicht Gottes Urteil über ihr eigenes Leben. Es wird ein Gericht kommen. Ob es das allerletzte Weltgericht sein wird, weiß nur Gott allein. Auch wir sind aufgefordert, das Evangelium in nüchternem Gottesdienst weiterzugeben.

2Tim 4,1-5: „Daher bezeuge ich dir ernstlich vor dem Angesicht Gottes und des Herrn Jesus Christus, der Lebendige und Tote richten wird, um seiner Erscheinung und seines Reiches willen:
2 Verkündige das Wort, tritt dafür ein, es sei gelegen oder ungelegen; überführe, tadle, ermahne mit aller Langmut und Belehrung!
3 Denn es wird eine Zeit kommen, da werden sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern sich selbst nach ihren eigenen Lüsten Lehrer beschaffen, weil sie empfindliche Ohren haben;
4 und sie werden ihre Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Legenden zuwenden.
5 Du aber bleibe nüchtern in allen Dingen, erdulde die Widrigkeiten, tue das Werk eines Evangelisten, richte deinen Dienst völlig aus!“

 

Dabei hat Gott uns in eine ähnliche Position hineingestellt wie seinen Propheten Jeremia in den Versen 27-29. Jeremia hatte durch seine reine Anwesenheit und durch sein unbequemes Zeugnis die Aufgabe, das gottlose Volk vor dem Angesicht Gottes zu prüfen. Das Ergebnis ist niederschmetternd. Sie sind wieder und wieder im Feuer geschmolzen worden wie das Gold, aus welchem man die Schlacken ausschmilzt um es zu reinigen. Aber es war vergeblich. Es hat keine Reinigung stattgefunden, die Bösen und das Böse wurden nicht von ihnen getrennt. Sie sind verworfenes Silber. Sie wissen es vielleicht noch nicht, aber sie sind von Gott hingegeben zum Gericht. Gott ist endgültig fertig mit dieser Generation.

Am letzten Tag dieses Zeitalters wird es wieder so sein. Der Herr wird kommen an dem Tag, an welchem alle diejenigen gerettet worden sind, welche gerettet werden konnten und sollten nach seinem ewigen Ratschluss. Diese Geretteten wird er in der Entrückung aller Gläubigen am letzten Tag zu sich in die Höhe ziehen. Dann wird es auf der Erde für einen kurzen Augenblick eine Menschheit geben, welche tatsächlich in ihrer Gesamtheit rettungslos verloren sein wird. Über diese Menschheit wird das Feuergericht kommen müssen. Es wird dann endgültig keine andere Möglichkeit mehr geben.

 

 

Kapitel 7

Hier haben wir Jeremias große Streitrede gegen den falschen und wertlosen Tempeldienst in Jerusalem. Wir wissen aus Hes 8, dass die Priester in der Verborgenheit ihrer Bilderkammern im Innersten des Tempels übelsten babylonischen und ägyptischen Götzendienst betrieben. Jeremia muss nun auf Gottes Geheiß gegen diese Macht antreten. Wir können uns nur schwer vorstellen, welchen Mut und welche innere Gewissheit in der Kraft Gottes der Prophet hierzu aufbringen musste.

Es wäre vielleicht etwa so, als würde nächstes Jahr an Ostern beim Segen des Papstes in Rom ein einzelner Mann aus der riesigen Menschenmenge heraustreten. Er würde vor den Augen der anwesenden Menschenmasse und vor den laufenden Kameras in aller Welt (Liveübertragungen dieses Ereignisses gehen alljährlich zu den Katholiken aller fünf Kontinente) nach vorne gehen und dem Papst das Mikrofon wegnehmen. Dann würde er durch das Mikrofon den Fluch der völligen Vernichtung des Petersdoms und der gesamten Stadt Rom durch die richtende Hand Gottes hinausschreien. Wir können uns ungefähr vorstellen, was die anwesende Security des Vatikans mit diesem Mann machen würde. Er würde wahrscheinlich den Rest seines Lebens in einer geschlossenen Irrenanstalt verbringen.

In den Versen 1-10 redet Jeremia schonungslos über das Fehlverhalten der falschen Anbeter. Sie bedrücken Fremdlinge, Witwen und Waisen. Sie vergießen unschuldiges Blut und wandeln anderen Göttern nach (blutige Kinderopfer für den Moloch). Sie stehlen, brechen die Ehe, schwören falsch und räuchern dem Baal. Danach kommen sie zum Tempel und sagen: „Wir sind errettet!“ „Uns wird nichts geschehen, denn der Tempel des Herrn, der Tempel des Herrn, der Tempel des Herrn ist dies!“ Der Tempel des Herrn ist unter ihren Händen zu einer Räuberhöhle geworden (Vers 11). Jahrhunderte später muss der Herr gegen den zweiten Tempel Jerusalems genau dasselbe Wort sprechen.

Mt 21,13: „Und er sprach zu ihnen: Es steht geschrieben: »Mein Haus soll ein Bethaus genannt werden!« Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht!“

 

In heutiger Sprache erkennen wir hier die sogenannten Namenschristen, die klassischen Sonntagschristen. Sie gehen am Sonntag zur Kirche, damit sie von der Gemeinde gesehen werden. Nach dem Ende des Gottesdienstes geben sie sich dann im Alltag der Woche allen nur denkbaren Lastern und Sünden hin. Sie kennen kein ernstes Lesen der Heiligen Schrift, keine Heiligung und Buße, kein ernstes Gebet, keine Barmherzigkeit. Sie sind außerhalb der Gemeindemauern absolut nicht von den anderen Menschen zu unterscheiden, welche den Herrn nicht kennen, denn sie verhalten sich in der Praxis genauso wie diese. Gott wird sie richten müssen, denn sie zeigen in ihrem täglichen Wandel klar und deutlich, dass kein ewiges Leben in ihrem Herzen ist.

In den Versen 12-15 redet Jeremia über den Untergang Silos und kündigt an, dass mit dem Tempel das Gleiche geschehen würde. Die falschen Anbeter haben nämlich vergessen, was der König Salomo in seinem großen Gebet bei der Einweihung des Tempels gesagt hatte. Salomo hatte betont, dass die Israeliten im Bekenntnis ihrer Schuld zum Tempel kommen sollten. Das ernstliche Flehen eines bußfertigen Sünders würde Gott erhören, und das würde alle Sünden betreffen. Sogar die Fremdlinge würde er erhören. Auch aus der Gefangenschaft des Volkes Israel würde Gott den Schrei der Israeliten hören, wenn sie in echter Reue nach ihm rufen würden. Drei besondere Verse müssen hier angeführt werden.

1Kö 8,27: „Aber wohnt Gott wirklich auf der Erde? Siehe, die Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen; wie sollte es denn dieses Haus tun, das ich gebaut habe!“

Apg 7,47-49: „Salomo aber erbaute ihm ein Haus.
48 Doch der Höchste wohnt nicht in Tempeln, die von Händen gemacht sind, wie der Prophet spricht:
49 »Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel für meine Füße. Was für ein Haus wollt ihr mir bauen, spricht der Herr, oder wo ist der Ort, an dem ich ruhen soll?“

Jes 66,1: „So spricht der HERR: Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel für meine Füße! Was für ein Haus wollt ihr mir denn bauen? Oder wo ist der Ort, an dem ich ruhen soll?“

 

Gottes Anwesenheit bei seinem Volk hängt in keiner Weise von einem Gebäude ab, welches von Menschenhand errichtet wurde. Jesaja sagt es. Salomo sagt es in 1Kö 8, und Stephanus redet in Apg 7 über Salomo, indem er dasselbe sagt. Für Stephanus bedeutete es den Tod, denn dieses Wort wurde ihm schwer übelgenommen von den Pharisäern, unter denen sich zu diesem Zeitpunkt sogar der noch junge Saulus von Tarsus befand, der spätere Apostel Paulus. Stephanus sah im Augenblick seines Todes den Herrn stehend vor seinem himmlischen Thron. Der Herr nahm ihn ebenso in seine Herrlichkeit auf wie viele Jahre später seinen bekehrten und hingegebenen Apostel Paulus.

Der Herr selbst hatte während seines irdischen Dienstes die gottlosen Pharisäer verflucht (Mt 23) und unmittelbar danach den Tempel verlassen, um zum Ölberg zu gehen. Vom Ölberg aus kündigte der Herr dann in seiner großen Rede die völlige Vernichtung der Stadt Jerusalem und des zweiten Tempels an, welche 40 Jahre später geschah. Jeremia muss hier in diesem Kapitel die Zerstörung des ersten Tempels ankündigen, denn das Volk wird nicht umkehren. Wir wissen aus Hes 11, dass die Herrlichkeit Gottes, welche für die Israeliten damals nicht mehr sichtbar war, genau wie der Herr selbst es Jahrhunderte später beim zweiten Tempel tun würde, den ersten Tempel verließ und auf dem Weg über den Ölberg von Jerusalem wegging. Dies würde wenige Jahre nach Jeremias Rede geschehen, und es war die Vorerfüllung des irdischen Weges des Herrn selbst. In seinem Tod und in seiner Auferstehung am dritten Tag errichtete der Herr dann den dritten Tempel, nämlich den Tempel seines Leibes.

Joh 2,19-21: „Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen will ich ihn aufrichten!
20 Da sprachen die Juden: In 46 Jahren ist dieser Tempel erbaut worden, und du willst ihn in drei Tagen aufrichten?
21 Er aber redete von dem Tempel seines Leibes.“

 

Die Gemeinde Christi im neuen und ewigen Bund ist nun der Leib Christi auf der Erde und im Himmel (die bereits gestorbenen Gläubigen). Sie ist der Tempel des Heiligen Geistes auf der Erde, der dritte und ewige Tempel Gottes, seitdem der Heilige Geist am Pfingsttag aus dem Himmel kam und in allen damaligen Gläubigen Wohnung nahm. Der Leib jedes Gläubigen ist ebenfalls ein Tempel des Heiligen Geistes.

1Kor 3,16: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid, und dass der Geist Gottes in euch wohnt?“

2Kor 6,16: „Wie stimmt der Tempel Gottes mit Götzenbildern überein? Denn ihr seid ein Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott gesagt hat: »Ich will in ihnen wohnen und unter ihnen wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein«.“

Eph 2,19-22: „So seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge ohne Bürgerrecht und Gäste, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen,
20 auferbaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, während Jesus Christus selbst der Eckstein ist,
21 in dem der ganze Bau, zusammengefügt, wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn,
22 in dem auch ihr miterbaut werdet zu einer Wohnung Gottes im Geist.“

 

Dieser Tempel wird niemals mehr von Gott verlassen werden, und er wird auch in Ewigkeit nicht mehr zerstört werden. Möglicherweise wird in unserer Zeit in Jerusalem/Israel noch einmal ein dritter Steintempel erbaut werden. Vieles deutet darauf hin. Dieses Gebäude wird jedoch in den Heilsgedanken Gottes keine Bedeutung mehr haben.

Die Verse 17-28 bringen weitere Einzelheiten des Götzendienstes, an welchem sogar die Kinder beteiligt wurden. Die Vernichtung wird erneut angekündigt. Jeremia erinnert an den Auszug aus Ägypten. Damals folgte das Volk seinem Gott, und es hatte zunächst noch gar keinen Opferdienst. Gott wünschte sich damals nur willigen Gehorsam, Zuneigung und Wahrhaftigkeit. Erst später musste der Opferdienst eingeführt werden, nachdem das Volk in der Wüste unter Mose bereits ganz am Anfang wieder schwer gesündigt hatte und in den Götzendienst des goldenen Kalbes zurückgefallen war. Nun sollen sie ruhig ihre Tiere schlachten und Fleisch essen. Es ist vorbei, Gott hört nicht mehr auf sie.

In Vers 16 geht Gott sogar noch einen Schritt weiter. Er verbietet Jeremia, für das Volk Fürbitte einzulegen. Was für einen Eindruck muss dieses Wort auf den noch jungen Propheten gemacht haben. Er muss sich vollends seiner Position im Volk bewusst geworden sein. Er stand einsam und alleine auf völlig verlorenem Posten. Er hatte nur noch die Aufgabe, die Wahrheit Gottes zu verkündigen. Zugleich wusste er mit absoluter Gewissheit, dass es trotz dieser Verkündigung letztlich keine Hoffnung geben würde. Gott sagt ihm ausdrücklich, dass niemand auf ihn hören wird (Verse 27-28). Gott hat alle Propheten zu dem Volk gesandt seit dem Auszug aus Ägypten, und sie haben auch auf diese nicht gehört (Verse 25-26). Welch einen schweren Dienst hat Jeremia zu tun.

Die Verse 29-34 bringen noch einmal ein abschließendes Klagelied, welches Jeremia mit geschorenem Haupt vortragen muss. Es geht noch einmal über den Götzendienst, vor allem im Tal Hinnom und auf dem Tophet, wo die Israeliten den Götzen ihre Kinderopfer dargebracht haben.

2Kö 23,10: „Er verunreinigte auch das Tophet im Tal der Söhne Hinnom, damit niemand mehr seinen Sohn oder seine Tochter dem Moloch durchs Feuer gehen ließe.“

 

An genau diesem Ort werden sich beim Untergang der Stadt die Leichname des ganzen Volkes aufhäufen, und niemand wird sie begraben. Wir haben hier geistlich gesprochen auch ein Bild der Hölle, der Gehenna. Der Name ist ja abgeleitet vom Hinnomtal, vom Ge-Hinnom.

 

 

Kapitel 8

Die Verse 1-4 reden darüber, dass der Verwüster Jerusalems die Gebeine der Könige ausgraben und auf die Erde werfen wird. Die Überlebenden an allen Orten würden lieber sterben als in der Verbannung zu leben.

In den Versen 4-17 hält der Herr Jerusalem erneut seine ganze Verstocktheit vor, und Jeremia muss es sagen. Sie sind völlig vom Weg abgewichen wie ein kämpfendes Pferd. Sie bleiben uneinsichtig. Sogar die Vögel in Vers 7 kennen ihren Weg besser. Trotzdem halten sie sich für weise, denn die Schriftgelehrten haben ihnen das Gesetz verdreht. Sie reden leichthin von Frieden wo kein Friede ist, und ihre Frauen und ihr Besitz werden anderen gegeben werden, wenn die Weisen zuschanden werden. Sie kennen keine Scham mehr, und alles wird ihnen genommen werden: Die Trauben, die Feigen und die Ackerfrucht. Sie selbst werden als Trauben vom Weinstock Gottes und als Feigen vom Feigenbaum Gottes weggenommen werden. Sie flüchten vom Land in die Städte und ahnen dabei doch, dass sie dort umkommen werden. Trotzdem wollen sie den Lügen der Propheten glauben. Sie hoffen noch immer auf Frieden, aber die Wirklichkeit holt sie ein. In den Versen 16 und 17 kommen die Rosse der Eroberer. Sie werden von den Giftschlangen Babylons gebissen und sterben. Hier findet sich auch ein deutlicher symbolischer Bezug zu den Reitern mit den Löwenhäuptern und den Schlangenschwänzen in der Offenbarung. Sie symbolisieren dort wie hier entweder tatsächliche oder dämonische Heeresmächte von verwüstender Kraft.

Die Verse 18-23 bringen uns eine tiefe und tränenreiche Klage Jeremias über den Untergang. Sein Herz ist krank vor Trauer, und seine Tränen fließen unaufhörlich. Wie hat Jeremia dieses Volk geliebt, das ihn verschrie, demütigte, angriff, lästerte und schlug! Hierin gleicht er wieder dem Herrn, der über Jerusalem weinte, als er am Anfang seiner letzten Lebenswoche auf dem Esel reitend in die Stadt einzog. Die Trauer des Herrn ging jedoch viel tiefer als die des Propheten, denn der Herr wusste alles. Er kannte nicht nur das kommende Elend der damaligen Stadt. Er kannte und kennt auch die ewige Verlorenheit aller Menschen, die nicht errettet werden. Vers 20 ist ein Hinweis auf die große Ernte in

Joh 4,35: „Sagt ihr nicht: Es sind noch vier Monate, dann kommt die Ernte? Siehe, ich sage euch: Hebt eure Augen auf und seht die Felder an; sie sind schon weiß zur Ernte.“

 

Wer am Ende dieser Ernte nicht gerettet ist, der verliert nicht nur sein irdisches Leben, sondern er geht in Ewigkeit verloren. Vers 22 deutet auf den großen Arzt hin, auf den Herrn, der Heilung und Rettung bringt. Er hat sich auch seinem Volk am Roten Meer so vorgestellt.

2Mo 15,26: „Wenn du der Stimme des HERRN, deines Gottes, eifrig gehorchen wirst und tust, was vor ihm recht ist, und seine Gebote zu Ohren fasst und alle seine Satzungen hältst, so will ich keine der Krankheiten auf dich legen, die ich auf Ägypten gelegt habe; denn ich bin der HERR, dein Arzt!“

 

Aber sie wollten und wollen noch immer nicht hören. Jeremia muss verzweifeln. Er ist entsetzt und ganz zerbrochen unter dieser Last (Vers 21).

 

 

Kapitel 9

Der Anfang dieses Kapitels hat etwas Ähnlichkeit mit Kapitel 6. Jeremia möchte am liebsten weggehen von diesem Volk. Sie sind Ehebrecher, Lügner und Bösewichte. Sie sind Täuscher, Verleumder und Betrüger, und das sogar gegenüber ihren eigenen Freunden und Brüdern. Sie wollen den Herrn gar nicht kennen (Vers 5)! Sie müssen geschmolzen und geläutert werden im Feuer. Sie legen sich gegenseitig Hinterhalte, und Gott muss sie strafen.

Wir erkennen hier sehr deutlich, in was für einem Hexenkessel Jeremia tagtäglich auszuharren hatte. Es bietet sich uns hier das Bild einer ganzen Gesellschaft, welche in jeder nur denkbaren Hinsicht völlig kaputt und verdorben ist. Es ist der Vorort der Hölle. Jeremia hebt ein Trauerlied an, denn das ganze Land ist einer Steppe gleichgeworden. Kein Vogel, keine Herden, kein Mensch mehr. Die Ursache liegt darin, dass sie das Gesetz Gottes verlassen haben und dem eigenen Starrsinn gefolgt sind (Verse 12-13). Sie haben den Bund gebrochen, denn wer das Gesetz vom Sinai verlässt tut genau das. Dafür werden sie mit Wermut gespeist werden (Bild der Bitterkeit des Lebens unter der Züchtigung Gottes, siehe auch Kapitel 2,19) und Giftwasser trinken (Bild des Todes). In Vers 15 wird die Gefangenschaft angekündigt.

Die Klagefrauen müssen in Vers 16 die Stadt beweinen. Die Frauen und ihre Töchter müssen weinen, denn Zion ist verwüstet. Sie mussten das Land verlassen. Der Tod ist durch ihre Fenster hineingestiegen, ihre Wohnungen wurden niedergerissen, die Kinder und die Männer wurden von der offenen Straße und von den Plätzen weggerafft. Die Leichen bedecken das ganze Feld, und niemand begräbt sie. Sie verwesen unter freiem Himmel und werden von den Tieren gefressen.

Menschliche Weisheit und Stärke ist kein Grund zum Rühmen (Verse 22-23). Die wahre Weisheit besteht darin, Einsicht in die Gedanken des Herrn zu haben, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt. Es wird der Tag kommen (nämlich durch die Heerzüge des Babyloniers), an welchem nicht nur alle gerichtet werden, welche zwar leiblich beschnitten sind, jedoch nicht am Herzen (das Volk in Juda und Jerusalem), sondern auch alle, die noch nicht einmal leiblich beschnitten sind (die Ägypter, Ammoniter, Moabiter und die Bewohner der Wüste). Siehe hierzu die Kapitel 46-51 mit den Gerichtsworten Jeremias über die Nationen.

 

 

Kapitel 10

Die Verse 1-18 beschreiben in allen Einzelheiten die Anfertigung der Götzenbilder und ihre Anbetung durch die Menschen. Beides wird von Gott der Lächerlichkeit preisgegeben. Es geht um die Sterndeuter in den Versen 1-2. Dann folgen die Schnitzer der Götzenbilder und die Kunstschmiede. Nachdem sie ihre Götzenbilder hergestellt haben, beugen sie sich nieder und verehren das Werk ihrer eigenen Hand. Welch eine Erbärmlichkeit! Alle Götzenbilder werden unter dem Himmel verschwinden.

Der Herr allein ist Gott, und er wohnt über dem Himmel. Er ist der Herr der Heerscharen, der allmächtige Schöpfer des Himmels und der Erde. Er ist der Gott seines Volkes Israel, aber das Volk muss zuerst sein Bündel aufraffen und in die Gefangenschaft gehen. Es muss zuerst vergeblich zu seinen Götzen geschrien haben, bevor es die wahren Zusammenhänge und seinen wahren Gott erkennen kann (Verse 17-18).

Die Verse 19-25 bringen dieses Bußgebet des Volkes inmitten des Gerichtes, wenn es zu verstehen beginnt. Sie liegen verwundet und ihre Zelte sind niedergerissen. Die Herde der törichten Hirten ist ganz zerstreut. Aus dem Norden kommt immer weitere Verwüstung. Nun erkennen sie in Vers 23, dass der Herr die Schritte der Menschen lenkt und dass sie selbst den Weg gar nicht wissen. Sie nehmen die Züchtigung bereitwillig an und zeigen damit ihre beginnende Umkehr. Sie bitten den Herrn darum, die Züchtigung zu begrenzen, damit sie nicht völlig untergehen. Sie erbitten auch das Gericht Gottes über die Nationen, die ihnen das Leid zugefügt haben. Obwohl sie Züchtigung verdient haben, sind sie noch immer sein Volk, und ihre Bedränger werden gerichtet werden.

 

 

Kapitel 11

Während die Weissagungen der bisherigen Kapitel am ehesten der Zeit unter König Josia zuzuordnen waren, beginnt hier bis einschließlich Kapitel 17 eine Reihe von Weissagungen, welche sehr wahrscheinlich unter Jojakim gegeben wurden. Josia war nun nicht mehr am Leben, und die Feinde Jeremias witterten zunehmend Morgenluft. Dies erklärt auch, dass sie nun damit begannen, Anschläge gegen den Propheten zu planen.

In diesem Kapitel redet der Herr ausführlich über den Bundesbruch des Volkes. Der Fluch ist auf denen, die nicht den alten Worten für die Väter gehorchen. Gott hatte sie aus dem eisernen Schmelzofen Ägyptens herausgeführt und nichts anders von ihnen verlangt, als dass sie ihm gehorsam und willig folgen sollten. Dann würde er ihr Gott sein und sie in das Land von Milch und Honig führen, in das Land Israel.

Aber sie hörten schon auf den ersten Schritten des Weges nicht mehr zu. Auf ihrer gesamten Wanderung, und zwar schon vor dem Durchgang durch das Rote Meer, murrten sie unaufhörlich und wollten ihren eigenen Weg gehen. Nach der Gesetzgebung vom Sinai wurde es nicht besser, sondern immer schlimmer. Dennoch brachte Gott sie schließlich in das Land. Die gesamte Geschichte des Volkes im Land war weiterhin nur diejenige eines völligen Versagens.

Jetzt ist Jeremia zugleich mit dem Höhepunkt dieser Entwicklung und auch mit ihrem Ende konfrontiert. Er steht einem Volk gegenüber, welches die Sünden und den Bundesbruch der Väter nicht nur wiederholt, sondern noch erheblich verschlimmert hat. Sie haben den Untergang des Nordreichs miterlebt und sich nicht warnen lassen. Juda ist noch schlimmer geworden als Israel, es hat in hartem Trotz und Eigensinn den Götzendienst noch weiter gesteigert. Jede ihrer Städte hat inzwischen einen eigenen Götzen, in jeder Straße Jerusalems steht ein eigener Götzenaltar (Vers 13).

Wenn das Gericht kommt, werden sie zu ihren Götzen schreien (Vers 12). Das sollen sie auch ruhig tun, denn wenn sie zu Gott schreien, dann wird er nicht hören (Vers 11). Jeremia darf erneut nicht mehr für das Volk bitten (Vers 14). Vers 15 zeigt eine Zweiteilung. Im ersten Teil stellt Gott eine rhetorische Frage an das Haus Juda: Er fragt sie, was sie denn da mit seinem Propheten tun, obwohl er das alles natürlich schon längst weiß. Die Großen schmieden Anschläge gegen Jeremia. Dieser Satz kann natürlich auch auf das Leben des Herrn Jesus zu seiner Zeit übertragen werden. Der zweite Versteil fragt sie, ob sie denn wirklich glauben, von diesem Unrecht durch Schlachtopfer ablenken zu können und es mit diesen Opfern begleichen zu können. Dann könnten sie sich ja wirklich freuen. Es wird aber nicht so sein. Die Verwüstung kommt. In den Versen 16-17 wird der ehemals grüne Ölbaum Israel und Juda von Gott mit mächtigem Brausen niedergebrannt. Jeremia muss es ihnen alles sagen.

Hier erfährt Jeremia nun von Mordanschlägen gegen ihn, wie es in ähnlicher Form auch in 18,18-23 und in 20,1-12 der Fall ist, dann aber unter Zedekia und Paschhur. Hier auch in Vers 19 wieder eine klare Anspielung auf das Werk des Herrn, wie es uns auch in Jes 53 in aller Ausführlichkeit geschildert wird. Der Herr ist die Erfüllung aller Prophetien über das Lamm. Er ist das Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt (Joh 1,29). Er ist das Lamm, ausersehen vor Grundlegung der Welt (1Pe 1,19-20). Er ist unser Passahlamm (1Kor 5,7). Er ist der Löwe aus Juda, der zugleich das Lamm auf dem Thron ist (Off 5,5-6). Er ist auch der Baum, gepflanzt an Wasserbächen (17,8 und Psalm 1). Auch ihn wollten die Juden zu seiner Zeit ausrotten und verderben.

In Vers 21 erfährt Jeremia, dass es die Männer aus seinem eigenen Dorf waren, die ihn umbringen wollten. In 12,6 wird es sogar noch einen Schritt weiter gehen. Seine gesamte Familie war ebenfalls gegen ihn! Auch hier sehen wir wieder den Herrn. Als er in der Synagoge seines Heimatdorfes Nazareth predigte, wollte man ihn von der Felsklippe stoßen. In Joh 7,5 lesen wir, dass seine leiblichen Brüder nicht an ihn glaubten. Der Herr war ganz alleine, und Jeremia war es auch. Der Herr kündigt durch Jeremia das vernichtende Gericht über Anatot an, kein einziger von Ihnen wird überleben. Jeremia wird seine ganze Familie verlieren und niemandem von ihnen mehr Zeugnis geben können. Dieser Mann ist wahrlich nicht zu beneiden!

 

 

Kapitel 12

Hier finden wir zunächst etwas, was viele Gläubige des Alten und Neuen Testamentes kennen. Es ist das Reden mit Gott über den Sinn und die Gründe seines Ratschlusses. Wie oft haben auch wir das Handeln Gottes und seine Wege in unserem eigenen Leben nicht mehr verstanden. Gott ist immer im Recht, das erkennt Jeremia hier klar an, und auch wir sollten es anerkennen. Dennoch hat er in seinem Herzen das Bedürfnis, sich einfach einmal vor Gott auszusprechen und seine Seele auszuschütten über die Dinge, die zu schwer für ihn sind. Gott nimmt dem Propheten das nicht übel. Er muss aber dennoch bei seinem Ratschluss bleiben und dem Propheten offen sagen, was er noch zu erwarten hat.

Psalm 73 steht hier inhaltlich parallel. Dort ist Asaph in einer ähnlichen Situation wie Jeremia es hier ist. Es geht um den Erfolg der Gottlosen, mit dem Jeremia ebenso zu ringen hat wie Asaph und wie auch wir noch bisweilen. Wie lange soll das alles noch gehen? Wie lange soll das Land noch verdorren wegen dieser Leute? Wann wird Gott sie endlich zur Schlachtung hingeben?

Kennen wir das? Überfallen auch uns nicht bisweilen diese Gedanken? Wir müssen sie nicht für uns behalten, sondern wir sollten sie vor Gott im Gebet ausbreiten, um die Last unserer Seelen zu erleichtern. Rachegedanken sollten wir dabei jedoch nicht mehr zulassen. Wir sollen den Herrn um die Kraft im Heiligen Geist bitten, unsere Feinde zu lieben mit seiner Liebe, welche ihre Rettung wünscht, und nicht ihren Untergang. Mit der Zeit werden wir es lernen von unserem Herrn.

Gottes Antwort kommt ab Vers 5. Mach dir nur keine Illusionen, Jeremia. Du bist nämlich ganz einsam. Du bist mutterseelenalleine! Sogar deine eigene Familie in Anatot ist ganz gegen dich. Sie reden schön, aber sie hassen dich. Auch sie haben dir ja schon aus voller Kehle nachgeschrien: „Verschwinde endlich von hier, Jeremia! Mach endlich dass du von hier wegkommst und sei still!“

In Vers 7 musste nicht nur Jeremia sein Haus verlassen. Auch Gott hat hier sein Haus Juda und Jerusalem verlassen. So musste es auch der Herr Jesus tun, als er Jahrhunderte später in seinem Heimatdorf Nazareth aus der Synagoge geworfen worden war. Wir lesen nicht, dass er noch einmal dorthin zurückkehrte. Er durchzog das Land, und seine Mutter Maria folgte ihm zusammen mit anderen Frauen. Von Joseph lesen wir überhaupt nichts mehr. Gott musste den Liebling seiner Seele in die Hand seiner Feinde geben. Hier in unserem Kapitel ist es Jeremia. In den Evangelien ist es der Herr Jesus. Zwischen beiden besteht eine tiefe Verbindung in ihrer absoluten geistlichen Einsamkeit. Wie hat der Herr wohl in diesen Momenten auf Jeremia herabgeschaut. Er wusste schon damals vom Himmel her, dass ihm auf der Erde einmal dasselbe und noch viel Schlimmeres widerfahren würde.

In den Versen 8-13 spricht Gott über sein Erbteil Juda und Jerusalem. Sein Erbteil ist ihm wie ein Löwe im Wald geworden, und er hat es verworfen. Es ist zum Tummelplatz der aasfressenden Hyänen und Raubvögel geworden. Die falschen Hirten haben den Acker Gottes verwüstet, und nun ist er tatsächlich zur Wüste geworden, in welcher die Tiere die Leichen der Getöteten fressen. Das Schwert des Herrn frisst im ganzen Land, die Ernten sind ganz verdorben.

Die Verse 14-17 reden über die feindlichen Nachbarn. Sie haben das Erbteil angetastet, und auch sie sollen aus ihren Gebieten herausgerissen werden. Auch über sie wird Gott sich wieder erbarmen, wenn sie sich demütigen, denn sie waren ja auch nur Werkzeuge in der Hand Gottes zur Züchtigung seines Erbteils. Auch sie sollen sogar die Möglichkeit haben, den Namen des Herrn kennenzulernen und ihn im Glauben anzurufen. Sie werden dann inmitten des Volkes Gottes aufgebaut werden. In der Vorerfüllung geschah dies nach der Rückkehr Israels aus der Gefangenschaft, als auch den Nachbarvölkern wieder Gnade gegeben wurde. Siehe hierzu auch die letzten Kapitel des Buches über die Nationen.

Hier haben wir außerdem wieder einen geistlichen Ausblick auf das kommende Zeitalter des Evangeliums, welches durch den Dienst des Herrn, des Lieblings des Vaters aus Vers 7, eingeläutet wurde. Das Evangelium geht zu allen Nationen, und sie sollen es annehmen. Wenn sie es tun, dann werden auch sie zu Gottes Nation dazugehören, nämlich zur Gemeinde Jesu Christi. Wenn sie es nicht tun, dann werden sie am Ende verlorengehen müssen, wenn der Herr wiederkommt.

 

 

Kapitel 13

Die Verse 1-11 bringen uns das Zeichen des leinenen Gürtels. Zunächst erkennen wir hier, dass Jeremia sich zu dieser Zeit noch aus Jerusalem hinausbewegen durfte. Das war auch notwendig, denn Jojakim war der König, welcher Jeremia wirklich hasste! Er wollte ihn umbringen, und bisweilen (siehe auch Kapitel 36) musste der Prophet sich verbergen um zu überleben. Später unter Zedekia war das nicht mehr möglich. Jeremia wurde unter Zedekia in Kapitel 37 verhaftet, als er durch das Tor Benjamin hinausgehen wollte, um ein Grundstück in Besitz zu nehmen. Danach blieb er im Gefängnis bis zum Untergang der Stadt. Zedekia hasste den Propheten jedoch nicht, sondern er hörte ihn immer wieder. Die Hasser des Propheten in dieser Zeit waren Zedekias Minister. Der König gab wiederholt Befehl, den Propheten aus ihrer Hand zu retten.

Jeremia muss den Gürtel am Euphrat vergraben und ihn nach vielen Tagen wieder ausgraben. Er ist völlig verdorben, und Gott erklärt ihm das Bild. Der Gürtel symbolisiert nicht nur die Bindung an die Wahrheit des Herrn

Eph 6,14: „So steht nun fest, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit, und angetan mit dem Brustpanzer der Gerechtigkeit.“

 

sondern auch Stütze, Festigkeit, Kraft und Stärke in der vertrauten Nähe zu ihm. Die Braut des Herrn hat ihren Gürtel vergessen (siehe Kapitel 2,32). Gerade so wie das Haus Juda und Jerusalem durch seinen Stolz den Herrn verlassen hat und ihm nicht mehr anhing, genauso ist der Gürtel verdorben. Genauso wird der Herr dieses Volk verderben und demütigen. Gott hatte sie sich wie einen Gürtel an seine Lenden gelegt, aber sie wollten nicht hören. Jetzt ist es zu spät.

In den Versen 12-14 redet der Prophet im Auftrag des Herrn über die Weinkrüge. Die unverständigen Zuhörer demonstrieren ihre große Klugheit dadurch, dass sie natürlich sehr wohl wissen, dass man Wein in Krüge füllt. Sie erkennen jedoch nicht die geistliche Bedeutung des Wortes. Die Bewohner des Landes vom König über die Fürsten und Priester bis hin zum einfachen Volk sind nämlich diese Krüge, die gefüllt sind mit dem Wein der Welt. Sie sind trunken geworden vom Alkohol, von ihrem Götzendienst und ihrem sündigen Leben. Sie können und wollen das Wort des Herrn weder hören noch verstehen. Sie werden zusammen mit Jerusalem und Juda im Gericht durch die Babylonier sterben. Sie gleichen den Nationen der ganzen Erde, welche in Off 17,2 von dem Wein aus dem Kelch der großen Hure trunken geworden sind. Diese Nationen bewohnen dort in der letzten Zeit die ganze Erde und sind am Wort Gottes nicht mehr interessiert. Sie sind in die Erde eingeschrieben (siehe auch 17,13) und werden zusammen mit dieser Welt im Gericht Gottes untergehen.

Das geistliche Gegenbild finden wir in Joh 2. Dort findet in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt, zu welcher der Herr eingeladen ist. Der Herr tut sein erstes öffentliches Wunder, indem er Wasser in Krügen zu Wein verwandelt. Dort ist es nicht ein Bild für die Trunkenheit der Welt, sondern für den Wein der Freude im Reich Gottes. Das Wunder geschieht gerade auf einer Hochzeit und weist somit deutlich auf die Hochzeit des Lammes hin, welche bei der Wiederkunft des Herrn stattfinden wird. Der Herr wird seine Frau in die ewige Herrlichkeit der neuen Schöpfung einführen und den Wein der Freude für immer mit ihr genießen.

Der Rest des Kapitels redet wieder über die kommende Gefangenschaft und die Ursachen dafür. Überheblichkeit und Hochmut in den Versen 15-17, sie wollen nicht hören. Die Krone ist heruntergefallen, die Städte im Süden sind geschlossen, aus dem Norden kommt der Feind und schleppt alles fort. Die Säume der untreuen Frau Juda werden aufgedeckt. Ebenso wie ein dunkelhäutiger Mensch seine Hautfarbe nicht wechseln und ein Leopard seine Flecken nicht verwandeln kann, ebenso sind sie unfähig geworden, das Böse zu unterlassen. Sie können nicht mehr umkehren. Darum werden sie zerstreut. Jerusalem kann und will nicht mehr rein werden, und darum wird es entblößt werden im Gericht. Wie lange soll es noch dauern?

Auch wir leben heute wieder in einer Zeit, in welcher uns genau diese Frage umtreibt: Wie lange geht es noch so weiter? Nicht nur in unserem Land, sondern in der ganzen Welt sind Zustände aufgekommen, welche einfach nicht mehr haltbar sind. Das Leben ist für Millionen von Menschen unerträglich geworden. Das Unrecht und die Sünde nehmen in einer Art und Weise überhand, wie es eigentlich noch nie in der Geschichte außer vielleicht in der Zeit vor der Sintflut der Fall war. Es gab zwar in der Vergangenheit immer wieder regionale Katastrophen, aber dieses Mal ist es weltweit. Wie lange wartet Gott noch? Was wird er tun? Gibt es ein hartes Gericht, welches noch einmal von einer Zeit der Gnade und der Umkehr gefolgt werden kann? Oder kommt nun wirklich das Endgericht über unsere Welt, wenn der Herr sich aufmacht von seinem himmlischen Thron, um die Erde zu schrecken (Jes 2,19)? Niemand von uns kleinen Menschen kann es wissen. Wir müssen es aber auch nicht wissen. Wir dürfen dem Herrn vertrauen, dass er alles richtig machen wird. Wir dürfen auch heute in unserem Herzen still bleiben und auf ihn hoffen.

 

 

Kapitel 14

Hier redet Gott in den Versen 1-6 über eine große Dürre, welche als Gericht über das Land kommen wird. Die Verse 7-9 bringen ein scheinbares (wenn unsere Missetaten gegen uns zeugen, so…) Schuldbekenntnis des Volkes, eine Umkehr zu Gott und ein Flehen um Hilfe. Die Umkehr geht aber offensichtlich nicht in die Tiefe des Herzens, sondern man fleht bloß um eine Erleichterung der Umstände. Gott erkennt dies und antwortet in den Versen 10-12. Er wird das Gericht bringen, und Jeremia soll nicht mehr für das Volk bitten.

In Vers 13 versucht Jeremia dennoch ein gutes Wort für das Volk einzulegen, welches von den falschen Propheten betrogen wird. Der wahre Prophet Gottes wird geschlagen und bedroht, und er legt dennoch Fürbitte ein. „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun“ (Lk 23,34). Die Verse 14-16 bringen die harte Antwort Gottes. Das Volk hat den falschen Propheten zugehört, es hat ihre Lüge geliebt und geglaubt. Darum sollen beide, nämlich die falschen Propheten und das Volk im selben Gericht untergehen.

In den Versen 17-22 muss Jeremia vor den Ohren des Volkes die Klage anstimmen, die Gott ihm in den Mund gelegt hat. Der Prophet weint bittere Tränen um dieses Volk. Er geht umher, er sieht alle Verwüstungen, das namenlose Elend und den Tod. Er klagt anstelle des Volkes zu Gott. Sie sollen es alle hören, denn sie selbst sind eigentlich diejenigen, welche diese Klage von Herzen aussprechen sollten und es nicht tun. Die Worte Jeremias erinnern uns stark an die geistliche Stimmung in den Klageliedern. „Hast du uns ganz verworfen, oh Gott? Hast du uns so geschlagen, dass es keine Heilung mehr gibt? (Vers 19). Wir erkennen, oh Herr, unsere Gesetzlosigkeit und die Sünden unserer Väter; denn wir haben gegen dich gesündigt (Vers 20). Verwirf uns nicht, um deines Namens willen. Lass nicht den Thron deiner Herrlichkeit in Unehre fallen; gedenke an deinen Bund mit uns und löse ihn nicht auf (Vers 21).“ Hier ist echte Buße, wahre Umkehr, und Jeremia muss es dem unbußfertigen Volk vorsagen. Am Ende in Vers 22 folgt dann noch die Feststellung, dass Gott über allen Götzen steht und dass er es ist, der den Regen spendet.

 

 

Kapitel 15

Hier wird in den Versen 1-4 klar, dass das Gericht sich auch durch Fürbitte nicht mehr abwenden lässt. Gott hat Jeremia wiederholt gesagt, dass er nicht mehr für das Volk bitten soll. Selbst wenn Mose und Samuel als Fürbitter auftreten würden, so würde Gott auch diese beiden nicht mehr erhören. Es gibt keinen Ausweg mehr für sie, sondern nur noch den Tod, das Schwert, den Hunger, die Gefangenschaft. Die Hunde, die Tiere des Feldes und die Vögel sollen sie fressen. Seit Manasse in Jerusalem gewütet hat (Vers 4) ist es vorbei. Es ist immer nur noch schlimmer geworden. Es gibt keine Gnade mehr. Warum sollte Gott auch Gnade erweisen? Jerusalem hat Gott zurückgestoßen, und Gott ist des Erbarmens müde geworden. Das Volk wird der Kinder und der Kriegsmänner beraubt, es ist angefüllt mit Witwen. Die Gebärenden sterben, und der Überrest stirbt durch das Schwert. Es ist bei Gott beschlossen, er wird es tun.

Die Verse 10-21 bringen noch einmal eine schwere Klage des Propheten und eine Zwiesprache mit Gott. Jedermann im ganzen Land streitet und zankt mit Jeremia, und er beklagt seine eigene Geburt. Der Herr tröstet ihn. Er wird ihn zu einem Mann machen, den seine Feinde in der Not um Rat fragen sollen. Der Feind wird aus dem Norden mit Eisen und Erz kommen, er wird alles plündern. Alle Schätze werden in das Land des Feindes kommen.

In den Versen 15-18 bittet nun Jeremia um Gnade für sich selbst. Er hat um des Herrn willen Schmach erlitten. Er hat das Wort Gottes mit Freude verschlungen und sich ganz am Herrn orientiert, dessen Namen er ja trägt (Jirmejahu: der Herr gründet, der Herr erhöht). Er hat die Gesellschaft der Spötter gemieden (Ps 1,1). Dennoch ist sein Schmerz andauernd, die Wunde in seiner Seele erscheint ihm tödlich. „Willst du mir denn sein wie ein trügerischer Bach, wie Wasser, das versiegt?“ (Vers 18).

Der Herr antwortet: Jeremia, ich will dich von dem Weg deiner Klage umkehren lassen, dass du wieder vor mir stehst zum Dienst (Vers 19). Der Herr wird Jeremia noch einmal ganz neu mit genau den Dingen ausstatten, welche in seinem Namen genannt sind. Er wird ihn stärken und gründen. Er wird dem Volk gegenüber wiederum zu einer eisernen Mauer werden, genauso wie es ihm schon bei seiner Berufung im ersten Kapitel viele Jahre zuvor zugesagt wurde. Niemand wird ihn überwältigen, denn der Herr selbst wird ihn bewahren und aus der Hand der Gewalttätigen befreien.

Wir haben hier einen entscheidenden Moment in Jeremias Leben und Dienst. Die schrecklichen Schwierigkeiten der vergangenen Jahre haben den Diener ausgezehrt und entkräftet. Er glaubt nun, dass auch er verloren sein könnte. Er hat keine Kraft mehr in seiner Seele. Er ist in der Gefahr aufzugeben, aber der Herr richtet ihn neu aus. In dieser neuen Kraft kann er nun weiter vorangehen und den nicht weniger schrecklichen Schwierigkeiten der Zukunft begegnen. Auch wir können bisweilen alle Kraft verlieren, wenn der Weg der Nachfolge körperlich und seelisch an unseren Kräften zehrt. Dann benötigen auch wir geistliche Stärkung durch ein Trostwort aus der Gegenwart des Herrn. Wenn wir ihn von ganzem Herzen suchen, wird er es uns immer geben.

 

 

Kapitel 16

Es beginnt mit Gottes Verbot an Jeremia, jemals eine Frau zu heiraten. Sein Zeitgenosse und Prophet Hesekiel in Babylon hatte noch eine Frau während der ersten Zeit seines Dienstes. An dem Tag des Beginns der Belagerung von Jerusalem starb die Frau, um den nun kommenden Tod Jerusalems, der Frau Gottes anzukündigen (Hes 24). Jeremia hingegen muss für sein ganzes Leben alleine bleiben. Seine Ehelosigkeit hat hier ebenfalls eine geistliche Bedeutung. So wie Jeremia sich dem Kontakt zu einer Frau enthalten muss, so wird Gott sich nun von seiner untreuen Frau distanzieren. Gott wird kein Mitleid mehr mit ihr haben und ihr keine Zuwendung mehr geben.

Jeremia muss sich demonstrativ von ihnen fernhalten, um ihnen durch sein Verhalten Gottes Gedanken zu zeigen. Er darf in kein Trauerhaus gehen und dort Anteilnahme bezeugen. Er darf auch keine Festgelage besuchen um sich dort mit den anderen zu freuen. Er wird von Gott in eine vollständige Isolation hineingebracht. Er steht einsam und alleine als Zeuge für die Wahrheit und als eine eiserne Mauer dem ganzen Volk gegenüber. Er muss ihnen Gottes harten Ratschluss in allen schrecklichen Einzelheiten verkündigen. Sie haben den Bund Gottes gebrochen, und sie werden dafür büßen. Sie werden aus dem Land weggeschleudert und müssen im Land ihrer Götzen dann auch genau diesen Götzen dienen. Es gibt keine Gnade für sie.

Die Verse 15-21 bringen noch einmal eine Gerichtsprophetie, allerdings auch verbunden mit der Verheißung einer künftigen Wiederherstellung. In den Versen 14-15 wird die Rückführung aus Babylon und aus allen anderen Nationen mit dem Auszug aus Ägypten verglichen und diesem Auszug sogar noch übergeordnet.

Zuvor müssen jedoch in Vers 16 die Fischer mit ihren Netzen das Volk verschleppen in die Gefangenschaft, und nur wenige werden durch die Maschen ihrer Netze entkommen. Siehe hierzu auch:

Am 4,2: „GOTT, der Herr, hat bei seiner Heiligkeit geschworen: Siehe, es kommen Tage über euch, da man euch an Haken wegschleppen wird und eure Nachkommen an Fischerangeln;“

Hab 1,15: „Er fischt sie alle mit der Angel heraus, fängt sie mit seinem Netz und sammelt sie in sein Garn; darüber freut er sich und frohlockt.“

Hes 12,13: „Ich will auch mein Fanggarn über ihn ausspannen, und er wird in meinem Netz gefangen werden; und ich will ihn nach Babel führen, in das Land der Chaldäer; aber er wird es nicht sehen; und dort soll er sterben.“

 

Auch die Jäger werden hinter ihnen herlaufen und sie aus allen Winkeln und Felsenklüften vertreiben. Ihre Schuld ist nicht verhüllt vor Gottes Augen, und er wird sie zweifach vergelten in Vers 17. Danach wird die Wiederherstellung kommen. Siehe hierzu auch

Jes 40,1-2: „Tröstet, tröstet mein Volk!, spricht euer Gott.
2 Redet zum Herzen Jerusalems und ruft ihr zu, dass ihr Frondienst vollendet, dass ihre Schuld abgetragen ist; denn sie hat von der Hand des HERRN Zweifaches empfangen für alle ihre Sünden.“

 

Die Verse 19-20 bringen einen Lobpreis des ewigen Gottes aus Jeremias Mund. Der Herr ist seine Stärke, und er ist allen Götzen überlegen. Die Götzen sind nichts. Das wird die treulose Stadt nun erkennen in Vers 21.

 

 

Kapitel 17

Hier sehen wir, wie tief die Sünde Judas in das Gedächtnis Gottes eingeschrieben ist. Schreiben ist immer ein Akt des Dokumentierens, des Festhaltens. Gott hat sich gewissermaßen alles bis ins Kleinste notiert. So wie er sein Gesetz beim Bundesschluss am Sinai mit seinem eigenen Finger auf die Tafeln geschrieben hat, genauso sind die Sünden mit eisernem Griffel in die Hörner der Götzenaltäre Israels eingeschrieben. Sie sind gewissermaßen unauslöschlich eingraviert. Gott gedenkt der Astarten und der Kinderopfer. Er wird seinen Tempelberg (Vers 3) mit allen Schätzen darauf völlig preisgeben. Israel wird durch seine eigene Schuld sein Erbteil verlieren und in ein fremdes Land gehen. Das Feuer Gottes wird ewig brennen.

Im Grundsatz ist es so für jeden Menschen. Gott kennt unser ganzes Leben. Er kennt jede einzelne unserer Sünden ganz genau, und zwar in Gedanken, in Worten und in Taten. Am letzten Tag vor dem großen weißen Thron wird er jedem Menschen alle Einzelheiten seines Lebens vorlegen. Jeder Mensch wird dann erkennen müssen, dass Gott nicht die kleinste Kleinigkeit vergessen hat, und dass alles bis aufs letzte in Gottes Büchern verzeichnet ist. Dann wird es nur noch eine Frage geben: Wirst du selbst die Verantwortung für deine Lebensschuld zu tragen haben und in das ewige Feuer gehen (Vers 4), oder wirst du frei ausgehen und in die Herrlichkeit Gottes eintreten dürfen, weil der Herr Jesus Christus am Kreuz von Golgatha die Verantwortung für deine Schuld übernommen und sie mit seinem Blut bezahlt hat? Wie lautet deine Antwort auf diese Frage?

Die Verse 5-8 geben uns die richtige Antwort. Gottes Fluch bleibt auf denen, die nicht auf ihn vertraut haben, sondern auf sich selbst (Joh 3,16; Joh 3,36). Sie haben in Ewigkeit keine Zukunft. Der Segen ist mit denen, welche nicht auf Menschen vertrauen, und welche ihr ganzes Vertrauen auf Gott und seine Rettung setzen. Das Idealbild dieses Menschen war natürlich der Herr Jesus Christus in seinem irdischen Leben. Er war der einzige wirklich vollkommene Mensch auf dieser Erde. Von ihm redet letztlich diese Passage, wie es auch in Psalm 1 bestätigt wird. Er vertraute sich nicht den Menschen an und vertraute einzig und allein auf seinen Vater, dessen Willen er in vollkommener Gerechtigkeit und im Gehorsam tat. Er war der wirkliche Baum des Lebens und wird es in Ewigkeit immer noch sein.

Psalm 1 (bitte selbst lesen in der Bibel)

Joh 2,24-25: „Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle kannte,
25 und weil er es nicht nötig hatte, dass jemand von dem Menschen Zeugnis gab; denn er wusste selbst, was im Menschen war.“

Joh 4,34: „Jesus spricht zu ihnen: Meine Speise ist die, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe.“

Off 22,2: „In der Mitte zwischen ihrer Straße und dem Strom, von dieser und von jener Seite aus, [war] der Baum des Lebens, der zwölfmal Früchte trägt und jeden Monat seine Frucht gibt, jeweils eine; und die Blätter des Baumes dienen zur Heilung der Völker.“

 

Die Verse 9-13 reden über die Bosheit des menschlichen Herzens. Der Mensch täuscht hierin nicht nur andere, sondern auch sich selbst, weil er verfinstert ist im Herzen und am Verstand.

Rö 1,21: „Denn obgleich sie Gott erkannten, haben sie ihn doch nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt, sondern sind in ihren Gedanken in nichtigen Wahn verfallen, und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert.“

Eph 4,18: „…deren Verstand verfinstert ist und die entfremdet sind dem Leben Gottes, wegen der Unwissenheit, die in ihnen ist, wegen der Verhärtung ihres Herzens;“

 

Nur Gott kann es prüfen und kennt die Wahrheit, der Mensch selbst vermag es nicht.

1Kor 4,4-5: „Denn ich bin mir nichts bewusst; aber damit bin ich nicht gerechtfertigt, sondern der Herr ist es, der mich beurteilt.
5 Darum richtet nichts vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch das im Finstern Verborgene ans Licht bringen und die Absichten der Herzen offenbar machen wird; und dann wird jedem das Lob von Gott zuteilwerden.“

 

Alles was er unrechtmäßig erworben hat, muss er in der Hälfte seiner Tage verlassen, wenn er stirbt. So musste auch der Herr in der Hälfte seiner Tage hinweggenommen werden, als er den Preis seines Blutes und Lebens für unsere Schuld erstatten musste.

Ps 69,5: „Die mich ohne Ursache hassen, sind zahlreicher als die Haare auf meinem Haupt; die mich verderben wollen, sind mächtig, die ohne Grund mir feind sind; was ich nicht geraubt habe, das soll ich erstatten!“

Ps 102,25: „Ich spreche: Mein Gott, nimm mich nicht hinweg in der Hälfte meiner Tage! Deine Jahre währen von Geschlecht zu Geschlecht.“

 

Gottes erhabener Thron bleibt der ewige Zielpunkt für die Erlösten, sie werden dort sein wo er in Herrlichkeit ist.

Vers 13 redet über diejenigen, welche den Herrn verlassen haben und auf die Erde geschrieben werden. Der Vers ist hin und wieder auf Joh 8,6-8 bezogen worden, wo der Herr in Anwesenheit der Ehebrecherin und ihrer Ankläger zweimal mit dem Finger auf die Erde schreibt. Die Verbindung erscheint jedoch insgesamt etwas konstruiert, denn eine eng am Kontext orientierte Auslegung von Joh 8 sagt nichts Derartiges aus. Im Kontext von Joh 8 ist die Rede vom Gesetz Gottes, nach welchem die Ehebrecherin zu steinigen wäre. Der Herr schreibt mit dem Finger zweimal auf die Erde um den anwesenden Schriftgelehrten zu verdeutlichen, dass er selbst der Autor dieses Gesetzes ist. Die Finger des Herrn selbst haben das Gesetz Moses in die Steintafeln eingeschrieben, und es gilt in Israel auf dieser Erde.

Eine andere geistliche Parallele ist hier wahrscheinlicher. In Luk 10,20 sagt der Herr zu den Jüngern, welche freudig von ihrem Dienst zurückkehren, dass sie sich nicht darüber freuen sollten, dass ihnen die Geister untertan sind, sondern vielmehr darüber, dass ihre Namen im Himmel geschrieben sind. Siehe hierzu auch Hebr 12,22-23. Die von neuem geborenen Gläubigen sind nicht Bürger dieser Erde, sondern Bürger des Himmels (Phil 3,20). Sie sind im Buch des Lebens verzeichnet (Off 20,15). Sie werden nicht mehr ausgelöscht werden (Off 3,5), denn dieses Buch enthält keine Fehleinträge. Gottes Buchführung ist absolut vollkommen. Die gottlosen Menschen haben hingegen keine Beziehung zum Himmel. Sie leben im Hier und Jetzt auf dieser Erde. Aus Gottes Sicht sind sie nicht im Himmel angeschrieben, sondern in die Erde. Sie werden zusammen mit dieser Erde am letzten Tag untergehen.

Luk 10,20: „Doch nicht darüber freut euch, dass euch die Geister untertan sind; freut euch aber lieber darüber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.“

Hebr 12,22-23: „…sondern ihr seid gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und zu Zehntausenden von Engeln,
23 zu der Festversammlung und zu der Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel angeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten.“

Phil 3,20: „Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel, von woher wir auch den Herrn Jesus Christus erwarten als den Retter.“

Off 3,5: „Wer überwindet, der wird mit weißen Kleidern bekleidet werden; und ich will seinen Namen nicht auslöschen aus dem Buch des Lebens, und ich werde seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln.“

Off 20,5: „Die Übrigen der Toten aber wurden nicht wieder lebendig, bis die 1 000 Jahre vollendet waren. Dies ist die erste Auferstehung.“

 

Die Verse 14-18 bringen ein Gebet Jeremias in seiner eigenen Anfechtung. Er hat das Wort des Herrn geredet. Er hat sich nicht geweigert, in Gottes Auftrag als ein Hirte für das Volk da zu sein. Vor allem aber hat er selbst den Tag des Unheils nicht gewünscht. Er hat wiederholt versucht, Fürbitte für das Volk zu tun, und zwar so lange bis Gott es ihm verbieten musste. Auch seine eigenen Worte und Gedanken liegen ganz offen vor Gott und sind dort niedergeschrieben. Er selbst ist gewissermaßen vor Gott wie ein offenes Buch, er hat nichts zu verbergen. Er weiß, dass nur Gott alleine seine Zuflucht ist am Tag des Unheils. Seine Verfolger sollen verzagen und zuschanden werden. Mit Ausnahme des letzten Satzes sollte dies auch unsere Gesinnung als Christen sein. Wir wollen als Hirten unter dem großen Hirten dienen und den Menschen den Weg zu Gott weisen. Wir wollen das Unglück nicht herbeiwünschen, weder für die Welt, noch für unsere Feinde, noch für alle Menschen. Wir sollen danach streben, unsere Feinde zu lieben und ihnen den Weg der Rettung zu zeigen, damit sie nicht im Unglück sterben und ewig verloren gehen.

In den letzten Versen kommt Jeremia dann wieder zurück auf das geschriebene Gesetz. Das Schreiben ist ja immer wieder ein großes Thema in diesem Kapitel. Das Sabbatgebot war als viertes Gebot vom Finger Gottes auf die Gesetzestafeln am Sinai eingeschrieben worden. Gerade dieses Gebot war von Gott als das Zeichen des alten Bundes am Sinai eingesetzt worden, als er die Steintafeln in die Hand Moses gab.

2Mo 31,16-18: „So sollen die Kinder Israels den Sabbat halten, indem sie den Sabbat feiern für alle ihre Geschlechter, als ein ewiger Bund.
17 Er ist ein ewiges Zeichen zwischen mir und den Kindern Israels; denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht; aber am siebten Tag ruhte er und erquickte sich.
18 Und als er mit Mose auf dem Berg Sinai zu Ende geredet hatte, gab er ihm die beiden Tafeln des Zeugnisses, Tafeln aus Stein, beschrieben mit dem Finger Gottes.“

 

Wer in Israel den Sabbat nicht hielt, der zeigte dadurch seine persönliche Verachtung für das gesamte Gesetz und den alten Bund an. Das Volk in Jerusalem hatte diesen Tag nun zu einem normalen Geschäftstag gemacht. Wenn man am Sabbat auch noch handelt und verkauft, dann kann man schließlich seinen Profit noch steigern. „Was kümmert uns hier im großen Jerusalem dieses schon fast 1000 Jahre bestehende, total veraltete Gesetz Gottes?“ - Gott nimmt es ihnen übel. Er wird Jerusalem und seine geschäftigen Handelsplätze vernichten, wenn sie nicht umkehren. So musste auch der Herr den Tempel von den Händlern reinigen, welche dort sieben Tage in der Woche Geschäfte machten, und welche die Buße und die echte Anbetung des Volkes im Tempel nicht mehr kümmerte.

Heute befinden wir uns geistlich in einer anderen Position, denn wir leben nicht mehr unter dem Alten Bund, sondern unter dem neuen Bund. Für uns ist das Sabbatgebot nicht mehr zwingend, denn der Herr selbst hat es in seinem Leben für uns vollkommen erfüllt. Wir verweisen hierzu auf unseren Text: „Müssen Christen den Sabbat einhalten?“ unter: www.DieLetzteStunde.de.

 

 

Kapitel 18

Hier finden wir im ersten Teil das Zeichen des misslungenen Töpfergefäßes. Jeremia beobachtet, wie der Töpfer ein misslungenes Gefäß von der Scheibe nimmt und einfach ein neues fertigt. So könnte Gott ohne weiteres auch mit Israel umgehen (Vers 6). Auch mit allen anderen Völkern der Erde kann er es genauso tun, und er hat es auch getan (Verse 7-10). Deshalb wird Juda in Vers 11 noch einmal ernstlich verwarnt, aber sie wollen nicht hören in Vers 12. In den Versen 13-17 folgt dann der Ratschluss Gottes. Wo hat man jemals so etwas gehört, dass ein Volk sich seinem eigenen Gott gegenüber so verhalten hat? Ihr Land wird zum Entsetzen gemacht werden. So wie sie Gott den Rücken gekehrt haben, so wird Gott ihnen den Rücken kehren am Tag des Unglücks.

Auch wir befinden uns als natürliche Menschen und sogar als wiedergeborene Christen vor Gott in der gleichen Stellung. Gott hat Adam gebildet aus dem Staub der Erde und ihm den Lebensodem eingehaucht (1Mo 2,7). Adams Leib war ein irdenes Gefäß, und nach dem Tod zerfiel er wieder zu Staub. Es ist ja in der ganzen Schöpfung so, dass unser Körper aus Wasser und aus Bausteinen besteht, welche ohne Ausnahme aus den Elementen der anorganischen Chemie genommen sind. Gott hat das Geheimnis seines Lebens hineingegeben, und nur er kann das tun. Kein Wissenschaftler dieser Welt wird dies jemals zustande bringen. Allein schon das Geheimnis des biologischen Lebens ist für uns unlösbar, und wie viel mehr ist es das Geheimnis des ewigen Lebens. Gott allein hat die Ehre dafür, und auch nur er allein hat das Verfügungsrecht darüber. Paulus greift denselben Gedanken auf.

1Mo 2,7: „Da bildete Gott der HERR den Menschen, Staub von der Erde, und blies den Odem des Lebens in seine Nase, und so wurde der Mensch eine lebendige Seele.“

Rö 9,19-21: „Nun wirst du mich fragen: Warum tadelt er dann noch? Denn wer kann seinem Willen widerstehen?
20 Ja, o Mensch, wer bist denn du, dass du mit Gott rechten willst? Spricht auch das Gebilde zu dem, der es geformt hat: Warum hast du mich so gemacht?
21 Oder hat nicht der Töpfer Macht über den Ton, aus derselben Masse das eine Gefäß zur Ehre, das andere zur Unehre zu machen?“

 

Bei unserer Wiedergeburt im Heiligen Geist wird uns nicht das irdische und rein biologische Leben von Gott eingehaucht, sondern das ewige Leben (Joh 20,22). Wir sind nach der Wiedergeburt mit dem Heiligen Geist versiegelt (Eph 1,13), aber unser irdischer Leib bleibt ein Tonkrug, ein irdenes Gefäß (2Kor 4,7-15). In diesem geistgehauchten Tongefäß verrichten wir unseren irdischen Dienst für den Herrn mit all seinen Mühen. Wir geben das Wasser des Wortes Gottes weiter an andere, wir kämpfen mit den Waffen Gottes und lassen das Licht des Evangeliums aus unseren Tonkrügen hinausleuchten. Der Herr selbst verwandelt unser Wasser in Wein und weist den Menschen durch unser kleines Lichtlein den Weg (Ri 7,15 ff; Joh 2,6-11). Am Ende wird in seinem Hochzeitssaal das gleißende Licht seiner Herrlichkeit leuchten, und er wird mit seiner Frau den Wein der Freude auf ewig trinken.

Joh 20,22: „Und nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt Heiligen Geist!“

Eph 1,13: „In ihm seid auch ihr, nachdem ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium eurer Errettung, gehört habt – in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist der Verheißung.“

2Kor 4,7: „Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überragende Kraft von Gott sei und nicht von uns.“

Joh 2,6-11: „Es waren aber dort sechs steinerne Wasserkrüge, nach der Reinigungssitte der Juden, von denen jeder zwei oder drei Eimer fasste.
7 Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenhin.
8 Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt es dem Speisemeister! Und sie brachten es hin.
9 Als aber der Speisemeister das Wasser, das zu Wein geworden war, gekostet hatte (und er wusste nicht, woher es war; die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es), da rief der Speisemeister den Bräutigam
10 und sprach zu ihm: Jedermann setzt zuerst den guten Wein vor, und dann, wenn sie trunken geworden sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt behalten!
11 Diesen Anfang der Zeichen machte Jesus in Kana in Galiläa und ließ seine Herrlichkeit offenbar werden, und seine Jünger glaubten an ihn.“

 

Die Verse 18-23 bringen wieder einen Anschlag auf Jeremia. Auch hier erfleht Jeremia wieder den Beistand Gottes und verweist darauf, dass er dem Herrn treu nachgefolgt ist. Seine Feinde sollen durch das Schwert sterben, ihre Frauen zu Witwen werden (auch hier wieder alttestamentliche Racheverse im Gegensatz zur neutestamentlichen Feindesliebe). Die Verse sprechen für sich und müssen nicht weiter kommentiert werden. In der Eroberung durch die Babylonier wurden sie schreckliche Realität.

 

 

Kapitel 19

Hier zerbricht Jeremia vor den Augen der Ältesten im Tal Hinnom einen Tonkrug und spricht ein hartes Gerichtswort über Jerusalem und alle seine Bewohner aus. Weil sie Gott verlassen und diesen Ort, nämlich das Tophet, für ihre blutigen Kinderopfer missbraucht haben, wird es keine Gnade für sie geben. Sie haben hier auf dem Tophet und auf den Höhen des Baal unschuldiges Blut vergossen, indem sie Kinder verbrannt haben. Deshalb wird das Tal ben Hinnom zum Tal der Schlachtung werden. Berge von Leichen werden sich auftürmen, es wird kein Platz mehr zum Begraben sein, die Vögel und die Tiere des Feldes werden das Aas fressen. Die ganze Stadt wird ebenso zerschlagen werden wie das Töpfergefäß, und man wird sie genauso wie dieses Gefäß nicht mehr heilen können. Die Häuser der Stadt werden unrein werden und von Gott der völligen Vernichtung hingegeben.

Nach dieser Weissagung muss Jeremia dann auch noch in den Vorhof des Hauses des Herrn eintreten. Auch dort muss er vor den Augen des ganzen Volkes das kommende Unheil über Jerusalem und alle ihre Tochterstädte laut hinausrufen. Hier wird er nun natürlich auch von der Tempelwache, von den Priestern und von den Schriftgelehrten gehört. Er kann sich nicht mehr zurückziehen, denn er steht in aller Öffentlichkeit.

 

 

Kapitel 20

Die harten Worte des Propheten, welche er im Auftrag Gottes verkündigt, haben hier unmittelbare und schwere Konsequenzen für ihn. Der Oberpriester Paschhur (Sohn des Horus) lässt Jeremia ergreifen, schlagen und in den Stock spannen. Hier muss Jeremia in aller Öffentlichkeit im oberen Tor Benjamin beim Tempel in einer äußerst demütigenden und qualvollen Position ausharren bis zum nächsten Morgen. Dann kommt er frei. Seine Reaktion setzt uns in äußerstes Erstaunen. Es ist keine Fluchtreaktion oder Demutsbezeugung, sondern ein unvermitteltes und hartes Wort des Fluches an seinen Peiniger Paschhur. Dieses Wort hat Jeremia in seiner qualvollen Situation von Gott bekommen, und er spricht es ohne Zögern aus. Paschhur wird zusammen mit seinen Hausgenossen in die Verbannung gehen und dort sterben. Die Stadt wird all ihrer Reichtümer beraubt und völlig verwüstet werden. Nach menschlichem Ermessen könnte man glauben, dass Jeremia in seiner eigenen Seele über eine geradezu übermenschliche Kraft verfügt. Dies ist jedoch ein großer Irrtum.

Die nun folgenden Verse bringen uns die Erklärung für das Verhalten Jeremias. Sie gewähren uns einen plötzlichen und erschreckenden Einblick in die tiefe Verzweiflung, welche dieser Mann in seiner Seele immer und immer wieder zu durchleben hatte. Gott hatte seine Hand auf ihn gelegt und ihn völlig überwältigt. Er musste jahrelang immer wieder durch die Straßen Jerusalems gehen und das Wort Gottes laut hinausschreien, so als ob er ein Wahnsinniger sei. Wenn er zu schweigen versuchte, dann brannte das Wort Gottes in seinen Gebeinen wie ein Feuer, so dass er es nicht mehr aushalten konnte. Er musste schreiend Gewalttaten und Zerstörung ankündigen. Die aus der Verkündigung entstehenden Misshandlungen waren bisweilen sehr schlimm, aber das Feuer Gottes in seinen Gebeinen war noch viel schlimmer. Gott trieb seinen Propheten immer wieder mit eiserner Hand in diesen fürchterlichen Dienst hinein. Hier erkennen wir in der schlimmsten Form die wahre und letztendliche Bedeutung des Wortes aus

2Petr 1,21: „Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Menschen Gottes geredet.“

 

Jeremia war durch diesen Dienst in den Augen aller Leute in Israel zum Gespött geworden. Sie lachten ihn aus. Sie wechselten die Straßenseite und nahmen ihre Kinder fest an die Hand, wenn der wahnsinnige Jeremia kam. Sie wollten ihn anzeigen, sie bedrohten und verfluchten ihn. In ganz Israel gab es keinen einsameren und verhassteren Mann als diesen Wahnsinnigen.

Jeremia selbst war innerlich zerrissen durch den Widerspruch zwischen den Regungen seiner tief verwundeten Seele und den Wirkungen des Geistes Gottes in ihm. Die Verse 11-18 machen uns das deutlich. Die ersten drei Verse bringen einen Ruf zu dem Gott, der ihm hilft, verbunden mit einem Lobpreis. Innerhalb der nächsten Sekunde stürzt der Prophet dann (ab Vers 14) in einen Abgrund von Verzweiflung und Depression. Er verflucht den Tag seiner Geburt und wünscht, dass seine Mutter sein Grab geworden wäre und ihn niemals zur Welt gebracht hätte. Welche Tiefen musste dieser Mann durchleben.

Es gab nur einen einzigen, der ihn völlig verstehen konnte, und das war der Herr selbst. So wie Jeremia der leidende Knecht Gottes im Alten Testament war, so war der Herr dieser leidende Knecht im Neuen Testament. Jeremia war der einsamste Mann im Alten Testament, der Herr war es im Neuen Testament. Der Herr selbst musste schließlich in den schweren Stunden seines Leidens von der Hand der Menschen und von der Hand Gottes in eine Tiefe hineingehen, welche kein Mensch ermessen kann. Die Dunkelheit und Gottverlassenheit, welche der Herr in seiner Seele während der drei Stunden der Finsternis zu durchleiden hatte, wird für immer und ewig unergründlich bleiben. Und das ist auch gut so, denn Gott weiß, dass wir die Erkenntnis dieser Tiefe und Schrecklichkeit nicht ertragen könnten.

Auch wenn wir es natürlich Jeremia und erst recht dem Herrn nicht gleichtun können, sollten wir als heutige Christen in unserer Seele doch hin und wieder ein wenig davon empfinden was es bedeutet, über das Schicksal der Verlorenen zu trauern. Wir sollten hin und wieder ein wenig verstehen von der Dringlichkeit der Verkündigung des Evangeliums in der verlorenen Welt. Kennen wir noch etwas von einem „heiligen Müssen“ in Ehrfurcht und Dankbarkeit vor unserem allmächtigen und doch so gnädigen Gott ausgesprochen, der uns alles vergeben hat und uns Lohn für unseren kleinen Dienst verspricht? Es geht uns natürlich nicht um diesen Lohn, sondern um den Herrn und sein Reich, um die Errettung von Menschen. Es geht uns nicht um persönliche Furcht, den Ansprüchen des Herrn nicht zu genügen, denn die vollkommene Liebe treibt alle Furcht aus.

1Joh 4,18-19: „Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus, denn die Furcht hat mit Strafe zu tun; wer sich nun fürchtet, ist nicht vollkommen geworden in der Liebe.
19 Wir lieben ihn, weil er uns zuerst geliebt hat.“

 

Jeremia musste seinen Dienst tun in bisweilen tiefer Angst und Verzweiflung, in innerer Zerrissenheit. Der Herr selbst tat seinen Dienst in tiefer Liebe zu seinem Vater und zu den Menschen, in freiwilligem Gehorsam. Wir dürfen unseren Dienst tun in freudiger Gewissheit unserer Errettung, in Freiheit und innerem Frieden. Dennoch möge der Heilige Geist uns bisweilen ergreifen und weiterziehen im Dienst des Evangeliums, damit wir nicht fruchtlos bleiben für den Herrn.

 

 

Kapitel 21

Während die Kapitel 19 und 20 mit hoher Wahrscheinlichkeit der Zeit Zedekias zuzuordnen sind, ist es dieses Kapitel mit Sicherheit (Vers 1). Die Ankunft Nebukadnezars rückt immer näher, und Jeremia muss sie hier noch einmal ankündigen. Bereits im vierten Jahr Jojakims hatte der Babylonier auf seinem ersten Weg nach Ägypten zur Schlacht gegen Necho zum ersten Mal vor Jerusalem gestanden, und Jojakim hatte sich ergeben. Drei Monate nach dem Tod Jojakims hat er zum zweiten Mal vor der Stadt gestanden. Der junge König Jekonja hat sich ihm ebenfalls ergeben, und die Stadt ist ein weiteres Mal verschont worden (siehe unseren historischen Überblick).

Nun steht Zedekia in der Verantwortung. Nebukadnezar hat ihn bei seinem zweiten Feldzug als Vasallenkönig eingesetzt. Er hat sich nun trotz allem wieder mit den Ägyptern eingelassen, obwohl Nebukadnezar derjenige ist, dem er selbst sein Königtum zu verdanken hat. Diese Dummheit ist unfassbar! Zedekia lässt nun den Propheten fragen, was eigentlich jedes Kind in Jerusalem wissen müsste. Er lässt fragen, ob Nebukadnezar noch einmal angreifen wird oder nicht. Zedekia fragt den Propheten hier gewissermaßen ob ein Kreis rund ist, oder ob ein Quadrat vier Ecken hat. Solche Fragestellungen resultieren in aller Regel daraus, dass ein Mensch nicht dazu bereit ist, die klaren Konsequenzen seines eigenen Handelns anzunehmen und den Tatsachen ins Auge zu blicken. Zedekia lässt hier seine ganze persönliche Charakterschwäche, Uneinsichtigkeit und Inkompetenz erkennen.

Jeremia muss ihm im Auftrag Gottes eine harte Antwort geben. Nicht nur Nebukadnezar wird gegen die Stadt kämpfen, sondern der Herr selbst wird es tun mit ausgestreckter Hand und mit starkem Arm, im Zorn und Grimm und mit großer Wut (Vers 5). Mensch und Vieh wird geschlagen werden, die Pest wird in die Stadt kommen. Die Überlebenden der Seuche werden von Gott selbst in die Hand Nebukadnezars gegeben, und er wird sie alle erschlagen. Für das Volk der Stadt gibt es nur zwei Möglichkeiten. Entweder sie ergeben sich und gehen aus der Stadt zu Nebukadnezar hinaus. Dann werden sie verschont werden. Wenn sie sich nicht ergeben, werden sie alle sterben. Auch an den König selbst und sein Haus ergeht ein Wort. Er soll Gerechtigkeit üben in seiner Regierung, denn das Gericht wird auch sein eigenes Haus erreichen, er kann es nicht verhindern. Wenn er Gerechtigkeit übt, kann er sein Leben vielleicht retten. Wenn nicht, dann wird auch er getötet werden.

In geistlicher Übertragung auf unsere Zeit bringt uns diese Passage in ein Spannungsfeld unserer eigenen Evangeliumsverkündigung hinein. Auch wir werden immer wieder solchen Menschen begegnen, die sich einfach nicht vorstellen können, dass ihr Denken, Reden und Handeln ewige Konsequenzen hat. Sie wollen nicht anerkennen, dass es einen Gott gibt, der sie am Ende ins Gericht bringen wird. Wir müssen hierin fest bleiben. Wir müssen die Wahrheit Gottes aussprechen in solchen Situationen, wenngleich nicht in Härte wie Jeremia, sondern in Sanftmut gegenüber den Menschen und Ehrfurcht vor Gott.

1Pe 3,15: „…sondern heiligt vielmehr Gott, den Herrn, in euren Herzen! Seid aber allezeit bereit zur Verantwortung gegenüber jedermann, der Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist, [und zwar] mit Sanftmut und Ehrerbietung;“

 

Die Menschen müssen entweder umkehren und sich Gott ergeben im Bekenntnis ihrer Schuld, um Rettung und Vergebung im Glauben an den Herrn Jesus Christus zu empfangen, oder sie müssen einmal vor ihm als ewigem Richter stehen und verlorengehen. Es gibt nur diese zwei Wege.

 

 

Kapitel 22

Hier kommt genau die gleiche ernste Warnung wie bei Zedekia an das gesamte Haus des Königs von Juda. Sie betrifft Joahas, Jojakim und Jojakin (Jekonja). Sie ergeht außerdem an alle Knechte, an die Hausboten und das Volk.

Wenn sie Gerechtigkeit üben, dann wird das Königshaus bestehen bleiben, wenn nicht, dann wird es untergehen, und das wundervolle Haus Libanon des Königs Salomo wird ebenso wie der Tempel zerstört werden durch den kommenden Verderber. Die Heiden werden an der Stadt vorüberziehen und den Grund der Zerstörung erfragen: Es ist, weil sie den Bund ihres Gottes verlassen und anderen Göttern gedient haben (Vers 9). Die Toten soll man nicht beweinen, sondern vielmehr die Verschleppten, denn denen wird es schlimmer ergehen. Vers 11-12 bringt uns ein Wort über Schallum (Joahas, den Sohn Josias), welcher nach drei Monaten weggeführt worden war. Er wird nicht mehr zurückkehren.

In den Versen 13-15 soll der König von Juda nicht dadurch gekennzeichnet sein, dass er sich prächtige Häuser baut sondern dadurch, dass er Recht und Gerechtigkeit übt. Hier denken wir natürlich auch an das Königsgesetz in 5Mo 17. Es sollte der Maßstab für die Könige Israels sein. Wie vollständig wurde dieser Maßstab verfehlt. Erst der vollkommene König Israels, der große Sohn Davids, die Wurzel und das Geschlecht Davids (Off 22,16), der Herr selbst, hat es in seinem Leben vollkommen erfüllt.

Vers 18 datiert unsere Prophetie. Sie geht an Jojakim. Sein Tod ohne Begräbnis wird geweissagt. Dies erfüllte sich drei Monate vor der zweiten Belagerung der Stadt durch Nebukadnezar. Sein Nachfolger wurde der 18-jährige Jekonja, der wieder nur drei Monate regierte.

In den Versen 20-23 geht es um das Verderben der untreuen Frau Israel. Sie schreit, denn alle ihre Liebhaber sind zerschmettert. Von Jugend an war sie ungehorsam und ist ihnen gefolgt. Nun ist sie erbarmungswürdig geworden wie eine Frau in den Geburtswehen.

Die Verse 24-31 reden schließlich über Jekonja. Er wird abgesetzt und zusammen mit seiner Mutter nach Babylon verschleppt werden, um dort nach vielen Jahren zu sterben. Wir wissen aus Kapitel 52, dass Evil-Merodach ihn nach 37-jähriger Haft aus dem Gefängnis entließ und ihm bis zum Ende seines Lebens eine Leibrente zahlte.

Die Verse 28-30 bringen den sogenannten Konjafluch. Jekonja wird von Gott als kinderlos gerechnet. Keiner seiner Nachkommen wird jemals wieder auf dem Thron der Könige Israels sitzen. Dies hat sich erfüllt. Wir finden in Mt 1 das Geschlechtsregister des Herrn Jesus. Wir lernen, dass Joseph ein leiblicher Nachkomme Jekonjas war. Jekonja hatte wohl in der Gefangenschaft einen Sohn bekommen und die Ahnenreihe bis auf Joseph fortgesetzt. Joseph war jedoch nicht der leibliche Vater des Herrn. Der Herr wurde nämlich vom Heiligen Geist in der Jungfrau Maria gezeugt, und nicht von Joseph. In Luk 3 finden wir schließlich das Geschlechtsregister der Maria. Es geht zurück bis auf Adam. Hier lernen wir, dass auch Maria direkt von Israels König David abstammte, nämlich über die Linie von Salomos Bruder Nathan. Somit war der Herr ein direkter leiblicher Nachkomme des Königs David. Er ging jedoch nicht aus der Königslinie Salomos hervor, welche bei Jekonja abbrach. Auch Zedekias Söhne wurden von Nebukadnezar ermordet.

 

 

Kapitel 23

Die Verse 1-8 sind ein Wort über die Hirten Israels und den kommenden Messias. Es steht parallel zu Hes 34 und Sach 11. Die bösen Hirten in Vers 2 haben versagt, die Schafe wurden zerstreut. Danach wurde der Überrest gesammelt und von neuen Hirten zurück in das Land gebracht (Verse 3-4). Schließlich kommt ab Vers 5 der gerechte Spross.

Jes 11, 1-5: „Und es wird ein Zweig hervorgehen aus dem Stumpf Isais und ein Schössling hervorbrechen aus seinen Wurzeln.
2 Und auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rats und der Kraft, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN.
3 Und er wird sein Wohlgefallen haben an der Furcht des HERRN. Er wird nicht nach dem Augenschein richten, noch nach dem Hörensagen Recht sprechen,
4 sondern er wird die Armen mit Gerechtigkeit richten und den Elenden im Land ein unparteiisches Urteil sprechen. Er wird die Erde mit dem Stab seines Mundes schlagen und den Gesetzlosen mit dem Hauch seiner Lippen töten.
5 Gerechtigkeit wird der Gurt seiner Lenden sein und Wahrheit der Gurt seiner Hüften.“

Jes 53,2: „Er wuchs auf vor ihm wie ein Schössling, wie ein Wurzelspross aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und keine Pracht; wir sahen ihn, aber sein Anblick gefiel uns nicht.“

Sach 3,8: „Höre doch, Jeschua, du Hoherpriester! Du und deine Gefährten, die vor dir sitzen, ja, ihr seid Männer, die als Zeichen dienen! Denn siehe, ich lasse meinen Knecht, Spross [genannt], kommen.“

 

Er wird Recht und Gerechtigkeit schaffen auf Erden. Sein Name ist „Der Herr unsere Gerechtigkeit“, und wir kennen ihn alle. So wie der Herr sein irdisches Volk Israel im alten Bund aus Ägypten herausgeführt hat und es auch aus dem Land des Nordens (Babylon) wieder zurückführen wird, so wird dieser gerechte Herr im neuen Bund sein geistliches Volk Israel, die Gemeinde, aus allen Völkern der Erde sammeln in sein Land der Verheißung und auf seinen heiligen Berg. In unserer Zeit hat es geistlich begonnen, in der Ewigkeit der neuen Schöpfung wird es auf der neuen Erde in geoffenbarter Herrlichkeit vollendet werden.

Der Rest des Kapitels redet sehr ausführlich über die Lügenpropheten. Das Land wimmelt von Ehebrechern, die Priester und Propheten sind ruchlos. Schon in Samaria hatten sie gelogen, und das Nordreich war untergegangen. Nun in Juda sind sie noch schlimmer geworden. Sie selbst sind nämlich auch zu Ehebrechern und Lügnern geworden, welche das Böse ganz gezielt fördern (Vers 14). Sie sind Gottlose, sie werden in Vers 15 Wermut und Giftwasser trinken (siehe auch Kapitel 9,14).

Das Volk soll nicht mehr auf sie hören, wenn sie Frieden und Wohlergehen weissagen, denn der Sturmwind des Herrn wird kommen (Verse 15-20). Sie sind nicht von Gott gesandt und weissagen nur ihre eigenen Gedanken (Verse 21-22). Sie erzählen ihre eigenen Träume und verkünden ihren selbsterfundenen Betrug. Sie wollen von Gott ablenken und die Menschen in ihrer Eitelkeit auf ihre eigene Person konzentrieren (Verse 23-28). Das Wort des Herrn ist jedoch kein süßer Traum, sondern ein Hammer, der Felsen zerschmettert (Vers 29). Es ist das genaue Gegenteil ihrer Lügen, und der echte Prophet Jeremia muss es verkündigen.

Gott kommt ab Vers 30 über die Propheten, wenn sie lügen. Er verbietet ihnen, den Begriff der „Last des Herrn“ zu benutzen, einen unter den echten Propheten bekannten Begriff für eine echte Weissagung, welche schwer auf der Seele des wahren Propheten lag, so wie es auch bei Jeremia der Fall war. Wer es von ihnen wagen wird, dieses Wort noch einmal in den Mund zu nehmen, der wird samt seinem Haus heimgesucht werden. Wir werden in Kapitel 28 am Beispiel des falschen Propheten Hananja erfahren, was dies bedeutete. Alle falschen Propheten werden am Ende mitsamt ihrer Stadt verworfen und mit unvergesslicher Schmach und Schande belegt werden.

 

 

Kapitel 24

Hier finden wir das Bild der zwei Feigenkörbe, welches Jeremia sah, nachdem Nebukadnezar den König Jekonja weggeführt und Jojakims Bruder Zedekia an seiner Stelle eingesetzt hatte. Zusammen mit Jekonja war eine Menge von insgesamt 10.000 Menschen in die Gefangenschaft gegangen.

Gott setzt sie hier gleich mit den guten Feigen. Sie haben sich ergeben und sich unter das Gericht Gottes gebeugt. Dadurch haben sie ihr Leben erhalten. Gott wird sich ihnen wieder zuwenden. Sie werden ihn erkennen, und er wird sie wieder zurückführen. Wir dürfen davon ausgehen, dass die Schar der Rückkehrer nach 70 Jahren babylonischer Gefangenschaft hauptsächlich aus Nachkommen dieser Gruppe bestand.

Die schlechten Feigen werden gleichgesetzt mit dem Haus Zedekias und seinem Machtapparat, aber auch mit dem ungläubigen Volk in der Stadt, welches unter der Predigt Jeremias bis zum Ende nicht umkehren würde. Dazu kommen diejenigen, die sich nach der Zerstörung der Stadt gegen den Rat Jeremias nach Ägypten aufmachen werden. Sie alle werden sterben.

 

 

Kapitel 25

Diese Weissagung stammt aus dem vierten Jahr Jojakims, welches zugleich das erste Jahr Nebukadnezars war. Die Stadt fiel im 19. Jahr Nebukadnezars (2Kö 24,8). Jeremia redet zu dem ganzen Volk. Seit 23 Jahren tut er nun seinen schweren Dienst (Vers 3), und niemand hat auf ihn gehört. Auch auf alle anderen wahren Propheten haben sie nicht gehört und sind auf ihren bösen Wegen weitergegangen. Deshalb wird Nebukadnezar von Babel aus dem Norden kommen und am Ende die Stadt in Trümmer legen (Vers 9).

Jeder in Jerusalem kannte diesen Namen, er war in aller Munde. Kurz davor, nämlich am Ende des dritten Jahres Jojakims, hatte Nebukadnezar zum ersten Mal vor der Stadt gestanden (Dan 1,1), nachdem er bei Karkemisch den Pharao Necho vernichtend geschlagen hatte und sich auf seinem ersten Feldzug nach Ägypten befunden hatte.

Jeremia greift in seinem Wort der endgültigen Zerstörung der Stadt somit um 18 Jahre voraus. Der erste Angriff Nebukadnezars war die erste Warnung. Der zweite Angriff, also die zweite Warnung, wird sieben Jahre später erfolgen, nämlich drei Monate nach dem Tod Jojakims unter der Herrschaft Jekonjas. Der dritte und letzte Angriff wird wieder 11 Jahre später unter Zedekia erfolgen, und er wird die völlige Vernichtung der Stadt und die Verschleppung der Bewohner nach Babylon bringen. Nebukadnezar wird also noch zweimal wiederkommen, und Jeremia gibt hier dem ganzen Volk die entsprechend klare Ansage.

Die Verbannung wird nach den deutlichen Worten Jeremias 70 Jahre dauern, und dann wird die Rückführung kommen. Dann wird Gott auch ein Gericht über Babylon bringen. Jeder kann es von nun an wissen. Der junge Prophet Daniel, der in der ersten Belagerung Nebukadnezars im dritten Jahr Jojakims weggeführt wurde, nahm es sich in Babylon zu Herzen. Er bekam durch Boten Mitteilungen über die Worte des Propheten Jeremia, und er erhielt auch den Brief aus Kapitel 29, den Jeremia nach Babylon an die Verbannten schrieb und ebenfalls durch Boten überbringen ließ. Daniel trug dieses Wort für viele Jahre in seinem Gedächtnis. Ihm wurde ein Jahr vor dem Untergang des Babylonierreiches als uraltem Mann die Prophetie seines neunten Kapitels gegeben, nämlich im ersten Jahr Darius des Meders.

Der Rest des Kapitels bringt Gerichtsworte über Babylon und die übrigen Heidenvölker, wie wir sie in größerer Ausführlichkeit in den Kapiteln 46-51 wiederfinden werden. Allen Nationen wird nacheinander der Kelch mit dem Zornwein Gottes gereicht und sie müssen daraus trinken, ob sie es wollen oder nicht: Jerusalem und Juda zuerst. Danach Ägypten, Uz, die Philister, Edom, Moab, Ammon, Tyrus, Sidon, Dedan, Teman, Bus, Araber, Simri, Elamiter, Meder. Am Ende wird Babylon als letzte trinken. Hier sehen wir natürlich auch das Bild der Hure und Babylon der Großen, welche mit ihrem Wein alle Nationen trunken gemacht hat, und welche am Ende den Zorn Gottes erfahren und selbst trinken wird.

Off 16,19: „Und die große Stadt wurde in drei Teile [zerrissen], und die Städte der Heidenvölker fielen, und Babylon, der Großen, wurde vor Gott gedacht, damit er ihr den Becher des Glutweines seines Zornes gebe.“

 

Das Gericht beginnt zwar in Vers 29 beim Haus und in der Stadt Gottes (1Pe 4,17), aber es wird am Ende alle Welt erfassen. Der Rest des Kapitels spricht darüber. Der Herr wird aus seiner himmlischen Wohnung, aus dem himmlischen Zion brüllen, er wird ein Lied wie die Keltertreter anstimmen (Off 14,20), der Lärm dringt bis an die Enden der Erde, und der Herr hat einen Rechtsstreit mit den Heidenvölkern. Ihre Leichname werden die Fläche der ganzen Erde bedecken. Ihre Zeit ist erfüllt, und auch für die Beherrscher der Erde gibt es jetzt keinen Aufschub und keine Zuflucht mehr (Off 6,15-17). Die grimmige Glut des Zornes Gottes wird im Feuergericht am Ende alles vernichten. Hier ein deutlicher Ausblick auf das Weltende.

1Pe 4,17: „Denn die Zeit ist da, dass das Gericht beginnt beim Haus Gottes; wenn aber zuerst bei uns, wie wird das Ende derer sein, die sich weigern, dem Evangelium Gottes zu glauben?“

Off 6,15-17: „Und die Könige der Erde und die Großen und die Reichen und die Heerführer und die Mächtigen und alle Knechte und alle Freien verbargen sich in den Klüften und in den Felsen der Berge,
16 und sie sprachen zu den Bergen und zu den Felsen: Fallt auf uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes!
17 Denn der große Tag seines Zorns ist gekommen, und wer kann bestehen?“

Off 14,20: „Und die Kelter wurde außerhalb der Stadt getreten, und es floss Blut aus der Kelter bis an die Zäume der Pferde, 1 600 Stadien weit.“

 

 

Kapitel 26

Dieses Wort stammt aus der Zeit kurz vor der Weissagung von Kapitel 25, nämlich aus dem Anfang der Regierung Jojakims. Jeremia muss sich im Vorhof des Tempels aufstellen und es laut zu allen Leuten sagen. „Wandelt im Gesetz des alten Bundes und hört auf die wahren Propheten Gottes! Wenn ihr es nicht tut, dann wird Gott den Tempel wie Silo machen (das bedeutet: ihn völlig zerstören, siehe auch Kapitel 7,12-14)!“ Hier sehen wir wieder etwas von der ungeheuren Festigkeit des Mannes Jeremia, welche Gott ihm geschenkt hat. Es ist wieder einmal eine dieser schrecklichen Situationen, die der Prophet nur in der Kraft Gottes durchzustehen vermag. Er wird von Gott immer wieder in diese Situationen hineingestellt und wird dennoch trotz aller Härte und Drangsal bewahrt. Siehe hierzu auch Kapitel 20.

Sofort wird Jeremia von allen Anwesenden (Priester, Propheten, Volk) ergriffen und des Todes schuldig gesprochen, weil er genau wie in Kapitel 7 einen Fluch gegen den Tempel ausgesprochen hat. Damals konnten sie ihn unter der Herrschaft Josias noch nicht anfassen, denn Josia hätte mit Sicherheit jeden hingerichtet, der den Propheten ernsthaft angegriffen hätte. Jetzt haben sie Oberwasser und sehen ihre Gelegenheit gekommen. Sie sollen aber wieder einmal erfahren, dass Gott unter allen Umständen dazu in der Lage ist, seine Verheißung zu erfüllen, welche er Jeremia in Kapitel 1,18 und 15,20 gegeben hat.

Die Fürsten von Juda sind in diesem Moment etwas klüger als das Volk, so wie es eigentlich auch von ihnen erwartet werden muss. Sie hören Jeremia noch einmal an, und der Prophet wiederholt mit unerschütterlicher Festigkeit seine Botschaft. Zweimal kurz hintereinander wird er hier hart geprüft, und zweimal hält er stand in der Kraft seines Gottes. Er nimmt seinen eigenen Tod in Kauf und warnt doch gleichzeitig die Fürsten davor, diesen Mord zu begehen, denn Gott wird sie dafür zur Verantwortung ziehen (Verse 14-15).

Die Fürsten besitzen noch einen Rest von Gottesfurcht und auch noch einen Rest von Kenntnis der Geschichte Israels und des Wortes Gottes. Sie erinnern sich nämlich an den Propheten Micha aus Moreschet, der in Hiskias Tagen ebenfalls die Zerstörung des Tempels und die Verwüstung des Tempelberges weissagte. Sie erkennen die Schuld, die sie mit der Tötung Jeremias auf sich laden würden. Sie sagen es auch klar vor den Augen des Volkes und lassen von Jeremia ab. Hier sehen wir noch einen kleinen Lichtpunkt in der Geschichte der gottlosen Stadt. Gott hat hier ein Wunder gewirkt. Der Name des Fürsten, welcher Jeremia schützt und den Händen des Volkes entreißt, wird hier genannt: es ist Achikam, der Sohn Schaphans. Gott hat sich auch diesen Mann vorgemerkt, und er wird ihm seine Tat vergelten.

Dem Propheten Urija, dem Sohn Schemajas aus Kirjath Jearim, erging es hingegen nicht so gut wie Jeremia. Auch er weissagte gegen die Stadt und den Tempel wie auch Jeremia. Er musste nach Ägypten fliehen. König Jojakim sandte ihm jedoch seine „Mossad-Agenten“ hinterher, nämlich Elnathan, den Sohn Achbors und einige andere. Sie verschleppten Urija nach Jerusalem und er wurde hingerichtet. Auch die Namen dieser Männer hat Gott sich vorgemerkt, und er wird auch ihnen vergelten.

 

 

Kapitel 27

Das Kapitel zeigt eine Zweiteilung. Eine Prophetie vom Anfang der Regierung Jojakims bildet in den Versen 1-11 den ersten Teil. Der Prophet empfängt wenige Monate nach Josias Tod warnende Worte an die Nationen Edom, Moab, Ammon, Tyrus und Sidon. Gott beauftragt ihn, diese Worte an die Boten weiterzugeben, welche erst über zehn Jahre später im Anfang der Regierung Zedekias aus den betreffenden Nationen nach Jerusalem kommen werden.

Alle Nationen um Juda herum und auch Juda selbst sind vom Herrn in die Hand Nebukadnezars gegeben. Dies betrifft den Erdboden, die Menschen und das Vieh im Land. Widerstand ist völlig zwecklos. Nebukadnezar wird in Vers 5 sogar als der Knecht Gottes bezeichnet, er steht im Dienst des Ewigen. Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Erstens die Aufgabe und die lebensrettende Unterordnung unter den von Gott gesandten Eroberer (Verse 7 und 11). Zweitens den Kampf gegen Nebukadnezar und den Untergang (Vers 8). Die falschen Propheten im Land weissagen Frieden und Wohlstand, aber sie lügen. Das Volk Judas und auch alle benachbarten Nationen sollen ihnen nicht glauben (Verse 9-10). Die Herrschaft Babylons wird sogar noch unter Nebukadnezars Sohn und Enkel fortbestehen. Es wird 70 Jahre dauern, wie wir bereits aus Kapitel 25,11 erfahren haben, bis auch Babylon unter der Hand seiner eigenen Feinde zusammenbrechen wird (Vers 7).

Im vierten Jahr Zedekias, also mehr als zehn Jahre später, kommen diese Boten nun tatsächlich im zweiten Teil des Kapitels nach Jerusalem. Inzwischen haben sich die dunklen Wolken der drohenden Invasion Babylons am Horizont zusammengeballt, und die kleineren Nationen suchen im Bewusstsein der schweren Bedrohung die Allianz mit Israel. Zedekia soll sich nach dem Wort des Propheten nicht mit ihnen zu einer Allianz gegen Babylon verbinden, sondern vielmehr das Prophetenwort aus der Zeit Jojakims zu ihnen reden und sich danach zusammen mit ihnen dem König von Babylon unterwerfen, um der ansonsten sicheren Vernichtung zu entgehen. Im selben vierten Jahr seiner Regierung reist Zedekia nach Babylon, um eine diplomatische Lösung des Konfliktes zu erreichen (51,59). Die Mission scheitert. Das Ergebnis ist eine Kette falscher Entscheidungen in den Regierungskreisen Israels und der umgebenden Nationen, welche schließlich zur Verwüstung aller Gebiete durch die Hand Nebukadnezars führen wird.

 

 

Kapitel 28

Hier hat Jeremia im vierten Jahr Zedekias im Tempelbezirk vor den Augen aller Priester und des Volkes eine öffentliche Auseinandersetzung mit einem falschen Propheten. Die politische Situation ist heikel und sehr angespannt, die Nerven liegen blank in Jerusalem. Wie wir wissen, reiste Zedekia in diesem selben Jahr nach Babylon, um eine diplomatische Initiative zu starten (51,59), welche aber letztlich fehlschlug. Vielleicht ist er gerade zu diesem Zeitpunkt auf Reisen, denn der Text des Kapitels erwähnt ihn nicht als einen der Handelnden.

In diesem Augenblick tritt ein falscher Prophet mit dem salbungsvollen Namen Hananja (der Herr gibt Gnade) Jeremia in aller Öffentlichkeit entgegen: „Jerusalem wird nicht fallen! Innerhalb von zwei Jahren wird das babylonische Joch gebrochen sein, alle Tempelgeräte werden zurückgebracht, und sogar der König Jekonja und alle anderen Gefangenen werden zurückkehren!“ Welch ein wunderbarer Prophet ist dies doch! Er weissagt Balsam für die geschundene Seele des Volkes. Diese Botschaft wird aufgesogen wie warme Milch. Alle sind voller Zufriedenheit. Sie warten gespannt auf die Antwort Jeremias.

Jeremia lässt sich in keiner Weise von der Situation beeindrucken oder verunsichern. Er entgegnet ein Spottwort: „Genauso wie du es geweissagt hast, oh lieber Hananja, du Prophet der Gnade, so soll es geschehen! Alle Propheten vor dir und mir haben Krieg, Pest und Unheil geweissagt. Nur du, oh Prophet des Friedens, nur du wirst erkannt werden als der wahrlich von Gott gesandte Prophet der Wahrheit, wenn dein wunderbares salbungsvolles Friedenswort eintrifft!“

Hananja nimmt daraufhin das hölzerne Joch vom Hals Jeremias und zerbricht es, um seine Aussage nochmals zu bekräftigen. Jeremia geht einfach davon. Das Volk wird ihm wohl etwas ratlos hinterhergeschaut haben. Noch auf dem Weg erhält er von Gott ein Wort für Hananja, und er muss es dem falschen Propheten unter vier Augen sagen. Die Öffentlichkeit ist hier nicht mehr dabei. Sie werden noch weitere zwei Jahre warten müssen um zu erkennen, dass sie belogen worden sind.

Jeremia redet Klartext mit Hananja. „Hör zu, du falscher Prophet: Du hast ein hölzernes Joch zerbrochen und an seiner Stelle ein eisernes Joch bereitet. Das eiserne Joch liegt auf dem Nacken Jerusalems und aller Völker ringsum, sie werden Nebukadnezar dienen. Du bist nicht vom Herrn gesandt, du hast das Volk belogen. Noch in diesem Jahr wirst du sterben!“ Hananja wird wohl die Gesichtsfarbe gewechselt haben, als das wirkliche Wort Gottes zu ihm kam und ihn ergriff. Zwei Monate später wurde er beerdigt. So erging es dem falschen Propheten.

 

 

Kapitel 29

Hier haben wir einen Brief Jeremias aus Jerusalem an die Gefangenen in Babel, unter denen sich zu diesem Zeitpunkt, nämlich unter der Regierung Zedekias (Vers 3), auch der Prophet Daniel befand. Daniel war zu diesem Zeitpunkt schon lange Jahre in Babylon, und er war bereits zu einer sehr hohen Stellung am Hof Nebukadnezars gelangt, nachdem er in Dan 2 den Traum des Königs gedeutet hatte. Vielleicht war Daniel sogar derjenige, welcher den Brief aus der Hand der Boten Zedekias empfing und ihn dem Volk vorlas. Wir wissen es nicht. Jedenfalls kannte er genau den Inhalt, denn er kommt darauf zu sprechen.

Dan 9,2: „Im ersten Jahr seiner Regierung achtete ich, Daniel, in den Schriften auf die Zahl der Jahre, von der das Wort des HERRN an den Propheten Jeremia ergangen war, dass die Verwüstung Jerusalems in 70 Jahren vollendet sein sollte.“

 

Der Brief könnte vielleicht sogar als eine Reaktion Jeremias auf das Vorkommnis mit Hananja geschrieben worden sein. Das würde seine Stellung gerade in diesem Kapitel erklären. Es ist möglich, doch wir können es nicht genau wissen. Der Brief fordert die Israeliten dazu auf, sich in Babylon einzurichten und im Frieden mit der Bevölkerung zu leben. Sie sollen Häuser bauen, Gärten anlegen und Kinder zeugen. Sie sollen nicht auf die Worte der falschen Propheten hören, denn es wird 70 Jahre dauern (Vers 10). Gott hat nämlich auf lange Sicht Gedanken des Friedens mit dem Volk (Vers 11). Sie werden eines Tages umkehren, sie werden ihn anrufen, von ganzem Herzen nach ihm suchen, und er wird sie wieder erhören.

Jetzt aber sagen sie auch in Babylon noch immer: „Der Herr hat uns in Babel Propheten erweckt!“ (Vers 15) Sie sind auch in Babylon noch nicht an dem Punkt ihrer inneren Umkehr angelangt. Sie müssen zuerst noch erfahren, wie Gott mit falschen Propheten handelt.

Zunächst redet Jeremia in seinem Brief noch einmal kurz über die Lage in Jerusalem, damit die Vertriebenen in Babylon auch diese Situation besser verstehen können (Verse 16-19). Das Schwert, der Hunger und die Pest werden über Jerusalem kommen. Sie sind die schlechten Feigen aus Kapitel 24! Sie werden unter alle Völker vertrieben, weil sie den Worten aller wahren Propheten immer und immer wieder nicht geglaubt haben. Sie haben vielmehr den falschen Propheten geglaubt und sind ins Verderben gegangen.

Nun wendet der Prophet sich ab Vers 21 den falschen Propheten in Babylon zu. Sie stehen ja dort dem Propheten Hesekiel gegenüber, welcher gerade eben in Babylon seinen Dienst im fünften Jahr Zedekias begonnen hat oder in Kürze beginnen wird. Hesekiel steht dort alleine den falschen Propheten gegenüber, so wie Jeremia es in Jerusalem tut. Gott weiß das, und er möchte auch Hesekiel durch den Brief Jeremias eine Unterstützung für seinen Dienst geben, indem er das ganze Volk der Juden in Babylon öffentlich vor den Betrügern warnt.

Es sind dort zunächst Ahab, der Sohn Kolajas und Zedekia, der Sohn Maasejas. Sie haben im Volk mit den Frauen Ehebruch getrieben und Lügen geweissagt. Nebukadnezar wird sie vor den Augen des Volkes erschlagen und ihre Leichname im Feuer braten (Verse 21-23). Dann kommt Schemaja der Nechelamiter an die Reihe. Er hat Briefe aus Babylon nach Jerusalem an das ganze Volk Juda, an den Priester Zephanja und an alle Priester gesandt, in welchen er Jeremia als einen Wahnsinnigen denunziert, weil Jeremia eine Dauer von 70 Jahren für die Gefangenschaft geweissagt hat, und hat dafür die Priesterschaft zur Bestrafung Jeremias aufgerufen (Verse 24-29). Der Brief ist Jeremia von Zephanja vorgelesen worden. Nun kommt das Wort Jeremias über Schemaja. Er wird keinen Nachkommen haben, und er wird das Gute nicht sehen, das Gott dem Volk in der Zukunft tun wird (Verse 30-32).

 

 

Kapitel 30

Die Kapitel 30 bis 33 sind inmitten aller düsteren Prophetien Jeremias ein Lichtpunkt. Sie sind von etlichen Auslegern als „Das Buch des Trostes“ innerhalb der gesamten Prophetie bezeichnet worden. Die Datierung der Prophetien ist einerseits schwierig wenn nicht sogar unmöglich, hat aber andererseits nur untergeordnete Bedeutung. Die geistlichen Linien sind uns wichtiger. In diesem Kapitel 30 finden sich ebenso wie in Kapitel 31, 50 und 51 Stellen, welche geistlich einen doppelten oder dreifachen Boden aufweisen. Sie können sowohl auf die Zeit Jeremias als auch auf die fernere Zukunft des neuen und ewigen Bundes, vielleicht sogar bis zum Weltende gedeutet werden. Wir werden uns bemühen, dies zu erkennen.

Jeremia soll wieder alles in sein Buch schreiben (Vers 2). Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass der Text der Kapitel 30-33 erst nach den Ereignissen unter Jojakim in Kapitel 36 entstand, denn dort musste Baruch ja erstmals diese Buchrolle anlegen. Am Ende des Kapitels 36 erfahren wir dann, dass später noch weitere Texte hinzugefügt wurden. Wie dem auch sei, es soll nicht unser Hauptanliegen sein, diese Frage zu klären. Vers 3 bringt zunächst einmal die klare Verheißung der Rückkehr aus der Gefangenschaft.

Die Verse 4-7 schildern dann plötzlich wieder eine schreckliche Situation. Dies kann einerseits ein Hinweis auf die kommenden Schrecken der babylonischen Belagerung sein, was durchaus seine Berechtigung hat. Andererseits folgen die Verse im Kontext auf die Wiederherstellung, welche gerade in Vers 3 geweissagt wurde. Hier finden wir somit erstmals unseren doppelten Boden. Wir machen uns auf die Suche nach anderen Schriftstellen, welche etwas Ähnliches aussagen. Vers 7 führt uns zunächst zu einem Wort des Herrn aus seiner Ölbergrede.

Mt 24,21-22: „Denn dann wird eine große Drangsal sein, wie von Anfang der Welt an bis jetzt keine gewesen ist und auch keine mehr kommen wird.
22 Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen sollen jene Tage verkürzt werden.“

 

Auch hier wird über einen Tag unvergleichlich großer Drangsal gesprochen, aus welcher ein Überrest gerettet wird. Die Worte des Herrn beziehen sich hier auf die zweite Zerstörung der Stadt Jerusalem und ihres zweiten Tempels im Jahr 70 n.Chr. durch die Römer. Wir können somit sagen, dass hier in der Prophetie Jeremias bei der Vorausschau auf die erste Zerstörung des Tempels und der Stadt gleichzeitig die zweite Zerstörung des neugebauten Tempels und der zweiten Stadt mit durchschimmert, welche sich erst Jahrhunderte später ereignen sollte.

Dieses Phänomen in den Büchern der alttestamentlichen Propheten bezeichnet man als die sogenannte „Prophetische Perspektive“. Der Prophet ist hier einem Wanderer zu vergleichen, welcher in der weiten Ferne auf zwei oder mehrere hintereinander liegende Bergketten blickt. Im Dunst erscheinen sie jedoch nicht deutlich voneinander abgrenzbar. Obwohl sie in Wahrheit viele Kilometer auseinanderliegen, kann der Wanderer dies aus der Ferne nicht erkennen, und sie verschmelzen in seinem Blick zu einer einzigen Bergkette. Das haben wir hier bei Jeremia. Die Verse 5-6 führen uns zu einer Parallelstelle aus dem Buch Jesaja, nämlich aus Kapitel 13.

Jes 13,6-11: „Heult! Denn der Tag des HERRN ist nahe; er kommt wie eine Verwüstung von dem Allmächtigen!
7 Deshalb werden alle Hände schlaff, und das Herz jedes Sterblichen zerschmilzt.
8 Sie sind bestürzt; Krämpfe und Wehen ergreifen sie, sie winden sich wie eine Gebärende; einer starrt den andern an, ihre Angesichter glühen.
9 Siehe, der Tag des HERRN kommt, unbarmherzig, mit Grimm und Zornglut, um die Erde zur Wüste zu machen und die Sünder daraus zu vertilgen.
10 Ja, die Sterne des Himmels und seine Sternbilder werden nicht mehr glänzen; die Sonne wird sich bei ihrem Aufgang verfinstern und der Mond sein Licht nicht leuchten lassen.
11 Und ich werde an dem Erdkreis die Bosheit heimsuchen und an den Gottlosen ihre Schuld; und ich will die Prahlerei der Übermütigen zum Schweigen bringen und den Hochmut der Gewalttätigen erniedrigen.“

 

An dieser Stelle redet Jesaja im Bild Babylons über das Weltende. Wir verweisen hierzu auf unseren Text: „Die Botschaft des Propheten Jesaja“ unter www.DieLetzteStunde.de. Wir können also sagen, dass die Zerstörung Jerusalems zu Jeremias Zeit (erste Bergkette) ebenso wie die Zerstörung der Stadt Jerusalem im Jahr 70 n.Chr. (zweite Bergkette) Vorbilder für die letzte weltweite Zerstörung bei der Wiederkunft des Herrn (dritte Bergkette) sind. Bei den ersten beiden Zerstörungen wird es einen Überrest geben, bei der letzten nicht mehr. Der Schrecken wird weltumspannend und total sein.

In den Versen 8-9 wird das Joch Jakobs vom Hals des Volkes weggenommen. Jakob hatte lange Zeit seines Lebens unter fremder Knechtschaft verbringen müssen und war sogar in der Fremde Ägyptens gestorben. Nun wird eine Zeit nach dem Schrecken von den Versen 4-7 verheißen, in welcher das Volk völlig befreit wird und seinem „König David“ dienen wird. Dieser König David wird von Gott erweckt werden. Das Königtum Davids in Israel, welches in seiner irdischen Form zu Jeremias Zeit bereits Jahrhunderte zurückliegt, wird wieder erweckt, ja sogar auferweckt werden. Woran könnten wir denken, wenn wir dieses Wort lesen?

Jes 11,1-5: „Und es wird ein Zweig hervorgehen aus dem Stumpf Isais und ein Schössling hervorbrechen aus seinen Wurzeln.
2 Und auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rats und der Kraft, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN.
3 Und er wird sein Wohlgefallen haben an der Furcht des HERRN. Er wird nicht nach dem Augenschein richten, noch nach dem Hörensagen Recht sprechen,
4 sondern er wird die Armen mit Gerechtigkeit richten und den Elenden im Land ein unparteiisches Urteil sprechen. Er wird die Erde mit dem Stab seines Mundes schlagen und den Gesetzlosen mit dem Hauch seiner Lippen töten.
5 Gerechtigkeit wird der Gurt seiner Lenden sein und Wahrheit der Gurt seiner Hüften.“

Luk 1,31-34: „Und siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären; und du sollst ihm den Namen Jesus geben.
32 Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben;
33 und er wird regieren über das Haus Jakobs in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.
34 Maria aber sprach zu dem Engel: Wie kann das sein, da ich von keinem Mann weiß?“

Luk 2,11: „Denn euch ist heute in der Stadt Davids der Retter geboren, welcher ist Christus, der Herr.“

Off 22,16: „Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt, um euch diese Dinge für die Gemeinden zu bezeugen. Ich bin die Wurzel und der Spross Davids, der leuchtende Morgenstern.“

 

Es geht hier um den Herrn Jesus Christus. Er wird die völlige Befreiung für sein Volk bringen. Er wird die Ketten der Sünde und des Todes sprengen. Er wird sein Volk zurückführen aus der Welt, ja von den Enden der Erde, und es am Ende erlösen von allen Bedrängern. Das Volk wird diesem in Bethlehem/Juda erweckten und nach seinem Tod am dritten Tag in Jerusalem wahrhaftig auferweckten König dienen, dem in Ewigkeit vielgeliebten Sohn des Vaters, dem ewigen David (David bedeutet ja: der Vielgeliebte).

Vierzig Jahre vor der Zerstörung Israels und Jerusalems im Jahr 70 n.Chr. bestieg der ewige König nach seiner Himmelfahrt den Thron Davids (siehe hierzu den Text: „Gottes Herrschaft und sein Thron“ unter www.DieLetzteStunde.de). Er sammelt heute aus den Nationen der Erde sein ewiges Volk, sein oberes Jerusalem, sein Israel nach dem Geist Gottes, die Gemeinde. Dieses Volk dient ihm von Herzen, und er wird es am letzten Tag aus allen Bindungen dieser Welt befreien und es in die sichtbare Herrlichkeit der neuen und ewigen Erde einführen.

Die Verse 10-11 bringen die Verheißung der ersten Vorerfüllung dieser Worte in der zukünftigen Rückkehr aus der Gefangenschaft Babylons, in welche der Überrest des Volkes Jeremias nun bald zu gehen hat. Sie müssen gestraft werden, sie müssen gezüchtigt werden, aber alle ihre Feinde werden am Ende ganz vernichtet werden.

Die Verse 12-15 werfen uns wieder zurück in die harte Realität zur Zeit des Propheten. Die Wunde des Volkes eitert, es gibt kein Heilmittel mehr für sie, kein Verband ist für sie da. Gott hat das Volk geschlagen wie ein Feind es tun würde. Sie sind verschleppt worden. Ihre Schuld ist groß und ihre Sünden sind zahlreich. Deswegen sind sie so grausam gezüchtigt worden von der Hand Gottes durch die Babylonier, die sie gefressen haben. Doch wieder schlägt das Pendel in die andere Richtung. In diesem Kapitel geht es wirklich hin und her!

Alle gegenwärtigen und künftigen Fresser des Volkes werden in Vers 16 selbst gefressen werden, und die Räuber werden selbst beraubt werden. Dieser Vers steht parallel zu Joel 1,4. Dort redet der Prophet Joel über vier Fresser, welche das Volk fressen werden, bevor es zur Buße kommt und eine völlige Wiederherstellung und ewige Segnungen erfahren kann. Dort sind es symbolische Heuschrecken, welche die Weltreiche Babylon, Medopersien, Griechenland und Rom repräsentieren (siehe hierzu unseren Text: „Die Botschaft des Propheten Joel“ unter www.DieLetzteStunde.de). Unter der Herrschaft des letzten Fressers erscheint der Prophet Johannes der Täufer. Er ernährt sich von Heuschrecken und Honig. Er „frisst den Fresser“, und „aus dem Fresser kommt Süßigkeit“ (siehe Ri 14,14).

Auch bei Jesaja werden die Feinde in Kapitel 54 völlig vernichtet, sie geraten in die Schmelze und unter den Hammer des Schmiedes zu der Zeit, wenn der Herr seine verlassene Frau wieder annimmt. Sacharja 2,3-4 redet einige Jahrzehnte später als Jeremia ebenfalls über diese Schmiede Gottes, welche alle feindlichen Nationen Israels endgültig niederwerfen werden. Wir können hier sehr schön erkennen, wie verschiedene Propheten unter unterschiedlichsten Umständen und in ihrer eigenen Sprache immer wieder über die Dinge des Herrn und seines Reiches geredet haben. Sie haben auf die fernen Berge ausgeschaut.

Unmittelbar auf Johannes folgte in der Geschichte Israels der Herr Jesus Christus selbst, welcher noch unter der Herrschaft des letzten Fressers, des römischen Reiches, von Johannes im Jordan getauft wurde. Der Herr war von diesem Tag an in der Öffentlichkeit Israels der Messias, der Gesalbte Gottes, der Fürst (siehe Dan 9,25), denn Gott der Vater salbte den Herrn aus dem Himmel heraus vor den Augen des Volkes mit dem Heiligen Geist zum Dienst. In seinem Dienst richtete der Herr durch seinen Tod und seine Auferstehung das ewige Reich Gottes auf, welche für sein Volk alle ewigen Segnungen beinhaltet, über welche alle Propheten und natürlich auch Jeremia selbst geredet haben.

An Pfingsten wurden – zehn Tage nach der Himmelfahrt des Herrn – alle Gläubigen in Jerusalem durch das Kommen des Heiligen Geistes zu einem Leib getauft, welcher die Gemeinde Jesu Christi ist. Diese Gemeinde ist im alten irdischen Israel entstanden. Sie enthält heute Gläubige aus dem irdischen Israel ebenso wie aus allen anderen Nationen der Erde, denn das Heil ging anfangend von Jerusalem bis zu den Enden der Erde. Die Gemeinde Christi ist das ewige Israel Gottes nach dem Geist. Sie ist Teilhaberin aller ewigen geistlichen Segnungen. Sie ist die Braut des Herrn, welche er wieder als seine Frau annehmen und heiraten wird bei seiner Wiederkunft in der Herrlichkeit der neuen Schöpfung. Somit redet Vers 16 zum einen über den Untergang Babylons und die Rückkehr des damaligen Volkes aus der Gefangenschaft, zum anderen über die Gründung des Reiches Gottes im Tod und in der Auferstehung des Herrn Jesus. So wie das irdische Israel aus Babylon und den umgebenden Ländern wieder gesammelt wurde, so wird das geistliche Israel des neuen Bundes aus allen Nationen der Erde gesammelt und zum Berg des Herrn geführt, zum himmlischen Zionsberg.

Hebr 12,22-24: „sondern ihr seid gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und zu Zehntausenden von Engeln,
23 zu der Festversammlung und zu der Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel angeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten,
24 und zu Jesus, dem Mittler des neuen Bundes, und zu dem Blut der Besprengung, das Besseres redet als [das Blut] Abels.“

 

In Vers 17 wird die Verstoßene, nach der niemand fragt, von ihren Wunden geheilt und findet völlige Genesung. Dieses Wort steht in Verbindung mit Jesaja 54, wo der Herr seine unfruchtbare und verlassene Frau in Gnade wieder annimmt, welche ihm untreu gewesen war und welche er verstoßen musste für eine Zeit. Die Wiederannahme ist auch dort mit einer völligen Heilung an Leib und Seele, mit ewigem Segen und ewiger Fruchtbarkeit verbunden. Auch diese Prophetie Jesajas redet über den Herrn Jesus Christus und seine Gemeinde.

Die Verse 18-20 reden wieder mehr über die bevorstehende Rückkehr aus der noch immer zukünftigen babylonischen Gefangenschaft. Die Neubesiedelung und der Wiederaufbau des Landes werden beschrieben.

In Vers 21 finden wir dann wieder einen Hinweis auf den kommenden Herrscher, der aus der Mitte des Volkes hervorgehen wird. Er wird nicht nur König sein, sondern er wird auch als Hohepriester vor Gott hintreten, sein Herz ganz für Gott hingeben und ihm nahen. Es wird der Herr Jesus Christus sein. Vers 22 bringt eine Vorschau auf Kapitel 31,33 und bestätigt somit erneut, dass es sich hier in unserer Passage letztlich und in ihrer endgültigen Erfüllung um die Dinge des neuen Bundes handelt.

Die Verse 23-24 bringen uns nicht nur einen Blick auf den Untergang der Babylonier am Ende der Gefangenschaft, sondern auch einen Blick auf das Endgericht Gottes am letzten Tag über alle Gottlosen (Vers 23). Es heißt hier ganz bewusst nicht: „Feinde“ oder „Babylonier“, sondern „Gottlose“, ein Wort das letztlich alle Verlorenen betrifft. Am Ende ihres eigenen Reiches werden die Babylonier es verstehen, und am Ende der Tage werden es alle Menschen verstehen (Vers 24). Wieder die Bergketten in der Ferne.

 

 

Kapitel 31

Hier finden wir eine ausführliche Schilderung der Rückführung des Volkes in das Land, welche die abschließenden Gedanken des vorstehenden Kapitels fortsetzt. Die Worte des Propheten haben hier nicht nur einen doppelten Boden, sondern sogar einen dreifachen. Sie wurden zunächst erfüllt in der Rückführung des damaligen Volkes Israel aus der babylonischen Gefangenschaft. In unseren Tagen werden sie erfüllt in der Sammlung des Volkes Gottes aus allen Nationen der Erde durch die Verkündigung des Evangeliums. Die Glaubenden werden gerettet und versammeln sich als geistliche Nation Israel zu dem Zionsberg des Herrn in seinem Land, in den himmlischen Regionen. Die Worte werden dann endgültig erfüllt werden in der vollständig geoffenbarten Herrlichkeit der neuen und ewigen Welt, welche der Herr mit seinen Erlösten für immer bewohnen wird. Kein Feind wird sie mehr schrecken. Die Grundlage für diese herrliche Ewigkeit der Kinder Gottes ist die Siegelung des neuen und ewigen Bundes, den wir in den Versen 31-34 des Kapitels finden werden, durch das vergossene Blut unseres Heilandes und Herrn Jesus Christus.

Der Herr selbst hat den Menschen in Israel bereits während seines irdischen Dienstes durch seine Wunder einen Vorgeschmack von den Kräften des zukünftigen Zeitalters gegeben. Die Jünger durften den Herrn auf dem Berg der Verklärung umgestaltet in der Herrlichkeit seines ewigen Reiches erblicken. Sie durften ihn nach seiner Auferstehung mehrmals in seinem geistlichen Auferstehungsleib sehen, in welchem der Herr nicht mehr den physikalischen Gesetzen der heutigen Schöpfung unterworfen ist. Auch in unserem eigenen Auferstehungs-leib werden wir ja alle als die Personen zu erkennen sein, welche wir heute schon sind, nur ohne die Sünde und ohne die Kräfte des alten Fleisches. Es wird gesät ein natürlicher Leib, es wird auferweckt ein geistlicher Leib.

1Kor 15,44: „Es wird gesät ein natürlicher Leib, und es wird auferweckt ein geistlicher Leib. Es gibt einen natürlichen Leib, und es gibt einen geistlichen Leib.“

 

Es ist daher für unseren Glauben nicht schwierig, dass der neue Himmel und die neue Erde in verherrlichter Form noch erkennbare Wesenszüge der alten Erde wiederspiegeln können. Es ist sehr wohl möglich, dass auch die Geographie der neuen Erde noch Anklänge an die alte Erde zeigen wird, nur eben in verherrlichter und verewigter Gestalt. So ist es auch ohne weiteres möglich, dass es dort ein verherrlichtes Land Israel als Wohnort für das neue Jerusalem, also für die Gemeinde Gottes geben wird. Dies passt auch gut dazu, dass zum Beispiel der Prophet Hesekiel in einer seiner Beschreibungen des ewigen Zustands in Kapitel 47 seines Buches geographische Begriffe verwendet, die aus dem heutigen Israel bekannt sind. Auch andere Propheten wie etwa Jesaja und Sacharja reden ja über ein ewiges Leben in einem verherrlichten Land. In dieser Sichtweise ist es auch keinesfalls ein Widerspruch, wenn die verschiedenen Propheten in ihren Weissagungen über das ewige Land Begriffe und Namen verwenden, welche wir schon in unserer Zeit kennen. Solche Namensnennungen sind keinesfalls zwangsläufig an die Existenz eines tausendjährigen Reiches auf der jetzigen Erde gebunden. Und nun wieder zurück zu den Worten Jeremias.

Der Begriff „zu jener Zeit“ weist bei Jeremia oft auf die Zeit des Messias hin. Hier deutet er an, dass wir uns auf die soeben erklärten drei Deutungsebenen begeben dürfen. In den Versen 2-3 finden wir das Schwert, die Gnade, die Ruhe und die ewige Liebe. Wir können hier zuerst einmal denken an das Schwert der Babylonier und die gnädige Rettung des Volkes mit der Ruhe der Rückkehrer im wiederaufgebauten Land. Ebenso denken wir aber auch an das Schwert des Satans und des Todes in der Verlorenheit, sowie an die rettende Gnade des Herrn und die Ruhe der Erlösung. Dieser Herr hat uns in Vers 3 nicht mit zeitlicher, sondern mit ewiger Liebe zu sich gezogen. Er hat uns auserwählt vor Grundlegung der Welt und berufen in der Zeit, und zwar aus lauter Liebe und Gnade.

Eph 2,8-10: „Denn aus Gnade seid ihr errettet durch den Glauben, und das nicht aus euch – Gottes Gabe ist es;
9 nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.
10 Denn wir sind seine Schöpfung, erschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.“

1Joh 4,8-10: „Wer nicht liebt, der hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist Liebe.
9 Darin ist die Liebe Gottes zu uns geoffenbart worden, dass Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben sollen.
10 Darin besteht die Liebe – nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und seinen Sohn gesandt hat als Sühnopfer für unsere Sünden.“

 

Die Verse 4-6 reden mehr über den Wiederaufbau des Landes nach der Gefangenschaft. Zunächst dürfen sie sehr wohl auf dieser ersten Deutungsebene verstanden werden. Sie sind jedoch darüber hinaus von den zahlreichen Auslegern des Dispensationalismus, welche eine Weltherrschaft Israels über alle anderen Nationen für 1000 Jahre auf dieser Erde erwarten, als eine Vorhersage der Wiederentstehung des heutigen Staates Israel in 1948 gedeutet worden, welcher in Zukunft zu dieser Weltherrschaft gelangen soll. Die Verse 7-14 werden dann gemäß dieser Auslegung auf das heute noch zukünftige 1000-jährige Reich gedeutet, obwohl der Wortlaut des Textes nicht über eine entsprechende Zeitspanne redet.

Was sagen die Verse nun wirklich aus? Das Volk wird als das Haupt der Nationen (Vers 7) als Überrest von den Enden der Erde gesammelt. Sie sind blind und lahm, auch Gebärende sind darunter (Vers 8). Sie weinen und flehen, sie werden auf ebenem Weg zu Wasserbächen geführt (Vers 9). Sie werden von dem göttlichen Hirten als eine Herde gehütet (Vers 10). Sie sind nicht mit Gewalt befreit, sondern losgekauft worden aus der Hand dessen, der mächtiger war als sie (Vers 11). Dem Starken ist die Beute genommen worden. Sie werden zu dem Herrn strömen, und ihre Seele wird sein wie ein bewässerter Garten (Vers 12). Die Trauer wird der Freude weichen, die Seele der Priester (nicht ihr Leib beim Essen von Opferfleisch) wird mit Fett gesättigt werden an der Güte des Herrn (Verse 13-14).

In diesen Versen finden wir eine wahre Fülle von Anklängen an unsere Erlösung, welche der Herr uns geschenkt hat. Er sammelt uns ein von den Enden der Erde. Wir waren blind und lahm, und wir sind nun sehend geworden und können wandeln. Wir sind geboren worden zum ewigen Leben. Wir sind das Volk seiner Erstlinge aus allen Nationen, das er durch sein Blut erkauft hat, und wir werden über die Erde herrschen. Wir sind die Herde seiner Weide, die er zu stillen Wassern führt. Er leitet uns auf ebener Straße um seines Namens willen. Wir trinken von dem Segensstrom des Heiligen Geistes, der aus dem Heiligtum zu uns geflossen ist. Wir sind der Hand des Starken entrissen worden, der Hand des Satans. Unsere Trauer hat sich in Freude verwandelt. Jung und Alt sind eins im Herrn, Mann und Frau, Jude und Grieche, Sklave und Freier, Armer und Reicher. Wir alle sind Priester, deren Seelen von der Güte des Herrn und der Fettigkeit seines Wortes erfüllt sind. Wir sind in die Sabbatruhe des Heiligen Geistes eingegangen.

Somit ist es wohl nicht ganz unwahrscheinlich, dass diese Stelle uns einiges über die Versammlung des lebendigen Gottes zu sagen hat, über die Gemeinde des Herrn Jesus Christus. Alle diese Dinge sind heute schon geistlich eingeführt (inauguriert) durch das Werk des Herrn. Bei seiner Wiederkunft werden sie in völliger Herrlichkeit der neuen Schöpfung auf ewig sichtbar geoffenbart werden.

In Vers 15 finden wir das bekannte Wort, welches der Herr selbst in Mt 2,17-18 ausspricht und sagt, dass es dort durch den Kindermord in Bethlehem erfüllt wurde. Die zugrunde liegende geistliche Bedeutung dieses Wortes des Herrn ist einerseits tragisch für Israel. Zugleich ist sie aber auch wunderbar, und dies nicht nur für Israel, sondern für alle Nationen der Welt. Wir möchten daher versuchen, den Gedanken des Herrn ein wenig zu folgen, indem wir den Vers etwas näher unter die Lupe nehmen.

Im Kontext Jeremias bezieht sich Vers 15 auf die Klage über die Verschleppung des Volkes in die Gefangenschaft. Die Klage wird mit dem Namen Rahels in Verbindung gebracht. Im nächsten Vers beginnt dann unmittelbar eine Verheißung über die Vernichtung aller Feinde sowie die Rückkehr und die Wiederherstellung des verschleppten Volkes Israel in der Zukunft. Das historische Bild findet sich in 1. Mose in der Geschichte Jakobs und Rahels, die geistliche Erfüllung von Vers 15 liegt im Neuen Testament. Was bedeutet dies nun?

In 1. Mose ist Rahel die Mutter von Joseph und Benjamin. Beide Brüder sind Bilder für den Herrn Jesus Christus. Joseph symbolisiert in seinem Leben den Dienst des Herrn, zunächst in seiner Verwerfung durch seine Brüder in Israel und in seinem scheinbaren Tod in den Augen der Familie Jakobs. Joseph ist aber nicht gestorben, sondern er ist durch seinen Dienst in Ägypten zum Herrscher des gesamten ägyptischen Weltreiches geworden, dem nur noch der Pharao voransteht. Joseph ist der große Retter ganz Ägyptens und auch Israels geworden, denn seine eigenen Brüder dürfen am Ende in Buße und Versöhnung in den Segen eintreten. Der Herr Jesus Christus bietet in der Auferstehung das Heil seinem eigenen irdischen Volk Israel ebenso an wie den Menschen aus allen Nationen. Jeder soll in den Segen eintreten.

Die Symbolik bezüglich Benjamins liegt hauptsächlich in der Bedeutung seines Namens: Benjamin bedeutet: „Sohn der rechten Hand“. Dieser Name ist ein Schattenbild dafür, dass der Herr Jesus Christus nach seiner Auferstehung in den Himmel aufgefahren ist und sich dort zur rechten Hand des Vaters auf den Thron gesetzt hat. Ihm ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden, und er baut sein ewiges Reich durch die Verkündigung des Evangeliums mit der Einsammlung der Gläubigen aus allen Nationen. Das Heil ist aus den Juden, und es geht von dort hinaus über die ganze Erde.

In 1. Mose befindet Jakob sich mit allen seinen bereits geborenen elf Söhnen auf dem Weg aus der Fremde zurück in das verheißene Land. In Kapitel 32 hat er in Pniel seine persönliche Begegnung mit dem Engel des Herrn. Zwar wird ihm die Hüfte ausgerenkt, aber er erkennt in diesem Augenblick das Angesicht des Herrn und wird ein wahrer Gläubiger. Er ist jetzt nicht mehr „Jakob, der Fersenhalter“, sondern „Israel, der Fürst Gottes“. Die Söhne, die bei ihm sind, werden die Stammväter des alttestamentlichen Volkes Gottes, der irdischen Nation Israel sein. Israel wandelt von nun an nicht mehr in der Kraft seines eigenen Fleisches, sondern in der Kraft des Glaubens. Er vertraut auf Gott und seine Wege.

In dieser Situation gebiert Rahel auf dem Weg nach Bethlehem den Sohn Benjamin. Der „Sohn der rechten Hand“ ist nun zur Welt gekommen, und seine Mutter hat kurz nach seiner Geburt ihr Leben verloren. Sie hat Bethlehem, das „Haus des Brotes“ in ihrem Leben nicht mehr ganz erreicht. Etwa 1750 Jahre später wird in Bethlehem der Herr Jesus Christus geboren, der wahre Sohn der rechten Hand des Vaters. Auch er ist nun in der Welt, und er hat sehr wohl Bethlehem im Leib seiner Mutter erreicht. Er selbst ist das Brot vom Himmel, und er kommt zu seinem Volk durch das „Haus des Brotes“ hindurch. Kurz nach seiner Geburt versucht der Satan, ihn durch die Hand des Edomiters (Idumäers) Herodes zu töten, und es werden alle kleinen Jungen in Bethlehem ermordet. Rahel beweint ihre Kinder (Mt 2,17-18).

Der große Sohn der rechten Hand wird zunächst in seinem Dienst von der Nation und ihren Anführern abgelehnt. Er wird gekreuzigt und steht am dritten Tag wieder auf aus den Toten. Er geht zurück in den Himmel und setzt sich zur rechten Hand des Vaters auf den Thron. Kurz nach seiner Himmelfahrt sendet er an Pfingsten den Heiligen Geist auf die Erde und die Gemeinde des neuen Bundes wird gegründet. Die Gemeinde des Sohnes der rechten Hand ist geboren und das ewige Reich ist gegründet. Vierzig Jahre später verliert Rahel, in diesem Bild die alte Nation Israel, ihr Leben in der Katastrophe der römischen Zerstörung des Jahres 70 n.Chr. Das Evangelium geht durch die Apostel und die Urgemeinde in Israel Schritt für Schritt hinaus bis zu den Enden der Erde. Der Sohn auf dem Thron zur rechten Hand des Vaters ist nun der große Heiland und Retter für das irdische Israel und für alle Nationen bis an die Enden der Erde. Wie groß, wie wunderbar und unergründlich sind doch die Wege Gottes!

Die Verse 16-21 sind wohl hauptsächlich auf die tatsächliche Rückkehr des damaligen Volkes aus der babylonischen Gefangenschaft zu deuten. Sie haben die Züchtigung angenommen und sind zu echter Reue gekommen. Sie schämen sich und tragen ihre Schmach. Gottes Herz entbrennt neu und er erbarmt sich. Sie bekommen Wegweisung für ihre Rückkehr. In geistlicher Deutung können wir diese Dinge natürlich auch auf die Umkehr des reuigen Sünders zum Herrn verstehen. In Vers 22 wird die Frau Israel nach der Rückkehr den Mann umgeben. Neutestamentlich erkennen wir hier die Gemeinde, die den Herrn umgibt und ihm dankbar dient. Es folgt in den Versen 23-25 wieder eine schöne Szene über das Leben im wiederbewohnten Land.

In Vers 26 wacht Jeremia aus seinem Schlaf auf, denn die Vision war ein Traumbild, welches Gott ihm gegeben hat. Noch einmal sieht er in den Versen 27-28 das Bild der Wiederherstellung. In jenen Tagen, über welche die Verse 29-30 reden, wird nicht mehr das Volk als ganzes die Wege Gottes lernen müssen, sondern jeder einzelne Mensch wird selbst für seine eigenen Sünden Verantwortung tragen müssen. „Jene Tage“ sind natürlich wieder die Tage des Messias. Jeder Mensch steht dann alleine als Sünder vor Gott und muss gläubig zu dem Herrn umkehren, wenn er Vergebung empfangen und gerettet werden möchte. Aus rein menschlicher Sicht war dies unter dem alten Bund schwierig, denn es gab sowohl eine Schuld des Einzelnen als auch eine Kollektivschuld des ganzen Volkes. Gott wird aber einmal einen neuen Bund mit Israel schließen, und darüber reden die nun folgenden Verse.

In Vers 31 wird dieser Bund mit dem Haus Israel und mit Juda geschlossen werden, also zu einem Zeitpunkt, wenn die Nation wieder eine Einheit sein wird. Als die Babylonier besiegt wurden, kamen die Juden aus Babylon zurück und aus allen anderen Nationen, in welche Gott sie vertrieben hatte. Der Überrest aus allen Nationen sammelte sich wieder, und das Volk wuchs im Land wieder heran. Zur Zeit der Evangelien gab es in Israel wieder Menschen aus allen 12 Stämmen, denn es hatte schon in früherer Zeit, unter anderem bereits kurz nach der Teilung des Reiches unter Rehabeam eine umfangreiche Vermischung stattgefunden.

2Chr 11,13-16: „Auch die Priester und Leviten aus ganz Israel und aus allen ihren Gebieten stellten sich bei ihm ein.
14 Denn die Leviten verließen ihre Bezirke und ihr Besitztum und kamen nach Juda und Jerusalem. Jerobeam und seine Söhne hatten sie nämlich aus dem Priesterdienst für den HERRN verstoßen;
15 er hatte aber für sich selbst Priester eingesetzt für die Höhen und für die Böcke und Kälber, welche er machen ließ.
16 Jenen [Leviten] aber folgten aus allen Stämmen Israels die, denen es am Herzen lag, den HERRN, den Gott Israels, zu suchen; diese kamen nach Jerusalem, um dem HERRN, dem Gott ihrer Väter, zu opfern.“

Luk 2,36: „Und da war auch Hanna, eine Prophetin, die Tochter Phanuels, aus dem Stamm Asser, die war hochbetagt und hatte nach ihrer Jungfrauschaft mit ihrem Mann sieben Jahre gelebt;“

 

Als der Herr kam, war die Zeit erfüllt. Der Herr redete beim letzten Passahmahl im Obersaal in Jerusalem mit seinen Jüngern und sprach unmissverständliche Worte:

Luk 22,20: „Desgleichen [nahm er] auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.“

 

Am folgenden Morgen zur dritten Stunde wurde der Herr gekreuzigt. Von der sechsten bis zur neunten Stunde kam eine Finsternis über das ganze Land, und der Herr übernahm in der Dunkelheit des Gerichtes Gottes die Bundesverpflichtung für die Sünden seines Volkes, das er sammeln würde. Zur neunten Stunde gab der Herr den Geist in die Hände des Vaters. Ein römischer Soldat durchbohrte mit einer Lanze die Seite des bereits gestorbenen Herrn, und es floss Blut und Wasser heraus. Das Blut des neuen und ewigen Bundes!

Nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt sandte der Herr am Pfingsttag den Heiligen Geist zur Erde, welcher Wohnung in den Aposteln und den übrigen Gläubigen der Urgemeinde nahm. Der neue Bund wurde mit Israel und Juda bestätigt und durch den Heiligen Geist versiegelt. Durch die Evangeliumsverkündigung der ersten Christen wurde der neue Bund nun zunächst den Juden in Israel angeboten. Hunderttausende Juden wurden während der folgenden 40 Jahre gläubig an den Messias Jesus Christus und traten in den Bund ein. Das Wort sollte jedoch nicht nur in Israel bleiben, sondern von Israel ausgehend auch zu allen Nationen kommen.

Jes 49,5-6: „Und nun spricht der HERR, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht gebildet hat, um Jakob zu ihm zurückzubringen – Israel aber wurde nicht gesammelt, und doch wurde ich geehrt in den Augen des HERRN, und mein Gott war meine Stärke –,
6 ja, er spricht: »Es ist zu gering, dass du mein Knecht bist, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten aus Israel wiederzubringen; sondern ich habe dich auch zum Licht für die Heiden gesetzt, damit du mein Heil seist bis an das Ende der Erde!«“

 

So geschah es. Bis in unsere Tage kommen noch immer Menschen aus allen Nationen von den Enden der Erde zum Glauben und treten als Teilhaber der geistlichen Segnungen des Bundes in das Reich Gottes ein. Der Bund wurde mit Israel geschlossen und ging von Jerusalem hinaus, aber eine unzählige Menge aus allen Nationen wurde ebenfalls mit hineingenommen. So geht es noch immer weiter bis der Herr wiederkommt.

Die Verse 31-34 unseres Kapitels zeigen uns nun die grundlegenden geistlichen Segnungen dieses Bundes. Das Gesetz muss nicht mehr auf Steintafeln in einer Bundeslade aufbewahrt werden, sondern es ist im Innersten des Herzens der Gläubigen (Vers 33), so wie es auch im innersten Herzen des Herrn selbst war, als er auf der Erde wandelte und seinem Vater in Vollkommenheit diente. Das Volk gehört dem Herrn, und der Herr gehört dem Volk (Vers 33). Wir sind in Christus, und Christus ist in uns. Jedes Kind Gottes erkennt den Herrn, und zwar vom kleinsten bis zum größten (Vers 34). Der Herr hat ihnen alle Missetaten vergeben. Das ist es! Vergebung der Sünden und ewiges Leben, denn das ist ja die Erkenntnis des Herrn.

Joh 17,3: „Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.“

 

Die Verse 35-37 bringen eine abschließende machtvolle Bestätigung des Wortes des Herrn. Das Kommen des neuen und ewigen Bundes und sein Bestand sind genau so sicher wie die Ordnungen des Himmels. Kein Mensch wird sie jemals antasten können. Die Verse 38-40 bringen noch einmal einen Blick auf die wiederhergestellte Stadt und das Land. Es werden geographische und topographische Begriffe genannt, welche aus Jerusalem bekannt waren. Dies deutet in erster Linie natürlich auf den Wiederaufbau der Stadt nach der Gefangenschaft hin. Allerdings bringt uns Vers 40 die Information, dass die wiedererbaute Stadt ewig bestehen wird. Noch einmal: sie wird nicht 1000 Jahre bestehen, sondern ewig.

Dies führt uns dazu, über die materielle Deutung hinaus an den Bau der ewigen Stadt Gottes zu denken, welche die Gemeinde ist. Wie wir bereits in den einleitenden Worten gesagt haben, ist es hier sehr gut möglich, dass Gott über eine verherrlichte und ewige Stadt auf der neuen und ewigen Erde redet, welche die Wesenszüge Jerusalems in mächtiger und verherrlichter Form für ewig tragen wird. Diese Stadt könnte von gewaltiger Größe sein, denn die Millionen von Erlösten Gottes würden für immer und ewig durch ihre Tore ein- und ausgehen. Herr Jesus Christus, wir loben Dich, wir preisen Dich, wir beten Dich an und in Deinem Namen den ewigen allmächtigen, gütigen und liebenden Vater im Himmel! Halleluja!

 

 

Kapitel 32

Jeremia befindet sich hier im zehnten Jahr Zedekias im Gefängnishof. Er wird nicht mehr freikommen, bis die Stadt gefallen ist. Zedekia hat ihn einsperren lassen, weil Jeremia unbeeindruckt weiter den Untergang der Stadt und Zedekias Gefangennahme geweissagt hat (Verse 1-5).

In den Versen 6-7 sieht Jeremia, dass in Kürze sein Cousin Hanamel zu ihm kommen wird um ihm den Kauf eines Feldes bei Anatot anzubieten, und kündigt dem König dies an. Kurz darauf erscheint Hanamel tatsächlich, und der Kauf wird vollzogen für 17 Schekel Silber. Jeremia versiegelt vor Zeugen, nämlich vor allen Juden, die mit ihm zusammen im Gefängnishof sitzen, den Kaufbrief und fertigt eine offene Kopie dazu. Beides gibt er dem Schreiber Baruch. Baruch muss beide Briefe in ein Tongefäß legen, damit sie lange erhalten bleiben. Die Erklärung kommt in Vers 15: Es werden im Land Israel wieder Häuser und Felder und Weinberge gekauft werden. Es wird eine Wiederherstellung geben! Alle Zeugen im Gefängnishof hören es mit!

Dann betet der Prophet zum Herrn. Der allmächtige, gnädige und ebenso gerechte Herr vermag alles, nichts ist ihm unmöglich. Er vergilt jedem nach seinen Taten. Er hat mit Macht das Volk aus Ägypten herausgeführt und sich auf ewig einen Namen gemacht. Er hat das Volk in das Land von Milch und Honig geführt. Aber sie waren ihm ungehorsam und vergaßen das Gesetz. Nun reichen die Belagerungswälle der Babylonier bis an die Stadt, und die Pest hat Jerusalem befallen. Die Stadt wird eingenommen werden. Trotz alledem muss Jeremia ein Grundstück kaufen!

Gott antwortet ab Vers 26. Die Stadt wird in die Hand der Chaldäer gegeben, und sie werden sie verbrennen. Die Bewohner haben den Herrn immer und immer wieder nur zum Zorn gereizt wegen all ihrer Bosheit. Sie haben Gott den Rücken zugewandt und den Götzen gedient in Häusern und auf den Höhen des Baal.

Trotzdem ist dem Herrn nichts unmöglich. Ab Vers 37 redet der Herr über die Wiederherstellung. Er wird sie aus allen Ländern sammeln und zurückbringen. Vers 38 erinnert wieder an 31,33 und 30,22. Auch hier finden wir somit einen Hinweis darauf, dass die tatsächliche Wiederherstellung nur eine Vorerfüllung der geistlichen Wiederherstellung des Volkes im neuen Bund sein wird. Die Verse 39-40 bestätigen diesen Gedanken, indem der Herr den ewigen Bund ausdrücklich erwähnt. In Vers 41 hat der Herr herzliche Freude an der Wiederherstellung. Verse 42-44: So wie das ganze Unheil kommen wird, so werden auch bei der Wiederkehr Felder gekauft werden, und zwar nicht nur in der Stadt, sondern im ganzen Land!

 

 

Kapitel 33

Jeremia erhält nun ein weiteres Wort über große und unbegreifliche Dinge (Vers 3), während er noch immer im Gefängnishof sitzt. Die Bewohner haben die Häuser der Stadt abgerissen, um in der Belagerung die Babylonier mit Steinen zu bewerfen und abzuwehren. Die Stadt wird am Ende eingenommen und mit Leichen gefüllt werden. Trotz allem wird es in den Versen 6-7 einen Wiederaufbau geben wie am Anfang.

In Vers 8 werden alle Missetaten vergeben, was natürlich nur durch das Werk des Herrn Jesus geschehen kann und auch geschehen wird. Danach wird Jerusalem, nämlich das neue Jerusalem, die Gemeinde, dem alle Sünden vergeben sind, zum Freudenschmuck des Herrn werden auf der ganzen Erde (Vers 9). Vers 10 redet wieder etwas mehr über die erste Wiederherstellung nach der Gefangenschaft, während Vers 11 deutliche Anklänge an das Gemeindezeitalter und an die Ewigkeit bringt: Der Herr ist freundlich, und seine Gnade (seine Bundestreue) währt ewiglich. Nicht nur für 1000 Jahre, sondern für immer.

Vers 12 kehrt wieder zur sichtbaren Wiederherstellung der näheren Zukunft zurück. Die Hirten werden in Vers 13 zurückkehren und Vieh in großer Menge haben. Dies lässt uns natürlich auch an den guten Hirten und seine Herde denken. Vers 14 bringt uns diesen gerechten Spross aus dem Haus Davids, welcher der Hirte ist: den Herrn Jesus. In seinen Tagen wird Jerusalem (nämlich das neue Jerusalem, die Gemeinde) sicher wohnen, zunächst in geistlicher Hinsicht, in der Ewigkeit auch verherrlicht in leiblicher Hinsicht. Die Stadt wird in Vers 16 heißen: Der Herr unsere Gerechtigkeit (siehe hierzu auch 23,6).

In Vers 17 wird für immer ein Mann aus dem Haus Davids auf dem Thron des Hauses Israel sitzen. Es ist der Herr, der kommen wird und den Thron Davids besteigen wird. Die folgenden Verse reden somit nicht über die Wiederherstellung nach der babylonischen Gefangenschaft, denn während dieser Zeit gab es in Israel keinen König mehr. Der Sohn Davids in Vers 21 ist der Herr Jesus Christus auf dem Thron Davids, so wie er jetzt im Himmel thront (siehe unseren Text: „Gottes Herrschaft und sein Thron“ unter www.DieLetzteStunde.de), die Leviten und Priester sind die Gläubigen des neuen Bundes, welche sich in dieser Stellung vor dem Herrn befinden. Vers 22 erinnert ebenso wie Vers 25 wieder an 31,37 und bestätigt somit diesen Gedanken. Vers 26 bringt einen deutlichen Hinweis auf den Samen Abrahams, Isaaks und Jakobs, den wir alle kennen:

1Mo 22,17-18: „Darum will ich dich reichlich segnen und deinen Samen mächtig mehren, wie die Sterne am Himmel und wie den Sand am Ufer des Meeres; und dein Same soll das Tor seiner Feinde in Besitz nehmen,
18 und in deinem Samen sollen alle Völker der Erde gesegnet werden, weil du meiner Stimme gehorsam warst!“

Gal 3,16: „Nun aber sind die Verheißungen dem Abraham und seinem Samen zugesprochen worden. Es heißt nicht: »und den Samen«, als von vielen, sondern als von einem: »und deinem Samen«, und dieser ist Christus.“

 

 

Kapitel 34

Hier kommt zunächst in den Versen 1-7 wieder eine Botschaft an Zedekia, welche ihn über sein persönliches Ende belehrt. Das Wort kam zu der Zeit, als Nebukadnezar gegen Lachis und Aseka kämpfte, bevor er den letzten Angriff auf Jerusalem begann. „Höre, Zedekia: Deine Stadt wird verbrannt, und du wirst nicht entfliehen. Du wirst aber nicht durch das Schwert umkommen, sondern nach Babylon gehen und dort eines natürlichen Todes sterben. Man wird auch dir wie den Königen vor dir ein Begräbnis geben, ein Feuer anzünden und über dich klagen.“ Zedekia wusste nun genau, wie es mit ihm kommen musste. Die Erfüllung kommt in Kapitel 39 und wird in Kapitel 52 noch einmal rekapituliert.

In Vers 8 hat Zedekia mit dem Volk einen Bund gemacht und eine Freilassung aller Sklaven angeordnet. Das Volk tritt in diesen Bund ein und entlässt die Sklaven. Kurz darauf reut es sie jedoch, und sie nehmen ihre Sklaven wieder zurück. Sie sind nun einmal ein ungehorsames und bundesbrüchiges Volk in jeder Hinsicht. Bei ihnen ist Hopfen und Malz verloren, und sie stellen es immer wieder unter Beweis. Mit dem Bund Zedekias haben sie auch das Gesetz vom Sinai gebrochen, denn dort wird die Freilassung der hebräischen Sklaven nach dem Ende ihres Dienstes angeordnet:

2Mo 21,2: „Wenn du einen hebräischen Sklaven kaufst, soll er sechs Jahre lang dienen, und im siebten soll er unentgeltlich freigelassen werden.“

 

Sie wissen überhaupt nichts mehr von den Gedanken Gottes. Sogar unter den Bedingungen der Belagerung Nebukadnezars wollen sie noch immer nicht von ihren alltäglichen Zwängen ablassen und die Menschen einfach in Ruhe lassen. Nun ruft der Herr eine Freilassung aus, aber nicht für das Volk, sondern gegen es. Er lässt das Schwert, die Pest und den Hunger auf sie los. Hier sehen wir genau das was Gott zu allen Zeiten getan hat, um die Menschheit zu züchtigen, und wir erkennen, dass diese Dinge als Siegel in der Offenbarung unter den Siegeln mit den apokalyptischen Reitern noch immer gegenwärtig sind in der Welt, bis der Herr kommt.

Off 6,3-8: „Und als es das zweite Siegel öffnete, hörte ich das zweite lebendige Wesen sagen: Komm und sieh!
4 Und es zog ein anderes Pferd aus, das war feuerrot, und dem, der darauf saß, ihm wurde gegeben, den Frieden von der Erde zu nehmen, damit sie einander hinschlachten sollten; und es wurde ihm ein großes Schwert gegeben.
5 Und als es das dritte Siegel öffnete, hörte ich das dritte lebendige Wesen sagen: Komm und sieh! Und ich sah, und siehe, ein schwarzes Pferd, und der darauf saß, hatte eine Waage in seiner Hand.
6 Und ich hörte eine Stimme inmitten der vier lebendigen Wesen, die sprach: Ein Maß Weizen für einen Denar, und drei Maß Gerste für einen Denar; doch das Öl und den Wein schädige nicht!
7 Und als es das vierte Siegel öffnete, hörte ich die Stimme des vierten lebendigen Wesens sagen: Komm und sieh!
8 Und ich sah, und siehe, ein fahles Pferd, und der darauf saß, dessen Name ist »der Tod«; und das Totenreich folgt ihm nach. Und ihnen wurde Vollmacht gegeben über den vierten Teil der Erde, zu töten mit dem Schwert und mit Hunger und mit Pest und durch die wilden Tiere der Erde.“

 

Das Kapitel schließt ab mit der letzten Bestätigung Gottes an Zedekia und alle seine Fürsten, dass sie in die Hand des Königs von Babel gegeben werden, obwohl Nebukadnezar gerade zu diesem Zeitpunkt aus taktischen Gründen für kurze Zeit von der Stadt abgerückt ist. Er wird wiederkommen, und dann wird es aus sein.

Kennen wir das nicht auch von uns etwas Ähnliches? Wenn alles gut läuft, stehen wir in der Gefahr, den Herrn nicht mehr so sehr zu suchen. Er muss dann Umstände in unser Leben bringen, welche uns wieder zurück in seine Nähe treiben. Werden wir dort auch bleiben, wenn die Umstände sich wieder bessern, oder werden wir erneut weggehen? Was für schwache Geschöpfe wir doch sind. Was für eine Gnade der Herr uns doch gegeben hat, indem er uns nicht aufgrund unserer armseligen Werke errettet hat, sondern wegen seiner Liebe und Gnade!

 

 

Kapitel 35

Hier wird die Treue der Rechabiter der Untreue Judas gegenübergestellt. Die Rechabiter waren die Nachkommen Jonadabs, des Sohnes Rechabs, eines Keniters (2Kö 10,15). Die Keniter selbst stammten von Hammat, dem Vater des Hauses Rechab ab (1Chr 2,55). Einige haben auch vermutet, dass die Keniter von Kain abstammten (4Mo 24,21-22). Jeremia erhält jedenfalls von Gott den Auftrag, die Rechabiter in eine Kammer des Hauses des Herrn einzuladen und ihnen Wein zu trinken zu geben. Jeremia führt den Auftrag aus und bringt die Rechabiter zum Haus des Herrn.

Sie trinken aber keinen Wein (Vers 6). Sie folgen in schlichtem Gehorsam dem Gebot ihres Stammvaters Jonadab, des Sohnes Rechabs. Dieser hatte ihnen verschiedene Dinge verboten: Sie sollten keinen Wein trinken, keine festen Häuser bauen, keine Weinberge anlegen, keine Felder und Äcker bestellen. Sie blieben deshalb einfache Zeltnomaden. Erst als Nebukadnezar näher heranrückte, gingen sie in die Stadt Jerusalem, um dort zu bleiben. Sie begründen ihre Entscheidung nicht mehr weiter. Ihre Lebenshaltung ist einfach schlichter Gehorsam.

Jeremia sagt zu dem Volk, dass sie sich diese Leute zum Vorbild nehmen sollten. Sie gehorchten den Anweisungen ihres Vaters, der doch nur ein einfacher Mensch war. Juda und Jerusalem haben jedoch dem Gebot ihres Herrn, der der allmächtige Gott ist, nicht gehorcht. Deshalb wird das Unheil über sie kommen. Für die Rechabiter hat Jeremia hingegen das Wort, dass ihre Familie nicht ausgerottet werden wird, und dass einer ihrer Nachkommen immer vor dem Herrn stehen wird. Soviel zum Thema einfacher Gehorsam. Auch wir müssen nicht immer alles verstehen, was unser Vater tut. Wenn wir ihm aber trotzdem in allem gehorsam bleiben, dann werden wir großen Segen empfangen.

 

 

Kapitel 36

Wir befinden uns im vierten Jahr Jojakims. Jeremia erhält von Gott den Auftrag, alle seine Prophetenworte von Anfang an seit der Zeit Josias in ein Buch zu schreiben und dem Volk vorzulesen. Der Schreiber Baruch führt diese Arbeit gemäß Jeremias Diktat aus. Dann geht Baruch auf Geheiß Jeremias immer wieder in das Haus des Herrn und liest das Geschriebene vor den Ohren des Volkes öffentlich vor. Dies wird wohl regelmäßig geschehen sein für eine Zeit von etwa einem Jahr, denn wir sehen Baruch in Vers 9 bereits im fünften Jahr Jojakims.

Hier hört nun Michaja der Sohn Gemarjas des Sohns Schaphans die Lesung und wird hellhörig. Baruch wird in eine Kammer mit allen Fürsten geführt und liest ihnen die Worte vor. Er sagt ihnen auch, dass es Jeremias Worte sind. Die Fürsten sind bestürzt und wollen alles dem König vorlesen, denn offensichtlich sehen sie die Notwendigkeit einer Umkehr. Da sie jedoch ihren König gut genug kennen, fordern sie zunächst Baruch auf, sich zusammen mit Jeremia zu verbergen.

Jojakim lässt sich die Rolle vorlesen. Er ist völlig unbeeindruckt von dem Inhalt, ebenso auch seine Knechte. Er zerschneidet das Vorgelesene in Stücke und wirft es ins Feuer. Dann befiehlt er Baruch und Jeremia festzunehmen. Sie können jedoch nicht gefunden werden.

Jeremia bekommt in seinem Versteck von Gott den Auftrag, die gesamte Rolle neu zu verfassen. Danach bekommt er ein Wort über Joakim. Der König hat die Rolle verbrannt, weil darin stand, dass Nebukadnezar kommen und das Land verwüsten würde. Dadurch kann er jedoch das Wort Gottes nicht unwirksam machen. Es wird genauso kommen wie es gesagt wurde. Jojakim selbst wird keinen Thronfolger haben. Er wird sterben und nicht begraben werden, sondern auf das freie Feld geworfen werden. Danach nimmt Jeremia eine andere Rolle, und Baruch schreibt erneut die diktierten Prophetenworte auf. Die zweite Rolle wird sogar noch umfangreicher als die erste, denn es werden noch viele andere Worte hinzugefügt.

Wie oft in der Geschichte haben gottlose Herrscher versucht, die Heilige Schrift auszumerzen und zu vernichten. Von der Erfindung des Buchdrucks bis in das 20. Jahrhundert hinein ging dies immer weiter. Die Kommunisten haben es ebenso getan wie die Nazis. Es fanden öffentliche Bücherverbrennungen statt, und ganz oben auf der schwarzen Liste stand die Bibel.

Dies ist klar und deutlich ein antichristliches Prinzip. Dort wo ein Mensch sich selbst zum Gott erklärt hat und sich entsprechend verehren lässt, ist natürlich kein Platz mehr für das Wort des wahren Gottes. Alle diese Diktatoren mussten jedoch immer wieder dieselbe Erfahrung machen: Zuerst brannten die Bibeln, dann brannten ihre eigenen Reiche, dann starben sie selbst den Tod der Gottlosen. Gott hat immer den längeren Atem, in unserer Zeit und in der Ewigkeit. In der neuen Schöpfung wird von seinen Feinden keine Rede mehr sein.

 

 

Kapitel 37

Wir befinden uns hier etwa in der Mitte der Königsherrschaft Zedekias, Nebukadnezar hat etwa 5-7 Jahre zuvor zum zweiten Mal (nach dem ersten Mal im dritten Jahr Jojakims) vor Jerusalem gestanden und Jekonja zusammen mit etwa 10.000 Menschen nach Babylon geführt. Zedekia wurde von ihm eingesetzt. Nun ist das Heer des Pharao Hophra wieder aus Ägypten aufgebrochen, und Nebukadnezar zieht sich aus taktischen Gründen von Jerusalem zurück, um sich für eine weitere Offensive neu zu formieren.

Auch Zedekia hört nicht auf Jeremia. Er missdeutet den taktischen Rückzug Nebukadnezars als Kapitulation und spielt mit dem Gedanken, sich mit den Ägyptern gegen Babylon zu verbinden, gegen diejenige Macht, die ihn selbst zum König eingesetzt hat. Welch eine Dummheit! Er sendet zu dem noch nicht gefangen gesetzten Jeremia und fragt ihn um eine Fürbitte. Jeremia soll gewissermaßen die törichten Pläne des Königs absegnen.

Zedekia bekommt jedoch eine ganz andere Antwort von Jeremia als die erhoffte. Verse 7-10: Das Heer des Pharao wird wieder nach Hause ziehen (nämlich von Nebukadnezar nach Hause gejagt werden, aber das sagt der Prophet nicht). Die Babylonier werden wiederkommen und die Stadt verbrennen. Egal ob es viele oder nur sehr wenige sein werden, das Gericht wird vollzogen. Die Erfüllung begann mit der letzten Belagerung der Stadt im neunten Jahr Zedekias.

Einige Zeit nach diesem Vorfall, vermutlich etwa 1-2 Jahre vor dem Beginn der letzten Belagerung, will Jeremia einen Besitzanteil in Benjamin übernehmen, als er im Tor Benjamin in Jerusalem von dem Wächter Jerija verhaftet und in das Gefängnis im Haus des Schreibers Jonathan in die unteren Gewölbe eingeschlossen wird. Dort muss er für lange Zeit bleiben und fast sterben.

Dann lässt Zedekia ihn erneut holen, vermutlich nach dem Beginn der letzten Belagerung der Stadt, und fragt ihn wieder nach einem Wort. Jeremia bleibt trotz seines tiefen Elends unerschütterlich und kündigt dem König seine Gefangennahme und Verschleppung nach Babel an. Zedekia erkennt nun, dass diesem Mann Jeremia die Wahrheit Gottes wichtiger ist als alles andere. Wo sind nun die falschen Propheten, die das Gute geweissagt haben? Zedekia gewinnt Respekt vor Jeremia und begnadigt ihn auf seine Bitte hin zu einer Hafterleichterung. Jeremia kommt in den Gefängnishof des Palastes und darf nun zumindest wieder das Tageslicht sehen. Außerdem bekommt er sein tägliches Brot.

 

 

Kapitel 38

Die Hafterleichterung bedeutet allerdings nicht das Ende des Prophetendienstes Jeremias. Er muss weiter reden, denn Gott möchte den ungehorsamen Menschen in der Stadt die Wahrheit weiter in ihre tauben Ohren sagen lassen. Jeremia muss ihnen zurufen, dass jeder der zu den Chaldäern hinausgeht, überleben wird. Schephatja und Gedalja hören das. Sie fordern vom König die Tötung Jeremias, der in ihren Augen die Kampfmoral der Verteidiger der Stadt schwächt. Sie glauben noch immer, eine Chance gegen die Babylonier zu haben. Zedekia lässt ihnen freie Hand, und sie werfen Jeremia in eine tiefe Schlammzisterne. Dies wird jedoch von dem Kuschiten Ebed-Melech (Diener Molechs) gesehen. Er geht zu Zedekia und bekommt die Erlaubnis, den Propheten zu retten. Wie windelweich ist doch dieser König. Er ändert seine Entschlüsse im Minutentakt! Jeremia wird aus der Zisterne befreit und kommt zurück in den Gefängnishof.

Erneut befragt ihn Zedekia, und dieses Mal heimlich. Jeremia gibt ihm den eindeutigen Rat, sich zu ergeben. Er wird dadurch sein eigenes Leben und das Leben vieler Menschen in der Stadt retten. Zedekia kann aber nicht mehr klar denken. Er fürchtet sogar von den Juden misshandelt zu werden, welche schon zu den Babyloniern übergelaufen sind. Jeremia sagt ihm nochmals klar und deutlich, dass er dies nicht zu befürchten braucht. Wenn er jedoch nicht hinausgeht, dann wird er zusammen mit allen seinen Frauen und Kindern weggeschleppt werden. Die Stadt wird verbannt werden. Zedekia ist unfähig zu einer Entscheidung. Er hat Angst vor seinen eigenen Fürsten! Jeremia muss zurück in den Gefängnishof, und er wird dort bleiben bis zum Untergang der Stadt.

 

 

Kapitel 39

Die Verse 1-10 reden nach dem Ende aller Warnungen in nüchternen Worten über die Eroberung der Stadt und die Wegführung des Königs Zedekia. Parallelstellen: Jer 52,1-27; 2Kö 25,1-21; 2Chr 36,13-21. Welch eine tragische Figur ist Zedekia. Er ist der König Israels. Er hat sich geweigert, dem Wort des Herrn aus dem Mund Jeremias zu gehorchen. Er versucht sogar im letzten Moment noch heimlich zu fliehen. Er verliert sein Königtum, seine Kinder, sein Augenlicht, seine Heimat und sein Leben. Sein Ungehorsam bringt auch den Einwohnern der Stadt Jerusalem den Tod durch die Babylonier. Wir lesen hierzu ein Wort aus dem Mund des Propheten Hesekiel für die Israeliten in Babylon, welcher während der letzten sieben Jahre der Herrschaft Zedekias über Jerusalem seinen Dienst tat:

Hes 21,30-32: „Was aber dich betrifft, du entweihter Gesetzloser, du Fürst Israels, dessen Tag kommt zur Zeit der Sünde des Endes,
31 so spricht GOTT, der Herr: Fort mit dem Kopfbund, herunter mit der Krone! So wird es nicht bleiben: Das Niedrige soll erhöht, und das Hohe soll erniedrigt werden!
32 Zunichte, zunichte, zunichte will ich sie machen; auch dies soll nicht so bleiben, bis der kommt, dem das Anrecht zusteht, dem werde ich sie geben!“

 

Die Krone wird nun aus der Hand der Söhne Davids genommen, und sie wird in der Zukunft dem gegeben werden, dem das Anrecht zusteht. Er wird der wahre König der Juden sein, der Herr Jesus Christus. Er wird jedem Wort des Vaters vollkommen gehorsam sein in seinem ganzen Leben auf der Erde. Er wird durch Leiden zur Herrlichkeit gehen. Er wird nicht vor dem Feind fliehen, sondern sich seinen Mördern freiwillig stellen, weil der Vater es so will. Er wird nach seinem Tod und seiner Auferstehung als der ewige König der Könige den himmlischen Thron besteigen. Er lebt ewig und stirbt niemals mehr.

Rö 6,9: „…da wir wissen, dass Christus, aus den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod herrscht nicht mehr über ihn.“

Off 1,18: „… und ich war tot, und siehe, ich lebe von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen! Und ich habe die Schlüssel des Totenreiches und des Todes.“

 

Seine Augen werden niemals geblendet werden, sondern sie sehen und durchdringen alles. Er bereitet in der neuen Schöpfung eine ewige Heimat für die Gläubigen, die er zusammen mit ihnen für immer bewohnen wird. Er wird seine Kinder niemals verlieren, sondern er führt zahllose Söhne und Töchter zur Herrlichkeit. Er bringt seinen Kindern nicht den Tod, sondern das ewige Leben.

Auch wir sind in unserer Zeit als Christen geistlich gesprochen Könige und Priester unter dem Herrn der Herren, dem König der Könige und dem ewigen Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks. Wir stehen vor dem Herrn und vor der Welt, in welcher wir noch zu leben haben, bis der Herr uns abberuft. Es gab früher und gibt auch heute immer wieder Christen, welche aus eigenem Antrieb von den Wegen Gottes in ihrem Leben abweichen und ungehorsam werden. Gott bringt dann Züchtigung in ihr Leben hinein. Bei manchen Gläubigen können diese Dinge sehr weit gehen, sogar bis zum körperlichen Tod.

Auch mit ungehorsamen Kindern Gottes können in geistlicher Hinsicht ähnliche Dinge geschehen wie mit Zedekia in körperlicher Hinsicht. Natürlich werden sie nicht für ewig verloren gehen. Sie können aber großen geistlichen Verlust für Zeit und Ewigkeit erleiden. Sie können in ihrem irdischen Leben geistlich erblinden und die Wege Gottes nicht mehr erkennen. Sie können ihre geistliche Würde vor Gott und ihre äußerliche Würde vor der Welt verlieren. Sie können ihre Herrschaft über die Sünde in der Kraft des Heiligen Geistes verlieren. Sie können ihr Zeugnis verlieren und vielen Menschen nicht mehr den Weg zum Leben weisen. Sie können ihre geistliche Heimat auf dieser Erde einbüßen, indem sie den Kontakt zu anderen Glaubensgeschwistern verlieren. Jeder von uns darf den Herrn darum bitten, uns zu halten und uns davor zu bewahren, auf Abwege zu geraten.

In den Versen 11-14 wird Jeremia auf Befehl Nebukadnezars aus dem Gefängnishof befreit und kommt in die Obhut Gedaljas, des Sohnes Achikams des Sohnes Schaphans. Er wohnt für einige Zeit unter dem Volk. Noch im Gefängnishof hat er ein Wort für seinen Retter Ebed-Melech bekommen (Verse 15-18). Noch während der letzten Tage der Gefangenschaft kann er Ebed-Melech mitteilen, dass dieser den Untergang der Stadt überleben wird. Er wird gewiss entkommen und nicht durch das Schwert fallen.

Auch für uns in heutiger Zeit sind die praktischen und geistlichen Konsequenzen unseres Redens und Handelns nicht immer unmittelbar zu erkennen. Gott sieht jedoch alles und wird die Dinge zur richtigen Zeit offenbar machen. Dies gilt in beiden Richtungen, sowohl für Christen als auch als auch für Nichtchristen. Im gottgemäßen Augenblick wird alles offenbar werden, sei es gut oder böse. Beides wird einmal seine Früchte tragen.

Pred 8,11-12: „Weil der Richterspruch über die böse Tat nicht rasch vollzogen wird, darum ist das Herz der Menschenkinder davon erfüllt, Böses zu tun.
12 Wenn auch ein Sünder hundertmal Böses tut und lange lebt, so weiß ich doch, dass es denen gut gehen wird, die Gott fürchten, die sich scheuen vor seinem Angesicht.“

1Kor 15,58: „Darum, meine geliebten Brüder, seid fest, unerschütterlich, nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist im Herrn!“

Gal 6,7: „Irrt euch nicht: Gott lässt sich nicht spotten! Denn was der Mensch sät, das wird er auch ernten.“

 

 

Kapitel 40

Die nun folgenden Kapitel bis einschließlich Kapitel 44 haben einen fast ausschließlich erzählenden Charakter und können in recht kurzer Form abgehandelt werden. Im Anschluss an diese Kapitelsequenz folgt ein ermahnendes Wort an den Schreiber Baruch in Kapitel 45, welches uns allen Einiges zu sagen hat. Danach folgen die Kapitel über die Nationen, welche in Kapitel 51 mit dem Untergang Babylons abschließen werden. Das gesamte Buch Jeremias schließt dann ab mit einem historischen Anhang in Kapitel 52, welcher in späterer Zeit hinzugefügt wurde. Und nun zum Handlungsablauf unseres Kapitels.

Jeremia muss bis nach Rama in dem Zug der Kriegsgefangenen mitgehen. Dort wird er von seinen Ketten befreit. Die Babylonier erkennen an, dass er ein echter Prophet ist, welcher alles vorhergesagt hat, was geschehen ist. Sie erkennen auch, dass Jeremia nicht ihr Feind ist sondern anerkennt, dass sie die Zuchtrute für das abtrünnige Volk sind. Von diesem Mann geht für die Babylonier keinerlei Gefahr mehr aus.

Jeremia bekommt nun in Vers 5 die freie Wahl, aber er kann sich nicht entscheiden! In dieser äußerst wichtigen Situation, welche den Lauf seines weiteren Lebens bestimmen wird, ist er ohne ein helfendes Wort von Gott! Er hat 40 Jahre lang immer und immer wieder dem Volk Weisung gegeben, und nun weiß er selbst nicht ein und aus! Seine Hilflosigkeit in diesem Moment resultiert wahrscheinlich aus zwei Dingen. Erstens ist er völlig ermattet und ausgezehrt durch die mehrjährige Haft und den Hunger im Gefängnishof Zedekias. Zweitens kann er es wohl überhaupt nicht fassen, dass ihm nach 40 Jahren von äußerst hartem und entmutigendem Dienst nun plötzlich eine ganz freie Entscheidung über sein eigenes Leben angeboten wird. Er ist überfordert und hilflos in den nur wenigen Augenblicken, welche ihm hier zur Verfügung stehen.

Trotz allem ist Gott natürlich auch hier vollkommen Herr der Lage. Er weiß alles, was er mit Jeremia noch tun wird. Wenn Jeremia in diesem Augenblick die Entscheidung treffen würde, nach Babylon zu gehen, dann würde der Überrest in Juda und später in Ägypten ohne einen Propheten sein. Das Volk würde dann niemanden mehr haben, der es bis zum letzten Augenblick an seine Verantwortung erinnern und ihm seinen eigenen Ungehorsam offenbaren könnte. Gott möchte aber genau das haben: einen unerschütterlichen Zeugen für sein Wort bis zum letzten Augenblick. Deshalb nimmt er hier dem sprachlosen Propheten die Entscheidung aus der Hand. Nebusaradan, der natürlich in diesem Augenblick keine Ahnung hat dass Gott ihn benutzt, muss den Propheten dazu auffordern, im Land zu bleiben. Jeremia geht zu Gedalja nach Mizpa und lebt dort unter dem Volk.

Warum hat Gott nicht einfach zu dem Propheten geredet in diesem alles entscheidenden Augenblick? Die Antwort auf diese Frage geht auch an uns als heutige Gläubige. Es geht hier um Gottes Führungen im Leben seiner Gläubigen. Manchmal wissen wir genauso wenig wie Jeremia, was in bestimmten entscheidenden Augenblicken das Richtige ist. Meistens können wir dann im Gebet zu dem Herrn und durch das Lesen seines Wortes eine Antwort empfangen. Bisweilen müssen jedoch auch wir kleine oder große Entscheidungen in wenigen Augenblicken fällen. Dann haben wir keine Zeit mehr für das Wort Gottes, und wir können nur noch ein kurzes und vielleicht unhörbares Stoßgebet zum Herrn senden. Wahrscheinlich hat auch Jeremia dies in seinen Gedanken getan. Dennoch wissen wir es letztlich nicht, denn es steht in unserem Text nicht geschrieben.

Das geistliche Fazit für uns ist deutlich. Gott ist der absolute Herr aller Umstände unseres Daseins. Er ist gegenwärtig in den kleinsten Dingen. Für ihn sind Zeit und Raum von untergeordneter Bedeutung, denn er beherrscht auch sie vollkommen. In solchen Momenten, in welchen uns das Ruder vollständig entgleitet und wir nach menschlichem Ermessen keine einzige Möglichkeit mehr zum eigenen Eingreifen haben, sollen wir uns völlig auf ihn werfen. Auch wenn unser Ruf zu Gott nur wenige Sekunden dauert und von den Menschen um uns herum nicht einmal gehört werden kann, so ist Gott doch auch hier der vollkommene Hörer des Gebets und greift ein. Manchmal erleben wir es sogar, dass wir ohne irgendein Gebet oder eine Vorahnung plötzlich und unerwartet in Situationen hineingeraten, in welchen es völlig klar wird, dass Gott alles schon im Voraus geplant hat und es völlig ohne unser Zutun zu Ende führt. Derartige Erfahrungen eröffnen uns einen ganz neuen Blick auf das wahre Wesen unseres Gottes und stärken unser Glaubensvertrauen gewaltig. Und nun wieder zurück zum Text unseres Kapitels.

Gedalja ist als Statthalter über das Volk eingesetzt. Alle übriggebliebenen Geringen des Landes kommen zu ihm. Dazu gesellen sich Ismael, der Sohn Netanjas, sowie Johanan und Jonathan, die Söhne Kareachs und noch einige andere. Gedalja beruhigt das Volk indem er ihnen sagt, dass sie nichts zu befürchten haben, wenn sie einfach im Land leben und sich den Babyloniern unterordnen. Sie sollen einfach das Handeln Gottes annehmen und gehorsam sein. Auch die Juden aus den Nachbarländern Moab, Ammon und Edom kehren zu Gedalja zurück. Sie bauen Wein an und haben eine reiche Ernte.

So ist es auch in unserem Leben bisweilen, wenn der Herr uns züchtigen muss. Wenn wir die Züchtigung annehmen und uns in ihr üben, dann wird Frucht daraus hervorkommen, nämlich die friedsame Frucht der Gerechtigkeit.

Hebr 12,11: „Alle Züchtigung aber scheint uns für den Augenblick nicht zur Freude, sondern zur Traurigkeit zu dienen; danach aber gibt sie eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die durch sie geübt sind.“

 

Jonathan hört jedoch bald sehr böse Dinge über Ismael. Er erfährt, dass Ismael ein Agent des Königs Baalis der Ammoniter ist, welcher dazu gesandt ist, Gedalja zu ermorden. Er selbst warnt Gedalja, doch dieser ist zu gutmütig und naiv und glaubt ihm nicht. Er wird es bitter bereuen.

 

 

Kapitel 41

Zwei Monate nach dem Fall der Stadt kommt nun Ismael mit zehn Kriegsmännern zu Gedalja nach Mizpa. Bei einem Gastmahl ermordet er Gedalja zusammen mit allen Juden in seiner Begleitung und auch die Kriegsleute der Chaldäer, die bei ihm sind. Zwei Tage später tötet er dazu noch 70 Männer aus Sichem, Silo und Samaria, welche gekommen sind um Opfer zu bringen. Er wirft die Leichen in die Zisterne des Königs Asa. Zehn Männer überleben, denn sie bieten Ismael noch verborgene Vorräte an. Den ganzen weiteren Überrest der Juden schleppt er in Richtung Ammon davon. Es sieht so aus, als wollte der König der Ammoniter das Gebiet Israels durch diese Aktion unter seinen Einfluss bringen, um es nach dem künftigen Abzug der Babylonier ganz zu übernehmen. Johanan nimmt mit seinen Heerführern die Verfolgung auf. Er stellt den Zug Ismaels und befreit alle Gefangenen. Es ist eigentlich unfassbar, aber der Übeltäter entkommt mit acht Männern nach Ammon. Wir haben hier zu denken an

Pred 8,10-13: „Ich sah dann auch, wie Gottlose begraben wurden und [zur Ruhe] eingingen, während solche, die recht gehandelt hatten, den heiligen Ort verlassen mussten und vergessen wurden in der Stadt; auch das ist nichtig!
11 Weil der Richterspruch über die böse Tat nicht rasch vollzogen wird, darum ist das Herz der Menschenkinder davon erfüllt, Böses zu tun.
12 Wenn auch ein Sünder hundertmal Böses tut und lange lebt, so weiß ich doch, dass es denen gut gehen wird, die Gott fürchten, die sich scheuen vor seinem Angesicht.
13 Aber dem Gottlosen wird es nicht gut ergehen, und er wird, dem Schatten gleich, seine Tage nicht verlängern, weil er Gott nicht fürchtet!“

Ps 73,19-20: „Wie sind sie so plötzlich verwüstet worden! Sie sind untergegangen und haben ein Ende mit Schrecken genommen.
20 Wie man einen Traum nach dem Erwachen verschmäht, so wirst du, o Herr, wenn du dich aufmachst, ihr Bild verschmähen.“

 

Auch Ismael wird einmal der Hand Gottes begegnen. Wahrscheinlich hat er in Ammon ein völlig unbedrängtes Leben geführt und ist vom König Baalis sogar noch für seine Mordtaten ausgezeichnet worden. Wir wissen es nicht. Einmal wird er vor Gott stehen, und dann wird er seinen Lohn empfangen. Johanan führt die Geretteten zurück zur Herberge Kimhams bei Bethlehem. Sie fassen dort den Entschluss, nach Ägypten zu ziehen, weil sie die Rache der Chaldäer für ihre getöteten Kriegsleute fürchten.

Die böse Tat Ismaels wird noch schwere Folgen für den gesamten Überrest Israels haben. Fünf Jahre später wird Nebukadnezar nämlich noch einen weiteren Feldzug nach Ägypten unternehmen. Er wird glauben, dass die eigentlich nur aus Angst vor Ihm dorthin geflüchteten Juden sich wieder mit den Ägyptern gegen ihn verschwören wollen, und er wird nahezu den gesamten Überrest ermorden. Außerdem wird es natürlich auch eine Rache für den Tod der Chaldäer sein, welche Ismael ermordet hat. Möglicherweise kam auch Jeremia bei dieser Aktion ums Leben. Es kann auch sein, dass seine eigenen Landsleute ihn in Ägypten getötet haben, nachdem er den letzten Angriff Nebukadnezars mit der Vernichtung des Überrestes geweissagt hat. Das Ende seines irdischen Lebens bleibt im Ungewissen.

 

 

Kapitel 42

Nun kommen die „Heerführer“ und die „Fürsten“ des kümmerlichen Überrestes zusammen mit dem ganzen Volk zu Jeremia und bitten ihn um Weisung, was sie tun sollen. Eigentlich sind sie schon entschlossen, nach Ägypten zu ziehen. Jeremia soll ihren Wunsch nur noch durch ein Prophetenwort absegnen. Sie geloben im Voraus Gehorsam. Der Prophet zieht sich für zehn Tage zurück.

Nach den zehn Tagen kommt er mit dem Wort des Herrn, und es kann niemanden im anwesenden Volk erfreuen. Wieder einmal muss Jeremia alleine gegen alle stehen und sich unbeliebt machen. Oh Herr, soll es denn niemals aufhören für diesen armen geschlagenen Diener? Jeremia fordert das Volk in klaren Worten dazu auf, im Land zu bleiben. Es wird ihnen ganz sicher nichts geschehen. Wenn sie aber nach Ägypten ziehen, dann wird sie dort der Hunger und das Schwert des Babyloniers erreichen und sie alle umbringen. Jeremia wiederholt dieses Wort zweimal ausführlich, um die Gedanken Gottes auch wirklich unmissverständlich mitzuteilen und sie allen einzuschärfen. Eigentlich sagt er genau das Gleiche wie vor dem Untergang der Stadt. Sie sollen sich einfach den Babyloniern unterordnen und stillhalten, dann wird ihnen nichts geschehen. Er erinnert sie am Schluss seiner Rede noch einmal daran, dass sie Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes gelobt haben.

 

 

Kapitel 43

Und wieder findet dieses ungehorsame Volk eine Möglichkeit, seinen eigenen Willen durchzusetzen und sein Versprechen gegenüber Gott zu brechen. Sie sagen nämlich, dass Jeremias Wort nicht von Gott kommt, sondern dass der Schreiber Baruch den Propheten dazu aufgehetzt hat, es auszusprechen. So haben sie einen Grund gefunden, nach Ägypten zu ziehen. Doch damit noch nicht genug. Sie zwingen nämlich auch Jeremia und Baruch dazu, mitzuziehen. Man kann ja nie wissen: vielleicht braucht man ja doch noch einmal irgendeinen Propheten für kritische Momente. Alle anderen Propheten des Landes sind ja längst umgekommen, und man muss jetzt eben das mitnehmen was noch vorhanden ist. Ein verhasster Prophet und sein Schreiberling sind ja doch immer noch mehr als gar nichts.

In Tachpanches in Ägypten angekommen, empfängt Jeremia dann auch sogleich ein neues Wort vom Herrn, welches er völlig ungefragt dem Volk mitteilen muss. Am Eingang des Hauses des Pharao muss er große Steine im Lehmboden versenken und prophezeien, dass Nebukadnezar nach Ägypten kommen und seinen Thron genau über diesen vergrabenen Steinen aufstellen wird. Auch die Tempel, die Götter und die Obelisken der Ägypter werden völlig vernichtet werden. Danach wird Nebukadnezar in Ruhe wegziehen, nachdem er seine Rache befriedigt hat. Fünf Jahre später kam die schreckliche Erfüllung, welche neben der Vernichtung Ägyptens auch den Tod nahezu des gesamten Überrestes von der Hand Nebukadnezars bedeutete.

 

 

Kapitel 44

Hier ergeht ein letztes Wort Jeremias an alle Juden in Ägypten, von Migdol bis Tachpanches, von Noph bis Patros. Wegen ihrer Bosheit und ihres Ungehorsams liegen Jerusalem und das ganze Land Juda in Trümmern. Auf alle Propheten wollten sie nicht hören und beharrten auf ihrem Götzendienst. Dadurch kam der Grimm Gottes über sie.

Es ist eigentlich unbeschreiblich, aber sie haben trotz allem Unheil nicht das Geringste dazugelernt! Sie provozieren ihre eigene Ausrottung aus dem Land Ägypten, indem sie nun auch hier noch weiterhin den Götzen dienen. Sie haben die Übeltaten ihrer Väter vergessen und machen unbeeindruckt weiter. Sie sind noch immer nicht gedemütigt. Es ist einfach unfassbar! Gott wird nun ein letztes Mal sein Angesicht gegen diesen bösen Überrest richten, um ihn nahezu vollends auszurotten. Sie werden im Land Ägypten durch Schwert und Hunger umkommen. Nur ein winziger Rest, einen Handvoll Leute, wird entkommen. Hier gibt es wieder keine Gnade, so wie es auch in den letzten Monaten vor der Zerstörung Jerusalems keine Gnade mehr gab. Es gibt nur noch das Gericht. Der arme Jeremia muss es ihnen sagen.

Ab Vers 15 beharren sie auf ihrem Götzendienst. Wir sehen hier ein Volk, das nicht mehr umkehren kann! Ihr Geist ist verschlossen, ihre Augen sind blind, ihre Ohren sind taub, ihr Gewissen haben sie totgeschlagen. Sie können nicht mehr klar denken und verwechseln Ursache und Wirkung ihres Götzendienstes, welcher sie ins Unglück gebracht hat. Trotz allem was sie erleben mussten, sind sie völlig verhärtet und der Wirkung des Wortes Gottes entzogen. Es wird ihnen nur noch verkündigt um aller Welt klarzumachen, dass man sie nicht mehr erreichen kann. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes rettungslos verloren, sie können nun nicht mehr gerettet werden, sie haben den „Point of no Return“ längst überschritten.

Sie sind allen Ernstes der Meinung, dass es ihnen in Jerusalem nur so lange gut ergangen ist, wie sie der Himmelskönigin Trankopfer gebracht haben. Damals hatten sie Brot in Fülle. Sie verwechseln den zeitlichen Zusammenhang mit dem ursächlichen. Sie erkennen nicht, dass Gott sie die ganze Zeit gewarnt hat, bis er ihnen schließlich das Brot den Wein zur Darbringung ihrer Götzenopfer entziehen musste. Danach konnten sie keine Götzenopfer mehr darbringen, weil sie in der Belagerung nicht mehr die Mittel dazu hatten. Sie glauben, dass die Eroberung der Stadt nur deswegen stattgefunden hat, weil sie mangels Möglichkeit ihre Götzenopfer nicht mehr darbringen konnten. Sie beharren nun darauf, die Götzenopfer in Ägypten weiter darzubringen. Dann wird es ihnen bestimmt wieder besser gehen. Welch eine Verblendung!

Jeremia steht dieser Ignoranz fassungslos gegenüber. Aber noch immer muss er reden was der Herr ihm aufträgt. Dieser Prophet ist ein Prophet bis zum bitteren Ende. Er will es vielleicht gar nicht mehr sein. Aber er muss es sein. Die Hand Gottes ist auf ihm (siehe Kapitel 20). In Vers 25-30 muss er noch ein letztes Mal das kommende Unheil ankündigen. Das Schwert und der Hunger werden nach Ägypten kommen. Nur ein zählbares Häuflein wird nach Juda zurückkehren. Der Rest wird in seinem Tod erkennen, wer im Recht war. Der Pharao Hophra wird genau wie der König Zedekia in die Hand Nebukadnezars gegeben werden. – Aus!!

 

 

Kapitel 45

Dieses bei weitem kürzeste Kapitel des gesamten Buches enthält eine äußerst wichtige Belehrung für jeden Diener des Herrn. Baruch war der Schreiber Jeremias. Er hatte alle Worte des Propheten Jeremia für Jojakim in Kapitel 36 in ein Buch geschrieben und sie sogar vor den Fürsten Israels vorgelesen. Das hatte ihm und Jeremia erhebliche Probleme eingebracht, denn beide mussten sich verbergen, um nicht vom König eingesperrt oder sogar umgebracht zu werden. Wir dürfen wohl davon ausgehen, dass er auch die übrigen Teile des Buches mit Ausnahme des Anhangs zu Papier gebracht hat. Baruch hatte zusammen mit dem Propheten gedient und gelitten. Auch er hatte Schmerz und Kummer durchlebt und viel geseufzt.

Nun muss Jeremia ihm ein persönliches Wort von Gott überbringen. Gott kennt das Herz Baruchs genau. Er weiß, dass im hintersten Winkel dieses Herzens noch immer die vage Hoffnung auf Rettung für das Land und Ehre für den Propheten und für Baruch selbst lebendig ist. Das Wort Jeremias ist klar und eindeutig. Die Stadt, der Tempel und das ganze Land werden abgerissen und verwüstet werden (Vers 4). Vers 5 bringt Gottes entlarvende Frage an Baruch und zugleich die Antwort. Baruch soll sich keinerlei Hoffnungen auf große Ehre oder große Wunder machen. Er wird nämlich mit dem Rest der Juden nach Ägypten geführt werden und dort in bescheidensten Verhältnissen sein Leben beenden müssen. Dennoch wird er nicht eines gewaltsamen Todes sterben, sondern eines natürlichen Todes. Gott wird ihn auf allen Wegen bewahren, und er wird seine Seele erretten.

 

Der Schreiber des vorliegenden Textes hat sich diese Ermahnung des Propheten sehr zu Herzen genommen. In diesem Text geht es ebenso wie in allen anderen Texten auf der Website www.DieLetzteStunde.de nicht darum, bekannt zu werden und Ehre zu bekommen. Es geht vielmehr einzig und allein darum, der Wahrheit des Wortes Gottes nach bestem Wissen und Gewissen eine Stimme zu verleihen. Diese Bemühung soll völlig unabhängig von äußerem Erfolg bleiben. Wenn Gott die „fünf Brote und zwei Fische“ vermehren oder gar vertausendfachen will, dann wird er es tun, und es wird eine große Freude sein. Wenn Gott anders entscheidet und keine „Brotvermehrung“ schenken möchte, dann hat der Schreiber auch damit Frieden. Die Mühe aller seiner Diener wird nicht vergeblich sein im Herrn. Auch Jeremia selbst hatte keine Hoffnung mehr auf äußeren Erfolg. Dennoch ging er weiter in seinem harten und schweren Dienst, bis das Ende seines irdischen Weges erreicht war. Seine Ehre stand nicht bei Menschen, sondern bei seinem Gott.

 

 

Kapitel 46

Hier beginnt der zweite Hauptteil des Buches. Es sind Jeremias Prophetien über die das Land Israel umgebenden Großmächte und kleineren Nationen, welche damals ebenso wie Gottes Volk in den großen Weltkonflikt zwischen Ägypten, Assyrien und Babylon verwickelt waren. Die nun folgenden Kapitel stehen prophetisch betrachtet parallel zu Jesaja 13-27 und zu Hesekiel 25-32. Auf der buchstäblichen Ebene redet Jeremia hier ebenso wie die beiden anderen großen Propheten über die Gebiete der damals bekannten alten Welt. Er beschreibt die gewalttätigen kriegerischen Irrungen und Wirrungen, in welche das Volk Gottes einerseits durch den Lauf der Welt, andererseits aber auch klar und deutlich durch eigene Schuld mit hineingerissen wurde und letztlich unterging.

Auf der geistlichen Ebene sind diese Dinge auch auf uns anwendbar. Was bei den alten biblischen Propheten als die Enden der damals bekannten Erde bezeichnet wird, gilt in heutiger Anwendung nicht nur für die damals bekannten Gebiete, sondern für die gesamte Welt, und zwar in geographischer Hinsicht ebenso wie in geistlicher Hinsicht. Die ganze Welt umfasst hier nicht nur die Länder der Erde und vor allem ihre Großmächte, sondern auch das gesamte Weltsystem, sei es politisch, wirtschaftlich, militärisch, kulturell, religiös oder geistlich. Wir werden das insbesondere bei der Beschreibung Babylons in den Kapiteln 50 und 51 erkennen. Dort findet sich dann auch ein Exkurs zur näheren Erläuterung des soeben Gesagten.

Um das Verständnis des Lesers zu erleichtern und unnötiges Blättern zu ersparen, möchten wir an dieser Stelle noch einmal kurz den historischen Überblick wiederholen, welcher sich auch in der Einleitung unseres Textes befindet. Danach werden wir auf die Beschreibung der einzelnen Nationen noch etwas näher eingehen. Dies wird mit Ausnahme der Beschreibung Babylons in Kapitel 50-51 in Kurzform geschehen können. Auf historische Einzelheiten muss hier nicht allzu ausführlich eingegangen werden. Die eigentlichen Ergebnisse der kriegerischen Auseinandersetzungen sowie die mit ihnen verbundenen geistlichen Erkenntnisse für uns sollen etwas mehr im Vordergrund stehen.

Im Jahr des Todes Assurbanipals von Assyrien, welches das dreizehnte Jahr des Königs Josia von Israel und zu gleicher Zeit das Jahr der Berufung des Propheten Jeremia war, löste Nabopolassar von Babylon seine Provinz aus dem Assyrerreich heraus und begann den Aufbau des Babylonierreiches, welches unter seinem Sohn Nebukadnezar zu voller Blüte gelangen sollte. Zu gleicher Zeit kam es in Ägypten unter der Herrschaft des Pharao Psammetrichus I zu einem militärischen Aufschwung. Die Assyrer wurden somit nicht nur von Babylon bedroht, sondern auch aus der ägyptischen Einflusssphäre zurückgedrängt.

Pharao Necho, der Nachfolger von Psammetrichus I war entschlossen, die Macht Ägyptens auf das Gebiet Israels auszudehnen, den Assyrern in Haran beizustehen, die Babylonier zurückzudrängen und danach die Reste des Assyrerreiches zusammen mit Israel unter ägyptische Kontrolle zu bringen. Zu diesem Zweck marschierte er 18 Jahre nach der Berufung Jeremias nach Megiddo, wo sich ihm der König Josia von Israel entgegenstellte. Josia wurde zwischen den Händen der streitenden Großmächte zermalmt und starb.

Necho entmachtete bereits nach drei Monaten den neuen König Joahas von Juda und installierte seinen Marionettenkönig Jojakim. Jojakim war somit kein König, welchen das Volk Israel gewählt hatte, sondern ein König, welchen die Ägypter eingesetzt hatten. Dies erklärt auch, warum er sich trotz der babylonischen Bedrohung immer wieder mit den Ägyptern einließ, bis es für ihn zu spät war. Nachfolgend kontrollierte der Pharao Necho für drei Jahre das Land Israel. Juda war nun nur noch eine Pufferzone, in welcher die Großmächte ihre Konflikte austrugen.

Nach den drei Jahren marschierte Necho weiter nach Karkemisch am Euphrat, um dort die Babylonier endgültig zu schlagen. Auf dem Weg durch das Land der Philister vernichtete er Gaza und Asdod. Er traf bei Karkemisch nicht mehr auf Nabopolassar, sondern auf dessen Sohn Nebukadnezar, der ihm eine schwere Niederlage beibrachte (46,2). Necho flüchtete nach Hause. Nebukadnezar marschierte in Juda ein, nahm auch noch Askalon im Philisterland ein und stand im vierten Jahr Jojakims vor Jerusalem (25,1). Jojakim ergab sich. Nebukadnezar marschierte weiter nach Ägypten und wurde dort in einer erbitterten Schlacht von Necho zurückgeschlagen. Zunächst kehrte er nach Babylon zurück, um sich neu zu organisieren.

Nun beging Jojakim den schweren Fehler, sich erneut mit den Ägyptern zu verbinden denn er glaubte, dass Nebukadnezar nun besiegt sei. Jeremia prophezeite die Rückkehr der Babylonier und den erneuten Angriff auf Jerusalem, aber Jojakim wollte nicht hören (2Kö 24,1; Jer 22,13-19). Im elften Jahr Jojakims kehrte Nebukadnezar dann zurück, so wie es Jeremia geweissagt hatte. Jojakim starb drei Monate vor dem Fall Jerusalems. Sein Sohn Jojakin (Jekonja) wurde König. Nebukadnezar kam nach den drei Monaten und Jojakin ergab sich. Er wurde nach Babylon geführt. Nebukadnezar nahm alle Schätze des Tempels und des Königshauses mit, deportierte die Obersten der Stadt samt 7000 Soldaten und Handwerkern, insgesamt 10000 Leute, und installierte seine Marionette Zedekia als Vasall (2Kö 24,8-20). In dieser Wegführung war auch der Prophet Hesekiel dabei, der Sohn des Priesters Busi (Hes 1,2-3). Hesekiel wurde in Babylon im fünften Jahr Zedekias von Gott zum Propheten berufen. Er diente unter den Vertriebenen in Babylon zeitgleich mit Jeremia bis zum Untergang der Stadt und danach noch mindestens weitere 16 Jahre (Hes 29,17; 33,21).

Zedekia war also ebenso wie Jojakim nicht ein König, der vom Volk Israel gewählt worden war, sondern den Nebukadnezar eingesetzt hatte. Es ist auf diesem Hintergrund umso unverständlicher, dass auch Zedekia sich wieder mit den Ägyptern einließ, um Babylon abzuschütteln. Es ist wohl einzig und allein aus seiner charakterlichen Schwäche zu erklären, welche ihn dazu brachte, sich dem Rat seiner inkompetenten Minister zu beugen.

Nebukadnezar hatte nach dem Wort Jeremias (29,21) falsche Propheten hingerichtet, welche gesagt hatten, dass kein Unglück kommen würde (14,13-15). Jeremia sagte hingegen eine Verbannung von siebzig Jahren voraus (29,10). Bereits unter Jojakim hatte Jeremia zudem vorausgesehen, dass einmal Boten aus Edom, Moab, Ammon, Tyrus und Sidon zu Zedekia kommen würden, um sich an einer Allianz gegen Babylon zu beteiligen (27,2-11). Nun kamen diese Boten tatsächlich im vierten Jahr Zedekias (27,12-22 und 28,1). Auf die Warnung Jeremias hin besuchte Zedekia in diesem vierten Jahr Babylon, um doch noch eine diplomatische Lösung herbeizuführen (51,59).

In Ägypten war inzwischen Necho von Psammetrichus II abgelöst worden, welchem sein Sohn Hophra im achten Jahr Zedekias gefolgt war. Erneut beging Zedekia auf Anraten seiner inkompetenten Minister den groben Fehler, sich mit den Ägyptern einzulassen. Nun gab es kein Zurück mehr. Nebukadnezar begann die letzte Belagerung Jerusalems, nachdem er zuvor die Ägypter nach Hause gejagt hatte. Jerusalem leistete Widerstand, anstatt sich zu ergeben. Jeremia redete vergeblich zu dem König Zedekia (37,3-10; 38,14-23). Der Prophet musste im Gefängnis ausharren bis zum Untergang (37,11-21). Die Stadt fiel im elften Jahr Zedekias.

Nebukadnezar marschierte weiter nach Ägypten. Hophra wurde geschlagen, die Babylonier marschierten durch bis nach Libyen (Josephus, Altertümer, 10.11.1, §227). Dies lässt darauf schließen, dass Ägypten vollständig überrannt wurde. Einen Monat nach dem Fall Jerusalems kam dann Nebusaradan, der Oberste der Leibwache Nebukadnezars, mit seinen Soldaten nach Jerusalem, schleifte die Stadt, verbrannte den Tempel und die Häuser, und deportierte die Bevölkerung (2Kö 25,8-20).

Gedalja wurde über den Rest des Volkes als Statthalter eingesetzt, und Jeremia kam zu ihm nach Mizpa (2Kö 25,22-24; Jer 40,6). Bereits zwei Monate später wurde Gedalja zusammen mit einigen Babyloniern in Mizpa ermordet (2Kö 25,25; Jer 41,1-18). Daraufhin floh ein weiterer Teil des Volkes nach Ägypten und Jeremia wurde gegen seinen Willen mitgenommen, obwohl er eindringlich davor gewarnt hatte, das Land zu verlassen (2Kö 25,26; Jer 42,1-43,7). Fünf Jahre später kam es dann noch zu einer weiteren Wegführung, vermutlich als Vergeltung Nebukadnezars für die Ermordung der Chaldäer in der Begleitung Gedaljas. Nebukadnezar kam erneut nach Ägypten und stellte dort in Tachpanches seinen Thron auf, so wie Jeremia es geweissagt hatte (43,8-10). Auch in Ägypten kamen nahezu alle geflüchteten Juden um, so wie es Jeremia geweissagt hatte. Bis soweit der nochmalige historische Überblick. Und nun zurück zu unserem Kapitel.

Nahezu das ganze Kapitel 46 redet über das Heer der Ägypter, als es vor Karkemisch am Euphrat stand und im Begriff war, seine erste vernichtende Niederlage durch die Hand Nebukadnezars zu erleiden (Vers 2). Das große Interesse Jeremias für Ägypten resultiert einerseits aus den politischen Gegebenheiten seiner eigenen Zeit, andererseits natürlich aus der alten Beziehung zwischen diesen beiden Nationen. Fast tausend Jahre zuvor wurde Israel aus der ägyptischen Sklaverei geführt. Gott ließ das Passahlamm schlachten und tat gewaltige Wunder der Erlösung am Roten Meer und in der Wüste. Er gab dem Volk das Gesetz vom Sinai. Danach gab es vermutlich gegen Ende des dreizehnten Jahrhunderts v.Chr. einen Angriff der Ägypter auf Israel mit großen Verwüstungen (Stele des Pharao Merneptah, 1213-1203 v.Chr.). Später heiratete Salomo eine Tochter des Königs von Ägypten und nahm auch noch andere Ägypterinnen als Frauen. Bereits fünf Jahre nach Salomos Tod kam jedoch der Pharao Schischak nach Juda und nahm große Teile des Tempelschatzes mit (1Kö 14,25-26). Danach blieb Ägypten eine Art Schutzmacht für Israel, jedoch nicht aus Zuneigung zum Volk Gottes, sondern ausschließlich aus eigenen geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen heraus.

Ägypten und der Pharao repräsentieren seit dem Tod Josefs im Buch 1. Mose geistlich gesprochen die Macht der Welt, welche das Volk Gottes mehr und mehr unterdrückt und für ihre eigenen Zwecke ausnutzt. Dabei nimmt diese Macht letztlich problemlos auch den Untergang des Volkes Gottes in Kauf, wenn dieser ihren eigenen Interessen dient. In der Zeit Jeremias wurde es ebenso wie 150 Jahre zuvor bei Jesaja wieder einmal klar, dass Ägypten ein falscher Freund war, auf den man sich im Ernstfall nicht verlassen konnte.

So ist es auch für uns heute als Christen gefährlich und letzten Endes verderblich, wenn wir unsere Hoffnung und unser Vertrauen auf die Kräfte und Mächte dieser Welt setzen anstatt auf den Herrn allein zu vertrauen. Der echte Christ gebraucht die Dinge dieser Welt, in welcher wir alle zu leben haben, aber er macht sich nicht von ihnen abhängig. In den Entscheidungen seines Lebens, ob groß oder klein, befragt er im Gebet den Herrn und empfängt Weisung. In Schwierigkeiten und Bedrohung, ja auch in Zeiten der äußeren Vernichtung und des scheinbaren Untergangs vertraut er auf den Herrn und nimmt die Wege Gottes für sein eigenes Leben an. Das kann bisweilen in materielles und körperliches Leid hineinführen, aber es bewahrt den Gläubigen dennoch vor geistlichem und somit ewigem Verlust oder Schaden.

Christen, die sich auf Gedeih und Verderb dem System dieser Welt ausliefern und von ihm ihren Wohlstand und ihr geistliches Wohlergehen erwarten, werden eines Tages geistlich untergehen, und zwar auch bereits dann, wenn es ihnen materiell gesehen noch gut zu ergehen scheint. Die großen christlichen Megachurches des Wohlstandsevangeliums und des Selbstwertevangeliums sprechen davon eine deutliche Sprache. Sie sind auch innerhalb ihrer eigenen Reihen oftmals nicht mehr dazu in der Lage, geistlich die Spreu vom Weizen zu trennen, denn ihre Gemeinschaften stehen vorwiegend auf materiellen und emotionalen Grundlagen. Bei einer schwerwiegenden Verschlimmerung der äußeren Umstände und natürlich am Ende bei der Wiederkunft des Herrn werden sie großen Verlust erleiden, und zahlreiche falsche Bekenner werden bis ins Mark erschrecken. Sie werden nämlich verloren gehen, weil sie nie wirklich wiedergeboren waren. Zurück zum Text.

Die Verse 1-6 geben die Datierung der Prophetie und reden in sarkastischer Sprache über den Schrecken der Ägypter in dem Augenblick der tatsächlichen Konfrontation mit den Babyloniern. All ihre Kraft ist dahin, sie erschrecken, fliehen und fallen. Die Verse 7-12 vergleichen das Heer Ägyptens mit den Wassern des Nil, die jedes Jahr aufsteigen und wieder zurückgehen. Genauso wird es sein. Die Ägypter werden das Land überfluten wie der Nil, sie werden geschlagen werden. Sie werden umkehren, und auf ihrer Flucht werden nicht mehr Wasserströme fließen, sondern die Ströme ihres eigenen Blutes (Vers 10). Ägyptens Wunde ist schwer und nicht zu heilen. Die Helden fallen.

Die Verse 13-17 reden in poetischer Sprache über den Fall und die Entehrung des Pharao im ganzen Land. In den Versen 18-19 wird Nebukadnezar mit einem Berg verglichen, welcher ähnlich dem Tabor und dem Karmel in Israel über die Erhebungen des flachen Umlandes herausragt. Der Babylonier wird nach Ägypten kommen! Es folgt in Vers 20 der Vergleich mit der jungen Kuh, welcher uns an die sieben fetten Jahre Ägyptens in Josefs Zeit erinnert. Die Bremse (eine große und gefährliche Stechmücke), nämlich der Babylonier, wird kommen und sie stechen.

Wie eine Schlange leise auf dem Bauch im Dickicht verschwindet, so wird Ägypten sich zurückziehen vor der Macht der babylonischen Holzfäller, die den Wald der Ägypter abhauen werden. Hier auch eine Erinnerung an den großen Wald der Assyrer am Ende von Jesaja 10. Die Götter Ägyptens werden fallen. Der Prophet Hesekiel gibt in seinen Kapiteln 29-32 eine ausführliche Prophetie über diese Geschehnisse. Hesekiel prophezeit ebenso wie Jeremia (hier in Vers 26) eine Wiederherstellung Ägyptens. Die Nation wird jedoch niemals mehr eine Weltmacht werden, sondern ein untergeordneter Vasallenstaat bleiben. Die Geschichte bestätigte diese Prophetie in den darauffolgenden Jahrhunderten und Jahrtausenden bis in unsere Gegenwart hinein.

Das Kapitel schließt ab mit der Verheißung einer Wiederherstellung und Rückkehr Israels in das Land. Die Nationen werden vernichtet werden. Das Volk Gottes wird zwar hart gezüchtigt werden, jedoch am Ende fortbestehen in Ewigkeit in einem unbedrängten und von allen Feinden befreiten Land des Friedens. Die Vorerfüllung dieser Prophetie kam natürlich in der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft, über welche Jeremia hier zunächst einmal redet. Zahlreiche Ausleger unserer Zeit sehen eine weitere Erfüllung in der gegenwärtigen Sammlung der irdischen Nation Israel im Mittleren Osten aus allen Nationen der Erde. Diese Sammlung soll in nicht allzu ferner Zukunft zu einer 1000-jährigen Herrschaft Israels unter dem Messias über die ganze Erde führen. Die betreffende Lehre ist aus der Sicht des Schreibers dieses Textes nicht zutreffend. Zu einer näheren Erläuterung dieser Thematik verwiesen wir auf folgende Texte: „Der Nahostkonflikt aus Sicht der Bibel“, „Das biblische Millennium und die Endzeit“ sowie auch Kapitel 7 des Buches „Der Drache kommt!“ unter www.DieLetzteStunde.de.

Die endgültige Erfüllung der Prophetie Jeremias hat zur Zeit des Neuen Testamentes begonnen in der Sammlung der geistlichen Nation Israel, der Gemeinde der jüdischen und nichtjüdischen Gläubigen aus allen Nationen der Erde, durch die Verkündigung des Evangeliums von dem Herrn Jesus Christus. Diese Nation lebt körperlich gesprochen heute noch auf dieser Erde, und sie wird mehr und mehr bedrängt und weltweit verfolgt. Geistlich gesprochen gehört sie jedoch nicht mehr dieser Welt an, sondern der neuen und ewigen Schöpfung. Zahlreiche Gläubige der Vergangenheit haben diese Erde bereits verlassen, und ihre Seelen sind in die himmlische Gegenwart des Herrn eingegangen. Die Erfüllung der Prophetie Jeremias wird schließlich vollendet werden in der Wiederkunft des Herrn am Ende dieser Weltzeit, wenn er die alte Erde im Feuer verbrennen wird. Alle Nationen dieser Erde werden untergehen, alle Verfolger der Christen und alle anderen Menschen, welche die Rettung des Herrn Jesus Christus abgelehnt haben, werden ins Gericht Gottes gehen müssen. Danach wird der Herr die erneuerte und ewige Erde, das ewige Land der Verheißung, auf immer mit seinem Volk bewohnen.

 

 

Kapitel 47

Diese Prophetie gegen die Philister stammt aus dem Jahr, in welchem der Pharao Necho auf seinem Weg nach Karkemisch die Städte Gaza, Ekron und Asdod schlug und datiert kurz vor der Vernichtung dieser Philisterstädte. Sie steht parallel zu Jes 14,28-32 und Hes 25,15-17. Askalon blieb beim Angriff Nechos zunächst noch verschont, wurde aber kurze Zeit später von Nebukadnezar auf seinem ersten Weg nach Ägypten zum Gegenangriff auf den Pharao geschlagen. Diese Dinge bedeuteten faktisch das Ende der Nation der Philister. So sagt es auch die Prophetie. Es wird hier keine Hoffnung für die Philister gegeben. Der Text spricht für sich selbst und bedarf keiner genaueren Erklärung. In unserer Zeit entspricht das Philisterland dem Gebiet des Gazastreifens in Israel, und es wird von dem Volk der Palästinenser bewohnt, einem Mischvolk nicht ganz geklärter Herkunft. Die alte Nation der Philister existiert heute schon lange nicht mehr.

 

 

Kapitel 48

Die Weissagungen der beiden nun folgenden Kapitel betreffen die kleineren Nationen in der Umgebung Israels, welche in den Konflikt zwischen den Großmächten hineingezogen wurden. Im 18. Jahr des Dienstes Jeremias war der Konflikt erstmals im großen Stil ausgebrochen, und Josia hatte darin sein Leben verloren. Bereits im Anfang der Regierung Jojakims hatte der Prophet wenige Monate nach Josias Tod warnende Worte an die Nationen Edom, Moab, Ammon, Tyrus und Sidon empfangen (27,2-11). Gott hatte ihn damals beauftragt, diese Worte an die Boten weiterzugeben, welche im Anfang der Regierung Zedekias aus den betreffenden Nationen nach Jerusalem kommen würden.

Im vierten Jahr Zedekias, also mehr als zehn Jahre später, kamen diese Boten nun tatsächlich nach Jerusalem (27,12-22 und 28,1). Inzwischen hatten sich die dunklen Wolken der drohenden Invasion Babylons am Horizont zusammengeballt, und die kleineren Nationen suchten im Bewusstsein der schweren Bedrohung die Allianz mit Israel. Zedekia sollte sich nach dem Wort des Propheten nicht mit ihnen zu einer Allianz gegen Babylon verbinden, sondern sich vielmehr zusammen mit ihnen dem König von Babylon unterwerfen, um der ansonsten sicheren Vernichtung zu entgehen. Im selben vierten Jahr seiner Regierung reiste Zedekia nach Babylon, um eine diplomatische Lösung des Konfliktes zu erreichen (51,59). Die Mission scheiterte. Das Ergebnis war eine Kette falscher Entscheidungen in den Regierungskreisen Israels und der umgebenden Nationen, welche schließlich zur Verwüstung aller Gebiete durch die Hand Nebukadnezars führte.

Die nun folgenden Prophetien sind im Bibeltext nicht datiert. Sie können aber mit hoher Wahrscheinlichkeit in die Zeit zwischen dem vierten Jahr Zedekias und dem Untergang eingeordnet werden. Die betreffenden Nationen hatten ebenso wie Israel die letzte Chance zur Umkehr ausgeschlagen und hatten nun dem kommenden Gericht Gottes durch die Hand Nebukadnezars entgegen zu blicken.

In unserem Kapitel 48 beginnt Gott mit Moab. Das Kapitel steht parallel zu den Kapiteln Jes 15 und 16, Jes 25,9-12, sowie zu Hes 25,8-11. Es ist eine Reihe von Wiederholungen in unterschiedlicher Form, in welchen die Zerstörungen Moabs wieder und wieder geschildert werden. In dieser Hinsicht bedarf es keiner detaillierten Auslegung, da der Text meist für sich selbst spricht. Die geographische Zuordnung der einzelnen Orte ist zwar bisweilen etwas mühsam, steht aber nicht an erster Stelle bei der Betrachtung. Hierzu nur eine kurze Bemerkung. Das Bozra in Vers 24 ist nicht das Bozra aus Jes 63, denn dieses liegt in Edom. Es handelt sich am ehesten um das Bezer aus 5Mo 4,43, aus Jos 20,8 und Jos 21,36, also um eine der drei Zufluchtsstädte jenseits des Jordans.

Wichtiger für unseren vorliegenden Text sind die geistlichen Prinzipien, welche durch das Studium des Kapitels hervortreten. Moab war ein kleines Ländchen am Südostende des Toten Meeres zwischen den Bächen Arnon im Norden und Sered im Süden. Nördlich grenzte es an Ammon, südlich an Edom, welche beide nicht viel größer waren. Moab hatte fruchtbare Landstriche und erzeugte einen guten Wein. Es war seiner Herkunft nach ebenso wie Ammon aus dem Inzest der Töchter Lots mit ihrem Vater nach der Zerstörung von Sodom und Gomorrha hervorgegangen (1Mo 19,20-28), hatte sich also in dieser Hinsicht eigentlich nicht allzu viel einzubilden. In seiner Geschichte war es zwar mehrfach von den Israeliten und von anderen Nachbarn angegriffen worden, war jedoch niemals vernichtet oder vertrieben worden. Aus diesen Dingen resultierten in Moab drei Charaktereigenschaften. Moab war stolz, hochmütig und bequem (Verse 11, 29, 30). Gott verachtet diese drei Eigenschaften und kann sie in seinem Dienst nicht gebrauchen (Vers 10).

Das Gericht wird hart und schwer sein, das Land wird nahezu völlig entleert werden. Das hochmütige Moab, welches über andere gelacht hat, wird nun selbst seinen Nachbarn zum Gelächter werden (Vers 39). Am Ende der Tage (aus Sicht Jeremias ein Begriff sowohl für das Ende der babylonischen Gefangenschaft Israels als auch für die Gründung des neuen und ewigen Reiches in der Person des Herrn Jesus Christus) wird Gott sich jedoch wieder über Moab erbarmen (Vers 47). In der Tat war es historisch gesehen so, dass Moab nach der babylonischen Invasion später wieder besiedelt wurde, und dass der endgültige Untergang der Nation erst im ersten vorchristlichen Jahrhundert durch die allmähliche Besatzung der Nabatäer eingeleitet wurde. Bis zum Mittelalter war das Gebiet vollständig unter der Besatzung der Byzantiner, und heute kann von einer Nation Moab ebenso wie von Edom und Ammon keine Rede mehr sein. Die geographischen Gebiete Moabs, Ammons und Edoms sind in unseren Tagen durch das Königreich Jordanien abgedeckt. Dieses Land wird bewohnt von haschemitischen Arabern und von Palästinensern, einem Mischvolk unklarer Herkunft.

Auch im Buch Jesaja tritt vor allem der Hochmut Moabs hervor. Man muss sogar sagen, dass Moab in der Bildersprache Jesajas den Hochmut selbst symbolisiert. Hochmut ist die Ursünde in der Schöpfung. Satan beging sie und fiel. Er zog im Sündenfall Adam und Eva und mit ihnen die ganze Menschheit mit in den Hochmut und in den Ungehorsam hinein. Moab wird deswegen bei Jesaja gerichtet, und am Ende (Jes 25,9-12) ist es nicht dabei, wenn Gott seine neue Schöpfung zusammen mit seinem erlösten Volk bewohnt. In der Ewigkeit wird es niemals mehr einen Platz für Stolz, Hochmut und Bequemlichkeit geben. Sie gehören zum sterblichen Fleisch.

Auch als heutige Gläubige müssen wir uns immer wieder vor dieser Sünde hüten. Der Heilige Geist führt uns zwar Schritt für Schritt in die Demut und Sanftmut des Herrn ein, aber wir neigen dennoch bisweilen zu Rückfällen, welche unser Zeugnis und unseren Dienst für den Herrn schädigen und schlimmstenfalls sogar zerstören können.

 

 

Kapitel 49

Hier geht es in den Versen 1-6 weiter mit Ammon, dem Brudervolk der Moabiter. Die Ammoniter hatten insbesondere nach der Verschleppung der Stämme des Nordreiches durch die Assyrer Teile des Gebietes von Gad besetzt in der Annahme, dass diese Gebiete nun nicht mehr zu Israel gehören und zur freien Verfügung stehen würden. Gott verurteilt diese Haltung Ammons, denn das Land ist immer noch Gottes eigenes Land. Der „König“ in Vers 2 ist auf Hebräisch wohl eher nicht ein malkam (ihr König), sondern ein milkom (der Götze Ammons, auch als Moloch bekannt). Das Ai in Vers 3 (welches als Stadt in Israel im Westjordanland und somit weit außerhalb Ammons lag) ist wohl ebenfalls eine unglückliche Übersetzung. Ai bedeutet Trümmerhaufen. Die Übersetzung sollte wohl eher lauten: „Heule Hesbon, denn du bist zu einem Trümmerhaufen geworden!“ Ammon opferte seinem Götzen Moloch Kinder im Feuer. Es vertraute zudem auf seine Schätze (Vers 4) und neigte zu großer Raffgier. Im Gericht würde ihm alles genommen werden, damit es umkehren und am Ende wieder Gnade erfahren könnte (Vers 6).

Dass wir als Christen keine Götzenopfer darbringen werden, und dass wir nicht in Materialismus verfallen sollten, dürfte wohl klar sein. Der Herr wird Christen züchtigen, die solche Dinge tun. Auch bekennende Christen können den Verführungen der Welt erliegen und ihre Kinder geistlich gesprochen den Götzen dieser Welt opfern. Wie viele Kinder aus sogenannt „christlichen“ Elternhäusern wohl verloren gegangen sind und noch verlorengehen werden? Sie werden am Ende in das Feuer des Gerichtes Gottes geraten müssen.

Die Verse 7-21 reden über Edom. Die große Sünde Edoms gegenüber dem Volk Gottes war sein immerwährender und unauslöschlicher Hass. Wir erkennen dies auch in Jes 34, Jes 63, Hes 35 und Obadja. Edom hat seinen Bruder Jakob/Israel gehasst und sogar über seinen Untergang gejubelt. Es hat die Überlebenden Israeliten sogar noch an die Feinde ausgeliefert. Deshalb gibt es für Edom nur ein endgültiges Gericht ohne Wiederherstellung. Es hat seinen Wohnsitz hoch wie ein Adler gebaut (Vers 16), und es wird von dem babylonischen Löwen am Boden (Vers 19) und dem babylonischen Adler in der Höhe (Vers 22) vernichtet werden. Die Vernichtung wird so schrecklich und endgültig sein wie bei den Städten Sodom und Gomorrha (Vers 18). Dieses Zeugnis stimmt mit Jesaja, Hesekiel und Obadja überein.

In geistlicher Anwendung gilt die ernste Warnung auch in unserer Zeit noch immer für alle bösartigen Verfolger und Hasser der Gemeinde Jesu Christi. Wenn sie nicht umkehren, werden sie am letzten Tag im Feuer Gottes verbrennen müssen.

Die übrigen Verse des Kapitels reden über Damaskus, Kedar, Hazor und Elam. Auch diese Gebiete hatten im Konflikt der Weltmächte schwer zu leiden. Wir möchten jedoch an dieser Stelle auf kommentierende Einzelheiten verzichten, da die geistlichen Hauptaspekte unseres Kapitels bereits herausgearbeitet wurden.

 

 

Kapitel 50 und 51

Die Prophetie der beiden nun folgenden Kapitel stammt aus dem vierten Jahr des Königs Zedekia (51,59 und 50,1). In diesem Jahr unternahm Zedekia eine diplomatische Reise nach Babylon, um den drohenden Untergang vielleicht noch abzuwenden. Die Mission scheiterte. In seiner Begleitung befand sich Seraja, der Sohn Nerijas, des Sohnes Machsejas. Er hatte die Funktion des Quartiermeisters für Zedekias Reisegesellschaft, und er hatte von Jeremia das Gebot erhalten, die Worte der nun folgenden Prophetie in ein Buch zu schreiben. Dieses Buch sollte er in Babylon laut vorlesen und es danach in den Fluss Euphrat versenken. Durch diese Symbolhandlung sollte er den aus Gottes Sicht absolut gewissen Beschluss über Babylon nochmals bekräftigen (51,60-64). Bevor wir mit der Besprechung des Textes beginnen, möchten wir zunächst noch einen Exkurs über die geistliche Bedeutung von Tyrus und Babylon in der biblischen Prophetie machen.

 

 

Exkurs: Tyrus und Babylon in biblischer Prophetie bei Jesaja, Jeremia und Hesekiel

Die nun folgenden Erläuterungen gelten in unterschiedlichem Umfang für alle drei genannten großen Prophetenbücher. Insbesondere im Buch Hesekiel finden wir sie am deutlichsten dargestellt und möchten sie daher kurz rekapitulieren. In Kapitel 27 des Buches Hesekiel finden wir das Klagelied des Propheten über die Stadt Tyrus. In allen Einzelheiten werden uns der verlorene Reichtum der Stadt, ihre Pracht und ihre Handelspartner geschildert. Die Beschreibung geht bis Vers 25. Ab Vers 26 redet Hesekiel über die Zerstörung und über die Trauer aller Beteiligten infolge der Zerstörung. Tyrus ist verschwunden, und es ist von Babylon abgelöst worden. Bei Jeremia werden wir in gleicher Ausführlichkeit in unseren beiden kommenden Kapiteln zunächst einmal das Gericht Gottes über das damalige Babylon finden, welches siebzig Jahre nach der Zerstörung Jerusalems durch die Hand der Meder und Perser erfolgte. Nun war auch Babylon selbst verschwunden.

Der aufmerksame Leser der Schrift kommt an dieser Stelle nicht umhin, das Buch der Offenbarung aufzuschlagen. Hier finden sich in den Kapiteln 17 und 18 die Beschreibung der großen Hure in all ihrer Pracht und die Schilderung des Gerichtes Gottes über sie. (Off 17,1-2; Off 18,2-3). Die Beschreibung der großen Hure stimmt nahezu exakt überein mit der Beschreibung der Stadt Tyrus bei Hesekiel. In Off 18,2 finden wir ihren Namen: Es ist Babylon die Große. Hesekiel schrieb über Tyrus, die große und prächtige Handelsmetropole der damals bekannten Erde mit ihrem unbeschreiblichen Luxus. Jeremia schreibt in Kapitel 50 und 51 über Babylon, die Beherrscherin aller Königreiche der damals bekannten Erde. Johannes schreibt in der Offenbarung über Babylon die Große, die Besitzerin von allem Luxus, aller Pracht und aller Herrschaft der ganzen Erde am Ende der Zeit.

Das geistliche Prinzip ist klar. Der Luxus und die Üppigkeit von Babylon der Großen aus dem Buch der Offenbarung sind im Alten Testament vorgeschattet durch die Pracht der Stadt Tyrus. Die weltweite Macht von Babylon der Großen ist im Alten Testament vorgeschattet in der Macht des damaligen Babylon, welche in 1Mo 11 begann, welche schon damals im Gericht Gottes zur Sprachverwirrung und zur Zerstreuung der Menschheit über die ganze Erde geführt hat, und welche in Jeremia 51 endet.

So wie die Kaufleute, die Seeleute und die politischen Bündnispartner über den Untergang der Üppigkeit von Tyrus bei Hesekiel und den Untergang der Macht von Babel bei Jeremia klagen, so klagen sie in der Offenbarung über den Untergang der Üppigkeit und der Macht von Babylon der Großen. Babylon die Große im Buch der Offenbarung ist somit in geistlicher Hinsicht die Zusammenfassung alles dessen, was durch Tyrus und Babylon im Alten Testament vorgeschattet ist, und dies nicht nur regional begrenzt auf den alten Osten, sondern in der letzten Zeit ausgedehnt über die ganze Welt. Babylon die Große in der Offenbarung ist unser gesamtes Weltsystem ohne Gott in allen seinen Aspekten.

So wie Tyrus und Babylon im Alten Testament der irdischen Stadt Jerusalem im Land Israel gegenüberstanden, so steht Babylon die Große im Neuen Testament dem neuen und himmlischen Jerusalem gegenüber, nämlich der Gemeinde Jesu Christi in der Welt. Babylon die Große wird untergehen bei der Wiederkunft des Herrn Jesus Christus am letzten Tag. Das irdische Jerusalem unserer Zeit ist hierbei geographisch betrachtet nur ein Teil von Babylon der Großen, also ein Teil dieses gesamten Weltsystems Satans.

Es ist hin und wieder die Lehre vertreten worden, nach welcher das Babylon der Offenbarung in unserer Zeit identisch sei mit der irdischen Stadt Jerusalem im mittleren Osten. Dies ist jedoch nicht zutreffend, wenn man die entscheidenden Schriftstellen miteinander vergleicht. Das irdische Jerusalem könnte zwar zukünftig für eine kurze Zeit zur politischen und geographischen Hauptstadt des babylonischen Weltsystems aufsteigen, aber es ist nicht identisch mit dem biblischen Babylon. Diese mögliche Vorrangstellung würde das irdische Jerusalem dann auch keinesfalls für 1000 Jahre einnehmen, denn ein tausendjähriges Reich nach der Wiederkunft Christi auf diese Erde existiert nach dem Zeugnis der Schrift nicht. Siehe hierzu auch unseren Text: „Das biblische Millennium und die Endzeit“ unter www.DieLetzteStunde.de. Das neue Jerusalem ist hingegen geistlich, es ist die Hauptstadt des Reiches Gottes, es ist ebenso wie das gesamte Reich nicht von dieser Welt.

Joh 18,36: „Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wäre mein Reich von dieser Welt, so hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde; nun aber ist mein Reich nicht von hier.“

Gal 4,21-31: „Sagt mir, die ihr unter dem Gesetz sein wollt: Hört ihr das Gesetz nicht?
22 Es steht doch geschrieben, dass Abraham zwei Söhne hatte, einen von der [leibeigenen] Magd, den anderen von der Freien.
23 Der von der Magd war gemäß dem Fleisch geboren, der von der Freien aber kraft der Verheißung.
24 Das hat einen bildlichen Sinn: Dies sind nämlich die zwei Bündnisse; das eine vom Berg Sinai, das zur Knechtschaft gebiert, das ist Hagar.
25 Denn »Hagar« bedeutet den Berg Sinai in Arabien und entspricht dem jetzigen Jerusalem, und es ist in Knechtschaft samt seinen Kindern.
26 Das obere Jerusalem aber ist frei, und dieses ist die Mutter von uns allen.
27 Denn es steht geschrieben: »Freue dich, du Unfruchtbare, die du nicht gebierst; brich in Jubel aus und jauchze, die du nicht in Wehen liegst, denn die Vereinsamte hat mehr Kinder als die, welche den Mann hat«.
28 Wir aber, Brüder, sind nach der Weise des Isaak Kinder der Verheißung.
29 Doch gleichwie damals der gemäß dem Fleisch Geborene den gemäß dem Geist [Geborenen] verfolgte, so auch jetzt.
30 Was aber sagt die Schrift? »Treibe die Magd hinaus und ihren Sohn! Denn der Sohn der Magd soll nicht erben mit dem Sohn der Freien«.
31 So sind wir also, Brüder, nicht Kinder der [leibeigenen] Magd, sondern der Freien.“

Hebr 12,22-24: „Sondern ihr seid gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und zu Zehntausenden von Engeln,
23 zu der Festversammlung und zu der Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel angeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten,
24 und zu Jesus, dem Mittler des neuen Bundes, und zu dem Blut der Besprengung, das Besseres redet als [das Blut] Abels.“

 

Das neue Jerusalem wird aus dem Himmel auf die neue und ewige Erde herabkommen, wenn der Herr sein Gericht über die jetzige Erde mit Babylon der Großen gehalten und die neue Erde gegründet haben wird. Der Herr wird auf der neuen Erde mit all seinen Erlösten für immer zusammen sein.

Off 21,1-2: „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer gibt es nicht mehr.
2 Und ich, Johannes, sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabsteigen, zubereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut.“

 

Doch es gibt noch mehr. Die Bibel zeigt uns in Offenbarung 13 die beiden Tiere. Das erste Tier repräsentiert die politische, militärische und wirtschaftliche Macht der Weltsysteme, denen die Christen gegenüberstehen. Das zweite Tier repräsentiert die religiöse Macht, welche mit der politischen Macht zusammenarbeitet. Es macht, dass das erste Tier angebetet wird. In allen korrupten Staatssystemen dieser Welt war es so, dass die religiösen Autoritäten den politischen Autoritäten zuarbeiteten. In Extremfällen ging es soweit, dass Einzelpersonen als Könige und Diktatoren sich in gottgleicher Weise verehren und anbeten ließen. Es waren dies die gottlosen politisch gelenkten und religiös unterstützten Diktaturen, wie wir sie auch während des 20. Jahrhunderts etwa im Nationalsozialismus oder im Kommunismus deutlich erkennen konnten. Zur Zeit des Herrn Jesus war es das römische Kaiserreich, welches exakt nach den gleichen Prinzipien aufgebaut war und funktionierte.

Die dritte Kraft ist somit immer die Hure, die auf dem Tier reitet. Sowohl die politischen als auch die religiösen Mächte haben immer ihren luxuriösen Kult betrieben, um damit den Menschen zu imponieren und sie einzuschüchtern. Eine weitere Bedeutung der Hure ist allgemeiner. Die Hure ist nämlich auch die allgemeine Verführungsmacht des gesamten Weltsystems, welche die Lust der Augen, die Lust des Fleisches und den Hochmut des Lebens anspricht und die Menschen von Gott wegzieht. Hinter all diesen Verführungen steht letztlich eine geistliche Macht, nämlich der Satan. Genau diese Macht ist dann auch das Thema in Hesekiel 28.

In Kapitel 28,1-10 seines Buches muss Hesekiel zu dem Fürsten von Tyrus reden. Es war in der damaligen Situation Ethbaal III. Er ließ sich von seinen Untertanen als Gott verehren. Er war stolz und hochmütig wegen seiner eigenen weltlichen Weisheit und seines Reichtums. Er hatte sein Herz dem Herzen Gottes gleichgestellt (Vers 6). Dies ist das genaue Gegenteil der Gesinnung des Herrn Jesus Christus in

Phil 2,5-6: „Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie es Christus Jesus auch war,
6 der, als er in der Gestalt Gottes war, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein;“

 

In Kapitel 28,11-19 muss Hesekiel ein Klagelied anstimmen, und zwar nicht über den Fürsten, sondern über den König von Tyrus. Ethbaal III war nur ein Mensch, ein Repräsentant des wahren Herrschers über die Stadt Tyrus. Dieser wahre Herrscher wird uns dann genauer beschrieben. In den Versen 12 bis 16 wird er uns als ein wunderbarer Cherub dargestellt, welcher den Thron Gottes beschirmte und infolge seines Stolzes und seines Hochmuts herabgestürzt wurde auf die Erde. Dieses Wesen kann kein Mensch mehr sein. Es ist der Satan. Vers 17 redet über seinen Hochmut, in welchem er sich Gott gleichstellen wollte. Vergleichen wir hiermit Jesaja 14, wo der Prophet das Spottlied über den König von Babel anstimmen muss. Auch hier wieder Tyrus und Babylon.

Es ist der gleiche König in beiden Städten, nämlich der Satan, der gefallene Cherub, der sich der gottlosen menschlichen Herrscher als Werkzeuge und Repräsentanten bedient. Auch in unserer Zeit ist es nicht anders. Der Satan ist der Fürst dieser Welt, der Gott dieses Zeitalters. Er schmeißt sozusagen den Laden in dieser Welt. Dabei kann er jedoch immer nur das tun, was Gott ihm erlaubt, und nicht mehr. Er hat am Ende keine Macht und keinen Bestand, denn er wurde auf Golgatha von dem König der Könige und Herrn der Herren besiegt, von dem Herrn Jesus Christus. Er wird untergehen am letzten Tag und alle seine Nachfolger mit ihm.

Babylon ist gemäß dem soeben Gesagten einerseits im Alten Testament als wirkliche Stadt zu sehen, andererseits im Neuen Testament (Offenbarung) als die große Weltmacht, nämlich als Babylon die Große. Bei Tyrus im Alten Testament liegt die Betonung wie bereits gesagt mehr auf Luxus und Üppigkeit, ähnlich wie bei der großen Hure in Off 17 und 18. Bei Babylon im Alten Testament liegt die Betonung mehr auf politischer, wirtschaftlicher beziehungsweise militärischer Macht und Herrschaft. Ende des Exkurses.

 

 

Kapitel 50

Auf der soeben geschilderten Grundlage möchten wir nun in die Auslegung von Kapitel 50 einsteigen. Wir werden dabei erkennen, dass der Prophet in seinen Worten und Visionen ein ständiges Wechselspiel schildern musste. Seine Worte und Visionen waren gewissermaßen doppelbödig. Hinter dem Wort über das Babylon seiner Zeit schimmert an gewissen Stellen immer wieder das Babylon am Ende der Welt hindurch, also Babylon die Große. Die betreffenden Stellen sind uns durch den Geist Gottes in Form von Schlüsselworten oder Formulierungen angezeigt, welche wir von anderen Stellen der Heiligen Schrift kennen, oder welche uns auf eine geistliche Deutung hinweisen. Wir werden das erkennen, wenn wir den Text Schritt für Schritt durchgehen. Es geht immer wieder hin und her zwischen Babylon und Babylon der Großen. Und nun los.

Babylon war natürlich zu Jeremias Zeit der alles beherrschende Feind. Dies erklärt die Länge der Prophetie, welche die Worte für die übrigen Nationen weit übertrifft. Die Stadt Babylon, die Hauptstadt der Nationen, war die große Gegnerin der Stadt Jerusalem, der Stadt Gottes. In unserer Zeit hat sich daran in geistlicher Betrachtung nichts geändert. Babylon die Große ist bis zum Ende dieser Welt die geistliche Hauptstadt der gottlosen Nationen der Erde, so wie es uns Off 17 und 18 klar zeigen. Ihr gegenüber steht noch immer die Hauptstadt Gottes in dieser Welt und in der Herrlichkeit, nämlich das Jerusalem Gottes, die Gemeinde Jesu Christi. Wir werden in unserer Betrachtung der einzelnen Abschnitte zunächst die historische Linie verfolgen, bevor wir im zweiten Schritt die mehr geistlichen Aspekte aufgreifen werden, sofern es geboten erscheint.

Die Verse 1-3 geben einen kurzen Überblick über die Vernichtung Babylons und den Untergang ihrer Götzen durch die Hand eines Volkes aus dem Norden. Historisch betrachtet waren dies die Meder und Perser, welche ja von Babel aus gesehen nördlich und nordöstlich wohnten. Jes 13,17-22 steht hier parallel. Die Götzenbilder werden zerstört, das Land wird fluchtartig verlassen und völlig entvölkert. In den Versen 9-11 wird das Bild nochmals in etwas veränderter Form aufgegriffen. Die Versammlung großer Völker in Vers 9 ist ebenso wie die Parallelstelle in Jes 13,1-5 von verschiedenen dispensationalistischen Zeitungsauslegern mit der „Operation Wüstensturm“ (Operation Desert Storm) der Amerikaner im ersten Golfkrieg von 1991 gleichgesetzt worden. Diese Auslegung ist jedoch im vorliegenden Text ohne Grundlage und soll hier nicht weiter verfolgt werden. Der Lauf der Geschichte hat wohl inzwischen deutlich gemacht, dass der erste Golfkrieg nicht unmittelbar vom Ende der Welt gefolgt wurde. Man kann hingegen sehr wohl sagen, dass Babylon die Große in Off 18,1-8 am Ende eine sehr ähnliche Verwüstung erfahren wird wie Babylon hier. Somit könnte die Passage geistlich gesprochen sehr wohl auf das Endgericht Gottes mit dem völligen Untergang des heutigen Weltsystems gedeutet werden. Eine derartige Auslegung hätte deutlich mehr Berechtigung.

Dazwischen findet sich in den Versen 4-8 ein Wort des Trostes und der Hoffnung für Israel. Es beginnt wieder mit der vielsagenden Formulierung „In jenen Tagen“, welche fast ohne Ausnahme auf die Zeit des Messias hinweist. Vers 4 erwähnt die Herzensumkehr des Volkes, Vers 5 redet über den ewigen Bund, in den Versen 6-7 lesen wir über den Hirten und seine verirrten Schafe, welche er nach Hause bringt. Vers 8 erinnert uns deutlich an Off 18,4. Die Vorerfüllung dieser Prophetie kam natürlich bei der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft, als das Volk von Hirten (Kyros, Josua, Serubbabel, Esra, Nehemia, Sacharja, Haggai und anderen) nach Hause geführt und in der Wiederherstellung zurecht gebracht wurde.

Die endgültige Erfüllung beginnt Jahrhunderte später beim ersten Kommen des Herrn Jesus Christus. In den Evangelien (vor allem natürlich Joh 10) lesen wir zahlreiche Hirtenworte des Herrn, der seine Schafe sammelt und rettet. Natürlich hat der Herr in seinem Tod und in seiner Auferstehung den neuen und ewigen Bund in seinem Blut aufgerichtet. Hebr 8,8-13 redet über die Erneuerung der Herzen der Gläubigen. Die Christen sind zwar heute noch in der Welt, aber nicht mehr von der Welt. Sie werden in Off 18,4 aufgefordert, in geistlicher Hinsicht das Weltsystem Babylon die Große zu verlassen. Die letzte Erfüllung wird die Wiederkunft des Herrn zum Weltgericht sein, wenn er alle Gläubigen zu sich nehmen und die gesamte Erde im Feuer verbrennen wird.

Die Verse 11-13 geben in sarkastischer Sprache einen Spott über Babel. Die jubelnden Plünderer, die junge Kuh Babylon und die babylonischen Hengste werden ausgerottet werden. Die Mutter Babylons wird zuschanden werden, es wird eine völlige Verwüstung kommen. Die Verse 14-17 fordern die Eroberer Babylons auf, sich in Schlachtordnung aufzustellen und den Kampf durchzuführen. Vers 21 greift den Gedanken erneut auf.

Dazwischen liegt in den Versen 17-20 wieder ein Wort für Israel. Der Assyrer und der babylonische Löwe haben das versprengte Schaf Israel gefressen, und nun wird der Löwe Babylon genauso untergehen wie vor ihm der Assyrer. Das Schaf Israel wird wieder zurückgeführt auf seine Weiden auf dem Karmel, in Basan, in Ephraim und in Gilead. Auch hier wieder ein klarer Ausblick auf die Rückkehr aus der Gefangenschaft. Vers 20 ist erneut eine Vorschau auf das Zeitalter des Messias. Die Sünden werden nicht mehr gefunden werden, denn alles wird einmal vergeben sein.

Die Verse 24-40 geben eine lebendige Schilderung der Kampfhandlungen beim Untergang Babylons. Alles wird zerstört: Die Getreidevorräte, das Vieh, die Häuser, die Menschen. Die jungen Männer Babylons werden fallen, die Frechheit wird enden. Das Schwert wird fressen, die Dürre wird die Verwüstung vollenden. Der Herr der Heerscharen wird seine Stärke zeigen und die Rechtssache seines Volkes Israel führen (Verse 33-34). Ruhe für das Land und das Volk Gottes, Unruhe für die Babylonier. Auch an dieser Stelle schimmert ein endzeitlicher Gedanke durch.

2Thes 1,6-8: „Wie es denn gerecht ist vor Gott, dass er denen, die euch bedrängen, mit Bedrängnis vergilt,
7 euch aber, die ihr bedrängt werdet, mit Ruhe gemeinsam mit uns, bei der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel her mit den Engeln seiner Macht,
8 in flammendem Feuer, wenn er Vergeltung üben wird an denen, die Gott nicht anerkennen, und an denen, die dem Evangelium unseres Herrn Jesus Christus nicht gehorsam sind.“

 

Nach dem Gericht wird es in Babylon aussehen wie in Sodom und Gomorrha. Es wird von der Stadt nichts mehr zu sehen sein. Dies hat sich erfüllt. Der Landstrich des alten Babylon ist bis heute verwüstet. Es gab im Irak am Ende des 20. Jahrhunderts den Diktator Saddam Hussein. Er bezeichnete sich selbst als den neuen Nebukadnezar. Er hatte den Ehrgeiz, die alte Stadt Babylon an ihrem Ort wieder aufzubauen. Das Ergebnis seiner Bemühungen ist eine kleine Ansammlung von Lehmhütten mit einem imitierten Ischtartor, welche als Weltkulturerbe besichtigt werden kann. Kein Mensch lebt darin. Gottes Gerichte sind und bleiben vollkommen. Auch hier sind wieder die Zeitungsausleger aktiv geworden, denn sie haben vorhergesagt, dass noch einmal eine zukünftige Weltstadt Babylon mit weltweiter Schifffahrt (im Inland des Irak!) und Handelsverbindungen entstehen wird, bevor der Herr kommt. Diese bedauerliche Auslegung resultiert aus einem grundlegenden Missverständnis der biblischen Prophetie über Babylon (siehe unseren Exkurs).

Vers 41 bringt ebenso wie Vers 3 wieder das Volk aus dem Norden und rundet zusammen mit den restlichen Versen die Prophetie des Kapitels ab, indem sich der Kreis schließt. Vers 46 wiederholt demzufolge auch den Gedanken von Vers 2. Vers 43 zeigt die Angst des letzten Königs von Babel, welche wir deutlich in Dan 5 bei dem König Belsazar wiederfinden. In Vers 44 stellt Gott sich selbst als einen mächtigen Löwen aus dem Dickicht vor, der die Babylonier vertreibt. Der Löwe aus Juda (Off 5,5) ist nämlich noch viel mächtiger als der babylonische Löwe. Welcher (falsche) Hirte vermag ihm zu widerstehen? Die Herde der Babylonier wird in Vers 45 vollständig bis zum Kleinsten verschleppt werden.

 

 

Kapitel 51

In den Versen 1-5 finden wir erneut das Gericht über Babylon durch die Hand seiner mächtigen Feinde, diesmal aber in Vers 5 unmittelbar verbunden mit der Rettung Israels. Die beiden Dinge werden gleichzeitig geschehen, das eine wird in das andere übergehen am Tag des Gerichts. Dieser Grundgedanke wird das gesamte Kapitel durchziehen, und es werden erneut endzeitliche Bezüge erkennbar werden.

Diese beginnen bereits in den Versen 6-10. Vers 6 ist erneut ein klarer Hinweis auf Off 18,4. Vers 7 erinnert ebenso klar an Off 17,2 und 18,3. Die Verse 8 und 9 beklagen das Gericht, das bis zum Himmel reicht und jammern, weil es kein Heilmittel mehr für Babylon gibt. Hier wird die Verbindung zur Klage der Kaufleute und Seefahrer an verschiedenen Stellen in Off 18 erkennbar. Vers 10 bringt eine Verbindung zum Kommen des Herrn am letzten Tag, wenn er seine Gerechtigkeit und die seiner Erlösten im hellen Licht seiner Erscheinung offenbaren wird. Wir können klar erkennen, dass in dieser Passage im Bild des Gerichts über Babylon das Endgericht über Babylon die Große am letzten Tag unserer Weltzeit durchschimmert. Die Hoffnung Israels in damaliger Zeit ist hier in geistlicher Hinsicht übertragbar auf unsere Hoffnung als Gläubige in der Gegenwart. Auch für uns wird einmal die endgültige Befreiung aus der Weltmacht von Babylon der Großen kommen.

Die Verse 11 und 12 reden wieder über die Meder und stehen parallel zu Jes 13,17ff. Vers 13 bringt die geistliche Verbindung zu der großen Hure an vielen Wassern in Off 17,1. Hier müssen sich die Zeitungsausleger die Frage gefallen lassen, wo denn zukünftig ein weltweit befahrener Tiefseehafen in der Wüste des Zentralirak entstehen könnte, und wo sich dieser Hafen zur Zeit des alten Babylon befunden haben soll. Vers 14 bringt ein Triumphgeschrei. Es ist hier das hebräische „hedad“, also der Jubelruf beim Keltern. Es besteht eine deutliche Verbindung zu

Off 14,17-20: „Und ein weiterer Engel kam hervor aus dem Tempel, der im Himmel ist, und auch er hatte eine scharfe Sichel.
18 Und ein weiterer Engel kam vom Altar her, der hatte Vollmacht über das Feuer; und er wandte sich mit lautem Ruf an den, der die scharfe Sichel hatte, und sprach: Sende deine scharfe Sichel aus und schneide die Trauben des Weinstocks der Erde ab, denn seine Beeren sind reif geworden!
19 Und der Engel warf seine Sichel auf die Erde und schnitt den Weinstock der Erde und warf die Trauben in die große Kelter des Zornes Gottes.
20 Und die Kelter wurde außerhalb der Stadt getreten, und es floss Blut aus der Kelter bis an die Zäume der Pferde, 1 600 Stadien weit.“

 

Der Jubel der zum Gericht versammelten Menschenmenge in Babylon der Großen am Ende wird verstummen, wenn der Herr seinen Engel sendet, um die Kelter seines Zornes zu treten.

Die Verse 15-18 bringen inmitten des Gerichts einen Lobpreis der Herrlichkeit Gottes in seiner Allmacht über die ganze Schöpfung. Viele Stellen aus dem Buch Hiob oder aus den Psalmen könnten hier als Parallelstellen angeführt werden. Der Herr ist unendlich erhaben über die lächerlichen Götzen. Die Verse 19-23 zeigen uns das Volk Gottes als sein Werkzeug, durch welches er die gottlosen Nationen besiegt. Es war damals das irdische Israel gegenüber Babylon. Heute ist es das geistliche Israel Gottes, die Gemeinde Christi, gegenüber dem Weltsystem Babylon der Großen. Damals wurden die Siege Israels mit Waffengewalt erstritten. Heute ist es nicht durch Macht und Kraft, sondern durch den Heiligen Geist, der im Evangelium das Reich Gottes über die ganze Erde verbreitet. Am Ende werden die Gläubigen die Nationen und die Engel richten.

Vers 25 bringt den Berg des Verderbens, den hochragenden Tabor aus 46,18 und sein eigenes Verderben. Gott wälzt ihn von der Höhe hinab und macht ihn zu einem brennenden Berg. Hier auch die Verbindung zu Off 8,8, wo unter der zweiten Posaune ein brennender Berg ins Meer gestürzt wird. Immer wieder in der Geschichte bis hinein in die Gegenwart war es so: Gewaltige Mächte verwüsteten große Teile der Welt und gingen danach selbst unter. Die Großmächte unserer Zeit sind davon nicht ausgenommen. Wenn sie sich nicht unter Gottes Hand beugen, dann wird ihre Stunde kommen.

Vers 26 bringt den Grundstein und den Eckstein. In Babylon ist er nicht zu finden. Wir wissen aber wo er sich befindet. Es ist der Herr Jesus Christus, der Eckstein des Tempels seiner Gemeinde. Auf ihm ist alles gegründet, an ihm richtet sich alles aus. Er ist aus der Wüste gekommen und hat die ewige Herrlichkeit aufgerichtet. Babylon die Große wird am Ende der Weltzeit aus ihrer Üppigkeit und Pracht hinweggenommen und zur Wüste werden. Die Verse 27-33 bringen wieder einen weiteren Ausblick auf die kommende Verwüstung durch die Meder. Dies wurde bereits mehrfach angedeutet.

Ab Vers 34 finden wir schließlich die Klage der Judäer und Gottes Reaktion auf diese Klage. Gott hat die Juden zur Klage aufgefordert (Vers 35), und er wird jetzt handeln. Siehe hierzu auch

Off 8,3-5: „Und ein anderer Engel kam und stellte sich an den Altar, der hatte ein goldenes Räucherfass; und ihm wurde viel Räucherwerk gegeben, damit er es zusammen mit den Gebeten aller Heiligen auf dem goldenen Altar darbringe, der vor dem Thron ist.
4 Und der Rauch des Räucherwerks stieg auf vor Gott, zusammen mit den Gebeten der Heiligen, aus der Hand des Engels.
5 Und der Engel nahm das Räucherfass und füllte es mit Feuer vom Altar und warf es auf die Erde; und es geschahen Stimmen und Donner und Blitze und ein Erdbeben.“

 

Das Handeln Gottes als Reaktion auf die Gebete seiner Gläubigen unter dem siebten Siegel ist ein göttliches Prinzip, welches die Menschheitsgeschichte durchzieht. Babylons Strom wird ausgetrocknet. Es wird zu einem Steinhaufen für die Schakale, in der Schrift an vielen Stellen ein Bild für totale und bleibende Verwüstung. Die jungen babylonischen Löwen werden zu Lämmern auf der Schlachtbank. Das Völkermeer steigt gegen Babylon auf und überschwemmt es (Vers 42). Bel wird heimgesucht und die Mauern fallen.

Vers 45 bringt wieder die Erinnerung an Off 18,4 und den Bezug zur Endzeit. Die Juden sollen und werden aus Babylon ausziehen, die Christen sollen geistlich von der Welt getrennt sein und werden am Ende auch leiblich aus ihr herausgenommen werden. Sie sollen sich nicht erschüttern lassen durch Machtkämpfe, Kriege und Kriegsgerüchte im Land Babel damals und in der Welt heute (Vers 46). Dieser Vers wurde von den Zeitungsauslegern auf den Machtkampf zwischen zwei Königen im Irak um die Mitte des 20 Jahrhunderts angewendet. Er wurde mit der Aliya der Juden aus dem Irak in Verbindung gebracht. Auch diese Auslegung ist bedenklich, denn die Prophetie Jeremias zeigt uns die großen Linien. Sie redet nicht über Einzelpersonen aus noch ferner Zeit (damals 2500 Jahre in der Zukunft), sondern zunächst einmal über die Personen zur Zeit Jeremias. Im damaligen Babylon gab es nämlich in der Zeit vor dem Untergang ebenfalls Machtkämpfe zwischen den letzten Nachfolgern Nebukadnezars, und die Herrscher wechselten sich innerhalb kurzer Zeit ab.

Die Verse 48-49 bringen einen mehr endzeitlichen Blickwinkel, indem sie an Babylon die Große in der Offenbarung erinnern. Die weiteren Verse bis einschließlich Vers 59 bringen dann wieder Einzelheiten des kommenden Gerichts. Vers 58 erinnert an das letzte Trinkgelage Belsazars mit allen seinen Fürsten in Daniel 5. Sie waren trunken und wurden noch in derselben Nacht umgebracht. Sie erwachten nicht mehr aus ihrem Todesschlaf. Das Gleiche wird auch am Tag des Herrn mit den Menschen in Babylon der Großen geschehen, welche in geistlichem Tiefschlaf der Lust der Augen, der Lust des Fleisches und dem Hochmut der Welt gedient haben, ohne an irgendetwas anderes zu denken. Vers 59 bringt ein biblisches Prinzip. Die Völker mühen sich für das Feuer. Am Tag des Herrn wird die ganze Erde mit allen Ihren Werken darauf verbrennen.

Ab Vers 60 bis zum Ende des Kapitels finden wir das Wort Jeremias an Seraja. Im vierten Jahr seiner Regierung unternahm Zedekia eine diplomatische Reise nach Babylon, um den drohenden Untergang vielleicht noch abzuwenden. Die Mission scheiterte. In seiner Begleitung befand sich Seraja, der Sohn Nerijas, des Sohnes Machsejas. Er hatte die Funktion des Quartiermeisters für Zedekias Reisegesellschaft, und er hatte von Jeremia das Gebot erhalten, die Worte der gesamten Prophetie über Babylon in ein Buch zu schreiben. Dieses Buch sollte er in Babylon laut vorlesen und es danach in den Fluss Euphrat versenken. Durch diese Symbolhandlung sollte er den aus Gottes Sicht absolut gewissen Beschluss über Babylon nochmals bekräftigen (Verse 60-64). Das kommende Gericht über Babylon war für Gott absolut endgültig. Niemand weiß genau, wer die Zuhörer Serajas waren. Vielleicht waren es einige Juden in Babylon, vielleicht aber auch einige Babylonier. Man kann noch nicht einmal mit Sicherheit sagen, ob die Babylonier das Gelesene überhaupt verstanden haben. Wahrscheinlich aber doch wenn man einmal annimmt, dass der Text in aramäischer Sprache verfasst war. Seraja führte den Auftrag aus. Er kehrte danach mit Zedekia nach Jerusalem zurück.

 

 

Kapitel 52

Hier finden wir einen historischen Anhang zu dem Buch Jeremia, welcher am ehesten von den Chronisten in der Verbannung des Volkes oder vielleicht auch in der Zeit danach hinzugefügt wurde. Die Verse 1-30 schildern uns nochmals in aller Ausführlichkeit die Einnahme der Stadt durch die Babylonier, das Gericht über Zedekia, die Zerstörung der Stadt und die Wegführung des Volkes. Parallelstellen sind Jer 39,1-10; 2Kö 25,1-21; 2Chr 36,13-21. Es wird uns in den Versen 1-11 Gottes Urteil über Zedekia ebenso geschildert wie der zeitliche Ablauf seines Königtums, die Einnahme der Stadt mit seinem Fluchtversuch, seiner Gefangennahme und seiner Wegführung nach Hamath in Syrien. Dort werden seine Söhne vor seinen Augen ermordet, danach wird er selbst geblendet. Er muss nach Babylon gehen, dort im Gefängnis sterben und in der Fremde begraben werden.

Die Verse 14-30 schildern uns in allen Einzelheiten die Plünderung der Stadt und des Tempels mit der Wegführung des Volkes. Die Geräte und einige Schönheiten des Heiligtums werden uns noch ein letztes Mal geschildert, wobei sogar der Name Salomos noch einmal erwähnt wird. Die beiden prächtigen Säulen des Tempeleinganges werden in Einzelheiten beschrieben. Es ist so als ob Gott in seinem Geist zum letzten Mal die gesamte Zeit des Tempels von seinem Bau bis zu seinem Untergang revuepassieren lässt. Es schmerzt Gott im Inneren seines Herzens, die Stadt und den Tempel richten zu müssen, aber es gibt keinen anderen Weg.

Die Wegführung und Ermordung von insgesamt 74 Personen aus der Stadt durch Nebukadnezar im Land Hamath wird ebenso genau geschildert wie die Wegführung von insgesamt 4600 Seelen aus der Stadt zwischen dem siebten und dem dreiundzwanzigsten Jahr Nebukadnezars. Das Herz Gottes klagt über sein Volk, aber das Gericht muss trotzdem ausgeführt werden.

Die Verse 31-34 führen uns schließlich zu dem geistlichen Hauptkennzeichen dieses letzten Kapitels im Buch Jeremia. Es ist der Gegensatz zwischen Gericht und Gnade. Es ist der Hoffnungsschimmer auf eine kommende Wiederherstellung. Es ist in Gottes Wegen so, dass er auf Gericht die Gnade folgen lässt. Dies wird erkennbar an der Person Jojakins/Jekonjas. Wir erinnern uns an den Konjafluch in Kapitel 22,28-29. Jekonja wurde mit 18 Jahren zum König gemacht, und bereits drei Monate später stand Nebukadnezar zum ersten Mal vor Jerusalem. Der 18-jährige Junge auf dem Thron Israels tat das einzig Richtige, was er tun konnte: Er ergab sich kampflos und ging in die Gefangenschaft. Dies war auf den ersten Blick eine sehr demütigende Szene.

Auf den zweiten Blick tat Jekonja jedoch genau das was Jeremia bereits von Jojakim gefordert hatte. Auch Jekonjas Nachfolger Zedekia wurde von Jeremia wiederholt dazu aufgefordert sich zu ergeben, um nicht die ganze Stadt in die Vernichtung zu führen. Er blieb ungehorsam bis es zu spät war. Jekonjas Kapitulation führte zunächst einmal dazu, dass Nebukadnezar in weiten Teilen Gnade walten ließ und die Stadt nicht zerstörte. Dies war der erste große Segen. Der zweite Segen sollte für Jekonja persönlich noch 37 Jahre auf sich warten lassen. Aber er kam letztendlich doch noch, denn dem Demütigen gibt Gott Gnade. 26 Jahre nach dem Untergang Jerusalems wurde Jekonja im Alter von 55 Jahren aus dem Gefängnis entlassen, und zwar von Nebukadnezars Nachfolger Evil-Merodach. Jekonja erhielt einen beständigen Unterhalt bis zum Ende seiner Tage.

Seine Geschichte erinnert uns an die Geschichte Mephiboseths in 2Sam 9. Mephiboseth wurde in den Konflikt zwischen Saul und David hineingezogen. Nach dem Tod Sauls und der Machtübernahme Davids wurde er um Jonathans willen begnadigt, obwohl er zum Haus Sauls gehörte und an beiden Beinen lahm war. Er hatte absolut nichts zu bieten. Er wurde dennoch aus dem Staub erhöht von einem König David, welcher an diesem Tag seine Feinde liebte und ihnen Gnade erwies. Er durfte von nun an bis zum Ende seiner Tage am Tisch des Königs sitzen und essen.

Es erging ihm so, wie es uns allen bei unserer Errettung ergangen ist. Wir wurden als Blinde und Lahme, als völlig Verlorene im Gefängnis Satans und der Welt dazu berufen, in das Reich des Königs der Könige, des Herrn Jesus Christus, einzutreten. Wir waren Feinde Gottes und sind nun nicht nur zu seinen Dienern, sondern sogar zu seinen Kindern geworden. Auch uns ist ein Tisch bereitet im Angesicht Gottes und unserer Feinde. Wir dürfen für den Rest unserer Tage auf dieser Erde vom Tisch des Königs essen. In der Ewigkeit des neuen Himmels und der neuen Erde werden wir für immer in der Gemeinschaft des Herrn und aller unserer Glaubensgeschwister leben.

Wir werden dort irgendwann auch einmal eine Begegnung mit Jeremia, dem einsamen und leidenden Knecht Gottes aus dem Alten Testament haben dürfen. Er wird uns begegnen in der Stellung, welche Gott in seinem ewigen Reich für ihn vorgesehen hat. Wir werden uns mit Jeremia vereinigen im Lobpreis und im Dank für den Herrn Jesus Christus, der uns allen diese ewige Errettung durch das Blut seines Kreuzes erworben hat. – Maranatha!

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